{"id":11740,"date":"2018-06-14T09:31:34","date_gmt":"2018-06-14T07:31:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11740"},"modified":"2018-06-14T09:31:34","modified_gmt":"2018-06-14T07:31:34","slug":"to-go-oder-to-throw-der-kampf-um-geeignete-kaffeebecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/06\/14\/to-go-oder-to-throw-der-kampf-um-geeignete-kaffeebecher\/","title":{"rendered":"To-Go oder To-Throw? Der Kampf um geeignete Kaffeebecher"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>In T\u00fcbingen werden jedes Jahr 2,9 Millionen Einweg-Kaffeebecher verbraucht \u2013 das sind 34 Becher pro Einwohner. Im letzten Semester hat das Studierendenwerk die Umwelts\u00fcnder aus mehreren Cafeterien verbannt, unter anderem im Brechtbau. Nun verschwinden vermehrt Keramiktassen. Ist ein Verbot die L\u00f6sung?<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Einwegbecher sind nicht recyclebar und haben in den letzten Jahren zu einem drastischen Anstieg des M\u00fcllaufkommens sowohl in der Stadt als auch an der Uni gef\u00fchrt. Die st\u00e4dtische Initiative &#8222;T\u00fc-Go \u2013 Besser bechern&#8220; und auch die &#8222;Becherwisser&#8220;-Kampagne des Studierendenwerks T\u00fcbingen-Hohenheim versuchen, ein Bewusstsein f\u00fcr das Problem zu schaffen. Kupferblau traf <strong>Ute Stirm<\/strong>, die Leiterin der Cafeterien im Tal, und <strong>Michael Rolka<\/strong>, zust\u00e4ndig f\u00fcr das Marketing in den Cafeterien, zum Gespr\u00e4ch.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frau Stirm, warum haben Sie entschieden, die To-Go-Becher in einigen Cafeterien abzuschaffen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ute Stirm:<\/strong> Seit zehn, f\u00fcnfzehn Jahren gibt es diesen Trend, dass alle ihr Essen f\u00fcr unterwegs haben m\u00f6chten, keiner hat mehr Zeit, sich gem\u00fctlich irgendwo hinzusetzen. Der M\u00fcll, der dadurch entsteht, ist nat\u00fcrlich nicht nur an der Uni, sondern bundesweit ein Problem. Wir beobachten das jetzt schon lange, sind auch schon seit einigen Jahren mit der Frau Eissler von der Uni (Abfallbeauftragte der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, Anm. d. Redaktion) in Kontakt und haben uns eben \u00fcberlegt, wie wir dem Trend entgegentreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Michael Rolka:<\/strong> Interessant ist ja auch, warum es diese Becher bei uns \u00fcberhaupt gibt. Wir haben Einwegbecher erst sehr sp\u00e4t eingef\u00fchrt und nur auf Druck der Konsumenten hin. Viele Gesch\u00e4fte haben nach und nach angefangen, To-Go-Becher einzuf\u00fchren und viele Leute haben dann dort ihren Kaffee gekauft und nicht mehr bei uns. Und dann mussten wir nachziehen. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es gibt ja auch andere Ans\u00e4tze, um den M\u00fcll zu reduzieren, zum Beispiel in dem man sagt, man macht den Kaffee billiger, wenn man ihn nicht in einem Einwegbecher nimmt. Ist das eine Option f\u00fcr das Studierendenwerk?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Rolka:<\/strong> Das funktioniert bei uns aus technischen Gr\u00fcnden nicht. Die freistehenden Kaffeemaschinen k\u00f6nnen nicht unterscheiden, ob da ein Einwegbecher oder ein Mehrwegbecher drunter steht. Das Programmieren w\u00e4re kein Problem, aber hier best\u00fcnde die Gefahr, dass \u2013 absichtlich oder aus Versehen \u2013 oft das falsche Produkt angew\u00e4hlt w\u00fcrde. An der Kasse w\u00e4re das weniger ein Problem. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stirm:<\/strong> Wir sind ja auch mit anderen Studierendenwerken in Deutschland vernetzt und tauschen uns dar\u00fcber aus, ob andere Kollegen vielleicht schon eine praktikable L\u00f6sung entwickelt haben. Wo war das noch, \u00a0wo sie mittlerweile 50 Cent f\u00fcr den Einwegbecher verlangen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Rolka:<\/strong> In Berlin. Die haben aber keine frei zug\u00e4nglichen Maschinen, da ist das machbar.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_11744\" aria-describedby=\"caption-attachment-11744\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11744\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/DSCF0530-1-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11744\" class=\"wp-caption-text\">Ute Stirm und Michael Rolka versuchen die Cafeterien m\u00f6glichst nachhaltig zu gestalten. Aber wenn die Studierenden nicht mitziehen, k\u00f6nnen sie nur wenig tun.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist mit einem Pfandsystem, wie es zum Beispiel die Stadt und die Uni Freiburg eingef\u00fchrt haben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Rolka:<\/strong> Da w\u00e4ren vor allem Ausgabe und R\u00fcckgabe das Problem. Das m\u00fcsste alles \u00fcber die Kasse laufen. Das hei\u00dft, Sie m\u00fcssten sich f\u00fcr einen Kaffeebecher anstellen, dann zur Maschine gehen, um sich dort den Kaffee zu ziehen, nur um dann nochmal zur Kasse zu gehen, um den Becher zur\u00fcckzugeben. Das ist wenig gast- bzw. kundenfreundlich und f\u00fcr die Mitarbeiter w\u00fcrde es einen enormen Mehraufwand bedeuten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und der FreiburgCup: Ich will jetzt nicht sagen, das Projekt ist gescheitert, aber zumindest das StuWe Freiburg ist mit der Entwicklung meinem Kenntnisstand nach nicht wirklich zufrieden und die Stadt Freiburg selber, glaube ich, auch nicht. Die Nutzung ist das Problem. Die Becher verschwinden einfach und werden damit aus dem Kreislauf genommen. In dem Moment macht auch ein an sich gutes System keinen Sinn mehr.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stirm:<\/strong> Das Problem sehen wir jetzt auch hier in unseren Cafeterien. Eigentlich w\u00e4re es ganz einfach: Wir stellen Kaffeetassen zur Verf\u00fcgung und wenn ich hier einen Kaffee trinken m\u00f6chte, dann setze ich mich hin und wenn ich fertig bin, gebe ich die Tasse an der Geschirrausgabe zur\u00fcck. Es ist auch kein Problem, die Becher hier im Tal von Geb\u00e4ude zu Geb\u00e4ude zu tragen, die k\u00f6nnen wir dann ja wieder austauschen, zumindest wenn sie an einer unserer R\u00fcckgabestationen abgegeben werden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem entsteht, wenn unsere Tassen in irgendwelchen Schr\u00e4nken verschwinden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben auch schon welche aus M\u00fclleimern gefischt. Das Problem betrifft auch das andere Geschirr und das f\u00fchrt zu immensen Kosten jedes Jahr. Wenn ich einen Porzellanbecher zudem nur vier-, f\u00fcnfmal benutze, bevor dieser aus unserem Bestand verschwindet, dann ist das au\u00dferdem auch keine Mehrwegl\u00f6sung mehr. Da muss sich einfach in den K\u00f6pfen etwas tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In den Cafeterien werden ja auch Mehrwegbecher verkauft.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stirm:<\/strong> Ja, wir verkaufen sowohl die T\u00fcbinger KeepCups als auch Thermobecher, da in den KeepCups der Kaffee ja nicht warm bleibt. Viele Studierende kaufen die Becher, aber es gibt wenige, die sie auch tats\u00e4chlich benutzen, bei den meisten steht er dann wohl zu Hause im Schrank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Rolka:<\/strong> In Hohenheim haben wir 2012 angefangen, KeepCups anzubieten. Die MitarbeiterInnen dort haben an den Kassen die M\u00f6glichkeit, es zu vermerken, wenn ein Kaffee im Mehrwegbecher verkauft wird. Die Nutzungsquote f\u00e4llt \u00e4u\u00dferst mager aus. Prozentual gesehen im Null-Komma-Bereich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Solange sich im Verhalten der Leute nichts \u00e4ndert, k\u00f6nnen die Becher wahrscheinlich auch nicht in anderen Cafeterien abgeschafft werden, oder?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Rolka:<\/strong> In Reutlingen, wo wir durch die reine Campuslage es nicht wie in T\u00fcbingen mit Konkurrenz zu tun haben, haben wir die Becher auch abgeschafft. Trotzdem hatten wir deutliche Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge. Kaffee ist f\u00fcr uns ein wichtiges Gesch\u00e4ft und wenn man dann feststellt, dass die Leute keinen Kaffee mehr trinken, dann \u00fcberlegt man sich nat\u00fcrlich schon aus rein wirtschaftlichen Gr\u00fcnden, ob das der richtige Weg ist. Aber man merkt schon, dass ein gewisses Umdenken einsetzt, noch nicht in dem Ma\u00dfe, wie wir es vielleicht gerne h\u00e4tten, aber: steter Tropfen h\u00f6hlt den Stein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stirm:<\/strong> Es ist halt wie auf vielen Gebieten: Anscheinend geht es nur \u00fcber Verbote und Geld. Traurig, irgendwie. Aber ja, ein Umdenken setzt ein. Wichtig ist auch, den Menschen klar zu machen, dass ein Einwegbecher Restm\u00fcll ist. Das ist ein Verbundstoff aus Kunststoff und Pappe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Rolka:<\/strong> Viele schmei\u00dfen den Einwegbecher in den Gelben Sack oder sogar ins Altpapier &#8211; und da geh\u00f6rt dieser einfach nicht rein. Diese Einwegbecher sind Restm\u00fcll.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Thomas Dinges<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In T\u00fcbingen werden jedes Jahr 2,9 Millionen Einweg-Kaffeebecher verbraucht \u2013 das sind 34 Becher pro Einwohner. 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