{"id":12424,"date":"2018-10-29T11:35:00","date_gmt":"2018-10-29T11:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12424"},"modified":"2021-02-19T18:19:51","modified_gmt":"2021-02-19T18:19:51","slug":"die-mode-spricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/10\/29\/die-mode-spricht\/","title":{"rendered":"Die Mode spricht"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Anl\u00e4sslich des hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Frauenwahlrechts referierte die Amerikanistin Stefanie Sch\u00e4fer vergangenen Mittwoch im Deutsch-Amerikanischen Institut \u00fcber die Schnittstellen von \u201eMode, Feminismus und First Ladies in den USA\u201c. Wie die First Ladies Frauenbilder und Politisches \u00fcber Mode verhandeln, zeigte Sch\u00e4fer eindr\u00fccklich an den zeitgen\u00f6ssischen Figuren Melania Trumps und Michelle Obamas. Ein kleiner Exkurs in die Kulturwissenschaft, dem eine eifrige Schlussdiskussion folgte.<\/em> <\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n\u201eDie First Lady funktioniert \u00e4hnlich wie ein Modetrend: sie ist immer neu, nicht bei allen popul\u00e4r und hat tats\u00e4chlich das Potenzial, stilbildend zu funktionieren\u201c, beginnt die Professorin aus Erlangen ihren Vortrag. Denn bei geschickter Inszenierung und Initiative hat eine First Lady durchaus \u201eInfluencer-Potenzial\u201c. Dies zeigt auch ein Blick auf die First-Ladies-History: Nicht nur Jacky Kennedys Ausstrahlung machte das Amt \u00fcber die Landesgrenzen hinweg bekannt, auch Hillary Clinton war in den 90er Jahren sehr popul\u00e4r. Dass sie sich in politischen Diskurs einbrachte scheiterte allerdings, denn \u201edie First Lady darf nicht die Erlaubnis haben, Policy zu schreiben\u201c. Das Amt der First Lady ist eben eher repr\u00e4sentativ.<\/p>\n<h3>Durch Mode Sprechen: Eine kleine Kulturtheorie<\/h3>\n<p>Die Rolle der First Lady beschreibt Sch\u00e4fer als Schnittstelle zwischen nationalen und kulturellen Mythen. Der First Lady fehlt zwar die politische Entscheidungsmacht, sie kann sich laut Sch\u00e4fer jedoch durch die Mode, beziehungsweise durch ihren \u201emodisch sprechenden K\u00f6rper\u201c positionieren und inszenieren. Mode und Kleidung bilden also ein eigenes Zeichensystem und dienen heute in erster Linie der individuellen Selbstinszenierung, die dadurch eine Sprachmacht entfalten k\u00f6nne.<br \/>\n<figure id=\"attachment_12426\" aria-describedby=\"caption-attachment-12426\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12426 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DSC0565-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12426\" class=\"wp-caption-text\">PD Dr. Stefanie Sch\u00e4fer ist Gastprofessorin am Lehrstuhl f\u00fcr American Studies an der Friederich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen.<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<h3>Die Sprachmacht zweier Portraits<\/h3>\n<p>Diese Sprachmacht zeigt Sch\u00e4fer anschlie\u00dfend am Beispiel der beiden offiziellen First-Lady Fotoportraits: Michelle Obama steht im \u00e4rmellosen Kleid auf der Regierungsebene des Wei\u00dfen Hauses, die amtierende First Lady l\u00e4sst sich hingegen auf der Familienetage fotografieren, mit verschr\u00e4nkten Armen und hochgeschlossener Bluse. Michelle Obama gilt laut vielen Kommentatoren als unabh\u00e4ngige \u201eself-made woman\u201c, die ihrem Mann partnerschaftlich zur Seite steht, einen erkennbar weiblichen Modestil entwickelt und damit auch ein Zeichen gegen schwarze Stereotype gesetzt habe, so Sch\u00e4fer. Melania Trump hingegen erf\u00fclle ihre Rolle eher dem patriarchalischen Prinzip getreu &#8211; in ihrer bisherigen Amtszeit habe es weit weniger \u201epublic appearance\u201c gegeben, daf\u00fcr aber den ein oder anderen modischen Skandalon.<\/p>\n<h3>\u201eI really don\u2019t care, do U ?\u201c<\/h3>\n<p>Eine Jacke mit provokanter Aufschrift auf Reise als \u201esocial activist\u201c zur mexikanischen Grenze, ein Kolonial-Hut auf Afrikareise und \u201eSturm-Stilettos\u201c im Hurrikan-Gebiet: ob Melania anhand ihrer modischen Inszenierung als \u201ecaptive princess\u201c oder heimliche Rebellin des Wei\u00dfen Hauses gedeutet werden mag &#8211; \u00fcber das eigene Selbstverst\u00e4ndnis ihrer Rolle erfahren wir nichts, solange sie sich nicht \u00e4u\u00dfert. \u201eEs kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Inszenierung eine eigene Sprache spricht, die Mode also an sich spricht\u201c<em>, <\/em>denn auch wenn die First Lady nicht spricht, wird der Blick auf ihre First-Ladyschaft eben fiktional inszeniert, rezitiert Stefanie Sch\u00e4fer die nigerianische Schriftstellerin Adichie, deren \u201eMikronovell\u201c \u00fcber die fiktionale Melania sie soeben vorgestellt hat. Stephanie Sch\u00e4fer schlie\u00dft mit den Worten, dass First Ladys die Pr\u00e4sidentschaft ihres Mannes nicht nur als schm\u00fcckendes Beiwerk, als \u201eornamental part\u201c ausgestalten, sondern vielmehr das Fundament der Pr\u00e4sidentschaft bilden und diese erst durch ihre Anwesenheit vollst\u00e4ndig legitimiert ist.<br \/>\nWarum niemand \u00fcber Deutschlands First Lady bzw. den Kanzlergatten spricht und ob sich die Rolle der First Lady in popkulturellen Medien, z.B. in House of cards, reflektiert, waren nur einige der Fragen, die im Anschluss des Vortrags rege diskutiert wurden. Eine Frage blieb jedoch unbeantwortet: wann wird die First Lady durch eine Pr\u00e4sidentin ersetzt?<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Fotos:<\/strong><\/span> Christine Scharf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Frauenwahlrechts referierte die Amerikanistin Stefanie Sch\u00e4fer vergangenen Mittwoch im Deutsch-Amerikanischen Institut \u00fcber die Schnittstellen von \u201eMode, Feminismus und First Ladies &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":351,"featured_media":12425,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,62],"tags":[3631,11,4542,4543,1250,19,403,550,1336],"class_list":["post-12424","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kultur","tag-deutsch-amerikanisches-institut","tag-featured","tag-first-lady","tag-kulturtheorie","tag-mode","tag-tubingen","tag-usa","tag-vortrag","tag-zukunft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/351"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12424"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12424\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23560,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12424\/revisions\/23560"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}