{"id":1466,"date":"2013-09-22T10:36:58","date_gmt":"2013-09-22T10:36:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1466"},"modified":"2021-02-21T13:24:24","modified_gmt":"2021-02-21T13:24:24","slug":"studentenfutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/09\/22\/studentenfutter\/","title":{"rendered":"Studentenfutter"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>\u201eUnd jetzt noch kochen?\u201d \u2014 Nach einem anstrengenden Unitag bleibt wenig Energie, um \u00fcber die eigene Ern\u00e4hrung nachzudenken. Trotzdem muss Essen nicht zum Problem werden, findet der Veganer Daniel. Bei einem Einkaufsbummel berichtet der Kunstgeschichte- und Medienwissenschaftsstudent, warum Essen f\u00fcr ihn keine Nebensache ist.<\/strong><\/span><br \/>\n<em>von Hannah Steinhoff<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nMittwochmittag, die Glockenschl\u00e4ge der Stiftskirche t\u00f6nen zw\u00f6lfmal \u00fcber den Rathausmarkt. Wer glaubt, f\u00fcr einen Markteinkauf m\u00fcsse man fr\u00fch aufstehen, irrt. Zwar fahren schon die ersten Lastwagen vor, um die Waren wieder einzuladen. Daniel Heyer l\u00e4sst sich davon nicht beeindrucken. Kartoffeln, Champignons und Gem\u00fcse stehen auf seinem Einkaufszettel. An Wurst, Eiern und K\u00e4se geht er vorbei \u2014 Daniel ist Veganer.<br \/>\nSeit er in T\u00fcbingen studiert und lebt, kann er sich ohne Probleme vegan ern\u00e4hren. T\u00fcbingen gilt schlie\u00dflich als besonders \u00f6kofreundliche Stadt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Vegan hei\u00dft nicht unbedingt teuer<\/span><\/h3>\n<p>Bis Daniel ganz auf tierische Produkte verzichtete, dauerte es&nbsp; aber einige Jahre. Mit 16 beschloss er, sich vegetarisch zu ern\u00e4hren. \u201eEssen ist f\u00fcr mich keine Nebensache\u201c, berichtet er. Sich bewusst ern\u00e4hren \u2014 das bedeutet f\u00fcr ihn, sich dar\u00fcber im Klaren zu sein, wie sich die eigene Ern\u00e4hrung auf Mensch und Umwelt auswirkt.<br \/>\nAu\u00dferdem f\u00fchlt Daniel sich auch viel ges\u00fcnder, seit er vegan lebt. Als Jugendlicher hatte er starke Neurodermitis \u2014 die ist heute ganz verschwunden. Der Hauptgrund f\u00fcr Daniel, vegan zu leben, ist die Tierliebe: \u201eIch habe einfach ein besseres Lebensgef\u00fchl, weil ich wei\u00df, dass f\u00fcr meine Ern\u00e4hrung keine anderen Lebewesen leiden m\u00fcssen.\u201c<br \/>\nDarauf zu achten, ob tierische Produkte in Lebensmitteln enthalten sind, klingt nach einer Menge Stress \u2014 doch Daniel gelang es schnell, herauszufinden, wo er am besten einkaufen kann. \u201eNat\u00fcrlich ist es eine Umstellung\u201c, sagt er, \u201eaber nicht unbedingt mehr Aufwand.\u201c Er plant nicht Tage vorher, was und wann er einkaufen will, sondern geht einfach los, wenn er nach der Uni noch Zeit hat. Wenn gerade nicht Wochenmarkt ist, geht er meist in asiatische Gesch\u00e4fte oder Bio-Superm\u00e4rkte wie Alnatura.<br \/>\nDie Waren dort richten sich nach h\u00f6heren Bio-Standards als die, die man im normalen Supermarkt kaufen kann, denn das EU-Siegel bekommen Produkte dann, wenn sie zu 95 %aus&nbsp; \u00f6kologischem Anbau stammen. Biomarken wie Bioland oder Demeter dagegen garantieren eine streng kontrollierte Bio-Qualit\u00e4t.<br \/>\nF\u00fcr Daniel geht vegan aber vor bio. \u201eIch habe nicht immer das Budget, Bio-Produkte zu kaufen. Das Wichtigste f\u00fcr mich ist, dass nichts Tierisches enthalten ist.\u201c Andere Kriterien ber\u00fccksichtigt er erst danach.<br \/>\nDie meisten Studierenden achten beim Einkauf sehr auf die Preise. Doch vegan hei\u00dft nicht unbedingt auch teuer: Die Grundnahrungsmittel Gem\u00fcse, Reis und Tofu sind meist g\u00fcnstiger als Milch, Fleisch und Eier. Vegane Aufstriche oder S\u00fc\u00dfigkeiten dagegen \u00fcbersteigen ihre nicht-veganen Gegenst\u00fccke oft im Preis.<br \/>\nEs ist nat\u00fcrlich ein deutlicher Unterschied, ob man im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt einkauft. Statt Regalreihen lernt man hier auf dem Markt die Menschen kennen, die direkt an der Erzeugung der Waren beteiligt sind. Zum Einkauf geh\u00f6rt auch ein kleiner Plausch mit den Verk\u00e4ufern. Diese freuen sich \u00fcber die vielen Studierenden, die es auf den Wochenmarkt zieht. \u201eDie kommen allerdings meist erst sp\u00e4ter\u201c, erz\u00e4hlt die Verk\u00e4uferin lachend, als sie f\u00fcr Daniel Champignons abwiegt. \u201eSieben Uhr ist denen wohl zu fr\u00fch!\u201c<br \/>\nFast jeden Donnerstags geht Daniel in die Prinz-Karl-Mensa. Ein vegetarisches Essen gibt es dort zwar jeden Tag, doch nur donnerstags bieten die T\u00fcbinger Mensen ein veganes Gericht an. Mit dem angebotenen Essen ist Daniel zufrieden, auch wenn er es vorziehen w\u00fcrde, wenn er mehr Auswahl h\u00e4tte und nicht nur an einem Tag in der Woche in die Mensa gehen k\u00f6nnte.<br \/>\nTierische Produkte vermisst Daniel \u00fcberhaupt nicht. Die meisten Gerichte kann er auch vegan zubereiten: Zum Beispiel Spaghetti Bolognese mit Tofu oder K\u00e4sekuchen mit Sojamilch, Seidentofu und Maisst\u00e4rke. Auch die asiatische K\u00fcche kommt bei vielen Gerichten ganz ohne Fleisch aus. In T\u00fcbingen haben viele indische Restaurants und Imbisse nicht nur vegetarische, sondern auch vegane Gerichte im Angebot.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">Pazifismus in seiner konsequentesten Form<\/span><\/h3>\n<p>Veganismus h\u00f6rt jedoch nicht bei der Ern\u00e4hrung auf. Daniel achtet darauf, dass auch seine Kleidung ohne tierische Produkte hergestellt wird. \u201eDie Schuhe hier zum Beispiel sind ganz ohne Leder\u201c, erkl\u00e4rt er und zeigt auf seine Stiefel.<br \/>\nWenn Daniel erz\u00e4hlt, dass er vegan lebt, sind die Reaktionen oft heftig. Ern\u00e4hrung ist ein Thema, das jeden betrifft und zu dem jeder eine Meinung hat. F\u00fcr viele geh\u00f6rt der Fleischkonsum zur Lebenseinstellung dazu \u2014 zum Beispiel, wenn man sich als schw\u00e4bisch identifiziert. Denn was ist die schw\u00e4bische K\u00fcche ohne Herrgottsbeschei\u00dferle?<br \/>\n\u201eViele f\u00fchlen sich pers\u00f6nlich angegriffen\u201c, sagt Daniel, w\u00e4hrend er sich in der Marktauslage eine Paprika aussucht. \u201eDie meisten Gespr\u00e4che verlaufen nicht besonders positiv. Ich werde gefragt, ob das gesund ist und ob ich nichts vermisse. Wenn ich alle Einw\u00e4nde beseitigt habe, bleibt nur noch das letzte Argument: der Geschmack.\u201c<br \/>\nDeshalb h\u00e4lt er sich auch zur\u00fcck und erz\u00e4hlt nur dann etwas \u00fcber seine Ern\u00e4hrung, wenn er gefragt wird. Ein missionarischer Eifer liegt ihm fern. F\u00fcr Daniel ist Veganismus Pazifismus in seiner konsequentesten Form \u2014 deshalb bem\u00fcht er sich auch, mit anderen Menschen friedlich umzugehen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #004b88;\">\u201eWichtige Entscheidung\u201c<\/span><\/h3>\n<p>An Veranstaltungen wie dem Vegan Street Day beteiligt er sich jedoch gern \u2014 am Pfingstsonntag ging es dabei in Stuttgart auf dem Markt- und dem Schillerplatz um vegane Ern\u00e4hrung und Lebensweise, dazu gab es Vortr\u00e4ge und Live-Musik.<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich glaube ich, dass die Welt besser w\u00e4re, wenn alle vegan leben w\u00fcrden\u201c, sagt er. \u201eAber ich versuche nicht, die Leute zu \u00fcberzeugen. Es ist eine wichtige Entscheidung, von der viele andere Lebewesen betroffen sind. Aber jeder muss diese Entscheidung aus&nbsp; der eigenen Initiative heraus treffen.\u201c<br \/>\nDie Kirchturmuhr schl\u00e4gt einmal \u2014 der Markt ist jetzt offiziell vorbei, auch wenn einige Nachz\u00fcgler jetzt immer noch etwas bekommen. Doch Daniel hat seinen Einkauf erledigt: Champignons, Kartoffeln, Broccoli, eine Aubergine und eine Paprika befinden sich in seiner Einkaufst\u00fcte. Ausgegeben hat er daf\u00fcr nicht mehr als im Supermarkt \u2014 daf\u00fcr wei\u00df er, dass die Produkte aus der Region stammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnd jetzt noch kochen?\u201d \u2014 Nach einem anstrengenden Unitag bleibt wenig Energie, um \u00fcber die eigene Ern\u00e4hrung nachzudenken. 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