{"id":10717,"date":"2018-01-18T16:23:34","date_gmt":"2018-01-18T16:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10717"},"modified":"2021-02-20T13:44:38","modified_gmt":"2021-02-20T13:44:38","slug":"araber-wohnen-nicht-in-zelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/01\/18\/araber-wohnen-nicht-in-zelten\/","title":{"rendered":"\u201eAraber wohnen nicht in Zelten\u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u201e\u2026und nicht alle Amerikaner sind dick\u201c. Jeden Monat wird in T\u00fcbingen im Deutsch-Amerikanischen Institut zwischen Arabern, Amerikanern und Deutschen ein Dialog gef\u00fchrt, um \u00fcber kulturelle Gegens\u00e4tze und Gemeinsamkeiten zu reden und Vorurteile abzubauen. <\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dialog entstand 2003 w\u00e4hrend der Zeit des zweiten Golfkriegs. T\u00fcbingen fungierte zu dieser Zeit als Drehscheibe f\u00fcr Aktionen gegen den Irakkrieg. Als eines Tages Amerikaner vor dem d.a.i. gegen den Irakkrieg demonstrierten, fragten sich einige Araber, warum genau sie das machen, konnten es aber nicht nachvollziehen. Auf dieser Basis entstand der Dialog &#8211; der mittlerweile seit 15 Jahren besteht -, um sich gegenseitig besser zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Moderatoren sto\u00dfen ein Thema zur Diskussion an, allerdings ist es auch m\u00f6glich, dass die Teilnehmer sich mit anderen Themen durchsetzen. Niemand redet l\u00e4nger als maximal zwei Minuten pro Wortbeitrag, um den Austausch zu erhalten, und auch zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Runde setzte sich zusammen aus einem Pal\u00e4stinenser, zwei Syrern, einem \u00c4gypter, einer S\u00fcdamerikanerin, einer Amerikanerin, zwei Deutschen und den beiden Moderatoren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Mittwoch wurde erst die Entscheidung Trumps zum Thema Jerusalem diskutiert \u2013 was hier auff\u00e4llt, ist dass das Zusammenspiel der verschiedenen Hintergr\u00fcnde und damit Erfahrungen der Teilnehmer zu einer sehr offenen und interessanten Diskussion gef\u00fchrt hat. Zum Beispiel verschiedene Meinungen, was Trumps Entscheidung genau f\u00fcr Nahost bedeutet und ob Deutsche sich aufgrund ihrer Geschichte bezogen auf den Nahost-Konflikt anders verhalten oder anders verhalten k\u00f6nnten. Dabei kam nach und nach auch immer wieder das Thema Religion zur Sprache.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eIch habe nicht registriert, dass er Christ ist\u201c <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer der Teilnehmer erz\u00e4hlte zu diesem Thema eine Geschichte von fr\u00fcher, als sie in ihrer Heimat zusammen mit Christen Ostereier bemalten, ohne aber den Aspekt, dass \u201esie Muslime und ihre Nachbarn Christen seien, zu beachten. An Ostern gab es nun mal Ostereier.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er meinte, dass fr\u00fcher alle Religionen in der Region friedlich zusammengelebt h\u00e4tten, sich das aber leider \u00fcber die letzten Jahre langsam \u00e4ndern w\u00fcrde. Er erz\u00e4hlte au\u00dferdem von einem Arbeitskollegen, den er hier in T\u00fcbingen kennengelernt hat und sechs Jahre an dessen Seite arbeitete. \u201eReligion war einfach nicht wichtig, ich habe erst nach sechs Jahren registriert, dass er Christ ist\u201c. Ein zunehmender Rechtsruck und eine Abneigung der verschiedenen Religionen untereinander sei leider zu beobachten, obwohl es, seiner Meinung nach, Normalzustand sein sollte, sich mit Menschen unabh\u00e4ngig ihrer Religion gut zu verstehen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eMenschen finden Trennpunkte um ihre Konflikte zu rechtfertigen\u201c<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das Thema Flucht und Fl\u00fcchtlinge kam zur Sprache, genauso wie Religion als \u201eInstrumentalisierung\u201c f\u00fcr machtpolitische Zwecke und die Trennung zwischen Ost und West. In diesem Kontext wurden auch Erfahrungen ausgetauscht, Gemeinsamkeiten herausgestellt (Benutzt der IS Religion alleine als Mittel der Mobilisierung oder kam dies in der Geschichte schon h\u00e4ufiger vor?) und vor allem Br\u00fccken gebaut \u2013 bezogen auf die Trennung des Osten und des Westens im allgemeinen Diskurs, obwohl sich \u201eder Westen\u201c nicht unbedingt als Einheit betrachtet und sehr divers ist \u2013 genauso wie \u201eder Osten\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir wurden viele Dinge in der Diskussion klarer, oder ich habe sie von einer komplett neuen Seite betrachtet. Dieser Dialog ist der einzige dieser Art in Deutschland und wird zunehmend weniger besucht, dabei ist, meiner Meinung nach, gerade jetzt dieser Austausch und das \u201eBr\u00fcckenbauen\u201c hinweg \u00fcber soziale und kulturelle Unterschiede sehr wichtig. Beim Dialog wird jeder mit offenen Armen empfangen und es besteht die M\u00f6glichkeit, lediglich auch einfach zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die n\u00e4chsten Termine des \u201eArabisch-Amerikanischen Dialogs\u201c sind der 7. Februar und der 7. M\u00e4rz, jeweils um 20.00 Uhr, im d.a.i. in T\u00fcbingen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Weitere Informationen zur Entstehungsgeschichte des Dialogformates gibt es unter <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2mSCIi2\">http:\/\/bit.ly\/2mSCIi2 <\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Foto:<\/span> dai offiziell<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026und nicht alle Amerikaner sind dick\u201c. 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