{"id":11423,"date":"2018-05-17T15:01:03","date_gmt":"2018-05-17T13:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11423"},"modified":"2018-05-17T15:01:03","modified_gmt":"2018-05-17T13:01:03","slug":"greenwashing-warum-duerfen-die-das-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/05\/17\/greenwashing-warum-duerfen-die-das-alles\/","title":{"rendered":"Greenwashing: Warum d\u00fcrfen die das alles?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Warum ist es erlaubt, dass bei der Produktion von G\u00fctern die Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerst\u00f6rt werden? Und warum werde ich als KonsumentIn daf\u00fcr verantwortlich gemacht? Mit diesen Fragen besch\u00e4ftigt sich Kathrin Hartmann in ihrem Buch \u201eDie gr\u00fcne L\u00fcge\u201c.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zerst\u00f6rung unserer Umwelt findet derzeit in nie dagewesenem Ausma\u00df statt. Die Weltbev\u00f6lkerung lebt so, als st\u00fcnden ihr eineinhalb Erden zur Verf\u00fcgung. Soweit, so ersch\u00fctternd, so bekannt. Das Internet ist voll mit Dokus, die diese katastrophalen Entwicklungen beleuchten und versuchen, die KonsumentInnen aufzur\u00fctteln, sie zum nachhaltigen Einkauf zu animieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das greift zu kurz, findet <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Autor\/Kathrin-Hartmann\/p256269.rhd\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kathrin Hartmann<\/a>. Die Journalistin und Autorin war am Dienstagabend bei <a href=\"https:\/\/attac-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Attac T\u00fcbingen<\/a> zu Gast und las im Schlatterhaus aus ihrem Buch \u201eDie gr\u00fcne L\u00fcge. Weltrettung als profitables Gesch\u00e4ftsmodell\u201c.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Greenwashing: Ein Machtinstrument, das echte Ver\u00e4nderung verhindert<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartmann prangert an, dass es den Konzernen selbst \u00fcberlassen wird, sich um mehr Nachhaltigkeit zu k\u00fcmmern. Denn dabei herausgekommen seien anstatt substantieller Verbesserungen vor allem scheinheilige Marketingstrategien. Alles, was einmal sch\u00e4dlich war, dient heute anscheinend der Weltrettung. Diese Besch\u00f6nigungen, die von Monsanto, Nestl\u00e9, Unilever und den anderen Gro\u00dfkonzernen betrieben werden, nennt man \u201eGreenwashing\u201c: Die Konzerne geben vor, sich im Namen der Umwelt und der Menschenrechte selbst zu kontrollieren. Die \u00dcberlegung dahinter ist, dass sich die Gesamtsituation bereits verbessert, wenn sich die Global Player auch nur ein bisschen \u00e4ndern. Den KundInnen wird damit vermittelt, dass es sehr gut und sehr nachhaltig sei, Produkte dieser Konzerne zu konsumieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch sind diese Greenwashing-Strategien laut Hartmann nichts weiter als ein Machtinstrument, um echte Ver\u00e4nderungen zu verhindern. Es werde verkannt, dass dieses System, das von Profitmaximierung getrieben werde, niemals wirklich nachhaltig sein k\u00f6nne und immer auf irgendeiner Form von Ausbeutung beruhe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11426\" aria-describedby=\"caption-attachment-11426\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11426 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/hartmann-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11426\" class=\"wp-caption-text\">Die Autorin und Journalistin diskutierte angeregt mit dem Publikum \u00fcber Konsumentscheidungen und -einstellungen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 18.6667px;\"><b>Von &#8222;Arschloch-Kaffee&#8220; und Fair-Trade<\/b><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartmann besch\u00e4ftigt sich seit etwa zehn Jahren mit der vorgeblichen Nachhaltigkeit der Gro\u00dfkonzerne und deren Auswirkungen. Die Autorin ist extrem gut mit der Thematik vertraut; die Fragen des Publikums an diesem Abend sind sehr klug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So fragt zum Beispiel einer der Anwesenden, ob das Hauptproblem nicht darin liege, dass die KonsumentInnen die Probleme ganz genau kennen, aber einfach nicht entsprechend handeln. \u201eDas l\u00e4sst sich so nicht einfach sagen\u201c, antwortet Hartmann. Der Fleischkonsum in Deutschland sei zum Beispiel r\u00fcckl\u00e4ufig, es finde durchaus eine Verhaltens\u00e4nderung statt. Dennoch sei die Fleischproduktion gestiegen \u2013 wenn es hier keiner wolle, werde es eben exportiert. \u201eDas System wurde noch nie durch individuelle Verhaltensanpassung ver\u00e4ndert, so funktioniert Konsum einfach nicht.\u201c Deshalb brauche man kollektive Bewegungen, aber auch verbindliche Regeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Zuh\u00f6rer macht auf die absurde Situation in Superm\u00e4rkten aufmerksam: \u201eDa stehen ein oder zwei Fairtrade-Kaffees neben all den anderen. Aber was sind die dann? Arschloch-Kaffees oder was?\u201c Hartmann pflichtet ihm bei: \u201eIch verstehe nicht, warum es eine Wahl sein muss, andere Menschen auszubeuten oder nicht. Niemand will andere Menschen ausbeuten.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_11425\" aria-describedby=\"caption-attachment-11425\" style=\"width: 296px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11425\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Hartmann_KDie_gruene_Luege_185815-442x672.jpg\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"450\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11425\" class=\"wp-caption-text\">\u201eDie gr\u00fcne L\u00fcge&#8220; entstand bei der Recherche zum gleichnamigen Film, der im M\u00e4rz in den Kinos lief.<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eWir haben noch viel Arbeit vor uns\u201c<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser ganzen Misere gibt es aber nat\u00fcrlich Hoffnungsschimmer. Hartmann bezeichnet den Tag als historisch, an dem das Oberlandesgericht Hamm die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2017-11\/klimawandel-rwe-klage-bauer-peru\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klage des peruanischen Kleinbauern Sa\u00fal Luciano Lliuya gegen den Energiekonzern RWE<\/a> annahm. Lliuya fordert, den gr\u00f6\u00dften CO2-Emmitent Europas daf\u00fcr zur Verantwortung zu ziehen, dass die Gletscher in den Anden, nachweislich aufgrund von Emissionen, rapide abschmelzen. Es geht hier also um die Frage: Kann ein einzelner Konzern f\u00fcr Umweltsch\u00e4den zur Kasse gebeten werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAn diesem Tag sind im Oberlandesgericht Welten aufeinandergeprallt\u201c, findet Hartmann: die westliche Welt, die sich in ihrer Scheinheiligkeit eingerichtet habe, und die Menschen, die sich genau das nicht mehr gefallen lassen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">.Um diese scheinheilige Vorherrschaft der Gro\u00dfkonzerne zu untergraben, appelliert Hartmann an jedeN EinzelneN: \u201eWir m\u00fcssen zuallererst aufh\u00f6ren, diese gr\u00fcne L\u00fcge der Konzerne zu glauben und uns dieser gemeinsam entgegenstellen.\u201c Man solle jede kleine Chance ergreifen, die bestehenden Machstrukturen zu ersch\u00fcttern, wenn n\u00f6tig auch mit Aktionen des zivilen Ungehorsams. Es gebe noch viel zu tun. Doch trotz allem ist Hartmann nicht pessimistisch: \u201eDas w\u00e4re ja entsetzlich!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kathrin Hartmanns Buch \u201eDie gr\u00fcne L\u00fcge\u201c entstand im Rahmen der Recherche zu dem gleichnamigen Film, der ab M\u00e4rz in den Kinos war. Den Trailer gibt\u2019s <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cP_nmUZQKLI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:\u00a0<\/span>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Beitragsbild &#8211; Stephanie F\u00fcssenich\/ Random House,\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Bild 2 &#8211; Verena Teuber\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Buchcover &#8211; Pressestelle Random House<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ist es erlaubt, dass bei der Produktion von G\u00fctern die Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerst\u00f6rt werden? 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