{"id":10465,"date":"2017-12-16T10:06:41","date_gmt":"2017-12-16T10:06:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10465"},"modified":"2021-02-20T13:47:39","modified_gmt":"2021-02-20T13:47:39","slug":"interview-knut-kircher-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/12\/16\/interview-knut-kircher-2\/","title":{"rendered":"Interview Knut Kircher: \u00dcber Videobeweis, Familie und Uni T\u00fcbingen (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Knut Kircher hat viele Aspekte des Lebens gesehen: Der geb\u00fcrtige T\u00fcbinger war lange Zeit in drei verschiedenen Lebenswelten unterwegs. Am bekanntesten ist er wohl f\u00fcr seine fr\u00fchere T\u00e4tigkeit als Bundesligaschiedsrichter. <\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit\u00a0Erreichen des Alterslimits im Jahr 2016 beendete er seine aktive Laufbahn. Den Familienvater aber auf seine Schiedsrichterkarriere\u00a0zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Sein dritter pr\u00e4gender Lebensbereich ist die Arbeit als Entwicklungsingenieur bei einem gro\u00dfen deutschen Automobilhersteller. Im zweiten\u00a0Teil des Interviews mit Kupferblau spricht der\u00a0sympathische Hirschauer \u00fcber\u00a0den Videobeweis, die Bedeutung der Familie und warum er nicht in T\u00fcbingen studiert hat.<\/p>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<strong>Erinnern Sie sich auch noch an Ihre gr\u00f6\u00dfte Fehlentscheidung? Der Elfmeter f\u00fcr Bayern M\u00fcnchen, gegen Augsburg?<\/strong><br \/>\nJa, das war &#8217;neuzeitlich&#8216; der gr\u00f6\u00dfte Fehler, dem ich aufgesessen bin. Das kam dadurch, dass ich die Szene selbst nicht so im Fokus hatte und dem Assistenten vertraut habe. Aber so etwas passiert, das Ist normal. Die Aufgaben und Kompetenzen werden geteilt im Team. Das ist sicherlich ein Thema, wo ich heute sage: Mit dem Videoassistenten w\u00e4re das nicht passiert. Das war doof, weil es eben spielentscheidend war. Wo ich selbst einmal eingegriffen habe, ohne von au\u00dfen geleitet worden zu sein, das war bei einem Spiel von Wolfsburg gegen Berlin. Zwei wirklich krasse Fehlentscheidungen. Das war schon eine h\u00e4rtere Nummer.<br \/>\n<strong>Sie haben den Videobeweis gerade selbst angesprochen. Zu Ihrer aktiven Zeit gab es nur die Torlinientechnik. Was halten Sie vom Videobeweis? Hat er eine Zukunft?<\/strong><br \/>\nDer Videobeweis ist aus meiner Sicht gut. Es ist prinzipiell gut, dass man ihn hat. Man muss sich die Frage stellen, aus welcher Motivation heraus er gefordert und eingef\u00fchrt wurde. Gehen wir ein bisschen zur\u00fcck, dann haben wir solche Szenen wie bei mir mit Bayern und Augsburg. Kein Strafsto\u00df, wenn man das im Nachhinein angeschaut hat. Wir haben das Phantomtor in Hoffenheim \u2013 kein Tor, das klare Handspiel von Andreasen damals bei Hannover gegen K\u00f6ln. Das sind nat\u00fcrlich klare Dinge, wenn man das im Fernsehen sieht, dann ist das schwarz auf wei\u00df. Wenn ich solche Szenen habe und sie richtig beurteilen und l\u00f6sen kann, dann ist der Videobeweis Gold wert. Dann schafft er wirklich Gerechtigkeit.\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<strong>Haben Sie sich in den Jahren als Schiedsrichter eigentlich mit einem Spieler wirklich angefreundet?<\/strong><br \/>\nIch hatte da immer viel zu wenig Kontakt, als dass ich da Freundschaften gesucht h\u00e4tte. Mein Credo war dann, ich versuche in diesen 90 Minuten eine schnelle, nicht zu tiefe, aber dennoch emotionale Bindung zu den 22 Spielern hinzubekommen. So, dass man ein bisschen einen Draht hat, indem man sie auch erreicht. Jeder ist anders, jeden erreicht man anders. Den einen erreicht man mit einer klaren Ansage, den anderen erreicht man mal mit Humor. Das ist auch situativ bedingt. Wenn ein Foul geschieht, dann kann ich da nat\u00fcrlich nicht mit Humor kommen. Aber dazwischen kann ich mal mit einem Spruch kommen \u2013 oder er bringt einen \u2013 dann kommt ein Spruch zur\u00fcck. Da schafft man so eine Atmosph\u00e4re als Schiedsrichter, in der man gut arbeiten kann. Die ging bei mir aber nie dar\u00fcber hinaus in eine freundschaftliche Beziehung zu einem Spieler.<br \/>\n<strong>Ist die Familie dann ein wichtiger Anker, wenn man zwischenzeitlich so viel unterwegs war?<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich! Obwohl das in den drei Welten, in denen ich unterwegs war, sehr zeitintensiv war. Dennoch habe ich mir immer &#8218;Wow&#8216; gesagt, wenn ich wieder in diese Welt heimgekommen bin und einen die Kinder noch erkennen, obwohl man viel unterwegs ist! (lacht) Da hat mir meine Frau sehr viel den R\u00fccken gest\u00e4rkt und auch freigehalten. Es ist nat\u00fcrlich wichtig, weil es eine gesunde Basis ist, auf der man die anderen Sachen aufbauen kann.<br \/>\n&nbsp;\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 5\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_10330\" aria-describedby=\"caption-attachment-10330\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10330 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_1480x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10330\" class=\"wp-caption-text\">Knut Kircher beweist beim Interview in Hirschau Humor an der Torwand.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<strong>Als geb\u00fcrtiger T\u00fcbinger leben Sie dabei immer noch in der Gegend. Was sch\u00e4tzen Sie an der Umgebung?<\/strong><br \/>\nHeimat ist da, wo man sich wohlf\u00fchlt. Mit den Menschen, die ich hier kennengelernt habe, war es f\u00fcr mich nie ein Ansinnen, hier wegzugehen. Ich bin viel herumgekommen, hatte aber meine Wurzeln immer hier. Ich finde es hier auch toll. Sehr umg\u00e4ngliche Menschen, freundschaftlich verbandelt und es ist &#8218;Heimat&#8216;. Von daher w\u00fcrde ich mir schwertun, die Heimat zu verlassen. Ich hatte das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass ich von diesem &#8218;Heimatst\u00fctzpunkt&#8216; auch in der Welt unterwegs war und andere Kulturen, Menschen und L\u00e4nder kennengelernt habe. Jeder Mensch, jeder Landstrich hat etwas f\u00fcr sich. Ich f\u00fchle mich hier wohl \u2013 ich glaube, das ist das Entscheidende.<br \/>\n<strong>Konnten Sie das Wissen aus einem ihrer drei Lebensbereiche auch in einem anderen nutzen? Und wie haben Sie es geschafft, alles unter einen Hut zu bringen?<\/strong><br \/>\nIch glaube, das macht man ganz automatisch. Man geht ja nicht aus dem einen Raum heraus und l\u00e4sst das, was man kennen und sch\u00e4tzen gelernt hat, dort wie in einem Rucksack zur\u00fcck. Das saugt man ja alles auf. Umgang mit unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen emotionalen Lagen hat man ja \u00fcberall. Kommunizieren, Entscheidungen treffen und sich die Wirkungen der Entscheidungen \u00fcberlegen macht man ja durchgehend in allen Welten. Je mehr man das macht, desto mehr Lebenssouver\u00e4nit\u00e4t gewinnt man. Ich kann sowohl im Beruf von den Dingen profitieren, die ich auf dem Spielfeld gelernt habe, als auch umgekehrt. Da ist ein gro\u00dfer Rucksack an Lebenssouver\u00e4nit\u00e4t entstanden, den ich immer dabeihabe. Auch heute, hier! (lacht)\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"layoutArea\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"column\">\n<strong>Warum haben Sie eigentlich nicht in T\u00fcbingen studiert? Fehlte das richtige Studienfach?<\/strong>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht, weil T\u00fcbingen nicht das richtige Studienfach hatte. Ich glaube, T\u00fcbingen ist als Studienort wirklich interessant. Allein schon von der Stadt her, vom Umland. T\u00fcbingen hat auch einen sehr guten Ruf in vielen Studieng\u00e4ngen. Dort wird viel bewegt. Es hat etwas, ein besonderes Flair. F\u00fcr T\u00fcbingen hat es zum Studium nie gereicht, da war ich auf anderen Spuren unterwegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abschlie\u00dfend noch eine Frage: Mit drei S\u00f6hnen zuhause &#8211; M\u00fcssen Sie da manchmal auch noch &#8222;Schiedsrichter&#8220; sein?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das regeln wir mit Taschengeldentzug und Stubenarrest! (lacht) Nein, das m\u00fcssen wir nicht. Das ist v\u00f6llig normal, dass man Zuhause auch Grenzen auslotet. Auch die d\u00fcrfen \u00fcber die Str\u00e4nge schlagen, aber das ist alles so, dass wir das gemeinsam im Griff haben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knut Kircher hat viele Aspekte des Lebens gesehen: Der geb\u00fcrtige T\u00fcbinger war lange Zeit in drei verschiedenen Lebenswelten unterwegs. 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