{"id":11731,"date":"2018-06-12T19:29:45","date_gmt":"2018-06-12T19:29:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11731"},"modified":"2021-02-19T18:31:08","modified_gmt":"2021-02-19T18:31:08","slug":"medizin-zwischen-mensch-und-maschine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/06\/12\/medizin-zwischen-mensch-und-maschine\/","title":{"rendered":"Medizin zwischen Mensch und Maschine"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>ForscherInnen im Silicon Valley wollen mithilfe modernster Computertechnologien die Medizin grundlegend revolutionieren. Doch wird die Maschine den Arzt jemals ersetzen k\u00f6nnen? \u00dcber diese und andere Fragen sprach Zukunftsmedizin-Experte Thomas Schulz am Montagabend im Deutsch-Amerikanischen Institut.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEinmal im Jahr l\u00e4dt Marc Zuckerberg eine handvoll Journalisten zu sich nach Hause ein. Dann wird gegrillt und man darf in drei bis vier Stunden alles fragen.\u201c Anhand dieses Beispiels veranschaulichte Thomas Schulz, USA-Korrespondent f\u00fcr den Spiegel, den offenen Umgang der f\u00fchrenden K\u00f6pfe in Silicon Valley mit ihren Forschungen. Fast jedes Labor ist dort f\u00fcr alle JournalistInnen zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schulz kennt viele ForscherInnen pers\u00f6nlich, unter anderem durch die Arbeit an seinem neuen Buch. F\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung unter dem Titel \u201eZukunftsmedizin \u2013 Wie das Silicon Valley Krankheiten besiegen und unser Leben verl\u00e4ngern will\u201c f\u00fchrte er 150 Interviews, haupts\u00e4chlich mit Wissenschaftlern aus dem Silicon Valley.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Silicon Valley beschreibt er als ein gro\u00dfes Netzwerk. Die Ingenieure aller Firmen treffen sich au\u00dferhalb der Arbeitszeiten, beispielweise in der Pizzeria, und reden \u00fcber die Themen, an denen sie aktuell forschen. Durch diesen regen Austausch herrscht eine beispiellose Ideen-Diffusion, wodurch Fehler schneller eliminiert und Ziele schneller erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11733\" aria-describedby=\"caption-attachment-11733\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11733\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Zwischenbild-1-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11733\" class=\"wp-caption-text\">Das Interesse war gro\u00df und der Saal im D.A.I. restlos ausverkauft.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Science Fiction wird Realit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beispiel: W\u00e4hrend wir in Deutschland noch vom autonomen Fahren tr\u00e4umen, werden seit Ende 2017 im Valley bereits autonome Flugautos erprobt. Thomas Schulz ist sogar schonmal mit einem solchen Flugauto geflogen. Doch warum fliegen auf der anderen Seite des Atlantiks Autos alleine von A nach B, w\u00e4hrend hier sogar selbstfahrende Vierr\u00e4der noch nach Zukunftsmusik klingen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztendlich ist es eine Frage des Geldes. In den USA stehen ForscherInnen und Startups j\u00e4hrlich insgesamt Mittel in H\u00f6he von ca. 50 Milliarden Dollar zur Verf\u00fcgung, in der EU sind das gerade einmal 5 Milliarden. \u201eF\u00fcr eine gute Idee bekommst du hier mit Gl\u00fcck eine Millionen, im Silicon Valley 200\u201c, sagt Schulz. Hinzu kommt, dass der Fortschritt in diesem Feld nicht linear verl\u00e4uft, sondern exponentiell. \u201eJetzt geht alles schneller, in den n\u00e4chsten 3 bis 5 Jahren wird mehr passieren als in den letzten 10.\u201c<\/p>\n<blockquote><p><strong>\u201eDie Maschine wird uns befreien.\u201c<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Zitat stammt von Sebastian Thurn, der das erste, funktionierende, selbstfahrende Auto entwickelte. Er arbeitet jetzt bei Google und hat letztes Jahr eine KI (K\u00fcnstliche Intelligenz) entwickelt, die Hautkrebs anhand von Bildern erkennen kann, und das schneller und zuverl\u00e4ssiger als ein Hautarzt. Einen \u00e4hnlichen Algorithmus gibt es mittlerweile auch f\u00fcr Herzrythmusst\u00f6rungen. Mediziner sprechen von einer neuen \u00c4ra in der Medizin. Aber was machen diese Algorithmen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vereinfacht gesagt verarbeiten sie riesige Datenmengen &#8211; je mehr Daten den entsprechenden Algorithmen zugef\u00fchrt werden, desto pr\u00e4ziser k\u00f6nnen sie Diagnosen erstellen. So sind Gentherapien wieder im Trend, deren Ziel es ist, defekte Gene zu finden und sie zu ver\u00e4ndern. Damit kann beispielsweise altersbedingte Blindheit verhindert werden. Schon in den 90ern wurde dieser Ansatz verfolgt, damals fehlten aber noch die technischen Mittel, um eine DNA zuverl\u00e4ssig zu analysieren. \u00a0Dank KIs und Algorithmen geht das heutzutage zuverl\u00e4ssiger und schneller. Als Beispiel nannte Schulz hier <em>23&amp;me<\/em>, ein DNA-Test, der in den USA in jedem Drogeriemarkt erh\u00e4ltlich ist. Er kann die Wahrscheinlichkeit bestimmen, mit der man im Alter Haarausfall oder auch Parkinson bekommt. Kostenpunkt circa 150 Dollar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11734\" aria-describedby=\"caption-attachment-11734\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11734\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Zwischenbild-2-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11734\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Schulz und seine B\u00fccher. Sein erstes Buch zum Thema Google war ein Bestseller.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Forschen gegen das Alter<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele forschen im Valley daran, die M\u00f6glichkeiten des menschlichen Lebens auszudehnen. Dabei gibt es grunds\u00e4tzlich zwei Lager: Die \u201eLifespanner\u201c und die \u201eHealthspanner\u201c. Den \u201eHealthspannern\u201c geht es nicht darum, die Lebensdauer (Lifespan) des Menschen zuverl\u00e4ngern, sondern das letzte Lebensdrittel, durch Behandlung und Heilung von altersbedingten Krankheiten, angenehmer zu machen. Doch diese Behandlungen sind teuer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Luxturna<\/em> ist ein Medikament, welches nach einmaliger Behandlung alters- oder erbbedingte Blindheitserscheinungen beheben kann \u2013 vorrausgesetzt, es sind gen\u00fcgend funktionierende Zellen auf der Retina vorhanden. Eine Behandlung kostet eine Million Euro. Pro Auge. Daher ist die Angst vor einer noch st\u00e4rkeren zwei-Klassen-Medizin gro\u00df. Dar\u00fcber trifft Thomas Schulz allerdings keine Aussage. Keiner wisse, wie sich der Markt entwickeln und die Gesundheitssysteme auf die medizinische Revolution reagieren werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWird die Maschine den Arzt verdr\u00e4ngen?\u201c, wurde in Anschluss an den Vortrag aus dem Publikum gefragt. Schulz verneinte das: Die Maschine solle, wie ein R\u00f6ntgenger\u00e4t, lediglich Assistent sein. Der Arzt bleibe f\u00fcr die Behandlung unerl\u00e4sslich. Jedoch k\u00f6nne der Hautkrebsalgorithmus die Vorsorgeuntersuchung ersetzen. Dann reiche schon ein einfaches Smartphonefoto des eigenen K\u00f6rpers aus, um sich den m\u00fchseligen Praxisbesuch sparen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><u>Fotos<\/u>: Niklas Sch\u00e4ufele<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ForscherInnen im Silicon Valley wollen mithilfe modernster Computertechnologien die Medizin grundlegend revolutionieren. 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