{"id":10210,"date":"2017-11-22T08:47:34","date_gmt":"2017-11-22T07:47:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10210"},"modified":"2017-11-22T08:47:34","modified_gmt":"2017-11-22T07:47:34","slug":"ein-wahnsinnsgefuehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/11\/22\/ein-wahnsinnsgefuehl\/","title":{"rendered":"\u201eEin Wahnsinnsgef\u00fchl!&quot;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Sie studiert an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen Sport und Geschichte auf Lehramt und ist die schnellste 400m-H\u00fcrdenl\u00e4uferin Deutschlands. Jackie Baumann erz\u00e4hlt Kupferblau von ihrem Alltag unter der Doppelbelastung, ihren Erfahrungen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und warum sie in T\u00fcbingen besonders gl\u00fccklich ist.<\/strong> <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jackie Baumann, wie sieht im Moment dein Alltag aus? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Alltag ist momentan nicht so alltagsm\u00e4\u00dfig, weil ich gerade an einer Schule bin und dort mein Praxissemester mache. Deshalb ist mein Alltag gerade etwas durcheinandergeworfen und durchaus stressiger als sonst. Im Moment ist es so, dass ich versuche, einmal am Tag in der Schule zu sein, was auch nicht immer ganz so einfach ist, weil ich zus\u00e4tzlich zu T\u00fcbingen auch in Stuttgart trainiere. Aber ich habe eine Schule gefunden, mit der man reden kann und ich glaube nicht, dass ich mit den geforderten Leistungen ein Problem haben werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Wenn du nicht im Praxissemester bist, hast du dann viele Wochenstunden oder kannst du dir die Kurse lockerer legen?<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch, dass ich auf Lehramt studiere und das nicht so sehr \u201everschult\u201c ist, kann ich es besonders in Geschichte relativ frei w\u00e4hlen und mir so auch die Stunden recht frei legen. Ich habe den Vorteil, dass mir die Veranstaltungen, die ich besuchen m\u00f6chte, auch gegeben werden, das ist nicht immer so der Fall. Das ist mein \u201eBonus\u201c, aber ansonsten w\u00fcrde ich sagen, dass ich im Rahmen des M\u00f6glichen normal studiere und immer so zwischen zw\u00f6lf und 16 Wochenstunden bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Wenn eine Pr\u00fcfung in die Wettkampfzeit f\u00e4llt, unterst\u00fctzt dich die Universit\u00e4t dann und l\u00e4sst dich nachschreiben?<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube schon, aber ich versuche so wenig Ausnahmen wie m\u00f6glich zu machen. Ich finde viele Dinge lassen sich auch einfach nebeneinander organisieren. Ich versuche, das Meiste so zu regeln wie andere Studenten auch und nur in F\u00e4llen, wo es gar nicht geht, eine Ausnahme zu machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10213\" aria-describedby=\"caption-attachment-10213\" style=\"width: 936px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10213 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild-1-936x672.jpg\" alt=\"\" width=\"936\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10213\" class=\"wp-caption-text\">Dem \u201eSportlerzirkus\u201c auch mal entkommen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Du verbringst in der Vorbereitung viel Zeit in Trainingslagern, wie klappt das bei dir mit den Fehlzeiten?<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe den Vorteil, dass ich nie krank bin. Das hei\u00dft, ich hebe mir meine zwei Fehlzeiten f\u00fcr solche Sachen auf. Es geht im Sommersemester nie auf, ich brauche meistens so drei, vier Fehlzeiten. Bei mehr w\u00fcrde ich dann wahrscheinlich irgendwann Probleme bekommen. Die meisten Leute lassen mit sich reden, in Sport ist es sowieso kein Problem. In Geschichte ist es etwas schwieriger, da muss ich erstmal erkl\u00e4ren, was ich eigentlich tue. Manchmal muss man etwas extra machen, aber in den meisten F\u00e4llen ist es so, dass es geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Wissen deine Kommilitonen, was du neben der Uni so machst?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meistens ist es unvermeidbar, es nicht zu sagen. Ich habe letztes Jahr f\u00fcr mich selbst lernen m\u00fcssen, stolz zu sein auf das, was man erreicht und dazu geh\u00f6rt auch, dass man es offen kommuniziert. F\u00fcr manche wirkt das vielleicht arrogant, wenn man das so erw\u00e4hnt. Aber es ist ein Teil von mir und oft einfach nicht vermeidbar, allein wenn ich dann fehle, dass die Kommilitonen erfahren wo ich bin. Und dass sie Interesse zeigen, ist ja auch was Positives.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Wenn es im Sport mal R\u00fcckschl\u00e4ge gibt, ist dann das Studium so etwas wie dein Ausgleich?<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das ist auch mit der Grund, warum ich gesagt habe, ich will kein Sport-Profi sein. Ich bin ein Kopfmensch und es hilft, wenn man einen Alltag hat, der nicht nur aus Sport besteht, sondern einen auch immer wieder zwingt, aus diesem Sportlerzirkus zu entkommen. Man wei\u00df nie wie lang Spitzensport gutgeht. Ich denke, maximal noch zehn Jahre. Und danach ist es ja nicht so, dass mein Leben aufh\u00f6rt, sondern wahrscheinlich erst anf\u00e4ngt. Deshalb bin ich der Meinung, dass man sich schon fr\u00fch Gedanken machen sollte, was man danach macht und ich habe mit dem Lehrerberuf etwas gefunden, was mich ausf\u00fcllt. Das gibt mir viel Sicherheit, auch im Sport.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10214\" aria-describedby=\"caption-attachment-10214\" style=\"width: 639px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10214 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild-2.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"428\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10214\" class=\"wp-caption-text\">Leistungssport und Unialltag \u2013 da bleibt wenig Zeit f\u00fcr andere Hobbys.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Wann hast du gewusst, du willst mal bei internationalen Meisterschaften dabei sein?<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte ganz fr\u00fch einen Traum. Sobald feststand, dass die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind, wollte ich dort unbedingt hin. Das war immer so unerreichbar. Das Schlimme ist eigentlich, dass ich das erreicht habe und es nie richtig wertgesch\u00e4tzt habe. Ich glaube, einen Spitzensportler zeichnet es aus, dass er sich vorstellen kann, Weltmeister zu sein. Wenn man sich das nicht vorstellen kann, dann ist der Weg dahin viel zu steinig, als dass man ihn in der Konsequenz geht. Deshalb glaube ich, wird schon fr\u00fch entschieden, ob man der Typ daf\u00fcr ist, Spitzensportler zu sein. Und dann kommt es auch darauf an, dass man bereit ist, sehr viel zu investieren und daf\u00fcr manchmal sehr wenig zur\u00fcckzubekommen. Ich wei\u00df, dass ich das habe, und es ist auf jeden Fall mein Ziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Wie war es f\u00fcr dich bei den Olympischen Spielen dabei zu sein?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Olympischen Spielen hatte ich sehr mit meiner Psyche und der Nervosit\u00e4t zu k\u00e4mpfen, bei der Weltmeisterschaft (in London im August 2017, Anm. d. Redaktion) war es besser, auch wenn es am Ende nicht ganz so zusammengelaufen ist, wie ich das gerne h\u00e4tte. Aber es ist schon ein Wahnsinnsgef\u00fchl, wenn man in dieses Stadion reinkommt und sei es nur f\u00fcr eine Sekunde mal den Blick hebt und 60.000 Menschen da sitzen sieht. Das ist das, was mich total entfesselt hat und was mir auch einfach etwas zur\u00fcckgibt, das ist alles wof\u00fcr man arbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Was sind deine n\u00e4chsten Ziele?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will mir den deutschen Meistertitel zur\u00fcckholen, das ist dann nat\u00fcrlich der erste Schritt in Richtung Europameisterschaft. Bei der EM w\u00fcrde ich gerne das abrufen, was ich im Moment kann und das w\u00fcrde f\u00fcr mich bedeuten, dass es eine Runde weitergeht. Ein Turnier kann man nicht planen, ich w\u00fcrde gerne einfach Runde f\u00fcr Runde das abrufen, was ich kann und dann muss man schon einiges tun, um dort ins Finale zu laufen, denn in Europa ist es gerade nicht einfach \u00fcber diese Disziplin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Du bist in T\u00fcbingen aufgewachsen, hast dein Abitur gemacht und studierst jetzt auch hier. K\u00f6nntest du dir vorstellen, irgendwann mal f\u00fcr den Sport die Stadt zu wechseln?<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also f\u00fcr den Sport die Stadt zu wechseln ist gar nicht so einfach, da es f\u00fcr mich im Umkreis keine zufriedenstellende Alternative gibt. Das Team funktioniert und darum gehts im Sport: sich darauf zu verlassen, was man hat. Aus einer Stabilit\u00e4t heraus hat man irgendwann die besten Leistungsentwicklungen. Auf der anderen Seite ist T\u00fcbingen eine Stadt, die einem extrem viel zur\u00fcckgibt. Eine Stadt, die nicht so riesig ist, aber gro\u00df genug, dass man sie als Stadt bezeichnen kann. Und dieses Gef\u00fchl von Heimat ist etwas, was man als Sportler so wenig hat, wenn man so viel unterwegs ist. F\u00fcr mich gibt es einfach nichts sch\u00f6neres, als einen Ort zu haben, den ich als Heimat bezeichnen kann und der nicht nur so ein \u00dcbergangssprungbrett irgendwo anders hin ist.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Lisamarie Haas\/ Jackie Baumann privat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie studiert an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen Sport und Geschichte auf Lehramt und ist die schnellste 400m-H\u00fcrdenl\u00e4uferin Deutschlands. 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