{"id":1048,"date":"2012-05-14T10:02:01","date_gmt":"2012-05-14T08:02:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1048"},"modified":"2012-05-14T10:02:01","modified_gmt":"2012-05-14T08:02:01","slug":"wenn-es-fakalien-regnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/05\/14\/wenn-es-fakalien-regnet\/","title":{"rendered":"Wenn es F\u00e4kalien regnet"},"content":{"rendered":"<h3>Ein Meinungsbericht \u00fcber die Gastvorlesung \u201eSprechblase 2.0\u201c des M\u00fcnchener Medienwissenschaftlers Christoph Neuberger<\/h3>\n<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>\u201eFr\u00fcher war Journalismus besser\u201c \u2013 eine Aussage, die so manche Gro\u00dfeltern sicherlich genau so unterschreiben w\u00fcrden.\u00a0 Aber wie ist das mit einem Medienwissenschaftler, der sich explizit mit den digitalen Medien des 21. Jahrhunderts besch\u00e4ftigt? Professor Christoph Neuberger hielt hierzu am 9. Mai 2012 den Vortrag \u201eSprechblase 2.0\u201c \u2013 seine Kernthese dabei:\u00a0 \u00d6ffentliche Aussagen werden in digitaler Kommunikation immer wertloser.<\/strong> <\/span><br \/>\n<em>von Alexander Link<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nDrau\u00dfen scheint die Sonne, drinnen regnet es Exkremente. Denn dort erkl\u00e4rt Prof. Neuberger, Dozent f\u00fcr Kommunikationswissenschaft und Journalistik an der LMU M\u00fcnchen, gerade, was unter einem \u201eshitstorm\u201c zu verstehen ist. Resultat: eine Demotivation der jungen Medienwissenschaftlerschaft, einer Generation von \u201eBloggern, Twitterern und Social Networkern\u201c. Der Anglizismus des Jahres 2011 beschreibt ein eben dieser Generation nur wohlbekanntes Ph\u00e4nomen: eine \u201eInflation der Meinungen\u201c via Internet \u2013 leider oft zur Diffamierung anderer Personen, Organisationen, Meinungen verwendet.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">\u201eJedermannjournalismus\u201c steht f\u00fcr den Verfall von publizistischer Qualit\u00e4t<\/span><\/h3>\n<p>Wo es fr\u00fcher noch Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die gesicherte Professionalit\u00e4t und Qualit\u00e4t \u00f6ffentlicher Aussagen gab \u2013 denn sie waren eben nur durch Zeitungen, Radio und vielleicht Fernsehen vermittelbar \u2013 steht heute ein \u201eJedermannjournalismus\u201c f\u00fcr den Verfall von publizistischer Qualit\u00e4t. Angeblich wusste man fr\u00fcher eher \u201ewer die Publizisten sind und wie sie ticken.\u201c Heute sei das lange nicht mehr so. Relativ schade findet das auch Prof. Neuberger, denn: Fr\u00fcher dachte man doch, dass die \u201eRevolution der B\u00fcrgerbeteiligung\u201c via Internet und Co. die \u00f6ffentliche Meinung demokratischer und transparenter machen w\u00fcrde.<br \/>\nAber stattdessen haben wir eine riesige \u201eInstitutionalisierungsschw\u00e4che\u201c, wie der M\u00fcnchner Professor sie nennt. Keiner wei\u00df mehr wie, wo und wann er guten, differenzierten und ehrlichen Journalismus im Dschungel des \u201eB\u00fcrgerjournalismus\u201c\u00a0 findet. Schade eigentlich.<br \/>\nSo die irgendwie ziemlich altbekannte These.<br \/>\nQualit\u00e4t wird offensichtlich doch noch gesucht und auch gefunden<br \/>\nSeltsam dann jedoch, dass Prof. Neuberger sich danach teilweise selbst widerlegt:<br \/>\nViele Nutzer \u2013 so legt er in Statistiken selbst dar \u2013 nutzen schlie\u00dflich immer noch die Angebote der klassischen journalistischen \u201eQualit\u00e4tsmedien\u201c wie SPIEGEL online, der Tagesschau oder auch \u00e4hnlicher. Nur diesmal halt im Internet. Qualit\u00e4t wird im Dschungel der Quantit\u00e4t offensichtlich doch noch gesucht und auch gefunden, schlie\u00dflich haben diese Portale immer noch die h\u00f6chsten Nutzerzahlen. Zwar wollen \u00fcber 60 Prozent der Internetcommunity nicht f\u00fcr qualitative journalistische Inhalte bezahlen, was ja aber nicht bedeutet, dass sie an diesen nicht interessiert sind. Und pl\u00f6tzlich wirkt das Argument nicht mehr so, dass es keine festen Institutionen von und f\u00fcr hochwertigen Journalismus im Internet gibt und die \u201eUser\u201c sich nicht zurechtfinden k\u00f6nnten.<br \/>\nKlar, dass \u201eWikipedia\u201c (trotz hoher Werte f\u00fcr \u201eVertrauensw\u00fcrdigkeit\u201c bei den Nutzern) mit Vorsicht zu genie\u00dfen ist und die Online Version der BILD-Zeitung vielleicht nicht den objektivsten Journalismus anbietet, sollte man wohl wissen. Aber Neubergers wesentliche Thesen bewegen sich auch nur auf dem Niveau dessen, was ein gro\u00dfer Teil der aufgekl\u00e4rten Bev\u00f6lkerung eh schon wusste. Wissenschaft sollte ja eigentlich Erkenntnisgewinn bedeuteten, aber war dies heute wirklich gegeben?<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Apokalypse 4.0<\/span><\/h3>\n<p>Und der ewig gleiche Vorwurf, dass durch interaktiven Journalismus im Netz die Qualit\u00e4t und Sicherung echten journalistischen Inhalts verloren geht, hat einen durchaus langen Bart. Bereits das Fernsehen, das Radio oder das Aufkommen von Boulevard-Zeitungen waren schon als das Ende des gesicherten Qualit\u00e4tsjournalismus ausgerufen worden. Dieses w\u00e4re dann Apokalypse 4.0 oder vielleicht schon 4.1. So recht mag man daran dann doch nicht glauben\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Meinungsbericht \u00fcber die Gastvorlesung \u201eSprechblase 2.0\u201c des M\u00fcnchener Medienwissenschaftlers Christoph Neuberger \u201eFr\u00fcher war Journalismus besser\u201c \u2013 eine Aussage, die so manche Gro\u00dfeltern sicherlich genau &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":232,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[],"class_list":["post-1048","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/232"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1048"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}