{"id":11251,"date":"2018-05-06T11:57:30","date_gmt":"2018-05-06T11:57:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11251"},"modified":"2021-02-20T13:37:51","modified_gmt":"2021-02-20T13:37:51","slug":"einmal-lachen-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/05\/06\/einmal-lachen-bitte\/","title":{"rendered":"Einmal lachen, bitte!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Mal ehrlich \u2013 wie oft lachen wir eigentlich noch am Tag? In einem Zeitalter, in dem das Leben oft online stattfindet, dient so manches Mal das Lachemoji als Ersatz f\u00fcr lautes Lachen. Zum heutigen Weltlachtag haben wir mal Prof. Dr. Hartmut Leuthold, Leiter der Biologischen Psychologie an der Uni T\u00fcbingen, und Carmen Goglin von der Reutlinger Lachschule gebeten, uns das Ph\u00e4nomen des Lachens etwas n\u00e4her zu erkl\u00e4ren.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herr Prof. Dr. Leuthold, was passiert eigentlich in unserem K\u00f6rper, wenn wir lachen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leuthold: Wenn wir den Reflex des spontanen Lachens haben, werden zahlreiche Gehirnregionen angesteuert. Das Gehirn leitet den Reiz an unsere Muskeln weiter. Der Zygomaticus-Muskel sorgt daf\u00fcr, dass wir die Mundwinkel nach oben ziehen und unsere Augen in F\u00e4ltchen liegen. Das spontane Lachen erfolgt autonom, sodass es zum Beispiel schwierig ist ein Lachen zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11260\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/IMG_2682.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 8pt;\"><em>Lachen f\u00fcr ein l\u00e4ngeres und stressfreies Leben: Prof. Dr. Leuthold kennt die Auswirkungen von Lachen auf den K\u00f6rper.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum sagt man lachen sei gesund?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leuthold: Es gab Untersuchungen, die belegen, dass Lachen und der Stressabbau im K\u00f6rper miteinander zusammenh\u00e4ngen. Lachen kann damit Angst und \u00c4rger verringern. Wenn wir weniger gestresst sind, sind wir auch weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Krankheiten. Au\u00dferdem soll Lachen positiven Einfluss auf unsere Schmerzempfindlichkeit und sogar auf unsere Lebensdauer haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Psychologie ist umstritten, ob die Ver\u00e4nderungen im K\u00f6rper mit der Emotion einhergeht oder ob die Emotion, die wir haben, den K\u00f6rper beeinflussen. Im Endeffekt ist es aber egal, ob es sich um eine Kausal- oder Wechselwirkung handelt: Lachen tut dem K\u00f6rper und der Psyche gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was bedeutet Lachen f\u00fcr unser soziales Umfeld?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leuthold: F\u00fcr uns selbst lachen wir selten. Wir lachen 30 Mal mehr, wenn wir andere sehen und h\u00f6ren k\u00f6nnen. Lachen ist eine sozialkommunikative Form und st\u00e4rkt unsere Beziehungen. Das kann man auch daran beobachten, dass Menschen, die lachend und offener durchs Leben gehen, ein gr\u00f6\u00dferes soziales Umfeld haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum ist es schwieriger Lachen zu kommunizieren, wenn wir miteinander schreiben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leuthold: Man merkt, dass zum Beispiel Ironie nur funktioniert, wenn die Menschen, die miteinander schreiben, sich gut kennen. Durch die Verwendung von Emojis soll im Text meist das offensichtliche verst\u00e4rkt werden. Damit die ironische Nachricht verstanden wird, ist eine Vertrautheit notwendig, die man zum Beispiel bei Partnerschaften findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wor\u00fcber lachen Sie gerne?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leuthold: Ich bin ein Fan von Satire und ich merke auch in Meetings, wie es die Situation entspannt, wenn man lachen kann.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Egal, wor\u00fcber oder weshalb \u2013 Lachen ist gesund<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-11259\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Bild-Carmen-Goglin-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\"><em>Ein Raum voll Menschen, die sich grundlos anlachen \u2013 so in etwa kann man sich Carmen Goglins Lachtreff vorstellen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frau Goglin, Sie sind Lachyogalehrerin und verwenden das Lachen als therapeutischen Ansatz. Was macht man genau beim Lachyoga?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goglin: Beim Lachyoga lacht man ohne Grund einfach los. Unser K\u00f6rper unterscheidet nicht, ob wir k\u00fcnstlich oder nat\u00fcrlich lachen. Deswegen k\u00f6nnen wir alle positiven Effekte nutzen. Beim Lachyoga in der Gruppe wird aber auch ganz schnell aus einem k\u00fcnstlichen Lachen ein nat\u00fcrliches. Der Kurs besteht aus verschiedenen Elementen von Lach-\u00dcbungen und Anfeuerungen. Wer Lachyoga macht, lacht auch im Alltag mehr, man kann also das Lachen trainieren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Man kann lernen, mehr zu lachen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00f6nnen sich alle Leute \u00fcberwinden loszulachen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goglin: Beim Lachen gibt man die Kontrolle ab. Viele Teilnehmer kommen sich am Anfang bl\u00f6d vor. M\u00e4nnern f\u00e4llt es schwerer als Frauen, \u00c4lteren schwerer als J\u00fcngeren. Wir sind erzogen worden uns zu benehmen, nicht albern zu sein und wir glauben auch, dass st\u00e4ndig der Ernst des Lebens beginnt. Tats\u00e4chlich lachen wir mit zunehmendem Alter immer weniger. Bei Erwachsenen sind es nur 15 Mal w\u00e4hrend Kinder bis zu 400 Mal am Tag lachen. Es bildet sich eine Hemmschwelle, die man \u00fcberwinden kann, wenn man sich auf Lachyoga einl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Erfahrungen haben Sie bei der Lachyoga Ausbildung gemacht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goglin: Ich habe das Lachyoga direkt beim Begr\u00fcnder Dr. Madan Kataria gelernt. Es war ziemlich anstrengend. Mit 50 anderen Yogis in der Jugendherberge, die Lachen professionell lernen, wollte ich manchmal nur meine Ruhe. Auch meine 23-j\u00e4hrige Tochter, die mit mir reiste, meinte: \u201eDie sind doch alle bekloppt.\u201c Aber wir haben uns darauf eingelassen und haben nun beide gro\u00dfe Freude am Lachyoga.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was bedeutet das Lachen f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goglin: In meiner beruflichen Laufbahn war ich sehr unter Stress und litt auch unter Depressionen. Ich habe etwas gesucht, das mir den Stress abnimmt. Durch das Lachen habe ich eine Ressource in meinem K\u00f6rper entdeckt, die mir Leichtigkeit und Lebenslust gibt. Mit dem Lachen kann ich eine Reset-Taste dr\u00fccken und mich neu ordnen. Ich sage mir immer: Ich lache, wenn es regnet und wenn ich nicht lache, regnet es auch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Julia Glanzmann, Carmen Goglin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span> Photo by Omar Lopez on Unsplash<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mal ehrlich \u2013 wie oft lachen wir eigentlich noch am Tag? 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