{"id":11011,"date":"2018-04-18T16:41:19","date_gmt":"2018-04-18T14:41:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11011"},"modified":"2018-04-18T16:41:19","modified_gmt":"2018-04-18T14:41:19","slug":"ein-leben-in-ketten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/04\/18\/ein-leben-in-ketten\/","title":{"rendered":"Ein Leben in Ketten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Psychische Erkrankungen &#8211; in Westafrika ein Thema, das im Konflikt zwischen Tradition und modernen medizinischen Erkenntnissen steht. Wie gravierend das Zusammenspiel aus Unwissenheit und Glaube das Leben der betroffenen Menschen beeinflusst, zeigt der Film <a href=\"http:\/\/la-maladie-du-demon.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eKrankheit der D\u00e4monen\u201c<\/a>, den das <a href=\"https:\/\/difaem.de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dif\u00e4m<\/a> gemeinsam mit dem Aktionszentrum Arme Welt e.V. im Kino Museum vorstellte. Anschlie\u00dfend berichteten die Protagonisten des Films aus Burkina Faso und ihrem Kampf f\u00fcr psychische Gesundheit.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Unwissenheit sch\u00fcrt Angst<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind erschreckende Tatsachen, die der Film von Regisseurin Lilith Kugler \u00fcber das Schicksal psychisch erkrankter Menschen in Westafrika aufdeckt. Verhaltens\u00e4nderungen, Symptomatik neurologischer Erkrankungen, werden von Angeh\u00f6rigen als Besessenheit von unreinen Geistern interpretiert. Fehlende Aufkl\u00e4rung und Verschlossenheit gegen\u00fcber medizinischen Ursachen f\u00fchren zu diversen Verzweiflungsakten. So werden die scheinbar Unheilbaren oft jahrelang an Ketten gefesselt, um sie in Zaum zu halten. In ihrer Hoffnungslosigkeit f\u00fchrt ihr Weg die Betroffenen zu traditionellen Heilern, die ihre prophetische Gabe zelebrieren, Zeichen von Gott zu erhalten.\u00a0 Die Erkrankten werden oft mit Kr\u00e4utern gewaschen und gef\u00fcttert. Aber auch grausame Rituale wie Auspeitschen oder erzwungenes Erbrechen lassen die Unwissenden auf Befreiung von D\u00e4monen hoffen.<\/p>\n<h3>Hoffnungstr\u00e4ger <em>Yenfaabima<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 2015 sorgt die Gr\u00fcndung des Vereins Yenfaabima in Pi\u00e9la (Burkina Faso) f\u00fcr einen Hoffnungsschimmer in der Entwicklung psychischer Gesundheit. Das Herzst\u00fcck der Organisation und Protagonist des Films ist Timoth\u00e9e Tindano. Er bietet in speziellen Behandlungszentren regelm\u00e4\u00dfige psychiatrische Sprechstunde an. Bereits 250 Patienten nehmen das Angebot des ausgebildeten psychiatrischen Facharbeiters an. Mit viel Einf\u00fchlverm\u00f6gen schafft er es, Diagnosen zu stellen und die notwendigen Medikamente zu verschreiben. Seine Arbeit schildert Tindano als \u00e4u\u00dfert kr\u00e4ftezehrend, jedoch sieht er seine Berufung darin, den Menschen zu helfen. Neben Tindano gibt es landesweit inzwischen neun Psychiater und 100 ausgebildete Fachkr\u00e4fte, die das Leid der Patienten lindern. Bei der Betreuung der Patienten legt der engagierte Psychiater Wert auf Kontinuit\u00e4t. Mittels telefonischer Nachsorge stellt er zwischen den Sprechstunden sicher, dass die Betroffenen ihre Medikamente ordnungsgem\u00e4\u00df einnehmen. So hofft er auch R\u00fcckf\u00e4lle bei chronifizierten Krankheiten zu verhindern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11014\" aria-describedby=\"caption-attachment-11014\" style=\"width: 796px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11014 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Maladie-du-Demon-1.jpg\" alt=\"\" width=\"796\" height=\"449\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11014\" class=\"wp-caption-text\">Behandlungsgeb\u00e4ude in Pi\u00e9la, Burkina Faso.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Glaube und Medizin Hand in Hand<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gr\u00fcnder des Vereins Yenfaabima, (\u201eGott rettet\u201c) ist der Gemeindepfarrer Tankapari Guitanga. Der Pfarrer nimmt Hilfsbed\u00fcrftige in Gebetszentren auf. Diese Zentren bilden das elementare Zwischenst\u00fcck zwischen Religion und Schulmedizin. Guitanga glaubt sowohl an die Kraft der Medikamente, als auch an die Unterst\u00fctzung von Gott. So bringt er den Betroffenen mit viel Feingef\u00fchl die Effizienz einer zweigleisigen Behandlung nahe. Er schafft Einsicht bei den traditionsgebundenen Einheimischen, indem er argumentiert, dass die Medikamente aus Pflanzen gewonnen werden, die wiederum eine Sch\u00f6pfung Gottes sind. Neben der medizinischen Vermittlung leistet Guitanga einen bedeutenden Beitrag zu Rehabilitation und Resozialisierung der Ausgegrenzten indem er Verst\u00e4ndnis schafft und L\u00f6sungsans\u00e4tze erarbeitet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11015\" aria-describedby=\"caption-attachment-11015\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11015 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-3-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11015\" class=\"wp-caption-text\">Diskussionsrunde zum Film &#8211; v.l. Tankapari Guitanga, Timoth\u00e9e Tindano, Rudolf Schmid, Lilith Kugler.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">In kleinen Schritten ans Ziel<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Guitanga scheint das anf\u00e4ngliche Misstrauen gegen\u00fcber seiner Arbeit zu schwinden, da die Menschen den Erfolg der Behandlungen erkennen und zu sch\u00e4tzen lernen.\u00a0 Neben dem Ausbau der station\u00e4ren Kapazit\u00e4ten macht Tindano in der Diskussionsrunde deutlich, dass auch die Unterst\u00fctzung des Staats unabdingbar daf\u00fcr ist, Krankheiten wie Schizophrenie oder Epilepsie als Krankheiten, die medizinisch zu behandeln sind, zu etablieren. Er erhofft sich sowohl finanzielle Hilfe als auch Gesetze, die die Kranken vor Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung sch\u00fctzen. Au\u00dferdem bedarf es weiterer Unterst\u00fctzer wie Rudolf Schmid und Regisseurin Lilith Kugler, die die Entwicklungszusammenarbeit unter anderem mit Spenden weiter vorantreiben. So dass psychisch kranke Menschen in Zukunft ein Leben frei von brutalen Behandlungsmethoden und Ausgrenzung f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span>\u00a0 la-maladie-du-demon.com &#8211; Lilith Kugler\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Gizem G\u00fcler<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psychische Erkrankungen &#8211; in Westafrika ein Thema, das im Konflikt zwischen Tradition und modernen medizinischen Erkenntnissen steht. 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