{"id":10068,"date":"2017-10-31T08:00:21","date_gmt":"2017-10-31T07:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10068"},"modified":"2017-10-31T08:00:21","modified_gmt":"2017-10-31T07:00:21","slug":"ich-will-lernen-aber-die-bib-laesst-mich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/10\/31\/ich-will-lernen-aber-die-bib-laesst-mich-nicht\/","title":{"rendered":"Ich will lernen, aber die Bib l\u00e4sst mich nicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Immer wieder aufs Neue ist unsere Autorin \u00fcberrascht, wenn sie vor den verschlossenen T\u00fcren der Universit\u00e4tsbibliothek steht. So auch heute. Dass die Bibliothek nicht jeden Tag und rund um die Uhr ge\u00f6ffnet ist, ist unzeitgem\u00e4\u00df und m\u00fcsste so nicht sein. Beispiele von anderen Universit\u00e4ten zeigen, dass es auch anders geht. Ein Kommentar.\u00a0<\/em> <\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, mein Laptop ist kaputt. Und nein, das WLAN in meiner WG funktioniert momentan nicht. Vielleicht trifft es mich deshalb besonders hart, dass die Universit\u00e4tsbibliothek zwei Tage \u201eUrlaub\u201d hat. Vielleicht bin ich genau deshalb gerade so sauer. Aber eigentlich hat mich das dieses Jahr auch schon an Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und all den anderen Tagen, an welchen die Universit\u00e4tsbibliothek geschlossen war, gest\u00f6rt. An diesen Tagen hatte ich sogar einen Laptop und WLAN. Heute und morgen sind es jetzt eben der Reformationstag und Allerheiligen, die mich daran hindern, meinen Tag in der Bib zu verbringen.\u00a0 Das h\u00f6rt sich jetzt vielleicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig streberhaft an, aber es ist tats\u00e4chlich so: Ich hatte fest mit diesen zwei Tagen gerechnet. Es ist ja nicht so, dass sich durch zwei Feiertage auch die Fristen f\u00fcr Abgaben nach hinten verschieben, oder dass ich Schlie\u00dfungstage der Bibliothek als Entschuldigung f\u00fcr sp\u00e4teres Abgeben verwenden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder kommt dieser Aufsteller in der Bib f\u00fcr mich \u00fcberraschend: \u201eDie UB ist an diesem und jenen Tag komplett geschlossen.\u201d Immer wieder aufs Neue rechne ich nicht damit. Warum? Es ist nicht zeitgem\u00e4\u00df und es passt mir \u00fcberhaupt nicht in den Kram. Und ich glaube, dass es besser geht. Ja nat\u00fcrlich, die vergangenen Semester habe ich auch mit den rund 20 Schlie\u00dfungstagen im Jahr \u00fcberstanden. Ich kann mich arrangieren. Und ich musste mich die vergangenen Semester auch arrangieren. Wenn ich da nur nicht die Vorstellung davon im Kopf h\u00e4tte, dass es auch anders ginge \u2013 und wenn ich nicht w\u00fcsste, dass andere Universit\u00e4ten da bereits viel fortschrittlicher unterwegs sind, mehr an den Studierenden orientiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10073\" aria-describedby=\"caption-attachment-10073\" style=\"width: 504px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_1731.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10073 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_1731-e1509056056791-504x672.jpg\" alt=\"\" width=\"504\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10073\" class=\"wp-caption-text\">Die Universit\u00e4tsbibliothek ist geschlossen. Na toll. Foto: Lisa Becke<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falls der Grund f\u00fcr die Schlie\u00dfung ist, dass das Bibliothekspersonal frei haben soll: Darum geht es mir \u00fcberhaupt nicht. Ich brauche an diesen Tagen keine pers\u00f6nliche Rundum-Betreuung. Was ich brauche sind Internetzugang, die B\u00fccher, ein Drucker \u2013 und einen Kaffeeautomaten. Deshalb: Alles was ich will, ist, dass sich diese gl\u00e4serne T\u00fcr am Eingang auch an Tagen wie heute und morgen \u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn, dass ich diesen Kommentar schreibe, bedeutet nicht, dass ich 365 Tage im Jahr in der Bibliothek sitze. Aber es bedeutet, dass ich mir meine Zeit zum Lernen frei einteilen will. Zeit, die ich zwischen Studium, Nebenjob und unter anderem dem Schreiben f\u00fcr die Kupferblau aufteile. Da f\u00e4nde ich es gut, wenn meine Planung nur von Stunden- und Dienstpl\u00e4nen und nicht auch von Bibliotheks\u00f6ffnungszeiten abh\u00e4ngen w\u00fcrde. Und gerade an solchen Feiertagen wie heute bietet sich ein \u201eBib-Tag\u201d an. Da ich keine regul\u00e4ren universit\u00e4ren Veranstaltungen besuchen muss, habe ich mehr Zeit, um am St\u00fcck zu Lernen oder an einer Hausarbeit zu feilen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">An zwei H\u00e4nden kann ich nicht mehr abz\u00e4hlen, wie oft ich schon vom Gong um kurz vor 24 Uhr aus der Bib gezwungen wurde.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist der Grund f\u00fcr die geschlossenen Pforten der Bibliothek? Die gesetzlichen Feiertage des Landes Baden-W\u00fcrttemberg. Das sind mehrheitlich christliche Feiertage. Und ohne, dass ich eine gro\u00dfe national-identit\u00e4ts-kulturell-assilimatorische Diskussion lostreten m\u00f6chte \u2013 wenn mich, mit zumindest christlichem Hintergrund, die Schlie\u00dfung der UB schon so st\u00f6rt: Wie ist das dann erst f\u00fcr jemanden, der an solchen Tagen wie heute und morgen \u00fcberhaupt nichts besonderes sieht, weil es nicht seinem kulturellen Hintergrund entspricht? Was sollte einen Nicht-Christen daran hindern, den Pfingstmontag oder Karfreitag beim Studieren in der Bibliothek zu verbringen? In T\u00fcbingen hindern ihn die \u00d6ffnungszeiten der Bibliothek, wohlgemerkt. Und dabei ist ja noch nicht einmal bedacht, dass f\u00fcr die mehrheitlich jungen Studierenden christliche Feiertage sowieso an Bedeutung verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich geht die Frage nach den \u00d6ffnungszeiten der Bibliothek aber \u00fcber die Feiertage hinaus. An zwei H\u00e4nden kann ich nicht mehr abz\u00e4hlen, wie oft ich schon vom Gong um kurz vor 24 Uhr aus der Bib gezwungen wurde. Vor einer Abgabe muss eine Nachtschicht eben manchmal sein. Und an manchen Tagen beziehungsweise N\u00e4chten will ich auch nach 24 Uhr noch an etwas arbeiten. Ich kenne andere, die sind noch viel verr\u00fcckter unterwegs, was den Schlaf-Wach-Rhythmus angeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klar, ich k\u00f6nnte auch zu Hause lernen. Aber in der Bib lerne ich am Besten. Und daf\u00fcr ist sie ja auch da. An der Universit\u00e4t bin ich, um zu lernen. Deshalb erwarte ich, dass die Universit\u00e4tsbibliothek auch dann ge\u00f6ffnet hat, wenn ich lernen will. Vielleicht sind das zu hohe Anspr\u00fcche. Aber ich finde eigentlich nicht. Das zeigen die Beispiele von anderen Unis. Unis, welche jeden Tag der Woche und rund um die Uhr ge\u00f6ffnet sind. Ein Tr\u00e4umchen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daf\u00fcr muss man gar nicht so weit weg. Nur eine Stunde nordwestliche Richtung an die Bibliothek des Karlsruher Instituts f\u00fcr Technologie zum Beispiel. Diese hat rund um die Uhr ge\u00f6ffnet. Es ist in der Regel so: Es gibt bestimmte Servicezeiten und au\u00dferhalb dieser kommt man mit dem Studentenausweis ins Geb\u00e4ude. So auch in Freiburg, Konstanz oder Leipzig. Und dieses Angebot wird genutzt: Am <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/03\/S-Bibliotheken\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ersten Weihnachtsfeiertag 2012 waren um 18 Uhr immerhin 62 Personen in der Leipziger Campus-Bibliothek<\/a>. Diese rund-um-die-Uhr-\u00d6ffnungszeiten sind zwar (bis jetzt noch?) die Ausnahme in Deutschland \u2013 aber im Sinne der Studierenden sollte sich da schnell etwas \u00e4ndern. Bevor ich mit dem Studium in T\u00fcbingen fertig bin, wird das vermutlich nicht passieren. Aber f\u00fcr den Master suche ich mir eine Uni, an welcher ich 24\/7 in der Bib abh\u00e4ngen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelfoto<\/span>: Paul Mehnert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder aufs Neue ist unsere Autorin \u00fcberrascht, wenn sie vor den verschlossenen T\u00fcren der Universit\u00e4tsbibliothek steht. So auch heute. 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