{"id":12264,"date":"2018-07-24T07:55:56","date_gmt":"2018-07-24T07:55:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12264"},"modified":"2021-02-19T18:23:08","modified_gmt":"2021-02-19T18:23:08","slug":"die-frage-ist-wer-sind-denn-alle-daniel-lede-abal-im-interview-teil-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/07\/24\/die-frage-ist-wer-sind-denn-alle-daniel-lede-abal-im-interview-teil-12\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Frage ist: Wer sind denn &#8218;alle&#8216;?&#8220; \u2013 Daniel Lede Abal im Interview Teil 1\/2"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Netzwerker, Experte, Ansprechpartner f\u00fcr alles \u2013 ein Landtagsabgeordneter muss vieles sein. Daniel Lede Abal von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen sitzt seit 2011 f\u00fcr den T\u00fcbinger Wahlkreis im baden-w\u00fcrttembergischen Landtag. Im ersten Teil des Interviews berichtet er von seinem Arbeitsalltag zwischen Stuttgart und T\u00fcbingen. Au\u00dferdem geht es um die AfD, Integrationsmanager und die Frage, wie Integration gelingt.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Herr Lede Abal, viele jungen Leute haben wenig Vorstellung davon, was ein Landtagsabgeordneter den ganzen Tag so macht. Wie sieht ihr Alltag aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lede Abal: Das ist jeden Tag anders, aber es gibt ein paar Routinen. Im Prinzip arbeiten wir wie Bundestagsabgeordnete aber eine Etage tiefer. Bildungspolitik zum Beispiel liegt in der Verantwortung der L\u00e4nder, genauso wie die Organisation und Durchsetzungsmittel der Polizei und viele Bereiche der \u00f6ffentlichen Verwaltung, auch auf kommunaler Ebene. Ich bin im Fraktionsvorstand und verantworte den Bereich Personal\u2013 das hei\u00dft, ich vertrete die Fraktion als Arbeitgeber. Als einziger Landtagsabgeordneter im Wahlkreis T\u00fcbingen bin ich hier nat\u00fcrlich auch Ansprechpartner f\u00fcr B\u00fcrgermeister, f\u00fcr Vereine und f\u00fcr soziale Initiativen. Ich f\u00fchre viele Gespr\u00e4che mit lokalen Einrichtungen und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.<\/p>\n<table style=\"height: 104px;\" width=\"475\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 456px;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 10pt;\"><strong>Daniel Lede Abal<\/strong> wurde 1976 in Stuttgart geboren, studierte Lehramt in T\u00fcbingen und war lange Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Weinhandlung in T\u00fcbingen, bis er 2011 f\u00fcr B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen in den Landtag gew\u00e4hlt wurde. Dort ist er nun\u00a0 stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Sprecher f\u00fcr Integration &amp; Migration der Fraktion. Au\u00dferdem ist er Mitglied im Ausschuss f\u00fcr Inneres, Digitalisierung &amp; Migration, im Ausschuss f\u00fcr Soziales &amp; Integration sowie im Ausschuss f\u00fcr Verkehr.<\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Stuttgart und ihrem Wahlkreis?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Stuttgart bin ich meistens Dienstag bis Donnerstag und habe dort dann viele Termine, f\u00fcr den Wahlkreis bleiben dann meist Montag, Freitag und das Wochenende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Wochenende geht dann also auch mit drauf?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin nat\u00fcrlich nicht jedes Wochenende komplett unterwegs, schlie\u00dflich habe ich auch drei Kinder, um die ich mich auch k\u00fcmmern will. Aber am n\u00e4chsten Samstag bin ich zum Beispiel den ganzen Tag unterwegs bei einer Parteiveranstaltung in Freiburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Woche waren wir mit dem Innenausschuss in Griechenland, zum Thema Migration und Fl\u00fcchtlinge. Dort haben wir Gespr\u00e4che \u00fcber die Situation an den Au\u00dfengrenzen gef\u00fchrt mit Akteuren wie NGOs bis hin zum Integrationsminister oder der Polizeibeh\u00f6rde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was f\u00fcr einen Eindruck hatten Sie von der Situation in Griechenland?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was alle Gespr\u00e4chspartner betont haben: Es gibt eine humanit\u00e4re Verantwortung und diese will man \u00fcbernehmen. Das ist eine ganz andere Botschaft als die, die jetzt die neue italienische Regierung sendet. In Griechenland wurde uns klipp und klar gesagt: \u201eVor unserer K\u00fcste ertrinkt niemand, den wir retten k\u00f6nnen\u201c. Auch wenn es nicht immer gelingt, aber der Anspruch ist da. Sie erwarten aber auch, dass Europa ihnen dabei hilft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die AfD ist mittlerweile die drittst\u00e4rkste Kraft im baden-w\u00fcrttembergischen Landtag. Was hat sich seit dem Einzug der AfD ins Parlament ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ton ist eindeutig rauer geworden. In den Jahren zuvor gab es auch harte Diskussionen und Debatten aber es gab relativ wenig Ordnungsrufe. Das hat sich jetzt massiv ge\u00e4ndert, vor allem auf Seiten der AfD. Au\u00dferdem ist das alte Lagerdenken zwischen Gr\u00fcnen und SPD auf der einen und CDU und FDP auf der anderen Seite etwas aufgebrochen. Das liegt nat\u00fcrlich auch an der aktuellen gr\u00fcn-schwarzen Regierung. Man merkt, dass die vier anderen Fraktionen der Wunsch eint, die Werte unserer Demokratie sichtbar zu machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12267\" aria-describedby=\"caption-attachment-12267\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12267\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSCF07191-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12267\" class=\"wp-caption-text\">Kupferblau besuchte Daniel Lede Abal in seinem Wahlkreisb\u00fcro in der Poststra\u00dfe.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie sind unter anderem Sprecher f\u00fcr Integration &amp; Migration f\u00fcr Ihre Partei. In Zukunft soll es in BaW\u00fc Integrationsmanager f\u00fcr die einzelnen Kommunen geben. Wo sehen Sie die Chancen dieses Projektes?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Integrationsmanager sind Teil eines gr\u00f6\u00dferen Planes, n\u00e4mlich des Paktes f\u00fcr Integration in den Kommunen (PIK) f\u00fcr die Jahre 2018 und 2019. Die Kommunen f\u00fcr die Integrationsaufgaben auszustatten war Wille der Landesregierung. Gleichzeitig sollten auch Vorgaben gemacht werden, um eine gleichm\u00e4\u00dfige Entwicklung zwischen Stadt und Land zu gew\u00e4hrleisten. Von den insgesamt 320 Millionen Euro im PIK sind die H\u00e4lfte pauschale Finanzzuwendungen, die sich an der Menge der aufgenommenen Fl\u00fcchtlinge pro Kommune orientieren. Der zweite Teil ist dann f\u00fcr Projekte bestimmt, wie zum Beispiel Sprachkurse f\u00fcr Personen, die vom BAMF nicht ber\u00fccksichtigt werden, sowie Eingliederungsma\u00dfnahmen in Ausbildung und Beruf. Und eben auch die Integrationsmanager. Die Idee daf\u00fcr haben wir aus der letzten Legislaturperiode von einer Kanadareise mitgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie funktioniert die Umsetzung des Konzeptes?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon im April waren gut 600 von den insgesamt 1000 Stellen besetzt. Das Konzept wird gut aufgenommen und wir haben auch viele Anfragen, was mit diesem Modell nach 2019 geschehen wird \u2013 das wissen wir n\u00e4mlich auch noch nicht, weil es sich hierbei um Sondermittel des Bundes handelt. Wir sehen das Projekt auch als Modellversuch der Integrationsunterst\u00fctzung in einer Einwanderungsgesellschaft. Zielgruppe sind genau die Personen, die bis jetzt aus dem System gefallen sind. Es gibt zwar das Angebot der Sozialbetreuung, aber nur f\u00fcr Personen, die im Asylverfahren sind. Wenn aber das Verfahren beim Bundesamt oder beim Verwaltungsgericht beendet ist, fallen sie aus dieser F\u00fcrsorge heraus, sie erhalten Leistungen, verlieren aber ihre Ansprechpartner, die ihnen bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen helfen oder zum Beispiel dabei, ihr Kind im Kindergarten anzumelden. Und genau diesen Bereich der Alltagsbegleitung decken die Integrationsmanager ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wo findet man einen T\u00fcbinger Integrationsmanager?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Stadtverwaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ihr Parteikollege Boris Palmer, der Oberb\u00fcrgermeister T\u00fcbingens, hat ein Buch geschrieben mit dem Titel \u201eWir k\u00f6nnen nicht allen helfen\u201c. W\u00fcrden Sie den Satz so stehen lassen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage ist doch: Wer sind denn \u201ealle\u201c? Wir haben jetzt neue Zahlen vom UNHCR, die besagen, dass 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht sind, und da sind noch nicht mal die Menschen dabei, die innerhalb ihres eigenen Heimatlandes auf der Flucht sind. Aber de facto ist das, was in Deutschland an Fl\u00fcchtlingsaufnahme erfolgt ist, gemessen an den Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, relativ wenig. Es ist auch wenig gegen\u00fcber dem, was in Italien und Griechenland \u00fcber Jahre hinweg relativ normal war. Das hat uns damals aber gar nicht so gest\u00f6rt, sondern da haben wir uns strikt auf die Dublin-Regelung zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2015 hatten wir eine sehr hohe Zahl von Fl\u00fcchtlingen und das war schlicht aufgrund des kurzen Zeitraums nat\u00fcrlich schwer zu bew\u00e4ltigen. Menschen kamen in Deutschland an und wurden weiter in Einrichtungen gebracht, die teilweise erst geschaffen wurden, w\u00e4hrend die Leute schon im Zug nach Baden-W\u00fcrttemberg sa\u00dfen. Das war ein Kraftakt und ist nicht so einfach wiederholbar. Aber damit endet nicht unsere Verantwortung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Veranstaltungstipp: Podiumsdiskussion mit Herrn Lede Abal zum Thema &#8222;reclaim the streets&#8220; \u2013 Sicherheit im \u00f6ffentlichen Raum, heute, 24.7.2019, um 19:30 Uhr im D.A.I.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Foto:<\/span> Thomas Dinges<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Netzwerker, Experte, Ansprechpartner f\u00fcr alles \u2013 ein Landtagsabgeordneter muss vieles sein. 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