{"id":10143,"date":"2017-11-09T13:41:57","date_gmt":"2017-11-09T12:41:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10143"},"modified":"2017-11-09T13:41:57","modified_gmt":"2017-11-09T12:41:57","slug":"us-medien-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/11\/09\/us-medien-in-der-krise\/","title":{"rendered":"US-Medien in der Krise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Donald Trump stellt Zeitungen und Fernsehsender in den Vereinigten Staaten vor ein Dilemma. Wie geht man mit dem Narzissten im Wei\u00dfen Haus um, den Kritik nur zu best\u00e4rken scheint? \u00dcber diese und andere Herausforderungen f\u00fcr die US-amerikanische Medienlandschaft sprach Damian Radcliffe am Mittwochabend im Deutsch-Amerikanischen Institut.<\/em> <\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weit \u00fcber die Grenzen der USA hinaus dominiert Donald Trump regelm\u00e4\u00dfig die Schlagzeilen. Oftmals ist Politik dabei zweitrangig: Skandale rund um seine Person sind zur Normalit\u00e4t geworden. Die frauenverachtende Aussage \u201eGrab them by the pussy\u201c ist ein Beispiel, das den meisten im Ged\u00e4chtnis geblieben ist. Von den etablierten Medien wird er f\u00fcr seine Ausf\u00e4lle regelm\u00e4\u00dfig scharf kritisiert. Im Gegenzug nennt er Medienh\u00e4user wie CNN \u201eFake News\u201c, zu politischen Themen \u00e4u\u00dfert er sich sowieso am liebsten auf Twitter. Trotzdem r\u00e4umten Zeitungen und Fernsehsender Trump w\u00e4hrend seiner Kampagne mehr \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit ein als jemals einem Pr\u00e4sidentschaftskandidaten zuvor. Ohne diese kostenlose Werbung im Milliardenwert w\u00e4re er nicht amerikanischer Pr\u00e4sident geworden. Auch die Medien profitieren: Trump bringt hohe Quoten und Auflagen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10148\" aria-describedby=\"caption-attachment-10148\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10148 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DAI1-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10148\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfes Interesse im DAI: Es kamen so viele Besucher, dass vor der Pr\u00e4sentation noch mehr St\u00fchle aufgestellt werden mussten.<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Kein Vertrauen von den B\u00fcrgern<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese ungew\u00f6hnliche Symbiose beobachtet Damian Radcliffe kritisch. Das Fernsehen und andere Medien sollten sich fragen, ob sie w\u00e4hrend des Wahlkampfes richtig gehandelt haben, meint der Journalistik-Professor von der University of Oregon. Er hat acht Jahre lang f\u00fcr den Radiosender BBC gearbeitet und kennt sich gut mit der amerikanischen Medienlandschaft aus. Von den Herausforderungen, mit denen die sich derzeit konfrontiert sieht, erz\u00e4hlt er dem gespannten Publikum selbstbewusst und rhetorisch gewandt. So erkl\u00e4rt er den Einfluss von \u201eFake News\u201c auf die amerikanische \u00d6ffentlichkeit. Hundertausende Internetnutzer lasen w\u00e4hrend des Wahlkampfes 2016 im Internet Nachrichtenmeldungen wie diese: \u201ePope Francis Shocks World, Endorses Donald Trump for President, Releases Statement.\u201c Fake News sind schlicht falsch, lassen sich aber oft kaum von echten Nachrichten unterscheiden. \u201eAuff\u00e4llig ist es, wie einfach man heutzutage Fake News produzieren und verbreiten kann\u201c, meint Radcliffe. Auch problematisch sieht er das Ph\u00e4nomen der sogenannten \u201eFilter Bubbles\u201c. Durch diesen Begriff wird bezeichnet, dass in den Newsfeeds der Nutzer von Internetriesen wie Google und Facebook immer mehr personalisierte Inhalte auftauchen. So bleiben Netzkonsumenten in ihrer eigenen kleinen \u201eBlase\u201c und werden selten mit gegens\u00e4tzlichen Meinungen und Perspektiven konfrontiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Vertrauen der B\u00fcrger in die Medien sinke dramatisch, meint Radcliffe. Die Zahlen sprechen daf\u00fcr: <a href=\"https:\/\/zogbyanalytics.com\/news\/822-the-zogby-poll-nearly-half-of-voters-do-not-trust-the-mainstream-media?utm_content=buffer07bca&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=twitter.com&amp;utm_campaign=buffer\">48% der Wahlberechtigten US-Amerikaner vertrauen den etablierten Medien nicht. Unter W\u00e4hlern der Republikanern liegt die Zahl sogar bei 69%.<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_10149\" aria-describedby=\"caption-attachment-10149\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10149 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DAI-2-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10149\" class=\"wp-caption-text\">Charisma und Wortgewandtheit sichern Damian Radcliffe die Aufmerksamkeit der Zuh\u00f6rer.<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Lokaljournalisten an vorderster Front<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der geb\u00fcrtige Brite bezeichnet sich selbst als Optimist, und hat deshalb auch einige Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den Umgang mit der Krise dabei. Lokaljournalisten seien an der vordersten Front wenn es darum gehe, das Vertrauen zur\u00fcck zu gewinnen. In Gespr\u00e4chen mit B\u00fcrgern k\u00f6nnen sie \u201eVertreter der gesamten Branche sein\u201c, so Radcliffe. Mit Seiten wie <a href=\"https:\/\/www.allsides.com\/\">Allsides<\/a> k\u00f6nne man au\u00dferdem \u201eFilter Bubbles\u201c entgegen wirken. Auf Allsides werden verschiedene politische Ausrichtung nebeneinander gestellt. Zu wichtigen Nachrichten kann der Leser zwischen drei Artikeln ausw\u00e4hlen, unterteilt werden diese in \u201eleft\u201c, \u201eright\u201c und \u201ecenter\u201c. So soll aufgezeigt werden, wie unterschiedlich Ereignisse wahrgenommen werden, je nach dem, aus welcher Perspektive man sie betrachtet. Auch in sogenanntem \u201eSolutions Journalism\u201c sieht er eine Chance. Das ist Journalismus, der sich nicht auf Probleme an sich, sondern vor allem auf die L\u00f6sung von Problemen konzentriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz allem Optimismus haben die amerikanischen Medien f\u00fcr Radcliffe noch einen steinigen Weg vor sich: \u201eEs wird nicht einfach. Wir werden hart arbeiten m\u00fcssen, um das Vertrauen zur\u00fcck zu gewinnen.\u201c Auf die Frage, ob er Donald Trump Chancen einr\u00e4umt, 2020 wiedergew\u00e4hlt zu werden, antwortet er nur mit einem trockenen \u201eJa.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donald Trump stellt Zeitungen und Fernsehsender in den Vereinigten Staaten vor ein Dilemma. 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