{"id":1411,"date":"2013-08-23T20:20:07","date_gmt":"2013-08-23T20:20:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1411"},"modified":"2021-02-21T13:28:38","modified_gmt":"2021-02-21T13:28:38","slug":"sweet-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/08\/23\/sweet-17\/","title":{"rendered":"Sweet 17"},"content":{"rendered":"<h3>Was es f\u00fcr Studierende bedeutet, noch nicht vollj\u00e4hrig zu sein und zu studieren<\/h3>\n<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>\u201eMama, unterschreibst du f\u00fcr mich?\u201c Die meisten von uns k\u00f6nnen sich kaum erinnern, wann sie diesen Satz zum letzten Mal gebraucht haben. Doch f\u00fcr drei Studierende aus T\u00fcbingen geh\u00f6rt das zum Alltag.<\/strong><\/span><br \/>\n<em>von Marina Schulz<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nStudieren mit 17 \u2014 Was bisher nur wenige \u00dcberflieger betraf, wird aufgrund von G8 zur Normalit\u00e4t. Bewerben, Immatrikulieren, Ausziehen \u2014 alles Dinge, die zum Studieren wie selbstverst\u00e4ndlich dazu geh\u00f6ren und alles Dinge, die eine Unterschrift erfordern. Dabei ist uns gar nicht bewusst, wie schnell diese Kleinigkeit zu einem Hindernis werden kann.<br \/>\nRohana ist 18 und studiert im zweiten Semester Chemie. Als sie mit 17 Jahren das Abitur machte, stand f\u00fcr sie bereits fest, dass sie sofort ihr Studium beginnen wollte. \u201eIch wusste schon seit der 8. Klasse, dass ich Chemie studieren m\u00f6chte. Wieso sollte ich noch Zeit verschwenden?\u201c. Das war allerdings nur m\u00f6glich, weil ihre Eltern einverstanden waren, denn bereits bei der Bewerbung mussten sie ihre Einwilligung geben.<br \/>\nMit der Immatrikulation ist die erste H\u00fcrde genommen, doch es folgen weitere: Mietvertrag unterzeichnen, Strom beziehen, einen Telefonanschluss bekommen, ein Konto er\u00f6ffnen, eine Versicherung abschlie\u00dfen. F\u00fcr all dies ist die Unterschrift der Eltern notwendig.<br \/>\n\u201eSeit ich 18 bin, unterschreibe ich selbst, ohne dar\u00fcber nachzudenken. Doch vorher war das nicht so einfach. Ich musste jedes Mal einen Stapel Papier nach Hause tragen. Zum Gl\u00fcck wohnen meine Eltern nicht weit weg\u201c, erz\u00e4hlt Rohana.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">H\u00fcttenwochenende &amp; WG \u2014 nicht ohne Mamas Okay<\/span><\/h3>\n<p>Rohana kennt die Probleme, die bei der WG-Suche auftauchen k\u00f6nnen. Die Besichtigung lief vielversprechend, man verstand sich gut, die Stimmung war locker, bis man auf ihr Alter zu sprechen kam. \u201eIch bin 17\u201c, sagte sie und das Gespr\u00e4ch stockte. Nach einem kurzen Moment hatte sich ihr Gegen\u00fcber wieder gefangen, doch die Absage lie\u00df nicht lang auf sich warten: \u201eWir fanden dich wirklich nett, aber leider bist du zu jung.\u201c Am Ende bekam sie ein Zimmer im Wohnheim, hier wurde sie aufgrund ihres Alters sogar bevorzugt behandelt.<br \/>\nDen Altersunterschied zwischen ihr und ihren Kommilitonen bemerkt Rohana kaum. Sie war schon in der Schule immer die J\u00fcngste. Verwunderung und Staunen sind die h\u00e4ufigsten Reaktionen, wenn sie ihr Alter verr\u00e4t. \u201eDie meisten denken ich h\u00e4tte eine Klasse \u00fcbersprungen, oder fragen, ob mich das Studium \u00fcberfordert, aber ich habe nie Bedenken aufgrund des Alters gehabt. Ich habe mich bereit gef\u00fchlt.\u201c Viele finden es selbstverst\u00e4ndlich, dass Studierende schon \u00e4lter als 18 sind, schlie\u00dflich sind sie nicht mehr auf der Schule.<br \/>\nAuch Martin hat diese Erfahrungen gemacht. Er wurde schon mit vier Jahren eingeschult \u2014 dementsprechend fr\u00fch war er mit der Schule fertig. Heute ist er 19 und studiert im dritten Semester Medizin. Zu Beginn seines Studiums stie\u00df auch er auf unerwartete Hindernisse.<br \/>\nF\u00fcr die Teilnahme am H\u00fctten-Wochenende musste er seine Eltern um Erlaubnis bitten. \u201eGanz sch\u00f6n bitter\u201c, erinnert er sich. Rohana durfte trotz des Einverst\u00e4ndnisses ihrer Eltern gar nicht erst mit, die Verantwortung war der Fachschaft zu gro\u00df.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Andrang der 17-J\u00e4hrigen h\u00e4lt sich in Grenzen<\/span><\/h3>\n<p>Der Ansturm junger Studierender auf die Uni T\u00fcbingen blieb bisher aus. \u201eSeit dem Wintersemester 2012\/13 haben sich drei Studierende an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen eingeschrieben, die noch minderj\u00e4hrig sind\u201c, kommentiert die Pressereferentin der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, Antje Karbe. Deshalb habe die Universit\u00e4t momentan noch keine besonderen Betreuungsprogramme oder Beratungsstellen eingerichtet. Jedoch falle auf, dass Eltern sich zunehmend st\u00e4rker f\u00fcr die Studienorganisation ihrer Kinder interessieren und diese auch zu Terminen der Studienberatung begleiteten.<br \/>\nRohana empfindet ihren fr\u00fchen Studienbeginn als Gewinn. Wenn sie ihr Studium in Regelstudienzeit beendet, hat sie aufgrund ihres Alters einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt. Falls ihr das Studium nicht gef\u00e4llt und sie noch einmal das Fach wechselt, ist sie beim Bachelor kaum \u00e4lter als ihre Kommilitonen.<br \/>\nMartin beurteilt den Studienbeginn mit 17 eher positiv, sieht aber noch Handlungsbedarf seitens der Hochschulen und der Politik. Das System sei noch nicht ausgereift. Wenn Abitur \u201eHochschulreife\u201c bedeute, dann m\u00fcsse den Absolventen auch eine gewisse Reife und Selbstst\u00e4ndigkeit zugetraut werden. Nach der Schule m\u00fcsse man die M\u00f6glichkeit haben, diese Reife unter Beweis zu stellen. Momentan klaffe eine L\u00fccke zwischen dem geforderten schnellen Abschluss und dem Spielraum, der den Jugendlichen einger\u00e4umt werde, um diese Ausbildung auch nutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was es f\u00fcr Studierende bedeutet, noch nicht vollj\u00e4hrig zu sein und zu studieren \u201eMama, unterschreibst du f\u00fcr mich?\u201c Die meisten von uns k\u00f6nnen sich kaum &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":246,"featured_media":1413,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[288],"class_list":["post-1411","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-unileben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/246"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1411"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24268,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1411\/revisions\/24268"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}