{"id":10451,"date":"2017-12-07T15:02:43","date_gmt":"2017-12-07T14:02:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10451"},"modified":"2017-12-07T15:02:43","modified_gmt":"2017-12-07T14:02:43","slug":"schreiben-fuer-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/12\/07\/schreiben-fuer-die-freiheit\/","title":{"rendered":"Schreiben f\u00fcr die Freiheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Folter, Unterdr\u00fcckung, Diskriminierung oder Landgrabbing: T\u00e4glich sind Menschen auf der ganzen Welt Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde gestern der allj\u00e4hrige Briefmarathon von Amnesty International im T\u00fcbinger Rathaus er\u00f6ffnet. Bis zum 13. Dezember haben alle die M\u00f6glichkeit, Briefe zu unterschreiben, um gegen bestehende Menschenrechtsverletzungen zu protestieren.<\/strong> <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Briefmarathon ist das j\u00e4hrliche Herzst\u00fcck der Arbeit von Amnesty International\u201c, erz\u00e4hlt Kristina Lallathin, die Leiterin der Amnesty Hochschulgruppe in T\u00fcbingen. In \u00fcber 200 L\u00e4ndern schreiben Amnesty-Mitglieder und -Unterst\u00fctzende jedes Jahr Briefe, um Menschenrechte einzufordern und Betroffene zu unterst\u00fctzen. Zu den Menschenrechtsverletzungen geh\u00f6ren zum Beispiel diskriminierende Gesetze, zu Unrecht inhaftierte Menschen oder staatliche Repression von AktivistInnen. Die Adressaten dieser Briefe sind meist Regierungsbeh\u00f6rden, Staatsanwaltschaften oder Botschaften der jeweiligen L\u00e4nder, deren Briefk\u00e4sten durch die Aktion buchst\u00e4blich geflutet werden sollen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10456\" aria-describedby=\"caption-attachment-10456\" style=\"width: 687px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10456 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/AmnestyI.jpg\" alt=\"\" width=\"687\" height=\"515\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10456\" class=\"wp-caption-text\">Die Briefe sind schon vorgefertigt, alles was zu noch zu tun ist, ist unterschreiben und einwerfen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Masse macht\u2019s<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber viereinhalb Millionen Briefe wurden letztes Jahr weltweit verschickt, \u00fcber 330.000 davon immerhin aus Deutschland. Ein einzelner Brief geht schnell unter. Aber tausende Briefe an eine Beh\u00f6rde, alle mit dem gleichen Anliegen \u2013 das hat eine ganz andere Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auswahl der F\u00e4lle sei dabei sicherlich nicht leicht zu treffen, meint Kristina. Bei der Auswahl von <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/briefmarathon\">zehn internationalen Fallbeispielen<\/a> werde jedes Jahr versucht, den politischen Zeitgeist ein wenig mit aufzufangen. Dieses Jahr befinden sich darunter unter anderem der Mord eines LGBTIQ-Journalisten aus Bangladesh, welcher strafrechtlich nicht verfolgt wurde; ein finnischer Medizinstudent, der f\u00fcr die Rechte transsexueller Menschen in seinem Land k\u00e4mpft und ein Blogger aus dem Tschad, der, weil er Kritik an der Regierung \u00e4u\u00dferte, \u00a0momentan inhaftiert und gefoltert wird. Andere L\u00e4nder, die als Tatort weiterer grausamer Beispiele dienen, sind \u00c4gypten, China, Madagaskar, USA, Honduras, Israel \u2013 und die T\u00fcrkei.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Dieses Jahr ist auch Amnesty selbst betroffen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">184 Tage &#8211; so lange sitzt der t\u00fcrkische Amnesty-Vorstand Taner K\u0131l\u0131\u00e7 bereits in Untersuchungshaft in der T\u00fcrkei. Der Grund? Angebliche Verbindung zur G\u00fclen-Bewegung. Einen Monat nach K\u0131l\u0131\u00e7 wurden zehn weitere Menschenrechtsaktivistinnen und \u2013aktivisten festgenommen, die sogenannten \u201eIstanbul10\u201c. Unter ihnen ist auch der deutsche Peter Steudtner, sowie die t\u00fcrkische Amnesty-Direktion \u0130dil Eser. Die Teilnahme an einem Menschenrechtsseminar zu Themen der digitalen Sicherheit und Verhalten in Stresssituationen wurde ihnen zum Verh\u00e4ngnis. \u201eDas ist die gr\u00f6\u00dfte Repression, der Amnesty jemals ausgesetzt war\u201c, urteilt Kristina Lallathin , Leiterin von der Amnesty Hochschulgruppe T\u00fcbingen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10455\" aria-describedby=\"caption-attachment-10455\" style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10455 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Amnesty-IV.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"404\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10455\" class=\"wp-caption-text\">497 Briefe konnte die Amnesty Hochschulgruppe letztes Jahr im Rahmen des Briefmarathons abschicken. Diesen Rekord gilt es jetzt zu brechen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>\u201eMenschenrechte sind aktueller denn je\u201c<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder l\u00e4sst sich die Wirkung der Briefe auch direkt beobachten. So bekam eine Aktivistin aus dem letzten Briefmarathon, eine peruanische Kleinb\u00e4uerin, im Mai 2017 Recht zugesprochen. Neben solchen konkreten Erfolgen seien die Briefe auch pers\u00f6nlich ein wichtiges Zeichen von Solidarit\u00e4t f\u00fcr die AktivistInnen, welche sich derzeitig teilweise in Haft befinden oder sogar gefoltert werden. \u201eIn Zeiten von Erdogan und Trump sind Menschenrechte aktueller denn je\u201c, urteilt Kristina. Dass dieses Thema immer mehr junge Leute besch\u00e4ftige, merke sie auch an den steigenden Mitgliederzahlen ihrer Hochschulgruppe. Dabei gibt es mehr als genug zu tun: Bis zum 13. Dezember k\u00f6nnen die Briefe im Rathaus unterschrieben werden, danach werden sie von der Hochschulgruppe gesammelt, adressiert und abgeschickt. Am Sonntag ist au\u00dferdem internationaler Tag der Menschenrechte, an dem Amnesty ab 12 Uhr mit einem Stand auf der Neckarbr\u00fccke anzutreffen ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10457\" aria-describedby=\"caption-attachment-10457\" style=\"width: 895px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10457 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/AmnestyII-895x672.jpg\" alt=\"\" width=\"895\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10457\" class=\"wp-caption-text\">Am Mittwochmorgen um 8 Uhr wartete der Stand bereits fertig ausgestattet auf seine ersten Besucher.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnen Briefe also wirklich Leben retten, wie Amnesty es selbstbewusst in den eigenen Kampagnen formuliert? Eine Garantie daf\u00fcr gibt es nicht. Klar ist jedoch: Wenn alles, was eine einzelne Person daf\u00fcr tun muss ist, zehnmal ihre Unterschriften unter ein Blatt Papier zu setzen, dann w\u00e4re es ganz sch\u00f6n dumm, es nicht wenigstens zu probieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Information: Der Stand am Rathaus ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 16 Uhr ge\u00f6ffnet. Wer trotzdem keine Zeit daf\u00fcr findet, kann auch <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/briefmarathon\">online<\/a> unterschreiben.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Amnesty International Hochschulgruppe T\u00fcbingen.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folter, Unterdr\u00fcckung, Diskriminierung oder Landgrabbing: T\u00e4glich sind Menschen auf der ganzen Welt Opfer von Menschenrechtsverletzungen. 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