{"id":12182,"date":"2018-07-10T07:31:40","date_gmt":"2018-07-10T07:31:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12182"},"modified":"2021-02-19T18:25:01","modified_gmt":"2021-02-19T18:25:01","slug":"wofuer-wuerdest-du-auf-die-strasse-gehen-68er-in-tuebingen-teil-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/07\/10\/wofuer-wuerdest-du-auf-die-strasse-gehen-68er-in-tuebingen-teil-44\/","title":{"rendered":"Wof\u00fcr w\u00fcrdest du auf die Stra\u00dfe gehen? 68er in T\u00fcbingen \u2013 Teil 4\/4"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Auf die 68er-Generation wird oft nostalgisch zur\u00fcckgeblickt: \u201eDamals waren Studierende noch politisch, da konnte man noch was bewegen!\u201c Heutzutage sieht das Weltbild und das Selbstverst\u00e4ndnis an der Uni deutlich anders aus. Wir sehen uns nicht als Revolution\u00e4re und das h\u00f6chste der Gef\u00fchle ist ein entr\u00fcsteter Facebookpost \u00fcber das Mensaessen. Geht da noch was? Wir haben nachgefragt. <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Uni war schon immer ein Ort f\u00fcr gro\u00dfe Ideen und utopische Lebensvorstellungen. Hier wurde hei\u00df diskutiert und wild protestiert \u2013 das erz\u00e4hlen uns zumindest unsere Eltern und Gro\u00dfeltern. Wir dagegen sind Generation Y und Z, wir leben unter der Doktrin des absoluten Individualismus (\u201eWenn du dich nur anstrengst, kannst du alles erreichen!) und des totalen Vergleichs dank digitaler Netzwerke (\u201e\u2026 denn xy hat es ja auch geschafft! #workworkworkworklifebalance). Aber haben wir neben all den unbezahlten Praktika und den Selbstfindungs-Weltreisen noch Zeit, zu protestieren und uns f\u00fcr die Dinge einzusetzen, die uns wichtig sind?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kritisch sein und und in die Zukunft blicken<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMan muss kritisch sein. W\u00e4hlen gehen reicht nicht\u201c, findet Miriam, 26. Die Lehramtsstudentin in Geschichte, Latein und Politikwissenschaften war schon auf mehreren Demos, zum Beispiel gegen Stuttgart 21 und f\u00fcr Europa beim \u201ePulse of Europe\u201c. \u201eIch m\u00f6chte mich weiterhin f\u00fcr Europa einsetzen\u201c, sagt sie. \u201eInsbesondere gegen den Rechtsruck in europ\u00e4ischen Mitgliedsstaaten wie Italien oder Ungarn.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Jurastudent Marius war im Gegensatz zu Miriam damals <em>f\u00fcr<\/em> Stuttgart 21 demonstrieren. Mobilit\u00e4t und Digitalisierung sind ihm wichtig. \u201eMan sollte sich besonders f\u00fcr Zukunftsthemen einsetzen, wenn es um das Wohl k\u00fcnftiger Generationen geht.\u201c Bei einer Demo f\u00fcr mehr Breitbandausbau in \u00f6stlichen und l\u00e4ndlichen Gebieten Deutschlands w\u00fcrde er mitprotestieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12185\" aria-describedby=\"caption-attachment-12185\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12185\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC04247-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12185\" class=\"wp-caption-text\">Der Lehramtsstudentin Miriam bereitet der Rechtsruck in Europa Sorgen. &#8222;W\u00e4hlen gehen reicht nicht&#8220;, findet sie, man muss auch anders Stellung beziehen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Demonstrieren? Nein, danke!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere sind nicht davon \u00fcberzeugt, dass Demonstrationen oder andere Protestformen sinnvoll sind. \u201eN\u00f6\u201c, sagt David. \u201eIch will meine Meinung nicht auf andere projizieren\u201c, findet der Mathematik- und Theologiestudent. Viele andere Befragte waren ebenfalls noch nie demonstrieren. Trotzdem nennen sie Themen, f\u00fcr die sie sich in der Zukunft einsetzen w\u00fcrden. Andr\u00e9, Jurastudent, h\u00e4lt Themen dann\u00a0f\u00fcr besonders relevant, \u201ewenn sie einen selber tangieren\u201c, wie zum Beispiel Baf\u00f6g oder Studiengeb\u00fchren. \u00dcberraschend oft f\u00e4llt das Stichwort \u201eTierschutz\u201c, aber auch Umweltthemen generell \u00a0scheinen vielen ein Anliegen zu sein.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Protest geht auch digital vom Sofa aus<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Protest kann auch im Kleinen beginnen. Zum Beispiel mit dem Unterschreiben von Petitionen im Internet. Jonas, der Politik und \u00f6ffentliches Recht studiert, macht das regelm\u00e4\u00dfig, egal ob es nun um das Bienensterben oder die Emissionen von RWE geht. Sich auch in sozialen Netzwerken zu politischen Themen zu positionieren, h\u00e4lt er f\u00fcr sinnvoll. \u201eManchmal like ich aber auch einfach nur die Kommentare, die besser sind, und nicht die bl\u00f6den!\u201c, sagt er und lacht. Vor kurzem war er in M\u00fcnchen bei einer Demo gegen das versch\u00e4rfte Polizeiaufgabengesetz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12186\" aria-describedby=\"caption-attachment-12186\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12186\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC04251-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12186\" class=\"wp-caption-text\">Auch im Internet kann man politisch aktiv werden. Jonas unterzeichnet w\u00f6chentlich Petitionen. Aber auch im &#8222;Real life&#8220; geht er auf Demonstrationen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eIch m\u00f6chte hinter einer Sache stehen\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anastasia und Ella meinen, sie w\u00fcrden sich sofort gegen Paragraph 219a (Werbeverbot f\u00fcr Abtreibungen) auf die Stra\u00dfe stellen. Die Biochemikerin Anastasia berichtet von ihrem fr\u00fcheren Studienort Jena: \u201eEinmal gab es einen Fackelmarsch von Rechtsradikalen und Neonazis, der ging direkt an meiner Haust\u00fcr vorbei! Da habe ich nat\u00fcrlich bei der Gegendemo mitgemacht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberlegt und durchdacht m\u00f6chte Forogh, Lehramtsstudentin f\u00fcr Englisch und Theologie, protestieren. Deswegen hat sie es bis jetzt auch noch nicht getan. \u201eIch m\u00f6chte auch wirklich hinter einer Sache stehen, deswegen brauche ich Zeit, mich zu entscheiden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAls ich bei H&amp;M gearbeitet habe, haben die MitarbeiterInnen einmal gestreikt, das ist ja auch eine Form des Protests\u201c, erz\u00e4hlt Nele. Da sie kein Mitglied der Gewerkschaft ver.di ist, hat sie allerdings nicht mitgestreikt. Wof\u00fcr sie sich einsetzen w\u00fcrde? \u201eGegen den steigenden Semesterbeitrag und das immer teurer werdende Semesterticket!\u201c, meint die Studentin der Literatur- und Kulturtheorie. \u201eUnd f\u00fcr Menschenrechte nat\u00fcrlich.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Der eigene Lebensstil als Protestform<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lohnt es sich denn \u00fcberhaupt noch, zu demonstrieren, oder ist diese Protestform l\u00e4ngst veraltet? \u201eEs gibt viele Themen, die man nicht als Einzelperson bek\u00e4mpfen kann oder f\u00fcr die man nicht alleine einstehen kann\u201c, sagt Johanna dazu \u00fcberzeugt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDemos sind ein gutes Mittel, der Politik zu zeigen, was einem wichtig ist.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die 20-j\u00e4hrige Umwelt- und Naturwissenschaftlerin nahm in ihrer fr\u00fcheren Heimat Berlin an zahlreiche Demos teil. Nur demonstrieren reicht aber auch nicht, stellt sie fest. \u201eWenn man etwas bewegen m\u00f6chte, dann hilft es, dabei eine positive Einstellung zu haben und auch danach zu leben. Der eigene Lebensstil kann auch eine Art von Protest sein, zum Beispiel beim Veganismus.\u201c Trotzdem halte sie es f\u00fcr entscheidend, dass Ver\u00e4nderung auf verschiedenen Ebenen stattfindet. \u201eGro\u00dfe Bewegungen sind einfach wichtig.\u201c<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_12187\" aria-describedby=\"caption-attachment-12187\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12187\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC04278-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12187\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Das eigene Handeln darf nicht im Widerspruch zu dem stehen, wof\u00fcr man protestiert!&#8220;, findet Johanna. Zu einer Demo f\u00fcr Klimaschutz fliegen w\u00e4re zum Beispiel extrem kontraproduktiv.<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Clara Thier<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf die 68er-Generation wird oft nostalgisch zur\u00fcckgeblickt: \u201eDamals waren Studierende noch politisch, da konnte man noch was bewegen!\u201c Heutzutage sieht das Weltbild und das Selbstverst\u00e4ndnis &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":329,"featured_media":12184,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[534,49,316],"tags":[1408,3053,94,11,4466,4467,50,4468,472,2959,4469,803,4470,3107,4471,4472,1385,18,4473,2428,648,572,20,4474],"class_list":["post-12182","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alltagswelten","category-unipolitik","category-studentenleben","tag-aktivismus","tag-demo","tag-engagement","tag-featured","tag-gegen-rechts","tag-petitionen","tag-unipolitik","tag-polizeiaufgabengesetz","tag-protest","tag-pulse-of-europe","tag-rechtsextremismus","tag-semesterticket","tag-soziale-bewegungen","tag-soziale-medien","tag-strasse","tag-streiks","tag-studiengebuehren","tag-studierende","tag-stuttgart-21","tag-tierschutz","tag-umfrage","tag-umweltschutz","tag-uni-tuebingen","tag-ver-di"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/329"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12182"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23571,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12182\/revisions\/23571"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}