{"id":12972,"date":"2018-12-20T05:31:12","date_gmt":"2018-12-20T05:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=12972"},"modified":"2021-02-19T18:12:19","modified_gmt":"2021-02-19T18:12:19","slug":"cyber-valley-besetzer-treffen-befuerworter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/12\/20\/cyber-valley-besetzer-treffen-befuerworter\/","title":{"rendered":"Cyber Valley &#8211; Besetzer treffen Bef\u00fcrworter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Seit dem 29. November besetzen etwa 20 Studierende den H\u00f6rsaal 21 im Kupferbau um gegen das Cyber Valley zu protestieren. Am Dienstag, den 18.12., kam die Unileitung einer Forderung der Gegner des Projektes nach und nahm an einer Podiumsdiskussion zum Thema teil. Von beiden Parteien waren jeweils drei VertreterInnen anwesend.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon zehn Minuten vor offiziellem Beginn der Veranstaltung war, aufgrund des gigantischen Andrangs der H\u00f6rsaal 25 im Kupferbau voll. Die Moderation meinte zu Beginn, dass sie mit einem gro\u00dfen Interesse gerechnet hatten. \u201eDass es so voll wird, ist \u00fcberw\u00e4ltigend\u201c, lie\u00df Moderatorin Anne Glaser verlauten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<h2>Wie Leistungsdruck und KI unsere Gesellschaft ver\u00e4ndern<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem kurzen Input der Moderation, die neben Frau Glaser noch <a href=\"http:\/\/www.weltethos-institut.org\/en\/research\/forschungsprofile\/dr-christopher-gohl\/\">Dr. Christopher Gohl<\/a> umfasste, gab es jeweils ein etwa zehnmin\u00fctiges Anfangspl\u00e4doyer beider Seiten. F\u00fcr das <a href=\"https:\/\/nocybervalley.de\/\">B\u00fcndnis gegen das Cyber Valley<\/a> sprach Alieren Renkli\u00f6z. Er prangerte das auf Leistung getrimmte Bildungssystem an, in dem alles auf die Wirtschaft ausgerichtet sei. Seiner Meinung nach wird Bildung immer mehr zum Unternehmen und dies werde \u201edurch die Exzellenzinitiative noch befeuert\u201c. Die zunehmende \u00d6konomisierung vieler Lebensbereiche erachtet er als kritisch. Wissenschaft sei auch immer politisch und es stelle sich die Frage, wem das Cyber Valley etwas n\u00fctzt. Mit Beispielen aus China und der T\u00fcrkei zeigte er die Problematiken von K\u00fcnstlicher Intelligenz auf und gab zu bedenken \u201eInformatik ist gut f\u00fcr die Kriegsf\u00fchrung\u201c. In Zeiten, in denen Nationalisten weltweit auf dem Vormarsch sind, seien Techniken, die beispielsweise \u00dcberwachungsprozesse ausweiten k\u00f6nnten besonders gef\u00e4hrlich. Alieren beendete seinen Vortrag mit dem Satz: \u201eKein Cyber Valley!\u201c was vom Publikum mit viel Applaus gew\u00fcrdigt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12964\" aria-describedby=\"caption-attachment-12964\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12964 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7242x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12964\" class=\"wp-caption-text\">Im Hinblick auf den Klimawandel mahnte Alieren Renkli\u00f6z zum Umdenken. Auch \u201eder Individualverkehr muss enden\u201c.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Uni sprach <a href=\"http:\/\/www.tml.cs.uni-tuebingen.de\/team\/luxburg\/\">Ulrike von Luxburg<\/a>, die im Fachbereich Informatik mit einem Schwerpunkt auf Maschinelles Lernen forscht und unterrichtet. Sie beantwortete zun\u00e4chst die Frage, warum gerade T\u00fcbingen ein geeigneter Standort f\u00fcr das Cyber Valley, sowohl von Seiten der Industrie als auch f\u00fcr die Wissenschaft sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">T\u00fcbingen sei weltweit unter den Top 10 Standorten im Bereich Maschinelles Lernen und deutschlandweit f\u00fchrend. Auch die Industrie habe erkannt, dass \u201eMaschinelles Lernen eine Schl\u00fcsseltechnologie ist\u201c und man sucht h\u00e4nderingend Absolventen in diesem Bereich. Die Wissenschaft wolle deshalb einen attraktiven Standort schaffen, denn \u201ewir m\u00fcssen die Leute ausbilden, die in der Industrie gebraucht werden\u201c. Jedoch sei keine Forschungsgruppe des Cyber Valleys von finanzieller F\u00f6rderung der Industrie abh\u00e4ngig. Alle Professuren sind \u00f6ffentlich finanziert und der Cyber-Valley-Vertrag versichere die Freiheit der Forschung.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ersten Schritt werden 165 Mio. aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert. Die Industrie unterst\u00fctzt mit insgesamt 7,5 Mio. sowie zwei Stiftungsprofessuren.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Luxburg wies auf die Zivilklausel der Uni hin und betonte, dass man sich f\u00fcr friedliche Zwecke einsetze. K\u00fcnstliche Intelligenz werde die Gesellschaft ver\u00e4ndern und dieser Ver\u00e4nderung werde man nicht entkommen. Man wolle sich deshalb nicht zur\u00fccklehnen und die Forschung den anderen \u00fcberlassen, sondern hier verantwortungsvolle Forschung machen. Im Bereich Wohnungsnot in T\u00fcbingen brauche es politische L\u00f6sungen unabh\u00e4ngig vom Cyber Valley. Es sei falsch die verschiedenen Akteure gegeneinander auszuspielen. Ihr Schlusssatz, man wolle einen \u201ekonstruktiven Dialog\u201c wurde mit \u00e4hnlich viel Applaus, wie bei ihrem Vorredner empfangen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12948\" aria-describedby=\"caption-attachment-12948\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12948 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7300x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12948\" class=\"wp-caption-text\">Ulrike von Luxburg forscht und lehrt im Fachbereich Informatik mit einem Schwerpunkt auf Maschinelles Lernen.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Ethik und Verantwortung oder Kommerz und \u00d6konomisierung?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Auftakt des angesprochenen \u201ekonstruktiven Dialogs\u201c machte Dominik Wetzel vom B\u00fcndnis gegen das Cyber Valley. Er betonte gleich zu Beginn man sei nicht gegen KI, sehe aber die Gefahr des Missbrauchs f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke gegeben. Die Zivilklausur sei nicht streng genug, um dies zu verhindern. Er kritisierte, dass es vor der Protestaktion und der Besetzung des Kupferbaus keinerlei \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr das Cyber Valley gab. Der Mangel an Transparenz sei auch ein Grund f\u00fcr das viel zu geringe Interesse an Hochschulpolitik. Man habe das Gef\u00fchl, dass man sowieso nichts \u00e4ndern k\u00f6nne. Besonders kritisch wird die Kooperation mit manchen Firmen gesehen. \u201eWenn man von Moral und Ethik spricht kann ich nicht nachvollziehen wie man mit Amazon zusammenarbeitet\u201c so Dominik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rektor <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/philosophische-fakultaet\/fachbereiche\/neuphilologie\/englisches-seminar\/abteilungen\/amerikanistik\/faculty-staff\/prof-dr-bernd-engler-rektor\/\">Bernd Engler<\/a> sagte daraufhin, man \u201eakzeptiere, dass dieses Informationsbed\u00fcrfnis besteht\u201c und die Uni sei der richtige Ort f\u00fcr einen Dialog. Man wisse, \u201edass wir in der gesellschaftlichen Verantwortung stehen und nehmen diese auch war\u201c. Die ethische Reflexion sei ein zentrales Prinzip der KI Forschung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12950\" aria-describedby=\"caption-attachment-12950\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12950 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7327x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12950\" class=\"wp-caption-text\">Rektor Engler argumentierte f\u00fcr das Cyber Valley und beteuerte, man sei sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christoph Marischka von der <a href=\"https:\/\/www.imi-online.de\/\">Informationsstelle Militarisierung<\/a> ging weiter sehr kritisch auf die beteiligten Firmen ein. Amazon verwalte die Cloud des CIA und eventuell in Zukunft auch die des Pentagons. ZF Friedrichshafen sei gut vernetzt in der R\u00fcstungsindustrie und produziere R\u00fcstungsg\u00fcter, die auch in derzeitigen Kriegen eingesetzt w\u00fcrden und Daimler mache mit ihren Mercerdes-Benz Defence Vehilces damit Werbung, das R\u00fcckgrat jeder starken Truppe zu sein. Die Wissenschaft solle Distanz zur R\u00fcstung haben und das Cyber Valley bewirke das Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Forderungen nach einer soliden Grundfinanzierung ohne Industrie antwortete <a href=\"https:\/\/www.tagblatt.de\/Nachrichten\/Web-Artikel-375313.html\">Matthias Hein<\/a>, dass in Baden-W\u00fcrttemberg im Gegensatz zu seiner ehemaligen Uni in Saarbr\u00fccken durchaus eine solide Grundfinanzierung gegeben ist. Er h\u00e4tte sich gew\u00fcnscht, \u201edass man nicht nur \u00fcber uns, sondern auch mit uns geredet h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_12954\" aria-describedby=\"caption-attachment-12954\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12954 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7379x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12954\" class=\"wp-caption-text\">Matthias Hein forscht an der Uni T\u00fcbingen \u00fcber statistisches Lernen mit Anwendungen in der Bildverarbeitung und der Genetik. Finanziert wird seine Stiftungsprofessur in den n\u00e4chsten zehn Jahren mit 5,5 Mio. \u20ac von der Robert-Bosch-Stiftung.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lars Wehring vom <a href=\"https:\/\/capulcu.blackblogs.org\/\">technologie-kritischen Autorenkollektiv Capulcu<\/a> machte auf die Gefahren von K\u00fcnstlicher Intelligenz im Allgemeinen aufmerksam. \u201eWir brauchen eine kritische Debatte \u00fcber KI\u201c mahnte er. Intransparente Algorithmen griffen immer weiter in unser allt\u00e4gliches Leben ein, gesteuert von wenigen monopolistischen Firmen. Das Ziel der gro\u00dfen Unternehmen sei ganz klar, k\u00fcnstliche Intelligenz zur Verhaltensmanipulation zu benutzen. Der Aktivist warf die Frage in den Raum, ob T\u00fcbingen eine \u201eHochburg der kritischen Forschung\u201c werden, oder zur Legitimation einer Technokratie weniger Konzerne dienen solle.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12973\" aria-describedby=\"caption-attachment-12973\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12973 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7399x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12973\" class=\"wp-caption-text\">Lars Wehring und Capulcu veranstalten unter anderem Diskussionen, Schulungen und Seminare zu k\u00fcnstlicher Intelligenz und deren Algorithmen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weitaus positiveren Aspekte sah hingegen Ulrike von Luxburg. KI k\u00f6nne Probleme l\u00f6sen, etwa k\u00f6nne durch sie der Einsatz von Pflanzenschutzmittel reduziert, Solarstrom koordiniert und damit ein wichtiger Beitrag gegen den Ressourcenmangel geleistet werden. Man sehe allerdings auch die negativen Aspekte von k\u00fcnstlicher Intelligenz und sei auch entsetzt, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Social-Scoring-Ab-2020-Punktesystem-fuer-vorbildliches-Verhalten-in-Peking-4231644.html\">wozu diese beispielsweise in China verwendet wird.<\/a> Die Forschung zu verbieten sei allerdings nicht der richtige Weg. Viel mehr brauche man daf\u00fcr die Politik und gesetzliche Regulierungen. Diese Regulierung sei allerdings nicht die Aufgabe der Forschung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Aspekt, dass KI manche Probleme in Zukunft l\u00f6sen k\u00f6nnte stimmte Dominik zwar zu, sagte aber gleichzeitig k\u00fcnstliche Intelligenz sei nicht der Allheilsbringer. Der Hunger in der Welt sei nicht abh\u00e4ngig von KI, sondern viel mehr von unserem globalen Wirtschaftssystem. Weiter stellte er die Frage, wie man mit einem so gro\u00dfen Partner wie Amazon \u00fcberhaupt umgehen k\u00f6nne. Seiner Meinung nach bestehe ein viel zu gro\u00dfes Machtgef\u00e4lle zwischen Amazon und der Universit\u00e4t. Der Konzern sei eben nicht aus Gemeinn\u00fctzigkeit, sondern aus Interesse an Profiten am Projekt beteiligt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engler gab zu, dass man in der Tat nicht sicherstellen k\u00f6nne, ob Amazon beispielsweise eine Gesichtserkennungssoftware entwickelt, die an die Polizei verkauft werde. Aber \u201esie werden es nicht mit unseren Forschungen betreiben\u201c. Entschieden wies Engler auch den Vorwurf, man w\u00fcrde R\u00fcstungsforschung betreiben, als \u201eNonsense\u201c zur\u00fcck. In T\u00fcbingen werde Grundlagenforschung stattfinden und kein Industrieunternehmen k\u00f6nne diktieren, woran geforscht wird. Die Motivation sei nicht Kriegsforschung oder \u00e4hnliches, sondern Dinge wie fr\u00fchzeitige Hautkrebserkennung oder personalisierte Medizin, die es ohne \u201emachine learning\u201c nicht geben werde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12953\" aria-describedby=\"caption-attachment-12953\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12953 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7371x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12953\" class=\"wp-caption-text\">Die Informationsstelle Militarisierung e.V. engagiert sich seit mehr als 20 Jahren f\u00fcr friedenspolitische Themen. Christoph Marischka vertrat deren Standpunkte in der Diskussion.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christoph Marischka stimmte zu, dass in T\u00fcbingen derzeit keine R\u00fcstungsforschung im engeren Sinne stattfinde. Dennoch beteilige sich die Universit\u00e4t mit dem Projekt am Entstehen eines \u201emilit\u00e4risch-industriellen Komplexes\u201c nach amerikanischem Vorbild. Erkenntnisse gel\u00e4ngen bei einer Zusammenarbeit mit Unternehmen, die sich auch in der R\u00fcstungsforschung bet\u00e4tigten, leicht in falsche H\u00e4nde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Aspekt des medizinischen Nutzens von k\u00fcnstlicher Intelligenz gab Lars zu bedenken, dass Amazon plane, in Zukunft auch Aufgabenfelder von Apotheken und Krankenversicherungen zu \u00fcbernehmen. Mit Blick auf die enorme Macht, die Amazon mithilfe von Big-Data-Analysen zukomme, sei das eine dystopische Vorstellung. Durch Algorithmen bestimmte Risikofaktoren w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass \u201eder Solidarit\u00e4tsgedanke komplett unterlaufen\u201c w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hein unterst\u00fctzte dagegen Englers Aussage, der medizinische Fortschritt w\u00fcrde durch die KI-Forschung weiter vorangebracht. Er lasse sich in Zukunft \u201eeher von einem System diagnostizieren, dass von Koryph\u00e4en der Welt entwickelt wurde als von einem Assistenzarzt, der leider zum ersten Mal bei der Nachtschicht allein ist\u201c. Diese Aussage wurde mit Buh-Rufen von Teilen des Publikums kommentiert. Nochmals betonte der Stiftungsprofessor, er \u201efinde es nicht ok, dass \u2013 egal was wir sagen \u2013 hier immer noch behauptet wird, wir w\u00fcrden R\u00fcstungsforschung betreiben.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_12947\" aria-describedby=\"caption-attachment-12947\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12947 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7197x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12947\" class=\"wp-caption-text\">Nicht nur f\u00fcr Studierende war das Thema interessant. Auch viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus T\u00fcbingen fanden sich im Publikum und wollten sich zum Thema informieren.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Erst der Anfang der Debatte?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Podiumsdiskussion wurde die Debatte f\u00fcr das Publikum ge\u00f6ffnet, um Fragen zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Frage kam von einer Germanistikstudentin, die sich Sorgen um den Verbleib der Geisteswissenschaften machte. W\u00e4hrend f\u00fcr Wissenschaften, wie die Informatik Millionen investiert w\u00fcrden, fehle es im Brechtbau sogar an Steckdosen. Rektor Engler versicherte ihr, dass die \u201eGeistes- und Sozialwissenschaften genauso von \u00f6ffentlicher Hand gef\u00f6rdert sind wie alle anderen\u201c. Wichtig war es ihm anzumerken, dass er selbst Geisteswissenschaftler sei und auch deshalb bei der Frage geklatscht hatte. Die Universit\u00e4t stehe f\u00fcr \u201eeine Balance in der Ausbildung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorsitzende des StuRas, Jonathan Dreusch meldete sich zu Wort und beklagte fehlendes politisches Engagement der Studierenden. So seien 12% Beteiligung bei der Wahl zum Studierendenrat keine ausreichende Legitimierung und ein Zeichen fehlender Einbindung. Rektor Engler teilte seine Sorgen, gab aber zu, er habe keinen Masterplan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Wortmeldung kam von <a href=\"https:\/\/www.heike-haensel.de\/\">Heike H\u00e4nsel, MdB und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion<\/a> im Bundestag. Diese bedankte sich zun\u00e4chst bei den BesetzerInnen, da es ohne sie keine Debatte gegeben h\u00e4tte und fragte dann, ob denn jemals aufgrund von ethischen \u00dcberlegungen Projekte abgelehnt oder gestoppt wurden. Diese Frage beantwortete Prof. Hein. Er habe schon mehrere Projekte aufgrund eigener ethischer \u00dcberlegungen abgelehnt. \u201eEthische Regeln sind uns eine Herzensangelegenheit\u201c so Hein weiter. Auch Prof. von Luxburg bemerkte, wie wichtig die Ethik f\u00fcr sie sei und wiederholte \u201ewir wollen keine Kriegsforschung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Schlussstatement des <a href=\"https:\/\/nocybervalley.de\/\">B\u00fcndnisses gegen das Cyber Valley<\/a> wurde von Dominik gefordert, man brauche eine st\u00e4rkere Zivilklausel von Seiten der Uni, die sich auf die gesamte im Technologiepark betriebene Forschung bezieht und man m\u00fcsse nicht das ganze Neckartal umbauen, um mit dem Silicon Valley mitzuhalten, wenn T\u00fcbingen schon jetzt ein guter Standort f\u00fcr die Forschung sei. Christoph Marischka meinte, man m\u00fcsse die Gesellschaft fit machen f\u00fcr den Umgang mit k\u00fcnstlicher Intelligenz und Lars stellte die offene Frage, welche Forschungsprogramme \u00fcberhaupt sinnvoll seien. Ebenfalls unterstrich er, eine Unterst\u00fctzung von Amazon sei kategorisch falsch und solange diese weiter geplant sei, werde es zu keiner Einigung kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rektor Engler merkte an, er habe gro\u00dfes Vertrauen in die M\u00fcndigkeit der Studierenden und Lehrenden im Hinblick auf den ethischen Umgang mit k\u00fcnstlicher Intelligenz. Hein w\u00fcnschte sich ethische Regeln f\u00fcr T\u00fcbingen, machte aber auch klar man wolle die Forschung nicht China oder den USA \u00fcberlassen. Man sei sich einig, dass KI nicht das Allheilmittel ist, meinte von Luxburg, wichtig sei allerdings ein verantwortungsvoller Umgang. Daf\u00fcr brauche es Regulierungen. Auch die Kritik an den Firmen wies sie zum Teil nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12959\" aria-describedby=\"caption-attachment-12959\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12959 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_7427x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12959\" class=\"wp-caption-text\">Der H\u00f6rsaal im besetzten Kupferbau war mit Plakaten und Transparenten der BesetzerInnen versehen worden.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christopher Gohl beendete die Veranstaltung mit dem Res\u00fcmee, es sei sch\u00f6n, dass in T\u00fcbingen auf diese offenen Weise diskutiert werden k\u00f6nne. Dies sei keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in Anbetracht der eklatant unterschiedlichen Sichtweisen auf die Thematik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da diese Veranstaltung allerdings nicht zur Konsensfindung gedacht war, sondern nur der erste Anfang der Diskussion darstellen sollte, wird man weiterhin miteinander reden wollen, allerdings in einem anderen Rahmen, als in einem vollbesetzten H\u00f6rsaal. Die Kupferblau bleibt dran!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 29. November besetzen etwa 20 Studierende den H\u00f6rsaal 21 im Kupferbau um gegen das Cyber Valley zu protestieren. 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