{"id":11417,"date":"2018-05-16T21:59:15","date_gmt":"2018-05-16T21:59:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11417"},"modified":"2021-02-20T13:35:17","modified_gmt":"2021-02-20T13:35:17","slug":"auf-den-spuren-von-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/05\/16\/auf-den-spuren-von-marx\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren von Marx"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Ist ein 170 Jahre altes Parteiprogramm noch relevant f\u00fcr die Gegenwart? Ja und nein, sagt Prof. Dr. Michael Quante von der Universit\u00e4t M\u00fcnster. Bei seinem Vortrag im Rahmen der Studium Generale Vorlesung zu Karl Marx wurde die Aktualit\u00e4t des Kommunistischen Manifests kritisch beleuchtet.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 200 Jahren, am 5. Mai 1818, wurde Karl Marx, einer der einflussreichsten und hei\u00df diskutiertesten Philosophen aller Zeiten, geboren. Seine scharfe und pr\u00e4zise Analyse und Kritik des Kapitalismus war und ist bis heute f\u00fcr viele wegweisend. Das Jubil\u00e4um ist der Ansto\u00df f\u00fcr eine eigene Vortragsreihe mit dem Titel \u201e<strong>Marx-Lekt\u00fcren. Versuche, die Gegenwart zu begreifen<\/strong>\u201c, welche jeden Dienstag um 18:00 Uhr\u00a0 im H\u00f6rsaal 21 des Kupferbaus stattfindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorlesung am vergangenen Dienstag stand unter dem Titel \u201e<strong>Das &#8218;Kommunistische Manifest&#8216; zwischen politischer Agitation und philosophischer Theorie<\/strong>\u201c. Gehalten wurde sie von Prof. Dr. Michael Quante vom philosophischen Seminar der Universit\u00e4t M\u00fcnster. Das Interesse an der Veranstaltung war gro\u00df und das Publikum f\u00fcr eine Ringvorlesung au\u00dferordentlich gemischt, so sa\u00dfen augenscheinlich nicht nur Studierende im H\u00f6rsaal.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Manifest: Zun\u00e4chst noch unbeachtet<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Auflage des Manifests der Kommunistischen Partei erschien im Jahr 1848, kurz bevor die \u00fcberall in Europa g\u00e4renden Unruhen ausbrachen. Verfasst wurde das kleine B\u00fcchlein von Friedrich Engels und Karl Marx f\u00fcr den Bund der Kommunisten, einer kleinen politischen Organisation, in der Engels und Marx die zentrale theoretische F\u00fchrung \u00fcbernehmen wollten und so dessen Selbstverst\u00e4ndnis, das Manifest, verfassten. Zudem f\u00fchrt das kommunistische Manifest kurz in theoretische Grundlagen, wie den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Historischer_Materialismus\">historischen Materialismus<\/a> ein<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a>. Der Bund der Kommunisten war nicht wirklich in die Revolution von 1848 involviert, da es sich hierbei um eine b\u00fcrgerliche Revolution handelte. Daher erfuhr die erste Ausgabe des Manifests insgesamt wenig Beachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Erscheinen der zweiten Auflage des kommunistischen Manifests 1872 erreichte das Manifest aufgrund ge\u00e4nderter politischer Bedingungen (v.a. die Gr\u00fcndung der ersten Internationalen Arbeiterassoziation 1864 und das Entstehen der Sozialdemokratie als Bewegung) schlie\u00dflich die Aufmerksamkeit, die zum Teil bis heute noch anh\u00e4lt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11419\" aria-describedby=\"caption-attachment-11419\" style=\"width: 386px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11419\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Communist-manifesto-386x672.png\" alt=\"\" width=\"386\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11419\" class=\"wp-caption-text\">Darum ging&#8217;s bei dem Vortrag von Prof. Dr. Michael Qante: Das \u201aManifest der Kommunistischen Partei\u2018 von Karl Marx und Friedrich Engels.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Kritische Auseinandersetzung mit dem Kritiker und dessen Wirkung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Quante setzte sich durchaus kritisch mit dem Kommunistischen Manifest, Karl Marx und dessen Wirkung generell auseinander. Vor allem an zwei Aspekten \u00fcbte er Kritik. Erstens die Wirkungsweise, die das Manifest der Kommunistischen Partei entfaltete, da es seiner Meinung nach nicht f\u00fcr reale politische Arbeit greife, aber oft dazu benutzt w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem hinterfragte er Marx\u2018 Zukunftsvision: Eine Revolution der Arbeiter (des Proletariats) und eine daraus resultierende klassenlose Gesellschaft. Diese Aufstellung einer Verhei\u00dfung sei eine pseudowissenschaftliche Objektivierung der Geschichte, so Quante. Gleichwohl sei die empirische Analyse, die Diagnose des Kapitalismus selbst, die sich dann vor allem im \u201eKapital\u201c findet, \u201egenial\u201c. Nach Quante sollte man sich allerdings davor h\u00fcten, alle Analysen von vor 200 Jahren eins zu eins auf die Gegenwart anzuwenden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Zu wenig inhaltlicher Tiefgang im Vortrag<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vortragende erkl\u00e4rte gleich zu Beginn der Vorlesung, dass er nicht aus dem \u201eKommunistischen Manifest\u201c zitieren w\u00fcrde, um das eigene Denken \u00fcber das Manifest nicht mit Zitaten zu ersetzen. Problematisch war allerdings, dass der konkrete Inhalt des Manifests, in dem zum Beispiel der historische Materialismus eingef\u00fchrt wird, oder die tats\u00e4chliche inhaltliche Kritik, die Marx an anderen politischen Ausrichtungen \u00fcbt, nicht zur Sprache kam.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eDas eigene kritische Denken nicht abgeben\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Quante erkl\u00e4rt die konstante Aktualit\u00e4t des Manifests damit, dass es etwas in Marx\u2018 Denken gebe, das uns heute noch unangenehm sei und sieht sie auch darin, dass die darin ausgedr\u00fcckte Unvers\u00f6hnlichkeit uns immer noch anspreche. Das liege seiner Meinung nach aber au\u00dferhalb des Marxismus-Leninismus. Er warnt davor, einfach das Manifest zu lesen, das kritische Denken abzugeben und Marx zu \u00fcberlassen. Zudem halte das Manifest nicht als Rezeptbuch f\u00fcr politisches Handeln her. Am Ende unterstrich Quante noch einmal, dass es ihm vor allem darum gehe, kritisches Denken zu schaffen, nicht, Antworten zu geben.<\/p>\n<p><u>Bilder: <\/u><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Karl_Marx#\/media\/File:Karl_Marx.jpg\">upload.wikimedia.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist ein 170 Jahre altes Parteiprogramm noch relevant f\u00fcr die Gegenwart? Ja und nein, sagt Prof. Dr. Michael Quante von der Universit\u00e4t M\u00fcnster. 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