{"id":11056,"date":"2018-04-20T15:12:48","date_gmt":"2018-04-20T13:12:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11056"},"modified":"2018-04-20T15:12:48","modified_gmt":"2018-04-20T13:12:48","slug":"neue-heimat-mars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/04\/20\/neue-heimat-mars\/","title":{"rendered":"Neue Heimat Mars"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Eine Stadt wie T\u00fcbingen w\u00fcrde in eine Lavar\u00f6hre passen, davon ist Dr. Tristan Bassingthwaighte \u00fcberzeugt. Nicht in eine auf der Erde, sondern in eine ger\u00e4umigere auf dem Mars. Der Weltraumarchitekt war zu Gast im Deutsch-Amerikanischen Institut und berichtete \u00fcber seine Vision von au\u00dferirdischen <\/em><\/strong><em><strong>Lebenswelten sowie seiner Zeit als Crewmitglied bei der bisher l\u00e4ngsten Marssimulation der NASA.\u00a0<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bricht ein Vulkan aus, so k\u00f6nnen Lavastr\u00f6me in seinen Abhang riesige H\u00f6hlen fr\u00e4sen. Auf der Erde werden diese Lavar\u00f6hren bis zu 30 Meter breit, auf anderen Himmelsk\u00f6rpern wie dem Mars erreichen sie noch gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe. So viel Platz bot die Marssimulation auf Hawaii Tristan Bassingthwaighte allerdings nicht. Ab dem Sommer 2015 teilte er sich eine oberirdische 110-Quadratmeter-Kuppel mit f\u00fcnf anderen Crewmitgliedern. Nur wenige winzige Fenster gaben den Blick auf die w\u00fcsten Lavafelder des Mauna Loa-Vulkans frei. 366 Tage lang wurde diese \u00d6de f\u00fcr die Crew zum Mars.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Bedr\u00fcckende Abgeschiedenheit<\/em><\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Au\u00dfenwelt betrat das Team nur in Schutzanz\u00fcgen, um geologische Experimente durchzuf\u00fchren und die benachbarten Lavar\u00f6hren auszumessen. Solarpanel erzeugten den n\u00f6tigen Strom, Wasser und getrocknete Essensvorr\u00e4te erreichten alle paar Monate ihre Basis per simulierter Raketenlieferung. Die Kommunikation mit der Au\u00dfenwelt war um 20 Minuten verz\u00f6gert, wie es auch auf dem echten Mars der Fall w\u00e4re. Nach drei Monaten h\u00f6rten Familie und Freunde allm\u00e4hlich auf, sich zu melden. F\u00fcr sie ging das Leben drau\u00dfen auch ohne Bassingthwaighte weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der Isolation von der Au\u00dfenwelt f\u00fchlte er sich nie allein. Im Inneren gab es keine Barrieren. Den einzigen privaten Raum bot eine Schlafzelle in der Gr\u00f6\u00dfe von Harry Potters Wandschrank. Der \u00fcbrige Bereich war von \u00fcberall einsehbar und die d\u00fcnnen W\u00e4nde d\u00e4mpften kaum ein Ger\u00e4usch. Der Mangel an Privatsph\u00e4re belastete Bassingthwaighte am meisten.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs gab keine Zeit, sich zu erholen und ein Mensch zu sein. Keine Zeit, um deine Seele zur\u00fcckzubekommen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen, Computer spielen und eine Virtual Reality Brille erm\u00f6glichten den Teammitgliedern zwar die Flucht von \u201eMock Mars\u201c in weitere Welten, dennoch empfand Bassingthwaighte seine Mitbewohner als \u201cPersonal Space Invaders\u201d.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Humor half bei Konflikten<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der promovierte Architekt Bassingthwaighte schaffte es trotzdem, angespannte Lagen mit seinem Humor zu entspannen. Seine Zauberformel lautete: \u201eWir sind alle \u00e4tzend!\u201c. Gerade wegen seiner heiteren und optimistischen Art hatte er sich f\u00fcr das Team qualifiziert. Die NASA war an der Simulation besonders daran interessiert, wie sich extreme Lebensumst\u00e4nde auf das Wohlbefinden der Expeditionsmitglieder und ihren Umgang mit Stress und Konflikten auswirken. Daf\u00fcr musste die Crew regelm\u00e4\u00dfig soziale und psychologische Tests durchf\u00fchren. Nach einem Jahr schienen alle noch in Ordnung zu sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11057\" aria-describedby=\"caption-attachment-11057\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11057 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/DSC0367-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11057\" class=\"wp-caption-text\">Weltraumarchitekt Bassingthwaighte erkl\u00e4rt im D.A.I. seine Zukunftsvorstellung vom dauerhaften menschlichen Leben auf dem Mars.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Menschenfreundliche Kapseln in der Horrorwelt Mars<\/em><\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Erfahrungen in der Kuppel nutzte Bassingthwaighte f\u00fcr seine Dissertation dar\u00fcber, wie ein menschenfreundlicher \u201eSpace Place\u201c aussehen sollte. Die kalt-futuristisch eingerichtete Kuppel der Marssimulation sei f\u00fcr ihn kein Zuhause geworden, er habe sich nur irgendwie an den Ort gew\u00f6hnt. Das h\u00e4lt er bei einer richtigen Marsmission, die deutlich l\u00e4nger als ein Jahr dauern w\u00fcrde, f\u00fcr nicht genug. Damit sich Menschen heimisch f\u00fchlen k\u00f6nnen, brauche es naturnahes Licht, nat\u00fcrlicher wirkende und gestaltbare Materialien sowie bessere R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber kann eine gem\u00fctliche eingerichtete Kapsel von der t\u00f6dlichen Marswelt ablenken, die gleich hinter den Au\u00dfenw\u00e4nden lauert? Eine extrem d\u00fcnne Atmosph\u00e4re, t\u00f6dliche Strahlung und K\u00e4lte machen den Planeten f\u00fcr Menschen zur H\u00f6lle. Und im Notfall kann man auf Hilfe von der Erde lange warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bassingthwaighte ist dennoch optimistisch, dass die zuk\u00fcnftigen Marsbewohner diesen Horror in einem gem\u00fctlich eingerichteten Habitat vergessen k\u00f6nnten. Gewisse Gem\u00fcter k\u00f6nnten eine solche Todesn\u00e4he gar genie\u00dfen. In Gefahr f\u00fchle man sich schlie\u00dflich lebendiger.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die Stadt in der Lavar\u00f6hre<\/em><\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Dissertation hat sich Bassingthwaighte auch mit der Frage besch\u00e4ftigt, wie sich eine erste kleine Basis entlang von Lavar\u00f6hren zu einem nachhaltigen Lebensraum vergr\u00f6\u00dfern l\u00e4sst. \u00dcberkuppelt man die Skylights, also die Stellen an denen die Decke dieser H\u00f6hlensysteme eingebrochen ist, k\u00f6nnte man darin eine angenehme Atmosph\u00e4re schaffen und gesch\u00fctzt vor den Gefahren des Alls hausen. Mit Baumaterial vom Planeten selbst lie\u00dfe sich die Kolonie dann allm\u00e4hlich vergr\u00f6\u00dfern: Roboter k\u00f6nnten das Gestein zermahlen und daraus im 3D-Druckverfahren verschiedene Geb\u00e4ude hochziehen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Gew\u00e4chshaus auf dem Mars<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf 250 Quadratmetern Gew\u00e4chshausfl\u00e4che lie\u00dfe sich bereits ein reduziertes \u00d6kosystem anlegen, das sechs k\u00fcnftige Marsianer mit Nahrung, Erholungsraum und sauberem Wasser und Sauerstoff versorgen k\u00f6nne. Damit w\u00e4re die Marsbasis unabh\u00e4ngig von Mutter Erde. Das w\u00fcrde nicht nur Kosten sparen, sondern w\u00e4re der erste Schritt der Menschheit hin zu einer interplanetaren Spezies.<\/p>\n<blockquote><p>Menschen k\u00f6nnten sich dem Leben auf dem Mars anpassen, Familien gr\u00fcnden und dort so etwas wie Alltag erleben. Ein Leben auf Mars w\u00e4re \u201ehome again.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bassingthwaighte tr\u00e4umt seit seiner Kindheit davon, selbst im Weltall zu leben. Alle sechs Monate bewirbt sich der Architekt bei SpaceX, dem privaten Raumfahrtunternehmen des Unternehmers Elon Musk. Solange es nicht klappt, arbeitet er ganz bodenst\u00e4ndig weiter. Gerade betreibe er, in seinen eigenen Worten, \u201elangweilige Downtown-Erdarchitektur\u201c. Aber Wohnungen hoch oben auf Wolkenkratzern seien in ihrer Isolation einem Marshabitat nicht ganz unvergleichbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Beitragsfoto:<\/u> Johannes Plate<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Titelbild:<\/u> pixabay.com<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Tristan Bassingthwaighte vertrieb sich seine Zeit beim <a href=\"http:\/\/hi-seas.org\/\">HI-SEAS Projekt <\/a>[http:\/\/hi-seas.org\/] auch mit bloggen. Eindr\u00fccke von seiner Zeit auf \u201eMock Mars\u201c finden sich auf seiner Website<a href=\"http:\/\/artchitecturefrommars.com\"> Artchitecture from Mars <\/a>[https:\/\/artchitecturefrommars.com\/]. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Stadt wie T\u00fcbingen w\u00fcrde in eine Lavar\u00f6hre passen, davon ist Dr. Tristan Bassingthwaighte \u00fcberzeugt. 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