{"id":1001,"date":"2012-10-14T08:37:12","date_gmt":"2012-10-14T08:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1001"},"modified":"2021-02-21T13:42:14","modified_gmt":"2021-02-21T13:42:14","slug":"hinter-den-kulissen-eines-regimes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/10\/14\/hinter-den-kulissen-eines-regimes\/","title":{"rendered":"Hinter den Kulissen eines Regimes"},"content":{"rendered":"<h3>Ein Blick in den Iran\u00a0 \u2013\u00a0 ein Land voller Gegens\u00e4tze<\/h3>\n<p><strong>Atomprogramm, der schwelende Konflikt mit Israel, Diktatur: All dies pr\u00e4gt unser Bild vom Iran. Das Kulturprojekt \u201eDiscover Iran\u201c hat sich zum Ziel gesetzt, einen differ-enzierteren Blick auf das Land im Mittleren Osten zu werfen. Aus diesem Grund verbrachte ich sechs Wochen im Iran um mit Inlandsreisen die persische Kultur und ihre Sitten besser kennen zu lernen.<\/strong><br \/>\n<em>von Isabell Wutz<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\n\u201eWieso denn Iran?\u201c, fragten mich viele meiner Freunde, als ich erkl\u00e4rte, dass ich dort sechs Wochen verbringen w\u00fcrde. \u201eDa ist es im Moment viel zu gef\u00e4hrlich. Ich w\u00fcrde mich nicht trauen, dort hinzufahren\u201c, war meistens der zweite Kommentar, den ich h\u00f6ren musste. Auch ich habe mir solche Fragen gestellt, denn es war genau die Zeit, als ein Krieg zwischen Israel und Iran in der Luft hing, und was wusste ich schon \u00fcber das gro\u00dfe Land im Mittleren Osten?<br \/>\nDoch meine Abenteuerlust und Neugierde waren viel zu gro\u00df, um auf die unverst\u00e4ndlichen und \u00e4ngstlichen Blicke von Freunden und Familie zu achten. Durch die Studentenorganisation AIESEC hatte ich die M\u00f6glichkeit ein soziales Praktikum zu absolvieren. Mit einem gro\u00dfen Rucksack machte ich mich schlie\u00dflich auf den Weg in die Ferne. Ich wollte ein Land entdecken, von dem die meisten<\/p>\n<figure id=\"attachment_1009\" aria-describedby=\"caption-attachment-1009\" style=\"width: 263px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2012\/10\/11\/hinter-den-kulissen-eines-regimes\/iran4\/\" rel=\"attachment wp-att-1009\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1009\" title=\"Blick von den roten Felsen auf einen Gebirgszug | Bild: Wutz\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/iran4-e1349286782461.jpg\" alt=\"Blick von den roten Felsen auf einen Gebirgszug | Bild: Wutz\" width=\"263\" height=\"175\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1009\" class=\"wp-caption-text\">Blick von den roten Felsen auf einen Gebirgszug | Bild: Wutz<\/figcaption><\/figure>\n<p>von uns kaum etwas wissen. Politische Meldungen \u00fcber Atomprogramme formen unser Bild vom Iran und der Rest bleibt unbeachtet.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Teheran,\u00a0 eine Millionen-Metropole<\/span><\/h3>\n<p>Als ich in Teheran gelandet war, wurde ich von iranischen Studenten in Empfang genommen und lernte sp\u00e4ter auch noch meine internationalen \u201eKollegen\u201c aus Spanien, Portugal und China kennen. Wir konnten es nicht erwarten die Metropole zu erkunden und motiviert machten wir uns auf den Weg. Teheran ist die Heimatstadt von \u00fcber acht Millionen Menschen. Hektischer Verkehr und Dunst bestimmen hier die Stra\u00dfen. Menschenmassen am Wegrand, die nur darauf warten, von einem Taxi mitgenommen zu werden. Neben diesen \u00fcberf\u00fcllten Stra\u00dfen hat Teheran noch viel mehr zu bieten. Am Tage lohnt es sich, in den S\u00fcden Teherans zu fahren, wo es unumg\u00e4nglich ist, sich auf dem gr\u00f6\u00dften Bazar<br \/>\nder Stadt zu verirren. Die kleinen Gassen sind von L\u00e4den auf beiden Seiten ges\u00e4umt.<br \/>\nDer Norden der Stadt ist von einer schneebedeckten Bergkette umgeben, wo man bis in den Mai hinein die iranischen Skiressorts ausprobieren kann. Das Einzige, was Teheran nicht zu bieten hat, sind Nachtclubs. Vergeblich wird man danach suchen. Jedoch kann man in eines der bekannten Shisha-Restaurants gehen und wie schon vor hunderten von Jahren persischen Tabak rauchen. Der Mangel an Clubs soll aber nicht hei\u00dfen, dass die jungen Iraner nicht w\u00fcssten, wie man Partys feiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1006\" aria-describedby=\"caption-attachment-1006\" style=\"width: 268px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2012\/10\/11\/hinter-den-kulissen-eines-regimes\/iran1\/\" rel=\"attachment wp-att-1006\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1006\" title=\"Gruppenfoto | Bild: Wutz\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/iran1-e1349286675454.jpg\" alt=\"Gruppenfoto | Bild: Wutz\" width=\"268\" height=\"178\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1006\" class=\"wp-caption-text\">Gruppenfoto | Bild: Wutz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nur einige Tage nach meiner Ankunft gab es eine Geburtstagsfeier. Sp\u00e4testens hier wurde mir klar, wie \u00e4hnlich sich die Kulturen sind. Egal mit wie vielen Regeln und Gesetzen man leben muss, wie man feiert ist jedem Studenten bekannt. Anstatt wegzugehen am\u00fcsiert man sich eben zu Hause hinter verschlossener T\u00fcr.<br \/>\n\u00dcberrascht von den unerwarteten M\u00f6glichkeiten wie Skifahren im Iran und exzessiven Feiern, war der Zeitpunkt schnell gekommen, alle Vorurteile \u00fcber Bord zu werfen. Die iranische Bev\u00f6lkerung ist im Vergleich zur deutschen sehr jung und genau wie anderswo ist das Leben meiner iranischen Freunde gepr\u00e4gt von Studium, Partys und Diskussionen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Man arrangiert sich mit dem ungewollten Regime<\/span><\/h3>\n<p>Hinter den iranischen Haust\u00fcren ist das Verhalten der Leute vergleichbar mit unserem. Der gro\u00dfe Unterschied ist nur, wie man schon bei der \u201egr\u00fcnen Bewegung\u201c 2009 sehen konnte, dass man dort in einem ungewollten Regime lebt, mit dem man sich arrangieren muss. Verschiedenste Gesetze bestimmen das \u00f6ffentliche Leben und auch ich musste diesen Regeln folgen.<\/p>\n<p>Vor allem als weibliche Person muss man in dem islamischen Staat einige Vorschriften beachten. Eine Frau darf nicht in ein Fu\u00dfballstadion, eine Frau darf nicht Motorrad fahren, eine Frau muss im Bus hinten sitzen. Ob diese Regeln einem gemeinschaftlichen Zweck dienen oder nur ein Zeichen der Macht der Regierung sind, kann jeder selbst entscheiden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Iranerinnen kombinieren High Heels mit Burka<\/span><\/h3>\n<p>Auch ich musste ein Kopftuch und einen\u201eManteau\u201c tragen, ein etwa knielanges Oberteil. Nach einigen Tagen hatte ich mich daran jedoch gew\u00f6hnt. Das Kopftuch ist lediglich ein Schal, den man sich locker \u00fcber den Kopf werfen kann, ohne dass alle Haare dabei bedeckt werden m\u00fcssen. Die Iranerinnen sind sehr auf ihrAussehen bedacht und versuchen ihren modischen Kleidungsstil mit den gesetzlichen Regelungen zu vereinbaren. Neben Frauen in Burka, High Heels und mit geschminkten Gesichtern habe ich mich des \u00d6fteren \u201eunderdressed\u201c gef\u00fchlt.<br \/>\nBei den Vorschriften steht nicht nur die Kleiderordnung im Vordergrund, sondern auch der Umgang zwischen den Geschlechtern. Auch wenn der Kontakt vollkommen untersagt ist, sieht man einige Leute H\u00e4ndchen halten. Sich zu k\u00fcssen ist in der \u00d6ffentlichkeit allerdings absolut tabu, denn eine polizeiliche Kontrolle k\u00f6nnte hinter jeder Ecke warten.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">\u201eEverything is forbidden, but nothing is impossible.\u201c<\/span><\/h3>\n<p>Bei meinem ersten Besuch an der Universit\u00e4t lernte ich, dass diese Regeln dort noch versch\u00e4rfter gelten. Ist bei uns die Universit\u00e4t ein Ort f\u00fcr pers\u00f6nliche Entfaltung, scheint im Iran das Gegenteil der Fall zu sein. Zus\u00e4tzlich<br \/>\nzu einem speziellen schwarzen Kopftuch f\u00fcr Frauen muss man den Kontakt mit dem anderen Geschlecht komplett unterlassen, hier ist auch ein kurzes H\u00e4ndesch\u00fctteln untersagt. Die Studenten halten sich streng daran, um eine Exmatrikulation nicht zu riskieren.<br \/>\nIn der Universit\u00e4t ist die Unfreiheit der Leute deutlich zu sp\u00fcren, jedoch auch der Unwille der Menschen, damit leben zu m\u00fcssen. \u201eEverything is forbidden, but nothing is impossible\u201c, hat ein iranischer Freund zu mir gesagt. Genau nach diesem Konzept leben die Menschen im Iran und regeln ihren Alltag.<br \/>\nDuldsam arrangieren sie sich mit dem Regime \u2013 zumindest bis jetzt.<br \/>\nIch habe ein Land entdeckt, das vor Gastfreundlichkeit gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern und Interesse an anderen Kulturen \u00fcberquillt. Ein Land, das der Au\u00dfenwelt ein Gesicht zeigen muss und eigentlich vollkommen anders lebt. Iran scheint wie ein<\/p>\n<figure id=\"attachment_1005\" aria-describedby=\"caption-attachment-1005\" style=\"width: 281px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2012\/10\/11\/hinter-den-kulissen-eines-regimes\/iran\/\" rel=\"attachment wp-att-1005\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1005\" title=\"Iranische Berglanschaft | Bild: Wutz\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/iran-e1349286614237.jpg\" alt=\"Iranische Berglanschaft | Bild: Wutz\" width=\"281\" height=\"187\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1005\" class=\"wp-caption-text\">Iranische Berglanschaft | Bild: Wutz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eisberg, von dem wir nur einen Bruchteil zu sehen bekommen. Der Rest scheint versteckt hinter Vorschriften, politischen Entscheidungen und vielleicht oft einseitigen Darstellungen.<br \/>\nWagt man einen Blick \u00fcber die mediale Berichterstattung hinaus, erwarten einen eine alte Kultur und moderne Menschen. Verborgen hinter dem iranischen Regime leben Menschen wie du und ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick in den Iran\u00a0 \u2013\u00a0 ein Land voller Gegens\u00e4tze Atomprogramm, der schwelende Konflikt mit Israel, Diktatur: All dies pr\u00e4gt unser Bild vom Iran. 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