{"id":1292,"date":"2013-06-10T20:46:03","date_gmt":"2013-06-10T20:46:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1292"},"modified":"2021-02-21T13:34:29","modified_gmt":"2021-02-21T13:34:29","slug":"das-marchen-vom-aussterben-der-discodinos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/06\/10\/das-marchen-vom-aussterben-der-discodinos\/","title":{"rendered":"DAS M\u00c4RCHEN VOM AUSSTERBEN DER DISCODINOS"},"content":{"rendered":"<h3>Das T\u00fcbinger \u201eClubsterben\u201c \u2013 Wahrheit und Fiktion<\/h3>\n<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>Facebook informiert: Das T\u00fcbinger Nightlife stirbt aus! Schnell geliked, Anteilnahme bekundet und Aktion (\u201eRock the nightlife\u201c) f\u00fcr gut befunden. Dauer des Vorgangs: 10 Sekunden. Aber was steckt wirklich dahinter?<\/strong><\/span><br \/>\n<em>ein Kommentar von Alexander Link<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs ist Freitagabend, Samstagabend oder als Student auch mitten in der Woche \u2013 und der eine oder andere fragt sich, wo man standesgem\u00e4\u00df feiern gehen kann. Das ist neben dem Erstellen des eigenen Stundenplans eines der gr\u00f6\u00dften Probleme im Leben eines T\u00fcbinger Studenten.<br \/>\nImmer \u00f6fter h\u00f6rt man jedoch prophetische Geister heulen: Hier stirbt doch inzwischen alles aus! Das Schlie\u00dfen von Locations wie Mancuso oder dem Zoo, sowie das angek\u00fcndigte Game Over des Blauen Turms zum Ende des Jahres 2012 erwecken bei dem einen oder anderen offensichtlich den Eindruck des nahestehenden Untergangs des T\u00fcbinger Nachtlebens. Facebook alarmiert, die Legende entsteht. Aber mal ernsthaft: Wie steht es um das T\u00fcbinger Nachtleben wirklich?<br \/>\nFakt ist: Es stirbt nicht \u201ealles aus\u201c \u2013 es steht kein Kometeneinschlag bevor. Leider schlie\u00dfen jetzt drei Locations, die sich in ihrer Vergangenheit haupts\u00e4chlich durch ihr \u201esubkulturelles\u201c Angebot ausgezeichnet haben. Das ist zwar schade, bedeutet aber nicht, dass gleich alle Alternativen f\u00fcr einen individuellen Ausgeh-Abend v\u00f6llig verschwunden sind. Was zu dem weiteren Vorwurf f\u00fchrt: \u201eWas wir jetzt brauchen sind auch wieder mehr subkulturelle Angebote!\u201c, bringt es Asli K\u00fcc\u00fck vom \u201eLaden\u201c in der S\u00fcdstadt auf den Punkt.<br \/>\nDas kann durchaus sein! Der Spitzname des wegen Alternativlosigkeit besuchten \u201eFlop 10\u201c h\u00e4lt sich auf jeden Fall wacker. Die Vermutung bleibt, dass die Betreiber von den \u201eLeuten, die das aus Verzweiflung als Location nutzen\u201c profitieren, so \u201eRadau &amp; Rabatz DJ\u201c Holger Kesten. Fakt ist, dass das TOP10 die einzige richtige Gro\u00dfraumdisco in T\u00fcbingen ist und mit dem vagen Begriff \u201eSubkultur\u201c absolut nichts mehr zu tun hat. \u201eDas TOP10 ist eine vollkommen andere Welt\u201c, sagt J\u00fcrgen Eberhard, ehemaliger Betreiber vom Mancuso. Eine Welt voller David Guetta.<br \/>\nAber das Defizit nun fehlender Alternativen immer und immer wieder mit dem eigenen Nasenblut auf die Segel des untergehenden Schiffes zu schreiben, wird keine L\u00f6sung herbeif\u00fchren. Quatsch ist nat\u00fcrlich die Behauptung unseres Oberb\u00fcrgermeisters Boris Palmer, die Situation sei \u201eheute sogar noch besser als fr\u00fcher\u201c. Das ist Politiker-Sch\u00f6nrede-Taktik vom Rei\u00dfbrett, gedacht um besorgte B\u00fcrger zu beschwichtigen. Wahrscheinlich wei\u00df er selbst, dass das nicht stimmt. Eine L\u00f6sung f\u00fcr das Defizit zu finden, ist jedoch schwer. Wer in T\u00fcbingen auf Wohnungssuche war, wei\u00df, wie der Immobilienmarkt hier aussieht: Mietpreise mit Lachgarantie und eine Angebotslage, bei der ein Ghetto vor den Toren der Stadt nur noch eine Frage der Zeit ist.\u00a0 Zurecht konstatiert Palmer daher: \u201eWenn Sie mich fragen, was zuerst kommt, dann ist das das Wohnraumproblem.\u201c Das wird wohl jeder T\u00fcbinger verstehen k\u00f6nnen. Leider ist die ganze Stadt durchzogen von Wohnfl\u00e4chen, weil der Bedarf gigantisch ist. Das macht es schlicht und ergreifend schwer, geeignete Pl\u00e4tze f\u00fcr Clubs oder \u00c4hnliches zu finden. \u201eSelbst im Industriegebiet leben hier die Leut\u201c, witzelt J\u00fcrgen Eberhard vom ehemaligen Mancuso. Nach eigener Aussage pr\u00fcft die Stadt bereits \u201eoffensiv\u201c alle Nachfragen und M\u00f6glichkeiten \u2013 man sei da absolut kooperativ. Aber die M\u00f6glichkeiten sind gerade hier alles andere als spektakul\u00e4r.<br \/>\nMan sollte daher vielleicht ein wenig bodenst\u00e4ndig in der Debatte bleiben. Einem \u201eRealo\u201d dr\u00fcckt sich die Tr\u00e4nenfl\u00fcssigkeit vor Lachen in die Augen, wenn Pl\u00e4ne in einer \u00f6ffentlichen Diskussion vorgebracht werden, die den Turmbau zu Babel wie einen Baukastensatz von Lego aussehen lassen. Zum Beispiel, die Haaggasse zur Partymeile \u00e0 la Reeperbahn umzufunktionieren und die Anwohnerinteressen\u00a0 auszublenden.<br \/>\n\u201eInteressensausgleich\u201c ist das von Palmer angemahnte Stichwort, frei nach der vorgebrachten Maxime \u201eauch eine Familie muss die Chance haben, am Marktplatz zu leben\u201c.<br \/>\nMan kann die Stadtplanung vielleicht in eine gewisse Richtung lenken, bestimmte R\u00e4ume f\u00fcr Clubs in Zukunft einzuplanen. Man kann mit Anwohnern kooperieren, Ruhezeiten abkl\u00e4ren und wirklich einmal nachfragen, wie die Bereitschaft denn ist, \u201eL\u00e4rm\u201c tempor\u00e4r in Kauf zu nehmen. Aber man kann keinem das Recht absprechen, am Wochenende schlafen zu d\u00fcrfen.<br \/>\nBevor wir also mit dem Bauen fluffiger Luftschl\u00f6sser anfangen, w\u00e4re das Installieren eines festen Arbeitskreises mit Vertretern der Gastronomie, der Clubbesitzer, vielleicht der Studentenschaft und der Stadt ein vern\u00fcnftiger Anfangsplan. Dieser k\u00f6nnte dann potenzielle \u201eLocations\u201c abw\u00e4gen und Ziele f\u00fcr die Raumplanung definieren. Aber auf Fantasten, die gleich den \u00d6sterberg zum Freizeitpark umbauen wollen, m\u00f6ge man dort vielleicht weniger h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das T\u00fcbinger \u201eClubsterben\u201c \u2013 Wahrheit und Fiktion Facebook informiert: Das T\u00fcbinger Nightlife stirbt aus! 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