{"id":10166,"date":"2017-11-11T18:41:21","date_gmt":"2017-11-11T17:41:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10166"},"modified":"2017-11-11T18:41:21","modified_gmt":"2017-11-11T17:41:21","slug":"wie-kann-man-sich-nur-so-hart-goennen-poetry-slam-in-der-uni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/11\/11\/wie-kann-man-sich-nur-so-hart-goennen-poetry-slam-in-der-uni\/","title":{"rendered":"Wie kann man sich nur so hart g\u00f6nnen? &#8211; Poetry Slam in der Uni"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Lange erwartet und nun endlich eingetreten: ein T\u00fcbinger H\u00f6rsaalslam! Am Freitagabend dr\u00e4ngten sich Freunde der Wortakrobatik und des Geschichtenerz\u00e4hlens in den ausverkauften H\u00f6rsaal des Kupferbaus. Bei dem Dichterwettstreit traten acht verschiedene Poeten und Poetinnen gegeneinander an, um das Publikum mit am\u00fcsanten und auch ernsten Themen f\u00fcr sich zu gewinnen.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein Anblick, der jeden Dozierenden blass vor Neid machen w\u00fcrde: Dicht an dicht gedr\u00e4ngt sitzen Studierende in den Reihen des H\u00f6rsaals 25, manche teilen sich zu zweit einen Platz, andere stehen seitlich im Gang. \u201eWir wollten den H\u00f6rsaal mal anders nutzen, das \u00fcbliche Setting brechen\u201c, beschreibt der Mit-Organisator Jonathan L\u00f6ffelbein, welcher das Publikum an diesem Abend zusammen mit Jean-Philippe Kindler durch den Ablauf leitet. Die beiden Studenten slammen selber bereits seit zwei Jahren. An diesem Abend freue er sich allerdings besonders \u00fcber die Chance, ganz in Ruhe zuzuh\u00f6ren, meint Jean-Philippe. In Zusammenarbeit mit dem Seminar f\u00fcr Allgemeine Rhetorik ist durch die Hilfe der beiden das m\u00f6glich geworden, was in anderen Studentenst\u00e4dten teilweise schon die Regel ist: Poetry Slam in der Uni!<\/p>\n<h3>Urschw\u00e4bische und \u201einternationale\u201c Interpreten<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bei jedem Poetry Slam d\u00fcrfen nur selbstgeschriebene Texte vorgelesen werden, \u00fcber die das Publikum dann durch eigene Applauslautst\u00e4rke entscheiden darf. Das Line-up wurde eingeleitet durch eine schw\u00e4bische Version des Soft-Pornos \u201e50 Shades of Grey\u201c, inbr\u00fcnstig vorgelesen von Florian D\u00fcrr. Die folgenden acht K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen kommen aus allen Teilen Deutschlands, zwei Slammer sind sogar aus Wien angereist. Ihre Wortwelten sind so vielf\u00e4ltig wie ihre Herkunftsorte: Von Mimimi-Konstruktivismus und einem er\u00f6rternden Essay zu der Frage, wie man sich nur so hart g\u00f6nnen kann (Noah Klaus) \u00fcber einen schnell zwischengeschobenen Diss-Rap an WG-Mitbewohner (Jonas Scheiner) hin zu Menstruationstassentupperpartys (Leticia Wahl).<\/p>\n<figure id=\"attachment_10169\" aria-describedby=\"caption-attachment-10169\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10169 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Ho\u0308saal-Slam-November-2017-c-Jakob-Kielga\u00df-106852-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10169\" class=\"wp-caption-text\">Requisiten und Kost\u00fcme sind beim Poetry Slam verboten, nur ein Zettel darf als Hilfsmittel genutzt werden &#8211; f\u00fcr Letitia Wahl und ihre Mitstreiter ist das kein Problem.<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>\u00dcberzeugende Alltagsthemen<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Text der Marburgerin Leticia \u00fcber ihr Menstruationsleiden kommt durch seine unverbl\u00fcmte Ehrlichkeit und genialen Wortwitze auch beim m\u00e4nnlichen Publikum gut an. Zusammen mit Johannes Floehr aus der verkannten Metropole Krefeld und Martin Suckut aus Konstanz und schafft sie es ins Finale. Letzterer kann den Dichter-Wettstreit am Ende des Abends f\u00fcr sich entscheiden. Der Finalist aus den deutschsprachigen Slammeisterschaften 2016 \u00fcberzeugte in der ersten Runde mit Ersti-Tipps wie diesem: \u201eJeder im 5. Semester wei\u00df, dass man f\u00fcr eine gute Hausarbeit nur zwei N\u00e4chte, f\u00fcnf Liter Kaffee und zehn Gramm Gras braucht\u201c. Sein zweiter Text philosophierte \u00fcber den Zwang der Menschen sich als einmalig und besonders anzusehen, wobei wir dieses Schicksal doch alle gemeinsam teilen. Zu Gewinnen gibt es eine Flasche Noname-Gin, die aber eher symbolisch \u00fcberreicht wird. Der Applaus des Publikums und die gute Stimmung ist wie bei jedem Poetry Slam der eigentliche Anreiz, mitzumachen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10170\" aria-describedby=\"caption-attachment-10170\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10170 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Ho\u0308saal-Slam-November-2017-c-Jakob-Kielga\u00df-106864-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10170\" class=\"wp-caption-text\">Trotz Enge ist das Publikum genauso gut gelaunt wie die beiden Moderatoren des Abends.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leicht ersch\u00f6pft vom vielen Klatschen und Rufen verlassen die T\u00fcbinger Studierenden dann um kurz nach zehn das Geb\u00e4ude. Der n\u00e4chste H\u00f6rsaalslam wird vermutlich im April stattfinden. Auch dann wird es bestimmt wieder ratsam sein, sich rechtzeitig Karten zu besorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis dahin findet im Schlachthaus einmal monatlich ein Poetry Slam statt. Hier findet alle Infos zu T\u00fcbinger Poetry Slams: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Poetry-Slam-T%C3%BCbingen-1817742448485874\/\">https:\/\/www.facebook.com\/Poetry-Slam-T%C3%BCbingen-1817742448485874\/<\/a><\/p>\n<p>Und f\u00fcr alle die noch nicht genug haben folgen hier weitere einmalige Zitate aus zweieinhalb Stunden geballerter Wortkunst:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eHeiliges Blechle, isch des \u00e4 Ger\u00e4t\u201c (50 Shades of Flo)<\/li>\n<li>\u201eZusammen ist man mehrere.\u201c (Johannes Floehr)<\/li>\n<li>\u201eEs gab eine Zeit, da hatten wir Ideen wie Meilen und waren bereit, sie mit den anderen zu teilen.\u201c (Jonas Scheiner)<\/li>\n<li>\u201eMal \u00fcber den eigenen Tellerrand hinausessen!\u201c (Johannes Floehr)<\/li>\n<li>\u201eDieses Lied ist wie meine Menstruation: \u00dcberfl\u00fcssig und l\u00e4uft immer noch.\u201c (Leticia Wahl)<\/li>\n<li>\u201eZukunft ist gut f\u00fcr uns alle.\u201c (Johannes Floehr)<\/li>\n<li>\u201eG\u00f6nnito ergo sum.\u201c (Noah Klaus)<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Jakob Kielga\u00df<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange erwartet und nun endlich eingetreten: ein T\u00fcbinger H\u00f6rsaalslam! 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