{"id":10642,"date":"2018-01-02T13:44:51","date_gmt":"2018-01-02T13:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10642"},"modified":"2021-02-20T13:46:35","modified_gmt":"2021-02-20T13:46:35","slug":"alle-jahre-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/01\/02\/alle-jahre-wieder\/","title":{"rendered":"Alle Jahre wieder \u2026"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Weihnachten ist Nach-Hause-Kommen. Als StudentIn erwartet man das ganz besondere Fest und endlich mal Entspannung pur. Doch wie ist es eigentlich wirklich? Eine Ansicht auf die studentische Winterpause.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeit vor Weihnachten l\u00e4sst keinen Raum f\u00fcr magische Besinnlichkeit. Dozenten denken, sie m\u00fcssten mit Lekt\u00fcre eskalierend um sich schmei\u00dfen. Beim Nebenjob kommen all die Aufgaben kurz vor Ende des Jahres grunds\u00e4tzlich v\u00f6llig \u00fcberraschend. Und alle Freunde meinen, man w\u00fcrde sich im neuen Jahr nie wiedersehen und m\u00fcsse darum dringend im Dauerlauf Filmabende, Kochabende und \u00fcberhaupt Abende miteinander verbringen. Da hilft dann auch kein Tetrapak-Gl\u00fchwein surpreme deluxe mehr dabei, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Von Entspannung pur keine Spur.<\/p>\n<h3><strong>Endlich Weihnachten \u2013 oder?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Hoffnung liegt auf der Zeit zu Hause, wo standesgem\u00e4\u00df am 22. Dezember hungrig und ersch\u00f6pft einzufallen ist. Alle Taschen ge-, die Geschenke verpackt und ab mit Bus, Bahn, Auto oder Fahrrad ins Elternhaus, wo die Stimmung bestimmt schon genau so magisch ist, wie der herausgekramte Harry Potter-Band (gibt es eigentlich eine Verbindung zwischen der Kammer des Schreckens und meinem mittlerweile als Lagerraum missbrauchten Kinderzimmer?), mit dessen Hilfe die unbeschwerte Kindheitszeit wiederaufleben soll. Also rauf aufs Sofa mit einer Kanne Tee und Mutters Pl\u00e4tzchen, die letzte Zeit genie\u00dfen bevor die ganzen G\u00e4ste\u2026: \u201eSaugst du noch durchs ganze Hause? \u00dcbermorgen kommen ja schon die G\u00e4ste!\u201c \u2013 \u201eJa, Mama\u2026\u201c So viel zum Entspannen und Runterkommen. Und dabei gibt es hier nicht einmal einen Putzplan!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn dann erstmal das Haus mit Perfektion und unter pr\u00fcfendem Blick ins Reine gebracht wurde, ist Harry Potter schon vergessen und ich sitze noch hungriger und ersch\u00f6pfter ohne ihn auf dem Sofa. Wenigstens gegen Hunger ist schnell etwas getan: Zu Hause ist der K\u00fchlschrank n\u00e4mlich wie von Zauberhand immer gef\u00fcllt (Accio, Essen!) und das Essen hier ist einfach doch was anderes als Pasta mit Pesto oder zu Abwechslung mal Pesto mit Pasta. Im Fernsehen dudelt anstatt Netflix irgendeine Casting- oder Quizshow \u2013 sowas gibt es noch? \u2013 und wenn schon der Gl\u00fchwein nicht geholfen hat, tut es vielleicht das ein oder andere Glas Feuerzangenbowle mit den Eltern. Endlich etwas chill!<\/p>\n<h3><strong>Wolkig mit Aussicht auf Fragenhagel<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Tag vor Weihnachten vergeht wie im Flug, die mitgebrachten Klamotten liegen wie von Zauberhand gewaschen und geb\u00fcgelt auf dem Bett und der j\u00fcngere Bruder begibt sich panisch schimpfend auf den letzten Weihnachtsgeschenke-Raubzug (\u201eBei Mama wei\u00df man eh nie, was man ihr schenken soll!\u201c). Vater entzieht sich dem ganzen Stress nat\u00fcrlich geschickt mit einem H\u00f6rbuch und einem Spaziergang. So langsam kriecht sie heran, die Weihnachtsstimmung\u2026 bis am 24. dann die T\u00fcrklingel geht und von den Neffen \u00fcber Tanten bis hin zu den Gro\u00dfeltern alle m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Verwandten das Haus f\u00fcllen. Und sofort wird mir klar, dass ich mich neben den Pr\u00fcfungen auch auf das allj\u00e4hrliche Fragengewitter der Familie h\u00e4tte vorbereiten sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWie l\u00e4uft es eigentlich mit deinem Studium?\u201c \u2013 \u201eGut!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWann bist du denn endlich fertig?\u201c \u2013 \u201eBald!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd was willst du danach mal damit machen?\u201c \u2013 \u201eAlles.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBist du eigentlich noch mit XY zusammen?\u201c \u2013 \u201eNein.\u201c \u2013 \u201eSchade, ihr habt so gut zusammengepasst!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSchneidest du dir eigentlich mal wieder die Haare? Und dieser Bart!\u201c \u2013 \u201eDanke f\u00fcr die netten Tipps!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas h\u00e4ltst du eigentlich von diesen ganzen Fl\u00fcchtlingen?\u201c \u2013 \u201e\u00c4\u00e4\u00e4\u00e4hm, ich muss dann mal schauen, ob ich was in der K\u00fcche helfen kann\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hatte ich nur den 24. erw\u00e4hnt? Nat\u00fcrlich geht es \u00fcber die Weihnachtsfeiertage genau so weiter: Die Fragerei reizt die Nerven und das viele Essen \u2013 definitiv nicht zu viel, niemals, nie \u2013 die M\u00f6glichkeiten des Hosenbundes aus. Zum Gl\u00fcck kann man sich die n\u00e4chsten Tage dann doch endlich mal mit der Jogginghose bewaffnet verziehen, an den Geschenken erfreuen und endlich mal quality-time mit den Eltern und den Geschwistern verbringen. All der Stress davor scheint vergessen, wenn an den Tagen zwischen den Jahren die Heimatstadt und Umgebung erkundet wird, sich eigentlich nur wenig ver\u00e4ndert hat, daf\u00fcr aber an jedem Eck sch\u00f6ne Erinnerungen darauf warten, entdeckt zu werden.<\/p>\n<h3><strong>Mit holprigem Rutsch ins neue Jahr<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis\u2026 ja bis dann Silvester vor der T\u00fcr steht und alles wieder von vorne losgeht. Wo ich dieses Jahr feiere? Muss ich noch entscheiden, wie immer gibt es zig Optionen und jede l\u00e4sst gewisse Freunde oder Verwandte beleidigt zur\u00fcck. Ob es wieder Raclette gebe? \u201eOch, nicht schon wieder!\u201c schallt es aus der einen Fraktion, \u201eJawohl, mit super viel K\u00e4se!\u201c aus der anderen. Wie soll man es da nur allen Recht machen? Am Besten man verzieht sich irgendwohin wo endlich Ruhe herrscht, doch daf\u00fcr ist es jetzt schon zu sp\u00e4t. Irgendwann muss man sich dann entscheiden und w\u00e4hlt \u2013 nat\u00fcrlich wie an der Uni auch \u2013 den Weg des geringsten Widerstandes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum tun wir uns das eigentlich jedes Jahr aufs Neue an? Kapitalismus, Pseudo-Besinnlichkeit und Stress pur und das fast eine ganze Woche lang? Naja, trotz allem sind wir doch gern zu Hause und auch den bruddelnden Onkel oder das oberfl\u00e4chlich-freundliche Klassentreffen sind bei genauerem Hinsehen und mit etwas Abstand gar nicht so schlecht gewesen. Der Stress ist auch ein ganz anderer, als noch 300 Seiten Lekt\u00fcre und vier Referate bis zur n\u00e4chsten Woche vor sich zu haben. Er l\u00f6st sich irgendwann von ganz alleine wieder auf. Fast wie Magie. Und das Beste: Die Verpflegung f\u00fcr den Januar ist mit den eingefrorenen Leckereien aus der heimischen K\u00fcche definitiv gesichert: Die WG-Mikrowelle darf mit Weihnachtsbaum und Feuerwerk flei\u00dfig um die Wette leuchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Foto:<\/span> Felix M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten ist Nach-Hause-Kommen. Als StudentIn erwartet man das ganz besondere Fest und endlich mal Entspannung pur. Doch wie ist es eigentlich wirklich? 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