{"id":10901,"date":"2018-03-02T08:54:30","date_gmt":"2018-03-02T07:54:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10901"},"modified":"2018-03-02T08:54:30","modified_gmt":"2018-03-02T07:54:30","slug":"depressionen-vorbeugen-mithilfe-von-whatsapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/03\/02\/depressionen-vorbeugen-mithilfe-von-whatsapp\/","title":{"rendered":"Depressionen vorbeugen mithilfe von WhatsApp?"},"content":{"rendered":"<p><em>Depressionen bei Kindern und Jugendlichen sind keine Seltenheit. Leider werden Anzeichen daf\u00fcr h\u00e4ufig zu sp\u00e4t erkannt. Der Diplom-Psychologe Stefan L\u00fcttke von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen m\u00f6chte R\u00fcckf\u00e4lle mit einer WhatsApp-Studie verhindern. Dabei soll eine App ver\u00e4ndertes Schreibverhalten erkennen.<\/em><!--more--><br \/>\nEs mag etwas r\u00e4tselhaft erscheinen, wenn ein Psychologe, der selbst kein Smartphone besitzt, sich dazu entschlie\u00dft, in einer Studie Chatverl\u00e4ufe auf WhatsApp zu untersuchen. F\u00fcr Stefan L\u00fcttke ist das hingegen kein Widerspruch. In seiner geplanten Pilotstudie soll mithilfe einer App das Schreibverhalten von Kindern analysiert und erste Anzeichen auf Depressionen erkannt werden. Zusammen mit den Informatikern Annika Schwind und Dr. Michael Seufert von der Uni W\u00fcrzburg initiierte er die Studie, die mittlerweile auf gro\u00dfes Interesse bei anderen Wissenschaftlern stie\u00df. Schirmherr der Studie ist Dr. Eckart von Hirschhausen.<br \/>\n<strong>Depression bei Jugendlichen: hohe Dunkelziffern<\/strong><br \/>\nGesch\u00e4tzt mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland erkranken j\u00e4hrlich an Depressionen. Die einhergehenden Gefahren werden h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt, erkl\u00e4rt Stefan L\u00fcttke \u2013 im Zweifelsfall f\u00fchren sie bis zum Suizid, die zweith\u00e4ufigste Todesursache bei Jugendlichen. Auch wenn dies bei einer Depression nat\u00fcrlich meistens nicht der Fall ist, so sind Betroffene dennoch einem R\u00fcckfallrisiko von 70 Prozent ausgesetzt. Mit jedem R\u00fcckfall steigt die Wahrscheinlichkeit erneut in Depressionen abzurutschen, auch sp\u00e4ter im Erwachsenenalter.<br \/>\n<strong>Menschen mit Depressionen schreiben anders<\/strong><br \/>\n\u201eEs gibt Studien aus dem Erwachsenenalter, die belegen, dass Menschen mit Depressionen anders schreiben, sie benutzen zum Beispiel h\u00e4ufiger die Ich-Form\u201c, meint L\u00fcttke. Neben diesem Aspekt soll f\u00fcr die Studie auch die Semantik und Nachrichtenl\u00e4nge in einem ausgew\u00e4hlten Chatverlauf von einer Computersoftware untersucht werden. Als Kontrollvariablen verwenden L\u00fcttke und sein Team unter anderem die Dauer der gesamten Smartphone-Nutzung, sprachliche F\u00e4higkeiten oder die Gr\u00f6\u00dfe des Freundeskreises. Insgesamt werden 30 Kinder mit und 30 Kinder ohne Depressionen ab 13 Jahren an der zweiw\u00f6chigen Pilotstudie teilnehmen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10904\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Screenshot-whatsapp-461x672.jpg\" alt=\"\" width=\"461\" height=\"672\" \/><br \/>\n<strong>Ziel: Ein automatisches Biofeedback<\/strong><br \/>\nAus den gewonnenen Daten soll ein Algorithmus entstehen, der dann irgendwann mit ziemlich genauer Wahrscheinlichkeit die Gefahr einer Depression voraussagen kann. Ein Warnhinweis w\u00fcrde dann den Nutzer auf das Depressionsrisiko aufmerksam machen. Etwas Vergleichbares ist, insbesondere f\u00fcr Kinder und Jugendliche, noch nicht auf dem Markt.<br \/>\n<em>\u201eBei einer k\u00f6rperlichen Erkrankung gibt es immer eine M\u00f6glichkeit, die eigene Befindlichkeit zu messen und sein Verhalten daran anzupassen. Bei Diabetes misst man beispielsweise den Blutzucker, bei Bluthochdruck misst man den Blutdruck. Bei einer psychischen Erkrankung dagegen fehlt dieses Feedback.\u201c <\/em><br \/>\nDie automatische R\u00fcckmeldung einer App k\u00f6nnte einen Arztbesuch ersparen, bzw. es gar nicht so weit kommen lassen. Vielen ehemaligen Patienten fehlt nach einer Therapie das Gesp\u00fcr daf\u00fcr, dauerhaft im Alltag auf sich achtzugeben. Dabei soll die App helfen, die den Teilnehmenden dann personalisierte Tipps zum Beispiel f\u00fcr Aktivit\u00e4ten vorschlagen k\u00f6nnte.<br \/>\n<strong>\u201eDie positiven Seiten von Technik nutzen\u201c<\/strong><br \/>\nDem Argument, dass pers\u00f6nliche Kontakte die psychische Situation von Betroffenen besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnten, h\u00e4lt L\u00fcttke entgegen: \u201eZum einen schlie\u00dft sich das ja gegenseitig nicht aus, sondern kann sich erg\u00e4nzen. Zum anderen beobachten wir immer wieder, dass es Eltern sehr schwerf\u00e4llt, Depressionen bei Jugendlichen zu erkennen, da diese nach au\u00dfen oft nicht direkt sichtbar sind.\u201c<br \/>\n<strong>Ungew\u00f6hnliche Finanzierung \u00fcber Crowdfunding <\/strong><br \/>\nDa die Beantragung von Forschungsgeldern f\u00fcr eine Pilotstudie sich schwierig gestaltet, entschied sich das Team von L\u00fcttke f\u00fcr die Finanzierung \u00fcber die Crowdfunding-Seite \u201estartnext\u201c. Durch das Geld werden unter anderem HiWi-Geh\u00e4lter bezahlt, die Programmierungskosten der App gedeckt und die Studienteilnehmer entsch\u00e4digt. 5.000 Euro wurden so bereits gespendet, die Kampagne l\u00e4uft noch bis zum 05.03.2018.<br \/>\nWarum Stefan L\u00fcttke selbst kein Smartphone besitzt? Vor allem aus Datenschutzgr\u00fcnden und auch als Selbstschutzma\u00dfnahme gegen Ablenkung, berichtet er. Darum m\u00fcssen sich die Teilnehmenden der Studie wenigstens keine zus\u00e4tzlichen Sorgen machen: Die Daten werden vollst\u00e4ndig anonymisiert und bleiben damit gesch\u00fctzt.<br \/>\n<em><strong><a href=\"https:\/\/www.startnext.com\/whatsapp-against-depression\">Hier<\/a> <\/strong>geht es zu der Crowdfunding-Seite der Studie, die bis zum 05.03. noch aktiv ist. Danach kann nat\u00fcrlich immer noch direkt an das Projekt gespendet werden.<\/em><br \/>\nFotos: Stefan L\u00fcttke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Depressionen bei Kindern und Jugendlichen sind keine Seltenheit. Leider werden Anzeichen daf\u00fcr h\u00e4ufig zu sp\u00e4t erkannt. 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