{"id":11671,"date":"2018-06-10T07:00:47","date_gmt":"2018-06-10T07:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11671"},"modified":"2021-02-19T18:31:39","modified_gmt":"2021-02-19T18:31:39","slug":"verlagsjubilaeum-abseits-vom-kurs-aber-nie-in-konkurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/06\/10\/verlagsjubilaeum-abseits-vom-kurs-aber-nie-in-konkurs\/","title":{"rendered":"Verlagsjubil\u00e4um: Abseits vom Kurs, aber nie in Konkurs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Text, Bild und Cover, Erotik, Lyrik und Theorie: Das alles bringt Claudia Gehrke in ihrem Konkursbuch-Verlag zusammen. Was mit \u00fcppigen Essen und Debatten in einer WG in der M\u00fcnzgasse begann, ist heute ein Verlag jenseits von Genregrenzen, der an diesem Wochenende sein 40-j\u00e4hriges Bestehen feiert. <\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu seinem 40. Jubil\u00e4um versammelt der <a href=\"https:\/\/www.konkursbuch.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">T\u00fcbinger Konkursbuch-Verlag Claudia Gehrke<\/a> viele seiner AutorInnen in der Altstadt. Die Feierlichkeiten begannen am Freitag im L\u00f6wen mit Musik und Texten von <a href=\"http:\/\/yokotawada.de\/?page_id=5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Yoko Tawada<\/a> und anderen und dauern auch am Samstag noch an: Zwischen 11 und 18 Uhr halten verschiedenste AutorInnen Lesungen in den T\u00fcbinger Buchl\u00e4den und Caf\u00e9s. Und weil beim Konkursbuch-Verlag, so Claudia Gehrke, \u201eanspruchsvolle Literatur und Erotik nebeneinander stehen\u201c, gibt es am Samstagabend zum Abschluss noch ein Fest mit erotischen Performances, Lesungen und DJs im Sudhaus.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Abweichung ist eine Chance f\u00fcr die Poesie.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies eine These aus Yoko Tawadas Essayband &#8218;akzentfrei&#8216;,\u00a0 aus dem sie am Freitag mit japanischem Akzent liest. Tawada, unter anderem mit dem Kleist-Preis und der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet, ist eine der ersten und die wohl bekannteste Autorin des Verlags. Sie schreibt auf Japanisch und auf Deutsch \u2013 am Freitag liest sie Texte auf Deutsch und \u00fcber das Deutsche. Humorvoll, assoziativ-essayistisch und geistreich parodiert die in Berlin lebende Japanerin starre Grammatiken und standardisierte Schriftsprache. Sie selbst h\u00e4lt ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Akzent, die gesprochene Sprache, f\u00fcr die Sichtbarmachung des Wortes im Spiel, das neue Beziehungen schafft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11673\" aria-describedby=\"caption-attachment-11673\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11673 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_5512_print_preview-1008x672.jpeg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11673\" class=\"wp-caption-text\">Das Bl\u00e4ttern in B\u00fcchern ist dem Verlag wichtig &#8211; genauso wie kreativ gestaltete\u00a0 Cover.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>68er jenseits von Schubladendenken <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihren virtuosen Wortspielen und philosophischen Sprachreflexionen repr\u00e4sentiert Tawada wohl die \u201eliterarische\u201c Seite des Verlags \u2013 doch auch sie spricht sich f\u00fcr die Abweichung von der Norm aus und steht als Autorin zwischen den Kulturen f\u00fcr Grenz\u00fcberschreitungen. Schubladen und Grenzen zu sprengen, so Claudia Gehrke, das sei das Ziel des Verlags. Sie publiziere unter anderem \u201aliterarisch Anspruchsvolles\u2018, Thriller, Erotik, Bildb\u00e4nde und Reiseliteratur. Auch von einem strikt vorgegebenen Kurs wolle man abweichen \u2013 daher der Titel \u201aKonkursbuch\u2018. \u201eDer Name bezieht sich auf die Zeitschrift <a href=\"https:\/\/kursbuch.online\/lesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Kursbuch<\/em><\/a>\u201c, erl\u00e4utert die Verlegerin. Das Kursbuch ist eine Kulturzeitschrift der 68er-Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfe Abendessen, eine Studierenden-WG als Literatursalon und neue, freiere Liebeskonzepte: Bei diesen Anf\u00e4ngen des Verlags und bei ersten Themen wie \u201aVernunft und Emanzipation\u2018 und \u201aGesichter der Gewalt\u2018 wird ersichtlich, dass der Verlag sich aus der Studentenbewegung speiste. Im Gegensatz zum Kursbuch aber finden Claudia Gehrke und Peter P\u00f6rtner, Japanologie-Professor und Mitbegr\u00fcnder:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs gibt nicht den einen richtigen Kurs, um politische und gesellschaftliche Ziele zu erreichen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u201aKonkursbuch\u2018 versuchten die damaligen Studierenden also, viele Perspektiven miteinzubeziehen. Das \u201aKonkursbuch\u2018 war zun\u00e4chst nur eine als Promotionsprojekt angedachte Zeitschrift in sieben Auflagen \u2013 dementsprechend \u00f6konomisch riskant war der Ausbau zum Verlag. Doch der Konkurs blieb aus.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11672\" aria-describedby=\"caption-attachment-11672\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11672 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_5485_print_preview-1008x672.jpeg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11672\" class=\"wp-caption-text\">Die Verlegerin Claudia Gehrke mit B\u00fcchern von Yoko Tawada.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Frauenverlag? <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch den Kunstbegriff habe man erweitern wollen: \u201eEs gibt nicht hohe Kunst auf der einen und schlechte Kunst auf der anderen Seite\u201c, sagt Gehrke. Die Musik und andere K\u00fcnste sollen bei diesem Verlag dementsprechend miteinbezogen werden: Veronika Otto begleitet den Abend auf der Pferdekopfgeige, dem Cello und dem Akkordeon, wozu sie \u2013 teilweise mit Obertongesang \u2013 singt. Weitere AutorInnen, die lesen, sind Sigrun Casper, Karin Rick und Erik Grawert-May.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Konkursbuch-Verlag sind es tats\u00e4chlich haupts\u00e4chlich Autorinnen ohne gro\u00dfes<em>\u00a0&#8218;I&#8216;<\/em>: Etwa 89 % der LiteratInnen seien weiblich. So werden die B\u00fccher des Verlags in T\u00fcbingen auch vor allem im <a href=\"http:\/\/www.frauenbuchladen.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frauenbuchladen Thalestris<\/a> sowie in den <a href=\"https:\/\/www.osiander.de\/index.cfm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Osianderschen Buchhandlungen<\/a> verkauft. Mit seinem hohen Frauenanteil passt der Verlag ideal zum diesj\u00e4hrigen Motto des Literatursommers Baden-W\u00fcrttemberg 2018, in dessen Rahmen das Jubil\u00e4um stattfindet. Das diesj\u00e4hrige Motto des Literatursommers lautet n\u00e4mlich \u201aFrauen in der Literatur\u2018. Ob Mann oder Frau, ob homo oder hetero, das sei dem Verlag jedoch letztlich egal. Wie auch Yoko Tawada liest: \u201eIch bin ein homo sapiens und heterolingual.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Programm mit den weiteren Veranstaltungen des Literatursommers in T\u00fcbingen gibt es <a href=\"https:\/\/www.literatursommer.de\/fileadmin\/Mediendatenbank_DE\/BW_Stiftung\/Programme_Dateien\/Gesellschaft_u_Kultur\/Kultur\/Literatursommer\/BWS_LiSo18_Programmheft_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Fotos:<\/u> Daniel B\u00f6ckle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text, Bild und Cover, Erotik, Lyrik und Theorie: Das alles bringt Claudia Gehrke in ihrem Konkursbuch-Verlag zusammen. 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