{"id":10951,"date":"2018-04-17T09:39:12","date_gmt":"2018-04-17T07:39:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=10951"},"modified":"2018-04-17T09:39:12","modified_gmt":"2018-04-17T07:39:12","slug":"cinelatino-brasilien-eine-leinwand-bieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/04\/17\/cinelatino-brasilien-eine-leinwand-bieten\/","title":{"rendered":"CineLatino: Brasilien eine Leinwand bieten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die zahlreichen Filmfestivals haben schon Frankreich und Arabien nach T\u00fcbingen gebracht &#8211;\u00a0 nun m\u00f6chte das CineLatino zu seinem Jubil\u00e4um vor allem Brasilien ins Schwabenl\u00e4ndle holen. In der Woche vom Mittwoch, 18. April, an sind 46 Filme aus Spanien und Lateinamerika zu sehen.\u00a0<\/em><\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Clara liegt in ihrer H\u00e4ngematte in ihrem Apartment mit Meerblick, ein Glas Wein und eine Zigarette in der Hand, und summt leise zur Musik, die aus ihrem Plattenspieler schallt. In den Regalen der Wohnung t\u00fcrmen sich alte Platten, B\u00fccher und Fotoalben. Hier lebt sie seit sie denken kann, hier hat sie ihre Kinder gro\u00dfgezogen, hier hat sie den Krebs besiegt. Und nun soll sie ausziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist die letzte verbliebene Bewohnerin im Geb\u00e4ude <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0Zln78CcFkA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201aAquarius\u2018<\/a>\u00a0im gleichnamigen Film, dem Er\u00f6ffnungsfilm des <a href=\"http:\/\/www.filmtage-tuebingen.de\/latino\/2018\/de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CineLatino<\/a>. Eine Baufirma hat die restlichen Wohnungen aufgekauft und m\u00f6chte das Geb\u00e4ude abrei\u00dfen. Clara aber gibt nicht auf und f\u00fchrt einen hartn\u00e4ckigen Kampf gegen Immobilienspekulanten und Gentrifizierung \u2013 aber auch gegen das Alter, gegen ihre Krankheit und f\u00fcr ihre Freiheit. Es ist auch ein Kampf der Generationen, ein Kampf des Alten gegen das Neue. Vor allem aber ist es ein Kampf darum, wer die Zukunft Brasiliens gestaltet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10953\" aria-describedby=\"caption-attachment-10953\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10953 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/AQUARIUS-FOTO.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"208\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10953\" class=\"wp-caption-text\">Clara (Sonia Braga) in \u2018Aquarius\u2019: Die Witwe h\u00e4lt entgegen kapitalistischer Interessen an ihren Erinnerungen fest.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Mitsprache f\u00fcr Filmemacher<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Auseinandersetzung um die Zukunft Brasiliens m\u00f6chte das CineLatino brasilianischen Filmemacher*innen eine Stimme geben. Deshalb liegt der L\u00e4nderschwerpunkt dieses Jahr auf Brasilien.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie neue Kulturpolitik wird die Filmproduktion in Brasilien erschweren\u201c, vermutet Paulo de Carvalho, k\u00fcnstlerischer Leiter des Festivals.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem wolle man entgegenwirken und von Filmemacher*innen thematisierte Probleme wie Gewalt und soziale Ungerechtigkeit wieder st\u00e4rker in den Diskurs einbringen. Gesellschaftliche Gestaltungsmacht sollen vor allem ganz bestimmte Regisseur*innen erhalten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir haben versucht, auch Minderheiten in der Filmbranche eine B\u00fchne zu bieten. Deshalb zeigen wir m\u00f6glichst viele Filme von Frauen und viele Erstlingsfilme. Auch Afrobrasilianer und LGBTQs spielen in unseren Filmen eine wichtige Rolle\u201c, erl\u00e4utert Carvalho.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Grund f\u00fcr die Auswahl Brasiliens als Schwerpunktland ist das Jubil\u00e4um des Filmfestivals. Das CineLatino feiert dieses Jahr sein 25. Jubil\u00e4um; das zugeh\u00f6rige CineEspa\u00f1ol sein 15. Mit Brasilien hat alles begonnen &#8211; jetzt will man wieder einen Bezug zu den Anf\u00e4ngen herstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst noch als \u201aCinema do Brasil\u2018 ging das CineLatino 1994 aus einer entwicklungspolitischen Filmreihe hervor.\u00a0 Brasilien hatte sich damals angeboten, weil man schon bestehende Kulturnetzwerke nutzen konnte: die brasilianische Community in T\u00fcbingen, die Partys und die Musikfestivals sowie den Verein \u201aFilmtage T\u00fcbingen\u2018, der inzwischen sowohl die Franz\u00f6sischen Filmtage als auch das CineLatino organisiert. Das CineEspa\u00f1ol wird erst seit 2004 parallel zum CineLatino veranstaltet und von der spanischen Botschaft mitfinanziert. Mit Ausnahme der brasilianischen Filme laufen die meisten Filme auf Spanisch mit deutschen oder englischen Untertiteln.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10955\" aria-describedby=\"caption-attachment-10955\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10955 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/El-techo.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"208\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10955\" class=\"wp-caption-text\">Festivalschwerpunkt Jugend: Die Protagonisten von \u201aEl techo\u2018 m\u00f6chten eine Pizzeria auf dem Dach er\u00f6ffnen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Jugend, Familie und Politik <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund der geringen Verbreitung von Portugiesisch w\u00e4hle man Brasilien nicht oft als Fokusland, erz\u00e4hlt Paulo de Carvalho. Zus\u00e4tzlich gibt es beim diesej\u00e4hrigen Festival noch einen zweiten Fokus: die Jugend Spaniens und Lateinamerikas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den Schwerpunktfilmen heben die Organisator*innen als Highlights den dominikanischen \u201aCocote\u2018 sowie den argentinischen Film \u201a<a href=\"http:\/\/www.filmtage-tuebingen.de\/latino\/2018\/de\/filme-l.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teatro de guerra\u2018 (Kriegstheater)<\/a>\u00a0hervor, in dem britische und argentinische Veteranen gemeinsam den Falklandkrieg aufarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Falklandkrieg und der kolumbianische Friedensprozess, aber auch die Familie, der Glaube, die Tradition und die Moderne sind Thema. Was in seinen Anf\u00e4ngen noch f\u00fcr Entwicklungspolitik sensibilisieren sollte, ist heute der Versuch, w\u00e4hrend politischer und sozialer Umbr\u00fcche in den betreffenden L\u00e4ndern kulturelle Freiheit zu garantieren und die lateinamerikanische\/spanische Kultur allgemein bekannter zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein St\u00fcck weit scheint dies schon gelungen zu sein: Das Festival hat im Laufe der Zeit weitere Standorte wie Freiburg und Stuttgart hinzugewonnen. Erstmals findet es nun auch in Reutlingen statt. Die Zukunft des CineLatinos\/CineEspa\u00f1ols scheint gesichert \u2013 ob in der Zukunft Brasiliens allerdings unabh\u00e4ngige Filme einen Platz haben, das muss noch zwischen Filmemacher*innen und Regierung ausgefochten werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10954\" aria-describedby=\"caption-attachment-10954\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10954 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CL2018_Plakat-k.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"360\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10954\" class=\"wp-caption-text\">Zum ersten Mal finden CineLatino und CineEspa\u00f1ol auch in Reutlingen statt.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Er\u00f6ffnungsfilm \u201aAquarius\u2018 wird am Mittwoch, 18. April, um 19.30 Uhr im Studio des Kinos Museum gezeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Termine:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Diskussion \u00fcber Medien, Politik und Kino in Brasilien: Montag, 23. April, um 18.15 Uhr in Raum 215 im Brechtbau<\/li>\n<li>Fotoausstellung zur Stadtentwicklung Rio de Janeiros: w\u00e4hrend der ganzen Festivalwoche im Foyer des Kinos Museum<\/li>\n<li>Kurzfilme: Donnerstag, 19. April, ab 21 Uhr in der Haaggasse sowie Freitag, 20. April, ab 21 Uhr in vier T\u00fcbinger Kneipen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Spielplan geht es <a href=\"http:\/\/www.filmtage-tuebingen.de\/latino\/2018\/de\/spielplan-t.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:\u00a0<\/span> Beitragsbild Alexa Bornfleth, Pressestelle CineLatino<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zahlreichen Filmfestivals haben schon Frankreich und Arabien nach T\u00fcbingen gebracht &#8211;\u00a0 nun m\u00f6chte das CineLatino zu seinem Jubil\u00e4um vor allem Brasilien ins Schwabenl\u00e4ndle holen. &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":318,"featured_media":10952,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[810,62],"tags":[4047,4048,4049,2918,4050,811,4051,11,513,2279,855,4052,426,2229,1935,4053,34,2235,2919,4054,1810,3532,2973,567,18,19,21],"class_list":["post-10951","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-film","category-kultur","tag-aquarius","tag-brasilien","tag-cineespanol","tag-cinelatino","tag-club-voltaire","tag-clubhaus","tag-dominikanische-republik","tag-featured","tag-film","tag-filmfestival","tag-filmtage","tag-gentrifizierung","tag-jubilaeum","tag-jugend","tag-kino-museum","tag-kuba","tag-kultur","tag-kurzfilme","tag-lateinamerika","tag-lgbtq","tag-reutlingen","tag-semesterstart","tag-soziale-ungleichheit","tag-spanien","tag-studierende","tag-tubingen","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10951","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/318"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10951"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10951\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10951"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10951"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10951"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}