{"id":1439,"date":"2013-09-07T10:30:34","date_gmt":"2013-09-07T10:30:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1439"},"modified":"2021-02-21T13:27:07","modified_gmt":"2021-02-21T13:27:07","slug":"bei-den-fremden-da-oben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/09\/07\/bei-den-fremden-da-oben\/","title":{"rendered":"Bei den Fremden da oben"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Von den zwei Unis in T\u00fcbingen und der unsichtbaren Grenze zwischen Berg und Tal<\/h3>\n<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>\u201eDas Essen auf der Morgenstelle soll besser sein\u201c, h\u00f6rt man oft von Geisteswissenschaftlern. Doch die wenigsten von ihnen waren schon einmal dort oben. Umgekehrt trifft man selten Naturwissenschaftler in der Wilhelmstra\u00dfe. Hat die Uni durch die Auslagerung der Naturwissenschaften auf den Berg zwei Parallelwelten geschaffen? Ich wage mich als Geisteswissenschaftlerin in die Hemisph\u00e4re der Naturwissenschaftler.<\/strong><\/span><br \/>\n<em>von Veronika Wulf<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\n\u201eT\u00fcbingen hat keine Uni \u2014 T\u00fcbingen ist eine Uni.\u201d Diesen Spruch hat wohl jeder schon einmal geh\u00f6rt. Bei \u00fcber 27.000 Studierenden ist es kein Wunder, dass man sie in der Stadt \u00fcberall sieht. Aber ist T\u00fcbingen wirklich <em>eine<\/em> Uni? Nicht nur architektonisch liegen zwischen der Uni Berg und der Uni Tal Welten. Trotz starker Bem\u00fchungen, einen interdisziplin\u00e4ren Dialog der Fakult\u00e4ten zu f\u00f6rdern, herrscht im Unialltag eine Kluft zwischen Naturwissenschafts- und Geisteswissenschaftsstudierenden \u2014 grob gesagt: zwischen Berg und Tal. Doch wie sieht diese Trennung aus? Ein neidvolles Aufeinanderblicken? Ein Gespinst aus Vorurteilen? \u201eF\u00fcr mich ist die Uni T\u00fcbingen automatisch der Brechtbau und die Wilhelmstra\u00dfe\u201c, sagt eine Medienwissenschaftlerin. Und was ist mit den Naturwissenschaftlern oben auf dem Berg? Interessieren die sie nicht? \u201eIch habe eigentlich keine Meinung zu denen da oben\u201c, meint sie. \u201eIch glaube auch, die sind in ihrer eigenen Welt und wollen mit den Geisteswissenschaftlern nichts zu tun haben\u201c.<br \/>\nIch bin ebenfalls ein Tal-Mensch. Und ich gebe ehrlich zu: Ich war noch nie oben auf der Morgenstelle. Nur einmal im ersten Semester bin ich vorbeigefahren, weil ich versehentlich in den falschen Bus gestiegen bin. Eines verregneten Donnerstags beschlie\u00dfe ich, den Berg zu erklimmen (mit dem Bus nat\u00fcrlich) und ein paar Vorurteile zu \u00fcberpr\u00fcfen. Sind die Geb\u00e4ude wirklich alle h\u00e4sslich? Schmeckt das Mensaessen so viel besser? Und interessieren sich die Naturwissenschaftler tats\u00e4chlich nicht f\u00fcr uns? Ein Student der Medizintechnik, der mir \u00fcber den Weg l\u00e4uft, meint \u00fcber die \u201eT\u00e4ler\u201c: &nbsp;\u201eIch wei\u00df gar nicht, was da unten so l\u00e4uft. Da sind doch die Philosophen und so ein Zeug.\u201c Hm, das h\u00f6rt sich \u00e4hnlich an wie unten. Vielleicht sind wir ja doch nicht so verschieden. Klar, die Architektur ist eine andere. Oben ist vieles moderner, kastenf\u00f6rmiger. Aber h\u00e4sslicher? Wer das sagt, hat wohl noch nie den Brechtbau gesehen. Und das Mensaessen? Meine Meinung: genau das gleiche Futter. Und ob ich jetzt aus Tellern esse (die in der Wilhelmstra\u00dfe beim Salatbuffet \u00fcbrigens die gleichen sind) oder aus \u201eGef\u00e4ngnisn\u00e4pfen\u201c ist mir herzlich egal. Aber das ist wohl buchst\u00e4blich Geschmacksache.<br \/>\nWenn ich schon einmal oben bin, dann auch richtig! Ich beschlie\u00dfe mich, in eine Biosensorik-Vorlesung zu setzen, was nicht weiter von meinem Fach der Empirischen Kultuwissenschaft entfernt sein k\u00f6nnte. Es geht um Elektrolyse, galvanische Zellen, Daniell Element. Ich f\u00fchle mich an meine Schulzeit erinnert. Als dann nur noch Alphas, Omegas, Viecher \u00e4h Phis und Wurzeln \u00fcber die Leinwand schwirren, suche ich lieber Rechtschreibfehler auf den Folien und \u00fcberlege mir, wie man diese gl\u00fccklicher gestalten k\u00f6nnte. Das Sch\u00f6ne an den Formeln: Sie gelten einfach \u2014 egal, aus welcher Perspektive man sie sieht und wie man sie auslegt. Es gibt keine Interpretationsm\u00f6glichkeiten. Auch mal nicht schlecht zur Abwechslung!<br \/>\nDas Fazit meines kleinen Ausflugs: So verschieden sind wir gar nicht. Und hassen tun wir uns auch nicht. Wir sind uns h\u00f6chstens egal.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Ein paar (un)sch\u00f6ne Klischees \u00fcber die zwei Unis:<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Auf dem Berg&#8230;<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\u2026 isst man gesittet vom Teller<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\u2026 ist Studieren die ganze Woche angesagt<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\u2026 f\u00e4ngt die Vorlesung p\u00fcnktlich an<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">&#8230; sind die H\u00f6rs\u00e4le steiler<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\u2026 sind die Geb\u00e4ude h\u00e4sslich<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\u2026 ist man ab vom Schuss<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\u2026 f\u00fchlt man sich \u201erichtig wissenschaftlich\u201c<\/p>\n<p>&#8230; zieht man sein Ding durch<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Im Tal&#8230;<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"left\">&#8230; ist die richtige Uni<\/p>\n<p align=\"left\">&#8230; sind die sch\u00f6neren Geb\u00e4ude<\/p>\n<p align=\"left\">&#8230; findet das Unileben statt<\/p>\n<p align=\"left\">\u2026 hat die Mensa Gef\u00e4ngnisn\u00e4pfe<\/p>\n<p align=\"left\">\u2026 hat man zwei Tage in der Woche Uni<\/p>\n<p align=\"left\">\u2026 stehen die sch\u00f6nen Geb\u00e4ude, au\u00dfer dem Kupferbau<\/p>\n<p align=\"left\">\u2026 kommen alle eine Viertelstunde sp\u00e4ter<\/p>\n<p align=\"left\">\u2026 verstecken Juristen Gesetzb\u00fccher<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den zwei Unis in T\u00fcbingen und der unsichtbaren Grenze zwischen Berg und Tal \u201eDas Essen auf der Morgenstelle soll besser sein\u201c, h\u00f6rt man oft &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":242,"featured_media":1440,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[490,491],"class_list":["post-1439","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-uni-berg","tag-uni-tal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/242"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1439"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24264,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1439\/revisions\/24264"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}