{"id":1493,"date":"2013-09-29T11:02:48","date_gmt":"2013-09-29T11:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1493"},"modified":"2021-02-21T13:22:45","modified_gmt":"2021-02-21T13:22:45","slug":"fluch-oder-segen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/09\/29\/fluch-oder-segen\/","title":{"rendered":"Fluch oder Segen?"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Internet an der Uni: zwei Professoren, zwei Meinungen<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"color: #004b88;\"><strong>Unsere Dozenten haben \u201edamals\u201c noch ohne Internet studiert. <\/strong><\/span><span style=\"color: #004b88;\"><strong>Wie gehen sie mit den neuen Medien um? Sehen sie darin Chancen oder Gefahren? <\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong> Wir haben mit Professor Dr. Reinhard Johler, dem Direktor des Ludwig-Uhland-Instituts f\u00fcr Empirische Kulturwissenschaft, und mit Professor Dr. Georg Braungart vom Lehrstuhl f\u00fcr Neuere deutsche Literatur gesprochen.<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"color: #004b88;\"><strong>Professor Braungart, wie wichtig ist Ihnen das Internet im Unialltag?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In den Sitzungen ist es schon fast normal, online zu sein. Aber bei einer Diskussion st\u00f6rt das schon, wenn sich jeder hinter seinem Laptop abschottet. Deshalb habe ich einen Laptop, den ich zum Tablet umfunktionieren kann, dann habe ich nicht so eine Wand vor mir.<br \/>\n<strong><span style=\"color: #004b88;\">Was hat sich f\u00fcr die Studierenden ver\u00e4ndert, seitdem alles \u00fcber das Netz l\u00e4uft?<\/span><\/strong><br \/>\nDie H\u00f6rs\u00e4le haben L\u00f6cher bekommen: Man steht in st\u00e4ndigem Kontakt zur Au\u00dfenwelt. Aber es gibt auch weiterhin Lerngruppen, das sehe ich ja an meinen Kindern. Studierende erleichtern sich die Informationsbeschaffung, machen bessere Pr\u00e4sentationen und kommunizieren mehr \u2014 aber den Kern der Uni, die intensive Diskussion, kann man nicht durch Skype oder so ersetzen. Insofern hat sich gar nicht so viel ver\u00e4ndert.<br \/>\n<strong><span style=\"color: #004b88;\">St\u00f6rt es Sie, wenn die Studierenden in der Vorlesung online sind?<\/span><\/strong><br \/>\nIm pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch ist das eine nervige Unsitte, st\u00e4ndig sein Handy hervorzuholen. In der Vorlesung st\u00f6rt mich das komischerweise kein bisschen. Ein Student hat mich mal im Seminar verbessert. Er hatte eine Jahreszahl mit dem Handy nachgeschaut. Das finde ich richtig so. Die Studierenden sollen ruhig kontrollieren, ob ich einen Unsinn erz\u00e4hle oder etwas erg\u00e4nzen. Seither frage ich \u00f6fter: \u201eKann das mal schnell jemand googlen?\u201c<br \/>\n<strong><span style=\"color: #004b88;\">Viele Ihrer Vorlesungen stellen Sie als Audio-Datei online. Haben Sie keine Angst, dass der H\u00f6rsaal leer bleibt?<\/span><\/strong><br \/>\nDas Thema muss packend und spannend sein, dann kommen die Studierenden von alleine. Ich wei\u00df nicht, wie viele weggeblieben sind, seit sie wissen, dass ich die Vorlesungen auch hochlade. Aber der H\u00f6rsaal war am Anfang sowieso viel zu voll.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>K\u00f6nnten Sie sich vorstellen, ausschlie\u00dflich \u00fcber das Internet zu lehren?<\/strong><\/span><br \/>\nVor 15 Jahren, zu Zeiten des Internet-Hypes, dachte man, man k\u00f6nne nur noch \u00fcber das Netz lehren, ganz ohne Personal. Didaktisch ist das Quatsch. Da ist emotional nicht mehr viel drin. Man muss schon aufpassen, dass die technische Apparatur die Kommunikation nicht entdynamisiert und ihr die Spontaneit\u00e4t nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><em>Das Interview f\u00fchrte Veronika Wulf<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">\n<p align=\"left\"><strong><span style=\"color: #004b88;\">Professor Johler, wie wichtig ist Ihnen das Internet im Unialltag?<\/span> <\/strong><\/p>\n<p>Das Internet ist ein Instrument f\u00fcr die Vermittlung von Wissen, im Grunde ist es wie <a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2013\/09\/29\/fluch-oder-segen\/05-bild-johler-2\/\" rel=\"attachment wp-att-1495\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1495\" title=\"Fotos: Veronika Wulf\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/05-Bild-Johler-2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>eine Bibliothek. Trotzdem ersetzt es diese nicht und darum ist es wichtig, das eine mit dem anderen verbinden zu k\u00f6nnen. Das Internet ist eine tolle Erg\u00e4nzung, ich selbst besitze ein Smartphone und ein Tablet.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Was hat sich f\u00fcr die Studierenden ver\u00e4ndert, seitdem alles \u00fcber das Netz l\u00e4uft?<\/strong><\/span><br \/>\nEs gibt Studierende, die nicht einmal mehr wissen, wo die UB \u00fcberhaupt zu finden ist. Dadurch ver\u00e4ndert sich die Leseerfahrung. \u00a0Jeder Informationstr\u00e4ger hat seine Vorteile, man kann immer etwas daraus gewinnen, aber es geht auch oft etwas verloren.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>St\u00f6rt es Sie, wenn Studierende in Ihrem Seminar das Handy benutzen?<\/strong><\/span><br \/>\nF\u00fcr mich ist das einfach schade um die Zeit, da die Uni ein Ort \u00a0f\u00fcr konzentriertes Nachdenken ist. Man sollte sich als Student selbst fragen, wer man ist. \u00a0Denn wer w\u00e4hrend eines Seminars chattet, ist zwar k\u00f6rperlich anwesend, aber eigentlich woanders. Fr\u00fcher hat man herumgekritzelt, heute ist das Handy die Ablenkung. Der Unterschied liegt darin, dass das Handy eine Kommunikation nach au\u00dfen erm\u00f6glicht.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Smartphones liefern schnelle Informationen, sollte man das nicht nutzen?<\/strong><\/span><br \/>\nNat\u00fcrlich \u2014 allerdings suchen die Studierenden, die in einem Seminar sitzen, nicht nach Informationen im Internet. \u00a0Das Smartphone wird meist nur zur privaten Kommunikation benutzt, was in dieser Situation da einfach nichts zu suchen hat.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Wie haben Sie vor Smartphone &amp; Co die Seminare empfunden?<\/strong><\/span><br \/>\nDie Seminare waren eine Gelegenheit, mit allen Beteiligten einen dichten Austausch zu praktizieren, wie bei der Papstwahl. Man hat den Seminarraum erst verlassen, wenn die Nuss geknackt war.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Internetgegner behaupten, dass der pers\u00f6nliche Kontakt durch die Medien verloren geht. K\u00f6nnen Sie das best\u00e4tigen?<\/strong><\/span><br \/>\nGanz im Gegenteil, ich habe noch nie so viele P\u00e4rchen h\u00e4ndchenhaltend in T\u00fcbingen umhergehen sehen. Die Realit\u00e4t holt letztendlich die Medien ein, denn Beziehungen finden nun einmal real statt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><em>Das Interview f\u00fchrte Lisa Wazulin<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Internet an der Uni: zwei Professoren, zwei Meinungen Unsere Dozenten haben \u201edamals\u201c noch ohne Internet studiert. Wie gehen sie mit den neuen Medien um? 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