{"id":12620,"date":"2018-11-18T16:53:07","date_gmt":"2018-11-18T15:53:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12620"},"modified":"2018-11-18T16:53:07","modified_gmt":"2018-11-18T15:53:07","slug":"wir-sind-ein-emotionales-medium-exkursion-zum-zdf-nach-mainz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/11\/18\/wir-sind-ein-emotionales-medium-exkursion-zum-zdf-nach-mainz\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind ein emotionales Medium\u201c \u2013 Exkursion zum ZDF nach Mainz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Wie gelingt der Berufseinstieg in den Fernsehjournalismus? Wie entsteht ein Beitrag f\u00fcr eine Nachrichtensendung? Wie sind die Abl\u00e4ufe im Studio? Diese und viele weitere Fragen wurden am Freitag auf der Praxis &amp; Beruf-Exkursion zum ZDF-Sendezentrum in Mainz ausf\u00fchrlich beantwortet. Als Highlight gab es eine offene Fragerunde mit Dr. Claus Kleber.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 7:15 Uhr trudelten am k\u00fchlen Freitagmorgen nach und nach fr\u00f6stelnde T\u00fcbinger Studierende in der Keplerstra\u00dfe ein, um das ZDF-Sendezentrum in Mainz zu besuchen. Benedict Kurz vom Praxis &amp; Beruf-Team nahm als Organisator die Teilnehmenden in Empfang und p\u00fcnktlich um 7:30 Uhr konnte der eigens beorderte Bus in Richtung Mainz losrollen. Trotz der eisigen Temperaturen waren die journalistisch interessierten Studierenden hochmotiviert \u2013 schlie\u00dflich konnten sie sich auch auf ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch mit Claus Kleber freuen. Nach knapp dreist\u00fcndiger Busfahrt war das Ziel auf dem Mainzer Lerchenberg erreicht. Allerdings musste sich die T\u00fcbinger Delegation noch einige Minuten gedulden, da die Sicherheitsschleuse deutlich vor dem angek\u00fcndigten Zeitpunkt erreicht war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich hie\u00df Tanja Hess die Gruppe vor einem unscheinbaren Nebengeb\u00e4ude willkommen und f\u00fchrte sie in einen mit vision\u00e4ren Postern der ZDF-Sendungen ausgestatten Besucherraum. Routiniert stellte sie den G\u00e4sten die Hard Facts der \u00f6ffentlichen-rechtlichen Sendeanstalt vor, die zu den gr\u00f6\u00dften Europas z\u00e4hlt. Von den 17,50\u20ac Rundfunkbeitrag pro deutschem Haushalt bekommt das ZDF anteilig 4,32\u20ac. Davon werden auch Kan\u00e4le wie ZDFinfo, ZDFneo, arte, phoenix, 3Sat, Kika und die Onlinepr\u00e4senz funk mitfinanziert. Ein H\u00f6rfunkangebot hat das ZDF im Gegensatz zur ARD nicht. Durch Verkauf von Produktionen und 20 Minuten t\u00e4glicher Werbeausstrahlung kommt der Sender zu zus\u00e4tzlichen Einnahmen. So verf\u00fcgt das ZDF insgesamt \u00fcber ein Budget von ca. 2 Milliarden Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12623\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_6988-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Nicht wenige Studierende hatten die lange Fahrt auf sich genommen, um beim Fernsehen mal hinter die Kulissen zu schauen<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ZDF unterh\u00e4lt Studios in allen deutschen Landeshauptst\u00e4dten sowie an 18 internationalen Standorten, darunter Washington D.C., Br\u00fcssel und Singapur. Neben der Nachrichtenproduktion haben die deutschen Standorte weitere Schwerpunkte, in Berlin etwa die Produktion von Polit-Talks oder Kochshows im Hamburger Studio. In Mainz befindet sich mit Verwaltungs- und Redaktionsgeb\u00e4ude, Sendebetriebsgeb\u00e4ude und dem Nachrichtenstudio die Zentrale des Senders. Die Auslandsstandorte haben in der Regel nur eine Handvoll Mitarbeitende und decken zum Teil trotzdem riesige Gebiete ab. So ist das Studio in Rio de Janeiro f\u00fcr den gesamten lateinamerikanischen Raum zust\u00e4ndig. Die Produktion von Spielfilmen ist allerdings ausgesourct.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie eine Nachrichtensendung entsteht, wurde in einem Kurzfilm am Beispiel des heute-journals gezeigt. Dabei wurde unter anderem auf die Themenfindung, Zeitplanung und Gegenpr\u00fcfung der Fakten eingegangen. \u00dcber den Tag verteilt finden verschiedene Meetings statt, die \u201ePflichtthemen\u201c werden beleuchtet und es wird festgelegt, welche Themen au\u00dferdem f\u00fcr den Zuschauer relevant sein k\u00f6nnten. Das Mitspracherecht jedes einzelnen Redakteurs wurde besonders betont. Sie allein entscheiden welche Beitr\u00e4ge den Weg in die Sendung finden. Generell gilt beim ZDF in der Nachrichtenproduktion das Zwei-Quellen-Prinzip, nach dem zwei unabh\u00e4ngige Quellen die gleiche Nachricht melden m\u00fcssen, damit sie weiterverbreitet wird. Nat\u00fcrlich hat sich trotzdem jede Sendung vor dem ZDF-Fernsehrat zu verantworten, der die Einhaltung des Rundfunkstaatsvertrags kontrolliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe des Tages werden Beitr\u00e4ge geschnitten, vertont und abgenommen. Die Moderatoren und Korrespondenten schreiben einen Gro\u00dfteil ihrer Nachrichtentexte selbst, um schlie\u00dflich ein fl\u00fcssiges Vortragen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12625\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_7016-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Oft haben die Studios in echt keine gro\u00dfartige Kulisse, sondern sind eine sogenannte &#8222;gr\u00fcne H\u00f6lle&#8220; mit Greenscreen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als n\u00e4chstes konnten die Teilnehmenden einige Studios von innen besichtigen. Darunter das Studio des Auslandsjournals und des Sportstudios. In den \u00fcberraschend kleinen R\u00e4umen, die durch geschicktes Ausleuchten auf dem Fernseher viel gr\u00f6\u00dfer wirken, erkl\u00e4rte Tanja Hess die technischen Abl\u00e4ufe w\u00e4hrend einer Sendung. Unter dutzenden Scheinwerfern und zwischen s\u00fcndhaft teuren Kameras durften die Teilnehmenden es auch selbst ausprobieren, von einem Teleprompter abzulesen. Frau Hess hob noch den Unterschied zwischen klassischer Studiokulisse und den modernen Greenscreen-Studios hervor. Bei Letzteren ist es f\u00fcr Moderatoren keine leichte Aufgabe sich im Raum zu orientieren, da jegliche Hintergr\u00fcnde erst am Computer hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss zur Studiof\u00fchrung ging es zur\u00fcck in den Besucherraum, wo sich kurz darauf Dr. Claus Kleber den Fragen der T\u00fcbinger Studierenden stellte. Die Koryph\u00e4e des heute-journals gab sich offen und bodenst\u00e4ndig und fragte zuerst nach den Studieng\u00e4ngen und Interessen der Teilnehmer. Kurz ging er auf sein Studium der Rechtswissenschaft in T\u00fcbingen und seinen Beginn beim SWR ein. Den Journalismus zog er dem Juristenberuf vor, da er flache Hierarchien und eine lockere, studentische Atmosph\u00e4re in der Redaktion biete. Wer &#8211; wie er &#8211; Moderator werde wolle, solle sich zuerst den Beruf des Reporters oder Autors vornehmen, den Rest erledige das \u201eSchicksal\u201c. Nach 15-j\u00e4hriger Moderationserfahrung im heute-journal, habe er vor der Kamera stets eine gewisse Grundruhe, auch wenn ihn ab und zu allzu aktuelle Ereignisse, wie k\u00fcrzlich die Brexit-Erkl\u00e4rung von Theresa May, in Aufregung versetzen. Das aktuelle Zeitgeschehen bezeichnete er als \u201everdammt spannende Zeiten\u201c, doch komme es leider bei all den schrecklichen Bildern auch zu einer gewissen Abstumpfung. Beim Stichwort Fake-News hob Herr Kleber hervor, dass es wichtig sei zwischen einem Irrtum und einer bewussten Falschmeldung zu differenzieren. Doch k\u00f6nne gerade durch die neuen Medien mittlerweile schnell eine Lawine ausgel\u00f6st werden, wenn \u201eein Idiot etwas so schreibt, dass ein anderer Idiot denkt, da k\u00f6nnte etwas dran sein\u201c. Auf Hassbriefe von Zuschauern antworte er \u00fcbrigens gern pers\u00f6nlich, um den verdutzten Verfassern so den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Gegensatz zur klassischen Zeitung mit Nachrichten in schwarzen Lettern sei das Fernsehen mit Bild und Ton jedoch immer ein emotionales Medium. Dies werde in den USA, wo der Fernsehjournalismus noch st\u00e4rker dominiert, auch finanziell ausgenutzt: \u201eMan verdient mehr Geld, wenn man den Leuten die w\u00fctend sind erz\u00e4hlt, dass sie Recht haben\u201c. Nach 45 spannenden Minuten bedankten sich die G\u00e4ste mit einem kr\u00e4ftigen Applaus und Dr. Claus Kleber \u00fcbergab an seine Kollegin Petra Merino-Bettin aus der Personalabteilung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Merino-Bettin, die beim ZDF f\u00fcr alle Personalentscheidungen in der Ausbildung zust\u00e4ndig ist, erkl\u00e4rte, worauf es bei einer Bewerbung ankommt. Prinzipiell werde mehr Wert auf Vorerfahrungen gelegt, als auf Schul- oder Studienzeugnisse. Daf\u00fcr seien Praktikazeugnisse umso wichtiger. Das ZDF bietet Praktika in allen Bereichen sowie Volontariate und Berufsausbildungen im technischen Bereich in begrenzter Zahl an. Bewerbungen sollten mit einem halben bis dreiviertel Jahr Vorlauf eingehen, nur selten gibt es spontane Ausschreibungen. Ein idealer Bewerber sollte die klassischen Stationen wie Sch\u00fcler- und Unizeitung sowie Praktikum und freier Mitarbeit in einer Tageszeitung absolviert haben und Rechercheerfahrung mitbringen. In einem Onlinetest wird die Allgemeinbildung der Bewerber getestet und wer es im Anschluss zum Assessment schafft, wird durch verschiedene Stationen in der Redaktion geschickt und sollte auch einen Aufsager fl\u00fcssig von sich geben k\u00f6nnen. Diese realistische Einsch\u00e4tzung rundete den Tag beim ZDF ab und f\u00fcr die zufriedenen Teilnehmenden ging es wieder zur\u00fcck nach T\u00fcbingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/philosophische-fakultaet\/praxisberuf\/\">Praxis &amp; Beruf<\/a>-B\u00fcros organisieren im Rahmen der ESIT-Initiative (Erfolgreich Studieren in T\u00fcbingen) regelm\u00e4\u00dfig Berufswege-Exkursionen und andere Veranstaltungen, wie Workshops oder Vortr\u00e4ge mit besonderem Fokus auf Geistes- und Sozialwissenschaftler. Im Praxisportal finden Studierende au\u00dferdem auf sie zugeschnittene Praktika- und Stellenangebote.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fotos: Gero Fuchs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gelingt der Berufseinstieg in den Fernsehjournalismus? Wie entsteht ein Beitrag f\u00fcr eine Nachrichtensendung? Wie sind die Abl\u00e4ufe im Studio? 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