{"id":1044,"date":"2012-10-21T09:17:34","date_gmt":"2012-10-21T07:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1044"},"modified":"2012-10-21T09:17:34","modified_gmt":"2012-10-21T07:17:34","slug":"das-politische-in-der-asthetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/10\/21\/das-politische-in-der-asthetik\/","title":{"rendered":"Das Politische in der \u00c4sthetik"},"content":{"rendered":"<h3>Die T\u00fcbinger Band Grupo Sal feiert dieses Jahr ihr 30-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um<\/h3>\n<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>Fernando Dias Costa ist S\u00e4nger und Percussionist von Grupo Sal. Der in Mosambik geborene Portugiese kam in den 70ern zum Studium der Biochemie nach Deutschland. Nachdem er mit dem Chilenen Roberto die Grupo Sal gr\u00fcndete, blieb er jedoch lieber beim harten Broterwerb. Nun erz\u00e4hlt er von einer bewegten Bandgeschichte und erl\u00e4utert ihre politischen Hintergr\u00fcnde.<\/strong><\/span><br \/>\n<em>von Laura Ettle<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nNeben Fernando und Roberto besteht die Gruppe noch aus zwei Deutschen und zwei Argentiniern. Gesungen wird sowohl auf portugiesisch als auch auf Spanisch, wobei sich die unterschiedlichen Akzente der drei S\u00e4nger mischen. Als sich die Band gegr\u00fcndet hat, war Lateinamerika noch Diktaturlandschaft. Seitdem hat sich einiges ver\u00e4ndert. Allerdings auch die Solidarit\u00e4t und das rege Interesse, mit der in Europa lateinamerikanische Entwicklungen begleitet wurden. Grupo Sal stellen sich auch heute noch bewusst in den \u201eKontext der Nord-S\u00fcd-Zusammenarbeit\u201c. Dennoch setzt Fernando klare Priorit\u00e4ten: \u201eEs war nie unsere Absicht, nur politische Musik zu machen. Wir wollen in erster Linie hochwertige Musik machen, aber uns dabei im Gesamtkontext der Wirklichkeit Lateinamerikas \u2013 und der BRD \u2013 bewegen.\u201c Und das Bewusstsein der Solidarit\u00e4t zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft, als sich Lateinamerika und Iberien nach und nach von ihren Diktaturen l\u00f6sten, begleitet sie immer noch. \u201eWir glauben an die F\u00e4higkeit der Menschen, sich zu emanzipieren.\u201c<br \/>\nHoffen sie, ein Teil dieser Emanzipation zu sein? Klar, jeder K\u00fcnstler m\u00f6chte sein Publikum bewegen, \u201eaber zun\u00e4chst \u00e4sthetisch\u201c. Dennoch: \u201eMusik ist nie \u00e4sthetischer Ausdruck allein. Es schwingt so viel mit, so viel Fleisch, Geist \u2013 und Geschichte.\u201c Viele ihrer Lieder erz\u00e4hlen Geschichte und Geschichten. Geschichten von den afrikanischen und indigenen Wurzeln Lateinamerikas und deren blutiger Beschneidung. Geschichten von Exil und Flucht. Aber auch Geschichten einer indigenen Identit\u00e4t, die die fortschreitende Globalisierung der Umweltzerst\u00f6rung \u00fcberlebt hat.<br \/>\nAls Musiker, die sich \u201ein den Strom der Geschichte einbinden, Zeugnis ablegen und sich auch einmischen\u201c, haben sie schon fr\u00fch Kontakte zu K\u00fcnstlern auf der ganzen Welt gekn\u00fcpft. Mit dem nicaraguanischen Freiheitsk\u00e4mpfer Ernesto Cardenal hatten sie schon viele Auftritte. Der Poet mit der schillernden Vergangenheit liest, sie begleiten ihn musikalisch.<br \/>\nAu\u00dferdem unterst\u00fctzen die Musiker viele soziale Projekte, vor allem in Lateinamerika. Die Organisation \u201ePan y Arte\u201c beispielsweise erm\u00f6glicht jungen Menschen Zugang zu dem Gut, welches in der Entwicklungshilfe oft marginalisiert wird. \u201eKultur darf kein Luxus sein\u201c, hei\u00dft es auf der Homepage. Wie ist es aber um die Kulturlandschaft ihrer Wahlheimat bestellt? Brauchen Kunstschaffende in Deutschland nicht auch Unterst\u00fctzung? Doch, meint Fernando. Die wenigsten Musiker k\u00f6nnen, so wie er, ausschlie\u00dflich von der Musik leben.<br \/>\nSt\u00e4dtische und staatliche unterst\u00fctzende Kulturarbeit kann helfend eingreifen, wo hochwertige Kunst nicht zum Luxusgut mutieren soll: \u201eWir, unsere Art von Musik, brauchen als Kunden die Institutionen: Kultur\u00e4mter, Volkshochschulen, staatliche, kirchliche oder entwicklungspolitische Einrichtungen. Mit der GEMA allein wird das nichts.\u201c Doch trotz solcher institutioneller Kunden, deren Zusch\u00fcsse Konzerte bezahlbar machen sollen, ist gute Kunst, gerade f\u00fcr Studenten, oft teuer. W\u00e4hrend im Internet jedem, der ein Mindestma\u00df an krimineller Energie aufweist Kulturprodukte oft fragw\u00fcrdiger Qualit\u00e4t kostenlos zur Verf\u00fcgung stehen. Was sagt jemand, der von seinem geistigen Eigentum leben muss, dazu? \u201eWer kopiert heute nicht?\u201c Fernando macht sich nichts vor. Viele Leute k\u00f6nnen sich einfach keine CD leisten. Denen empfehle er, sich mit Freunden zusammen eine zu kaufen. Entscheidend sei das Ma\u00df. Und der Stellenwert der Musik in der Gesellschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcbinger Band Grupo Sal feiert dieses Jahr ihr 30-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um Fernando Dias Costa ist S\u00e4nger und Percussionist von Grupo Sal. 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