{"id":10232,"date":"2017-11-23T15:04:30","date_gmt":"2017-11-23T15:04:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10232"},"modified":"2021-02-20T13:53:08","modified_gmt":"2021-02-20T13:53:08","slug":"charmanter-journalismus-profi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/11\/23\/charmanter-journalismus-profi\/","title":{"rendered":"Charmanter Journalismus-Profi"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Wenn der Name Claus Kleber f\u00e4llt, dann wird ganz T\u00fcbingen hellh\u00f6rig. So auch gestern, als der Journalist und Honorarprofessor der Medienwissenschaft zu Gast bei \u201eSWR 1 Leute\u201c in der Alten Aula war. <\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sich an einem ordin\u00e4ren Mittwochabend die T\u00fcbinger \u201eProminenz\u201c aus ihren warmen, mond\u00e4nen H\u00e4usern begibt, sich in Schale wirft und dem kalten Novemberwetter trotzt, braucht es schon einen ganz besonderen Gast in der Alten Aula. Die dritte Livesendung von \u201eSWR 1 Leute\u201c, einem sehr exklusiven Format zu dessen Zuschauer man nur durch a) M\u00f6chtegern-Prominenz, b) Presseausweis oder c) zuf\u00e4lligem Ticket-Gewinn wird, bot den G\u00e4sten das Rundumwohlf\u00fchl-Paket durch die Teilnahme von Claus Kleber. Wenn der smarte Moderator des heute-journals spricht, dann kommen Universit\u00e4tsbekanntheiten wie Direktor Prof. Dr. Bernd Engler oder auch der Medienwissenschaftsstar Prof. Dr. Bernhard P\u00f6rksen gern zum Zuh\u00f6ren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10231\" aria-describedby=\"caption-attachment-10231\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10231 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_1343x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10231\" class=\"wp-caption-text\">Die Alte Aula war bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Altersdurchschnitt: 50+<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens seit er Anfang 2015 zum Honorarprofessor der Eberhard Karls Universit\u00e4t ernannt wurde, wird Claus Kleber als T\u00fcbinger gehandelt. F\u00fcr Hardcore-Schwaben bleibt er dennoch ein Neigschmeckter, da er urspr\u00fcnglich in Reutlingen geboren und in der Region um K\u00f6ln aufgewachsen ist. Als Sohn eines Luft- und Raumfahrttechnikers wollte er zun\u00e4chst Pilot werden, um die ganzen fremden Orte, die er aufgrund fehlender Familienurlaube nur aus dem Fernsehen kannte, auf eigene Faust entdecken zu k\u00f6nnen. Dieser Traum scheiterte aufgrund einer Sehschw\u00e4che. Erst zum Jura-Studium kehrte er also in den Raum T\u00fcbingen zur\u00fcck, um dort seine Studentenzeit zwischen Verbindung (AV Guestfalia) und\u00a0 S\u00fcdwestfunk zu genie\u00dfen.<\/p>\n<h3><strong>Mr. Medienjunkie<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch auf T\u00fcbingen und seine Jugendjahre zielten die Fragen von Moderatorin Nicole K\u00f6ster nicht ab. Vielmehr ging es zun\u00e4chst um die gescheiterten Koalitionsverhandlungen und wie eine Sendung darum entsteht. Dabei wurde auch auf den Begriff der Spiralmoderation eingegangen, nachdem Claus Kleber die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-journal\/heute-journal-vom-19-november-2017-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sendung am Sonntag, 19. November<\/a> mit einem Vergleich zwischen dem abendlichen Tatort und den Gespr\u00e4chen in Berlin anmoderiert hatte. Das war, bevor Christian Lindner sich aus den Verhandlungen verabschiedete. Um ihn sollte es auch noch &#8211;\u00a0in einem anderen Kontext &#8211; im sp\u00e4teren Verlauf der Sendung gehen. Kleber selbst kommentierte seine Anmoderation augenzwinkernd als kunstvoll, nicht als spiral.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10229\" aria-describedby=\"caption-attachment-10229\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10229 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_1256x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10229\" class=\"wp-caption-text\">Moderatorin Nicole K\u00f6ster in ihrem Element.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Claus Kleber beantwortete die Frage nach einem erh\u00f6hten Medienkonsum mit einem deutlichen Ja. Schlie\u00dflich geh\u00f6re es zu seinem Job, st\u00e4ndig auf dem neusten Stand in diversen Politikfeldern zu sein. Dazu wird er gleich morgens vom Deutschlandfunk geweckt, an seinem Fr\u00fchst\u00fcckstisch liegen die S\u00fcddeutsche Zeitung und die Frankfurter Rundschau schon bereit. Der Rest wird auf dem Weg zum n\u00e4chsten Termin \u00fcbers Tablet gecheckt. Das Master-Seminar in T\u00fcbingen hat er vollends im Zug vorbereitet, gibt Kleber mit einem Charme zu, der dazu f\u00fchrt, dass ihm sofort verziehen wird. Der Qualit\u00e4t seiner Lehre scheint dies keinen Abbruch zu tun. Seine Seminare sind voll und er erfreut sich unter Studierenden gro\u00dfer Beliebtheit. Denn wer nimmt nicht gerne Tipps vom Profi an?<\/p>\n<h3><strong>Der wei\u00dfe Ritter der Wahrheit<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der einst\u00fcndigen Sendung bricht Claus Kleber eine riesige Lanze f\u00fcr objektiven Qualit\u00e4tsjournalismus. \u201eWir sind der Aufkl\u00e4rung von Fakten verpflichtet\u201c, meint er und schlie\u00dft auch unangenehme und ungesch\u00f6nte Berichterstattung mit ein. Die \u201eSorgfalt im Detail\u201c sei wichtig und man m\u00fcsse unterscheiden zwischen \u201ewas man wei\u00df, was man glaubt und was man glaubt zu wissen\u201c. Nur das wirkliche und \u00fcberpr\u00fcfte Wissen z\u00e4hlt am Ende f\u00fcr die Berichterstattung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eWir haben nicht die Aufgabe beliebt zu sein\u201c, deshalb hat er auch die Teilnahme an der Wahl zum beliebtesten Fernsehmoderator abgelehnt. Dennoch kann auch ein Claus Kleber sich Fehler in der journalistischen Arbeitsweise eingestehen. Gerade im Bereich der Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me 2015 nach Deutschland habe es das heute-journal zwar geschafft, rechtzeitig auch die kritischen Fragen zu stellen, dennoch haben die Bilder eine andere Sprache gesprochen. Er betont, dass ihm dies so das erste Mal passiert sei, dennoch wirft er sich in diesem Bereich Betriebsblindheit vor. Nach wie vor gilt f\u00fcr ihn aber die goldene Journalistenregel \u201eBild schl\u00e4gt Text\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10230\" aria-describedby=\"caption-attachment-10230\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10230 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_1367x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10230\" class=\"wp-caption-text\">Das Publikum durfte Fragen stellen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfes Interesse aus dem Publikum bestand auch an dem Thema der Einflussnahme durch die Politik an dem Programm und den gesendeten Inhalten des ZDF. Dabei ging es vor allem um die Besetzung des Fernsehrates und des ZDF-Verwaltungsrates, dem auch politische Pers\u00f6nlichkeiten angeh\u00f6ren. Seit 2009 und der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/fernsehen\/article5338973\/Der-Streit-um-ZDF-Chefredakteur-Brender-eskaliert.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eCausa Brender\u201c<\/a> ist die Einflussnahme von Parteien auf die Inhalte des \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehens stark umstritten. F\u00fcr Claus Kleber geht es nicht um die Positionen der Menschen, die in solchen R\u00e4ten sitzen, sondern darum, was in ihren K\u00f6pfen vorgeht. Es sieht sie als Treuh\u00e4nder der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit und spielt mit dem Begriff public trust.<\/p>\n<h3><strong>Fake News und Krawatten<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesem Punkt kommt Christian Lindner wieder ins Spiel. Kleber ist scheinbar zum Krawattenmann des Jahres gek\u00fcrt worden. Diesen Titel hat er vehement abgelehnt, da sich eine Werbekampagne dahinter verbirgt und er Krawatten allein als Teil der Kleiderordnung sieht. Dennoch ist die Nachricht online verbreitet worden und nun \u201eist das Ger\u00fccht schwer wieder aus dem Internet herauszubekommen\u201c. F\u00fcr ihn ein klassischer Fall von Fake-News. Dennoch sollen Krawatten die Sendung ein wenig auflockern und Kleber soll zusammen mit Zuschauern die Accessoires den jeweiligen Mode-Jahrzehnten zuordnen.\u00a0 Spontan kommentiert er ein besonders buntes und scheu\u00dfliches Modell aus den 70er-Jahren mit den Worten: \u201eDiese ist eindeutig das Modell \u201aChristian Lindner macht Abitur\u2018\u201c. Dabei zeigt er erneut seine Medienaffinit\u00e4t und verweist auf ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=w0rL6Ju9H2Q\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Video<\/a>, das den 18-j\u00e4hrigen Lindner und seine damalige Weltanschauung am\u00fcsant wiedergibt. Nachdem er das Ratespiel semi-erfolgreich abgeschlossen hat, ist er sich sicher, dass die scheu\u00dflichen Modelle \u201emorgen in der Landesschau zu sehen sind\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10227\" aria-describedby=\"caption-attachment-10227\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10227 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_1287x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10227\" class=\"wp-caption-text\">Kleber mit der Krawatte Modell &#8222;Christian Lindner macht Abitur&#8220;.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Was bleibt<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen nach dem Abend, dass sich Claus Kleber nicht f\u00fcr Fu\u00dfball interessiert. Und dass er den Negativ-Preis \u201eSaure Gurke\u201c f\u00fcr ein <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/lifestyle\/leute\/maria-furtwaengler-ueber-eskaliertes-interview-mit-claus-kleber-7665236.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview mit Maria Furtw\u00e4ngler<\/a> bekommen hat. Da sei ihm \u201eder Ton verrutscht\u201c. Allerdings hat er daraus gelernt und die Redaktion versucht seither mehr Frauen f\u00fcr Experteninterviews auszuw\u00e4hlen. Au\u00dferdem sind wir sicher, dass Claus Kleber ein Mann ist, der sich in jeder Situation sicher und authentisch zu verkaufen wei\u00df. Genau so ging es ihm auch nach Drehschluss der Sendung. Den Werbeblock f\u00fcr sein Buch \u201eRettet die Wahrheit\u201c platzierte er intelligent und wirkungsvoll, sodass die Zuschauer bei der anschlie\u00dfenden Signierstunde Schlange standen. Dennoch war es ein unterhaltsamer, lehrreicher und witziger Abend und T\u00fcbingen kann froh sein, so einen Profi als Aush\u00e4ngeschild der Medienwissenschaft an der Uni zu haben.<\/p>\n<p><u>Fotos:<\/u> Marko Knab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Name Claus Kleber f\u00e4llt, dann wird ganz T\u00fcbingen hellh\u00f6rig. 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