{"id":10778,"date":"2018-01-24T18:40:11","date_gmt":"2018-01-24T18:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10778"},"modified":"2021-02-20T13:43:24","modified_gmt":"2021-02-20T13:43:24","slug":"alles-wegen-adolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/01\/24\/alles-wegen-adolf\/","title":{"rendered":"\u00a0Alles wegen Adolf"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Theater ist nicht so dein Ding? Das dachte sich unser Autor auch, bis er am Dienstagabend das St\u00fcck \u201eDer Vorname\u201c der Theatergruppe Scenario besucht hat. F\u00fcr preiswerte sechs Euro bietet es neben massig zynischem Humor und viel Satire noch haufenweise Denkanst\u00f6\u00dfe zu diversen Themen.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kennen es alle. Der obligatorische Theaterbesuch in der Oberstufe. Qu\u00e4lend lange, sinnfreie Monologe und ein Plot, so spannend wie die allj\u00e4hrliche Steuererkl\u00e4rung. Nachdem ich Danton, Agnes und Walter mehr m\u00fcrrisch als motiviert ertragen hatte, war ich \u00fcberzeugt davon in n\u00e4chster Zeit kein Theater mehr zu betreten. Am Dienstagabend tat ich es dann doch. Und eins sei gesagt: Ich habe es wirklich nicht bereut.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eAdolphe ist tot, es lebe Adolf!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Brechtbau-Theater ist fast komplett gef\u00fcllt, als der Erz\u00e4hler am Rande der Kulisse eines bildungsb\u00fcrgerlichen, altmodischen Wohnzimmers anf\u00e4ngt, die Charaktere vorzustellen. Der Hausherr Pierre (Thomas R\u00f6sner), Professor f\u00fcr franz\u00f6sische Literatur, besserwisserischer und stocksteifer Moralist, seine Frau Babou (Amelie Frank), Franz\u00f6sischlehrerin an einer Vorstadtschule und die d\u00fcnnh\u00e4utige Personifikation des konservativen Frauenrollenbildes. Au\u00dferdem ihr Bruder, der gewitzte, werdende Vater Vincent (Harald Papp) mit seiner Frau Anna (Hannah Schmieg). Ebenfalls eingeladen ist Claude (Simon Kloock), Babous harmonies\u00fcchtiger bester Freund aus Kindheitstagen. Eine explosive Gesellschaft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10781\" aria-describedby=\"caption-attachment-10781\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10781\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/P1370668-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10781\" class=\"wp-caption-text\">Da kommen alle an ihre Grenzen: Das gem\u00fctliche Abendessen artet in einen Schlagabtausch aus.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den ironischen Erz\u00e4hlstil und die ersten kurzen Dialoge wird mir schon bald klar, dass es sich hier nicht um eines der altbackenen Werke aus der Schulzeit handelt, sondern dass es um Unterhaltung statt Belehrung geht. Im Laufe des St\u00fccks entwickelt sich eine Kontroverse \u00fcber Vincents Plan, seinen Sohn \u201eAdolf\u201c zu nennen. Alle Beteiligten lehnen den Namen aufgrund von offensichtlichen historischen Bez\u00fcgen ab. Dass es sich bei der Namensplanung nur um einen Scherz Vincents handelt, wird erst nachtr\u00e4glich klar. Die sp\u00e4ter eintreffende Anna versch\u00e4rft die hitzige und ungeheuer witzige Diskussion, zumal sie von dem kleinen Scherz ihres Mannes nichts wei\u00df.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Philosophie mit Pointen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ton wird ruppiger. W\u00e4hrend Beleidigungen und Gest\u00e4ndnisse das Geschehen auf der B\u00fchne bestimmen, ert\u00f6nt schallendes Gel\u00e4chter im Publikum. Bei diesem herrlich tragischen Familiendrama muss man einfach mitlachen. Trotzdem er\u00f6ffnet sich hier auch eine tiefergreifende Ebene: Offenheit und Ehrlichkeit wird thematisiert. Wie offen kann man sein, ohne seine Mitmenschen zu verletzen? Gibt es Dinge die man einfach nicht sagen kann? \u201eJeder hat seine kleinen Geheimnisse. Die verborgenen Ecken im Leben\u201c erkl\u00e4rt Pierre, doch bevor ich weiter dar\u00fcber nachdenken kann wird schon munter weiter diskutiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10783\" aria-describedby=\"caption-attachment-10783\" style=\"width: 475px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10783\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/26220736_10155356520738940_2825713715917663055_o-475x672.png\" alt=\"\" width=\"475\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10783\" class=\"wp-caption-text\">Der Grund f\u00fcr das ganze Theater: Adolf, der noch ungeborene Sohn von Anna und Vincent.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam wendet sich der Schlagabtausch und weitere Geheimnisse kommen ans Licht. Auf einmal spielen Klischees, Konventionen und Tabus eine gro\u00dfe Rolle. Eine geballte Menge Aufrichtigkeit und das alles wegen Adolf. Wer wissen m\u00f6chte, wer das gr\u00f6\u00dfte Geheimnis enth\u00fcllt und was das alles mit dem Kellerschl\u00fcssel zu tun hat, sollte sich das heitere Schauspiel selbst anschauen und sich davon \u00fcberzeugen, wie spritzig und gehaltvoll Schauspiel sein kann. Mich hat die Theatergruppe Scenario jedenfalls \u00fcberzeugt, eventuell doch \u00f6fters ins Theater zu gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Scenario tritt vom 23. &#8211; 26.01. und am 28.01.18 um 20 Uhr im Brechtbau-Theater auf. Wer noch Karten haben m\u00f6chte sollte sich beeilen und sie auf der <a href=\"http:\/\/www.scenario-tuebingen.de\/contact\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Webseite des Ensembles<\/a>\u00a0vorbestellen oder ab 19:30 im Brechtbau sein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Theatergruppe Scenario<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theater ist nicht so dein Ding? 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