{"id":13053,"date":"2019-01-15T14:27:30","date_gmt":"2019-01-15T13:27:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=13053"},"modified":"2019-01-15T14:27:30","modified_gmt":"2019-01-15T13:27:30","slug":"hinter-den-uni-kulissen-in-der-bibliothek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/01\/15\/hinter-den-uni-kulissen-in-der-bibliothek\/","title":{"rendered":"Hinter den Uni- Kulissen: In der Bibliothek"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Vorhang auf f\u00fcr einige der Menschen, die im Hintergrund daf\u00fcr sorgen, dass der Unibetrieb rund l\u00e4uft und Studierende und Dozenten einen m\u00f6glichst angenehmen Unialltag erleben. Kupferblau hat sie getroffen: Bibliothekarinnen und Hausmeister, Cafeteria-Mitarbeiterinnen und Medientechniker. Heute im Interview: die Bibliothekarinnen Randi Knorr und Heike Mattheis. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber den Wandel der Bibliothek, die Digitalisierung und Studierende, die den \u201aWaschsalon&#8216; suchen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Sie haben die Wahl: zuerst das Buch, oder den Film?<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Lieber lesen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mattheis<\/strong>: Ich w\u00fcrde Film sagen. Wenn ich zuerst das Buch lese und dann den Film schaue, bin ich meistens entt\u00e4uscht, dann habe ich schon mein Bild im Kopf. Und wenn ich zuerst den Film schaue, lasse ich das Buch lieber ganz weg.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Drei pers\u00f6nliche Buchempfehlungen, &#8211; was sollten Studierende lesen?<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Auf jeden Fall Umberto Eco, \u201e<em>Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt<\/em>\u201c und \u201e<em>Altes Land<\/em>\u201c von D\u00f6rte Hansen, das ist der sch\u00f6nste Roman den ich seit langem gelesen habe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mattheis<\/strong>: Mir f\u00e4llt da spontan der <em>\u201eR\u00e4uber Hotzenplotz<\/em>\u201c ein, den habe ich gerade meinen Kindern vorgelesen (lacht).<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Assoziieren Sie: \u201eStudierende und Hausarbeit\u201c<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Mattheis<\/strong>: Zu sp\u00e4t dran! (lacht)<em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Probleme bei der Literaturrecherche.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Sie arbeiten beide in der Informationsabteilung. Was sind Ihre Aufgaben? Wie sieht ein gew\u00f6hnlicher Arbeitsalltag aus?<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Zun\u00e4chst mal bin ich daf\u00fcr zust\u00e4ndig, dass im gesamten Ammerbau und in der Waschhalle alles rund l\u00e4uft. Wir k\u00fcmmern uns um Reklamationen, geben M\u00e4ngel weiter, damit Bauantr\u00e4ge gestellt werden, &#8211; im Ammerbau ist ja leider vieles renovierungsbed\u00fcrftig. Au\u00dferdem arbeite ich an der Informationstheke im Ammerbau. Zurzeit sind wir vor allem mit Bestandsarbeiten besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Im Moment haben wir leider ein bisschen Platzmangel und versuchen m\u00f6glichst viel Platz f\u00fcr neue B\u00fccher und noch mehr Sitz- und Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schulungen und F\u00fchrungen sind ebenfalls ein gro\u00dfer Teil meiner Arbeit. An die 60 Schulklassen f\u00fchren wir j\u00e4hrlich durch die Bibliothek und geben Kurse f\u00fcr Studierende. Und zu Semesterbeginn f\u00fchren wir nat\u00fcrlich die Erstis durch die Bib.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13054\" aria-describedby=\"caption-attachment-13054\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13054 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bild-1-Bib-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13054\" class=\"wp-caption-text\">In der Klausurenphase kommen im Monat \u00fcber 200.000 Menschen in die Bibliothek, die sich in den Geb\u00e4uden zurechtfinden m\u00fcssen, B\u00fccher ausleihen wollen und einen ruhigen Lernort suchen. Die Bibliothekarinnen stehen den Besuchern hier unterst\u00fctzend zur Seite.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Mattheis<\/strong>: Ich bin Ausbildungsverantwortliche f\u00fcr unseren momentan einzigen Bibliothekars-Azubi und in der Bib die Ansprechpartnerin f\u00fcr Studierende mit Behinderung. Ich stehe f\u00fcr alle Fragen zur Verf\u00fcgung und versuche unterst\u00fctzend f\u00fcr sie da zu sein, indem ich zum Beispiel F\u00fchrungen oder Ruher\u00e4ume organisiere. Ansonsten mache ich, wie Frau Knorr, viele F\u00fchrungen und Schulungen und arbeite an der Infotheke im Hauptgeb\u00e4ude.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>An der Infotheke spielen sich bestimmt so manche skurrilen Szenen ab, oder?<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Sicher, z.B. ist es lustig, wenn Studierende den Weg in den \u201eBonanza-Bau\u201c (Bonatzbau) oder in den \u201eWaschsalon\u201c (Alte Waschhalle) suchen! Die J\u00fcngeren fragen st\u00e4ndig nach Handy-Ladekabeln und die \u00c4lteren kommen auch mal im Bademantel angeschlappt und erz\u00e4hlen Anekdoten aus dem Leben. Da haben wir schon so Einiges erlebt!<br \/>\n<em><br \/>\n<\/em><strong>Mattheis<\/strong>: Was vor der Infotheke im Hauptgeb\u00e4ude leider ganz oft passiert ist, dass viele Besucher lautstark mit dem Handy telefonieren, stundenlang und in allen Sprachen der Welt. Es ist einfach unangenehm, wenn man dann ungewollt in die Privatsph\u00e4ren eindringt, weil man alles mith\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Knorr<\/strong>: Ich muss auf dem Heimweg immer Musik in die Ohren tun, weil ich denke, wenn ich jetzt unfreiwillig noch ein Handygespr\u00e4ch mith\u00f6ren muss, dann schrei ich (lacht).<\/p>\n<figure id=\"attachment_13055\" aria-describedby=\"caption-attachment-13055\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13055 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bild2-Bib-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13055\" class=\"wp-caption-text\">Im Magazin der Universit\u00e4tsbibliothek, das f\u00fcr die Besucher nur bei F\u00fchrungen zug\u00e4nglich ist, stehen vor allem alte B\u00fccher und B\u00fccher in gro\u00dfen Formaten.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Frau Knorr, Sie arbeiten seit 1993 in der UB. Wie hat sich der Beruf der Bibliothekarin durch die Digitalisierung ver\u00e4ndert? <\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Mit der Etablierung des Internets brauchte man viele Nachschlagewerke nicht mehr. Meine Kolleginnen und ich geh\u00f6rten damals ganz zu den \u201eHerrinnen des Wissens\u201c, weil wir den Studierenden schlaue B\u00fccher aus den Regalen zogen und zum Beispiel sagten: \u201eHier finden Sie alle Adressen von ausl\u00e4ndischen Krankenh\u00e4usern, wenn Sie ein Auslandssemester machen wollen.\u201c Und die Medizinstudenten dann so: \u201eWow!\u201c. Mittlerweile besch\u00e4ftigt sich ein ganzes Team mit Lizenzvertr\u00e4gen von eBooks und meine Kolleginnen machen sogar Smartboard-Schulungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mattheis<\/strong>: Ich denke aber, dass auch die tollsten E-Reader und Tablets die gedruckte Literatur nie ersetzen werden. F\u00fcr mich ist das immer am eindr\u00fccklichsten, wenn die Studierenden, also die Digital Natives, am Anfang des Semesters zu uns kommen und sich die ganze Online-Literatur ausdrucken. Richtiges Lernen und Lesen geht halt immer noch \u00fcber Papier.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>Und das Uni-Leben in der Bibliothek, hat sich das auch ver\u00e4ndert?<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Knorr<\/strong>: Extrem ver\u00e4ndert hat sich, dass die Bibliothek nun zu einem richtigen Lernort geworden ist, zu dem die Studierenden kommen, um sich zu Hause nicht durch die tollen Serien ablenken zu lassen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Vor 20 Jahren war die Bibliothek noch kein ausdr\u00fccklicher Lernort, da wurde mehr zu Hause gelernt.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich meine Magisterarbeit geschrieben habe, hatte ich als Ablenkung nur die Telenovelas im Ersten oder das Putzen meiner Wohnung, da konnte man sich zu Hause noch besser konzentrieren. Wir in der Bibliothek haben auf diese Entwicklung nat\u00fcrlich reagiert, indem wir versuchen, f\u00fcr alle m\u00f6glichen Bed\u00fcrfnisse gute Arbeitsm\u00f6glichkeiten zu schaffen. In den Neunzigern war ein Sofa in der Bibliothek noch undenkbar, heute sind gem\u00fctliche Sitzs\u00e4cke und Sofaecken Standard, man m\u00f6chte sich Up-To-Date halten, wenn es um die Forschung \u00fcber Lernorte geht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13056\" aria-describedby=\"caption-attachment-13056\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13056 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bild-3-Bib-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13056\" class=\"wp-caption-text\">Die Universit\u00e4tsbibliothek besitzt etwa 3,7 Millionen Medieneinheiten. Darunter sind Zeitschriften, Lehrb\u00fccher, Dissertationen und vieles mehr.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><em>W<\/em><em>as Sie den Studierenden schon immer Mal sagen wollten:<\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><strong>Mattheis<\/strong>: Wir sehen alles, auch die versteckten Kaffeebecher!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Knorr<\/strong>: Was uns noch wichtig ist, dass wir uns sehr viel M\u00fche mit unserem <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/einrichtungen\/universitaetsbibliothek\/lernen-arbeiten\/kursangebot\/\">Schulungsprogramm<\/a> geben und die Studierenden das gar nicht wahrnehmen, weil wir im Vorlesungsverzeichnis ganz hinten kommen. Das ist irgendwie schade und wir sind noch dabei, L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Friederike Streib<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorhang auf f\u00fcr einige der Menschen, die im Hintergrund daf\u00fcr sorgen, dass der Unibetrieb rund l\u00e4uft und Studierende und Dozenten einen m\u00f6glichst angenehmen Unialltag erleben. &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":351,"featured_media":13057,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534,62,316,307],"tags":[613,747,11,174,34,222,1547,458,18,19,145,20,21,22,3552],"class_list":["post-13053","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","category-kultur","category-studentenleben","category-uni-inside","tag-bib","tag-bibliothek","tag-featured","tag-interview","tag-kultur","tag-kupferblau","tag-lesen","tag-studenten","tag-studierende","tag-tubingen","tag-uni","tag-uni-tuebingen","tag-universitaet","tag-universitaet-tuebingen","tag-universitaetsbibliothek"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13053","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/351"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13053"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13053\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}