{"id":11240,"date":"2018-05-05T09:39:53","date_gmt":"2018-05-05T09:39:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11240"},"modified":"2021-02-20T13:38:08","modified_gmt":"2021-02-20T13:38:08","slug":"religion-hindernis-und-motivation-zugleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/05\/05\/religion-hindernis-und-motivation-zugleich\/","title":{"rendered":"Religion: Hindernis und Motivation zugleich?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Leyla Dakhli hat in Tunesien, in Frankreich, im Nahen Osten und in Deutschland gelebt und geforscht. Damit ist sie der perfekte Er\u00f6ffnungsgast f\u00fcr die neue Veranstaltungsreihe des Deutsch-Franz\u00f6sischen Kulturinstituts: Mit Vortr\u00e4gen, Diskussionen und Filmen m\u00f6chte das Institut die Themen Deutschland, Frankreich und Islam zusammenf\u00fchren. <\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muslimische Akademikerin, emanzipiert, ohne Kopftuch \u2013 ist Dr. Leyla Dakhli, Historikerin und Soziologin am Forschungszentrum \u201aCentre Marc Bloch\u2018 in Berlin, ein typisches Erfolgsbeispiel? In einer untypischen Frauenrolle, die sie \u201etrotz ihrer Religion\u201c ausf\u00fcllen kann? So einfach sieht die Forscherin mit Schwerpunkt Kultur und Geschichte der arabischen Welt das nicht. Auf die Leitfrage des Gespr\u00e4chs \u201eIst Religion ein Hindernis? Muslimische Akademikerinnen in Europa und der islamischen Welt&#8220; k\u00f6nne sie deshalb keine Antwort geben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eReligion kann ein Hindernis sein, sie kann aber genauso gut eine Motivation sein.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Mouez Khalfaoui ist Professor f\u00fcr Islamisches Recht am Zentrum f\u00fcr Islamische Theologie der Uni T\u00fcbingen und moderiert das Gespr\u00e4ch mit Dakhli. Beide k\u00f6nnen auf die Frage nach der Rolle von Religion im akademischen Werdegang keine universelle Antwort geben: Es gebe sowohl Geschichten von Erfolg als auch von Misserfolg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11237\" aria-describedby=\"caption-attachment-11237\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11237 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/IMG_6676x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11237\" class=\"wp-caption-text\">Mouez Khalfaoui ist Professor f\u00fcr Islamisches Recht an der Uni T\u00fcbingen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem m\u00fcsse man sich davor h\u00fcten, alles auf die Religion zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dakhli selbst erz\u00e4hlt: \u201eIch habe mir lange nicht eingestehen wollen, dass Identit\u00e4t f\u00fcr eine akademische Position \u00fcberhaupt eine Rolle spielt. Aber als ich erst nach zehn Jahren einen Posten an der Uni bekam, habe ich noch einmal dar\u00fcber nachgedacht\u2026\u201c Religi\u00f6se Identit\u00e4t spielt also eine komplexe Rolle. Schwierigkeiten muslimischer Akademikerinnen und Nicht-Akademikerinnen lassen sich laut Dakhli jedoch oft eher auf Geschlechterbeziehungen zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Religion, Frauenbild, Emanzipation? Kein Puzzlespiel <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In vielen islamischen L\u00e4ndern sieht Dakhli schlechtere Chancen f\u00fcr Frauen. Ungleiche Geschlechterverh\u00e4ltnisse seien allerdings kein islamisches, sondern ein universelles Problem: \u201eDer Islam ist nicht das Puzzleteil, das zu \u201anicht emanzipiert&#8216; geh\u00f6rt&#8220;, sagt Dakhli. Vielleicht stellt sie sich die Beziehung zwischen dem Islam und Frauenbildern mehr wie ein Memoryspiel mit einem Kind vor: Da das Kind die Karten immer wieder vermischt, lassen sich die Karten einander irgendwann nicht mehr zuordnen, und auch die Umgebung der Karten ist jedes Mal eine andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gebe auch nicht <em>die<\/em> islamische Frau. Die Lage der Frauen sei sehr divers und oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Mouez Khalfaoui warnt: \u201eGerade die Islamisten haben zum Beispiel in Tunesien viele Frauen auf der Liste.\u201c Von solcher Propaganda wie von der Integration von Frauen in Beruf und \u00d6ffentlichkeit d\u00fcrfe man sich nicht t\u00e4uschen lassen. Auch wenn Frauen berufst\u00e4tig seien, sei ihr Leben stattdessen im Privaten extrem reguliert, so etwa in Saudi-Arabien: Frauen gehen nicht alleine einkaufen, werden beim Erbe au\u00dfen vor gelassen und stehen unter der Vormundschaft von Vater, Bruder oder Ehemann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11238\" aria-describedby=\"caption-attachment-11238\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11238 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/IMG_6677x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11238\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Leyla Dakhli (Mitte) w\u00fcnscht sich mehr Austausch zwischen arabischen und europ\u00e4ischen AkademikerInnen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Getrennte akademische Welten <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tunesien, Syrien, \u00c4gypten, Pal\u00e4stina, Deutschland, Frankreich: In all diesen L\u00e4ndern hat Leyla Dakhli gelebt. Innerlich kann sie die vielen Identit\u00e4ten vereinen. \u201eIch f\u00fchle mich nicht, als st\u00fcnde ich zwischen den Kulturen\u201c, sagt sie. Trotzdem gibt es \u00e4u\u00dfere Trennlinien, zwischen denen sie vermittelt. Es fehle noch an akademischem Austausch zwischen Europa und der arabischen Welt. Wie man das \u00e4ndern k\u00f6nne? Mit leichterer Visa-Vergabe f\u00fcr junge WissenschaftlerInnen,\u00a0 mit mehr \u00dcbersetzungen aus dem Arabischen und vielleicht auch mit Quoten f\u00fcr Professuren aus anderen akademischen Kulturen. Auch wenn viele arabische L\u00e4nder leider noch isoliert seien: Seit dem arabischen Fr\u00fchling k\u00f6nne Dakhli selbst immer nach Tunesien zur\u00fcckkehren und sich dort mit den Menschen vernetzen. Und in ihrem Geburtsland habe man schon viel erreicht: \u201eMeine Ehe mit einem Nicht-Muslim wird anerkannt und ich habe das gleiche Erbrecht wie man Bruder. Das ist doch schon Einiges.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u00dcbersicht \u00fcber die n\u00e4chsten Veranstaltungen in der Reihe\u00a0\u201eZiemlich beste Fremde? Muslimisches Leben in Frankreich und Deutschland&#8220; findet sich <a href=\"https:\/\/tuebingen.institutfrancais.de\/node\/9\/veranstaltungsreihe-ziemlich-beste-fremde-muslimisches-leben-in-frankreich-und-deutschland\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leyla Dakhli hat in Tunesien, in Frankreich, im Nahen Osten und in Deutschland gelebt und geforscht. 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