{"id":12461,"date":"2018-11-05T08:31:29","date_gmt":"2018-11-05T07:31:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12461"},"modified":"2018-11-05T08:31:29","modified_gmt":"2018-11-05T07:31:29","slug":"die-kunst-der-linien-interview-mit-juergen-klugmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/11\/05\/die-kunst-der-linien-interview-mit-juergen-klugmann\/","title":{"rendered":"Die Kunst der Linien: Interview mit J\u00fcrgen Klugmann"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Nach seiner Ausbildung zum Buchh\u00e4ndler machte J\u00fcrgen Klugmann (*1963) seine k\u00fcnstlerische Ausbildung am Zeicheninstitut der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Sp\u00e4ter gab er den \u201akonventionelleren\u2018 Beruf auf und wagte den Sprung in die k\u00fcnstlerische Selbstst\u00e4ndigkeit. Bei dem Besuch seiner Ausstellungser\u00f6ffnung \u201eLINIEN_FOLGEN\u201c im K\u00fcnstlerbund T\u00fcbingen, am 27.10.2018, erz\u00e4hlt Klugmann im Interview von seinem Leben und Werdegang als K\u00fcnstler.<\/strong><\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nGerade Linien, Kurven, Kreuzungen \u2013 zahlreiche Wiederholungen, Rhythmen und Bewegungen mit Kugelschreibern, Farbstiften und Tuschen auf Papier: J\u00fcrgen Klugmanns Zeichnungen pr\u00e4sentieren sich abstrakt und als formale Reduktion auf die Linie selbst. Sie erwecken keine Referenzen an Landschaften wie fr\u00fchere Werke des K\u00fcnstlers. Die Zeichnungen konzentrieren sich nun auf die Linien als reine \u201egraphische Gebilde\u201c umgeben von wei\u00dfem Freiraum, dem Papier selbst.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12463\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-2-476x672.jpg\" alt=\"\" width=\"476\" height=\"672\" \/><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"><em>J\u00fcrgen Klugmann, B\u00fcgls\u00e4g_1, 2016, Bleistift und Buntstift auf Papier<\/em><\/span><br \/>\nDr. Thomas Schlereth, ein anerkannter Kunstexperte, hielt die Einf\u00fchrungsrede zu der Ausstellungser\u00f6ffnung und erkl\u00e4rte Klugmanns k\u00fcnstlerische Vorgehensweise. Der K\u00fcnstler bringt dabei mithilfe einer technischen Konstruktion aus einem St\u00fcck Holz und einem Draht, Linie um Linie auf das Blatt. Die Konstruktion wird nicht als starre Schablone verwendet, sondern l\u00e4sst ihm einen k\u00fcnstlerischen Freiraum. Die Linien k\u00f6nnen dadurch voneinander abweichen und er\u00f6ffnen Spielraum f\u00fcr den Zufall bei den Kompositionen.<br \/>\nDer K\u00fcnstler selbst, ein Autodidakt, erkl\u00e4rt im folgenden Interview seinen Weg zur Kunst und seine Werke:<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Kupferblau: Herr Klugmann,<\/strong> <strong>von <\/strong><strong>1987 bis 1992 kamen Sie zu Kursen der Malerei an das Zeicheninstitut der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Welche Schl\u00fcsselereignisse haben Sie danach dazu bewogen ihren Beruf als Buchh\u00e4ndler aufzugeben und K\u00fcnstler zu werden?<\/strong><br \/>\nJ\u00fcrgen Klugmann: Es ist ein sinnvolleres Leben als K\u00fcnstler. Ich habe mal auch eine Zeit lang arch\u00e4ologisch ausgegraben im Kornhaus (das heutige Stadtmuseum T\u00fcbingen). Und da muss ich sagen, dass ich in der Zeit komischerweise immer mehr zur Kunst gekommen bin. Denn f\u00fcr mich waren die Ausgrabungen auch einfach sch\u00f6ne Bilder. Und ich habe diese mehr unter einem \u00e4sthetischen Gesichtspunkt gesehen als unter einem wissenschaftlichen. In der Zeit habe ich dann auch angefangen bei Prof. Martin Schmid im Zeicheninstitut der Universit\u00e4t T\u00fcbingen viel zu machen.<br \/>\n<strong>Warum entschieden Sie sich gegen den klassischen Ausbildungsweg an einer Kunstakademie, und wie kamen Sie zurecht als K\u00fcnstler?<\/strong><br \/>\nDas Zeicheninstitut war eine ganz wunderbare Sache, da habe ich sehr viel gelernt. Und warum ich dann nicht an eine Akademie gegangen bin: Mir ist es am Anfang sehr gut gegangen. Ich kam immer gut an mit meiner Kunst, wenn ich eine Ausstellung gemacht habe und konnte auch einigerma\u00dfen gut davon leben. Ich brauchte das glaube ich nicht, an eine Akademie zu gehen. Ich glaube, es hat nat\u00fcrlich auch schon Vorteile an einer Akademie zu sein, nur die kannte ich damals noch nicht. Aber sagen wir es mal so: Ich habe das Gef\u00fchl, dass auch ohne die Akademie aus mir ein K\u00fcnstler geworden ist.<br \/>\n<strong>Dann hatten Sie sozusagen auch sehr viel Gl\u00fcck, Sie konnten Ihren Traum leben?<\/strong><br \/>\nNun ja, ich habe eben auch meine Brotberufe. Ich unterrichte noch in der Schule, mache in der Kunsthalle die Museumsp\u00e4dagogik und ich gebe jetzt wieder am Bodensee eine Woche lang an einer Akademie einen Kurs. Also ich muss schon auch zus\u00e4tzlich noch arbeiten, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Trotzdem f\u00fchle ich mich als ganzer K\u00fcnstler.<br \/>\n<strong>Bei Ihren Werken handelt es sich vor allem um Zeichnungen, was gef\u00e4llt Ihnen an dem k\u00fcnstlerischen Ausdruck einer Zeichnung im Gegensatz zur Malerei mit Farbe und Pinsel?<\/strong><br \/>\nDie Zeichnung ist direkt, etwas ganz unvermittelt Direktes: Man setzt einen Strich und wird nicht mehr \u00fcbermalt, sondern er bleibt stehen. Und die Direktheit des Ausdrucks ist das Sch\u00f6ne f\u00fcr mich.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12464\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-955x672.jpg\" alt=\"\" width=\"955\" height=\"672\" \/><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"><em>J\u00fcrgen Klugmann, LF_Schwei\u00dfdraht_4, 2018, Buntstift, Tusche und Bleistift auf Papier.<\/em><\/span><br \/>\n<strong>Der Zufall beim Zeichnen spielt dabei auch eine gro\u00dfe Rolle. Gilt der Zufall dabei als \u00e4sthetisches Mittel um mehr Freiheit in die Linienf\u00fchrung zu bringen?<\/strong><br \/>\nJa klar, der Zufall ist ein Element, das mitspielt, und das mag ich auch zu kultivieren. Ich will die Bilder nicht komplett dem Zufall \u00fcberlassen, sondern gehe geplant vor und schaffe mit dem Zufall Kompositionen, die ich gleichzeitig mitsteuere. Das Gegeneinanderhalten von Zufall und Steuerung ist wie eine Art Spiel.<br \/>\n<strong>Sie hatten in der Vergangenheit mehrere Arbeitsaufenthalte im Ausland, z.B. lebten Sie in Rom, New York, Ungarn und in Russland. Welcher Ort beeindruckte Sie am meisten und pr\u00e4gte ihre k\u00fcnstlerische Arbeit?<\/strong><br \/>\nWahrscheinlich Rom. Dort war ich am l\u00e4ngsten, drei Jahre lang. Da ist viel eingeflossen in meine Arbeit. Zum Teil auch in ganz formal\u00e4sthetischen Dingen, die ich heute mache. In dieser Ausstellung nicht so sehr, doch bei anderen Zyklen erkennt man die Einfl\u00fcsse doch eher. \u00a0Ja, Rom hat mich schon sehr gepr\u00e4gt, da die Stadt auch einfach voll mit Kunst ist, die einem an jeder Ecke begegnet.<br \/>\n<strong>Trotz mehrerer Aufenthalte im Ausland und Kunstmetropolen wie Rom leben und arbeiten Sie in T\u00fcbingen. Was lieben Sie an T\u00fcbingen und was bietet Ihnen die Stadt, sodass sie nicht weggezogen sind?<\/strong><br \/>\nAch, in T\u00fcbingen lebt man gut. Ich habe hier im franz\u00f6sischen Viertel einen Pferdestall, den ich umgebaut habe und das ist ein wunderbares Atelier mit einer sch\u00f6nen Wohnung. Da lebe ich einfach gut, was ich mir in Rom nie leisten k\u00f6nnte. In Rom habe ich mir mit meiner Frau zusammen ein Arbeitszimmer geteilt. Dort habe ich lauter kleine Arbeiten gemacht. Und hier in T\u00fcbingen, da f\u00fchle ich mich schon sehr wohl.<br \/>\n<strong>An was arbeiten Sie als N\u00e4chstes?<\/strong><br \/>\nDie aktuelle Serie von meinen Werken ist noch nicht abgeschlossen. Da ist noch einiges da, auch viele halbfertige Arbeiten. Es gibt aber immer noch eine andere Serie, an der ich auch arbeite. Das sind die \u201eVergessenen\u201c, das sind meistens K\u00f6pfe, die ins Vergessen rutschen und mit vielen Acrylschichten \u00fcbermalt werden. Die Arbeiten sind demn\u00e4chst zu sehen in Hechingen im Hechinger Kunstverein.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<em>Die Ausstellung ist noch zu sehen bis zum 1.12.2018 im K\u00fcnstlerbund T\u00fcbingen, Metzgergasse 3. Immer Do bis Fr 16 \u2013 19 Uhr und Sa 11 \u2013 17 Uhr. <\/em><br \/>\n<em>Zus\u00e4tzliche Veranstaltungen: Lesung mit Mike Michelus am Samstag, den 17.11.2018 um 20 Uhr &amp; Finissage am Samstag, den 01.12.2018 ab 17 Uhr mit Musik von Jens Braun.<\/em><br \/>\nFotos: Jens Klatt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach seiner Ausbildung zum Buchh\u00e4ndler machte J\u00fcrgen Klugmann (*1963) seine k\u00fcnstlerische Ausbildung am Zeicheninstitut der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. 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