{"id":12338,"date":"2018-08-22T07:28:59","date_gmt":"2018-08-22T05:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12338"},"modified":"2018-08-22T07:28:59","modified_gmt":"2018-08-22T05:28:59","slug":"technikfrei-reisen-in-ligurien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/08\/22\/technikfrei-reisen-in-ligurien\/","title":{"rendered":"Technikfrei reisen in Ligurien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Unsere Autorin entdeckt w\u00e4hrend ihres Sommerurlaubs in Italien die Vorz\u00fcge des offline-Reisens und beweist damit: Am besten l\u00e4sst sich die Welt ganz ohne Instagramfilter entdecken.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Sonne strahlt auf die kleine Stadt in den Bergen. Die Luft, unten im Tal noch hei\u00df und schw\u00fcl, wird hier oben durch einen sanften Wind angenehm abgek\u00fchlt. Wir haben unseren Mietwagen spontan auf einem Parkplatz am Ortseingang stehen gelassen, sind durch das Gewirr bunter Stra\u00dfen zu einer halbverfallenen Burg aus dem 12. Jh. spaziert und jetzt sitzen wir hier, in einer kleinen Osteria, zwei dampfende Teller mit hausgemachter Pasta auf dem Tisch. Calizzano hei\u00dft dieses h\u00fcbsche St\u00e4dtchen, in dem wir ganz zuf\u00e4llig gelandet sind. So, wie wir auf dieser Reise fast alles dem Zufall \u00fcberlassen haben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Reihe nach. Mein Freund und ich hatten f\u00fcr diesen Sommer geplant, ein paar ruhige Tage in der Sonne zu verbringen. Die Utopie: M\u00f6glichst kleine, idyllische D\u00f6rfer mit gutem Essen und sch\u00f6ner Natur m\u00f6glichst fern ab der Touristenmassen \u2013 sofern das in Italien im August \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Nach ein wenig Recherche entschieden wir uns f\u00fcr die Region um Savona, Ligurien. Wir buchten eine Ferienwohnung und damit war unsere Reisevorbereitung beendet. Genervt von den vielen vor dem Bildschirm verbrachten Stunden w\u00e4hrend des Semesters beschlossen wir,\u00a0 keine technischen Ger\u00e4te mitzunehmen &#8211; also keine Laptops, keine Smartphones etc. Einzige Ausnahme: Eine Digitalkamera und mein Tastenhandy, f\u00fcr den Fall, dass wir den Vermieter der Ferienwohnung anrufen m\u00fcssten (wer die letzte Kupferblau aufmerksam gelesen hat, wei\u00df bereits, dass ich kein Smartphone besitze).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So steigen wir also in Genua aus dem Bus, nehmen unseren Mietwagen in Empfang und fahren los, ohne wirklich zu wissen, was uns erwartet. In einem Notizbuch hatte ich mir vorab die Wegbeschreibung notiert. Nach dem f\u00fcnften Kreisverkehr habe ich allerdings die \u00dcbersicht verloren, und obwohl wir irgendwann das richtige Dorf finden, muss ich doch mein Handy anschalten, um unseren Vermieter nach einer Wegbeschreibung zu fragen. \u201eGebt einfach \u201eVia San Paolo\u201c bei Google Maps ein\u201c, lautet sein Vorschlag. Da wir das aber nicht k\u00f6nnen, schwingt er sich auf seine Vespa und kommt uns abholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Tagesablauf sieht in den n\u00e4chsten Tagen so aus: Morgens fr\u00fchst\u00fccken wir in der Sonne, die schon um neun Uhr erbarmungslos auf unsere K\u00f6pfe brennt und genie\u00dfen die Aussicht \u00fcber die h\u00fcgelige Landschaft und das tiefblaue Meer. Danach breiten wir unsere Stra\u00dfenkarte auf dem Fr\u00fchst\u00fcckstisch aus und machen einen Plan, wo wir entlangfahren m\u00f6chten &#8211; nur darauf basierend, welche Ortsnamen h\u00fcbsch klingen. Dann steigen wir ins Auto, fahren los und halten \u00fcberall dort spontan an, wo es uns gef\u00e4llt. Und wenn eine andere Stra\u00dfe h\u00fcbscher aussieht als die, die wir geplant hatten, fahren wir eben dort entlang.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12341\" aria-describedby=\"caption-attachment-12341\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12341 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/DSCF6517-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12341\" class=\"wp-caption-text\">Sich einfach mal treiben lassen und ganz nebenbei die sch\u00f6nsten Gassen entdecken.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht die M\u00f6glichkeit zu haben, alles vorher im Detail zu recherchieren, beschert uns die sch\u00f6nsten Entdeckungen. Zum Beispiel haben wir in unserer Ferienwohnung einen Flyer \u00fcber eine Tropfsteinh\u00f6hle gefunden, die nur drei Minuten entfernt liegt. Kurz entschlossen fahren wir dort hin und verbringen eine Stunde in v\u00f6lligem Staunen in dem \u00fcber einen Kilometer langen Tunnelsystem, von dem die meisten Touristen nie etwas geh\u00f6rt haben. Sp\u00e4ter fahren wir \u00fcber sich windende, enge Bergstra\u00dfen mit traumhafter Aussicht \u00fcber das in der Ferne glitzernde Meer und entdecken D\u00f6rfer, die alles sind, was wir uns ertr\u00e4umt hatten: Malerisch, authentisch und frei von Touristen. So wie Calizzano. H\u00e4tten wir vorher recherchiert, w\u00e4re es uns wahrscheinlich nie in den Sinn gekommen, in dieses unscheinbare, charmante St\u00e4dtchen zu fahren, das irgendwo im Nirgendwo liegt und wir w\u00fcrden jetzt nicht in diesem sch\u00f6nen kleinen Restaurant diese leckere Pasta essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u00e4ltere Paar am Nebentisch hat w\u00e4hrend des ganzen Essens vielleicht zehn S\u00e4tze miteinander gesprochen, da beide pausenlos an ihrem Smartphone h\u00e4ngen. Die eigene Techniklosigkeit macht mir noch bewusster als sonst, wie oft Smartphones die direkte Kommunikation st\u00f6ren. W\u00e4hrend der n\u00e4chsten Tage gibt es viele dieser Momente, in denen ich mich frage, warum manche Menschen \u00fcberhaupt zusammen unterwegs sind, wenn sie sich doch anscheinend gar nichts zu sagen haben. Eine interessante Beobachtung machen wir allerdings: Es sind fast immer ausl\u00e4ndische Touristen (von denen es in den K\u00fcstenst\u00e4dten nur so wimmelt), die an ihren Smartphones kleben. Die Italiener scheinen diesen Habitus noch nicht \u00fcbernommen zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Calizzano und seine Verwandten mit so sch\u00f6n klingenden Namen wie Zuccarello oder Castelvecchio di Rocca Barbena liegen in der Mittagshitze wie ausgestorben vor uns und wir genie\u00dfen die Stille. Besonders die vielen sch\u00f6nen Kirchen, die meisten davon viele hundert Jahre alt, beeindrucken. Jede der St\u00e4dte, die wir besuchen, hat mindestens eine altehrw\u00fcrdige Kirche, die in jedem anderen Land eine Touristenattraktion w\u00e4re. Nicht so hier. Die kleine Stadt Diano Castello zum Beispiel, in der wir spontan anhalten, hat nur rund 2.200 Einwohner, aber gleich f\u00fcnf Kirchen, von denen zwei aus dem zw\u00f6lften Jahrhundert stammen. Diese kleinen St\u00e4dte in den Bergen sind wirklich kein Vergleich zu den \u00fcberf\u00fcllten St\u00e4dten an der K\u00fcste mit ihren Sonnenschirm-gepflasterten Str\u00e4nden, die wir tags\u00fcber m\u00f6glichst meiden. Warum jemand seinen Tag an einem kleinen Strandabschnitt verbringen m\u00f6chte, auf dem sich Liegestuhl an Liegestuhl dr\u00e4ngt, den ganzen Tag Musik l\u00e4uft und in manchen F\u00e4llen Kinderentertainment im Pool stattfindet (ein Pool am Strand???), bleibt f\u00fcr mich auf dieser Reise das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12339\" aria-describedby=\"caption-attachment-12339\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12339 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/DSCF6475-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12339\" class=\"wp-caption-text\">Fast schon unwirklich sch\u00f6n &#8211; die malerischen D\u00f6rfer Italiens.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mag sich vielleicht komisch anh\u00f6ren, aber w\u00e4hrend unserer sechst\u00e4gigen Technikpause habe ich das Internet kein einziges Mal vermisst. Es hat etwas ungemein entspannendes, am Abend einfach ein Buch zu lesen, Karten zu spielen oder auf der Terrasse zu sitzen und auf das dunkle Meer zu blicken, ohne das Gef\u00fchl zu haben, jetzt die Nachrichten lesen zu m\u00fcssen oder den Daheimgebliebenen die sch\u00f6nsten Fotos des Tages zu schicken oder sie zu posten. Unsere Tage sind hier so gef\u00fcllt von neuen Eindr\u00fccken, dass wir abends kein einziges Mal das Bed\u00fcrfnis haben, einen Film zu sehen. Es ist auch sch\u00f6n, nicht zu wissen, was die tollsten Sehensw\u00fcrdigkeiten oder die besten Restaurants in der Gegend sind, denn das nimmt den Druck weg, sie besuchen zu m\u00fcssen. Wir fahren einfach in den Tag hinein und vielleicht haben wir einfach nur Gl\u00fcck, aber jeden Abend sind wir gl\u00fccklich \u00fcber die Orte, die wir gesehen und die Restaurants in denen wir gegessen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Calizzano rundet ein Tiramisu unser Mittagessen ab, bevor wir wieder ins Auto steigen und weiterfahren, der Hitze an der K\u00fcste entgegen. Wenige Tage danach steigen wir morgens um 6.30 Uhr in T\u00fcbingen wieder aus dem Bus. Ein paar Stunden Schlaf sp\u00e4ter schalte ich mein Laptop an und warte etwas wehm\u00fctig darauf, dass meine E-Mails laden. Nebenbei werfe ich einen ersten Blick auf die Nachrichten. Willkommen zur\u00fcck im Alltag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Luke Liscio<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Autorin entdeckt w\u00e4hrend ihres Sommerurlaubs in Italien die Vorz\u00fcge des offline-Reisens und beweist damit: Am besten l\u00e4sst sich die Welt ganz ohne Instagramfilter entdecken.<\/p>\n","protected":false},"author":341,"featured_media":12340,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[534],"tags":[4521,205,11,3447,2913,497,2411,3424,4522,2904,225,2364,4523,19,2598,2417],"class_list":["post-12338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alltagswelten","tag-abhaengig","tag-essen","tag-featured","tag-ferien","tag-freiheit","tag-internet","tag-italien","tag-kommunikation","tag-neues","tag-pasta","tag-sommer","tag-sonne","tag-technikfrei","tag-tubingen","tag-ueberraschung","tag-urlaub"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/341"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}