{"id":15042,"date":"2019-05-24T10:20:12","date_gmt":"2019-05-24T08:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15042"},"modified":"2019-05-24T10:20:12","modified_gmt":"2019-05-24T08:20:12","slug":"eine-neue-basis-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/05\/24\/eine-neue-basis-fuer-europa\/","title":{"rendered":"Eine neue Basis f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die Partei \u201eDemokratie in Europa\u201c (DiE) tritt zur Europawahl an &#8211; obwohl ihnen das europ\u00e4ische Parlament nicht demokratisch genug ist. Guido Drehsen, Landesvorsitzender der Partei \u201eDemokratie in Bewegung\u201c, unterst\u00fctzt \u201eDemokratie in Europa\u201c in Vollzeit neben seinem Job, ohne selbst zu kandidieren. Er erz\u00e4hlt, was ihn dazu bewegt und warum Europa demokratischer werden muss. Ein Bericht.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Guido Drehsen reicht den Kuli mit dem Logo seines Arbeitgebers LGI, einem internationalen Logistikunternehmen, \u00fcber den Tisch in der T\u00fcbinger Kneipe Boulanger, wo sich die Partei \u201eDemokratie in Bewegung\u201c w\u00f6chentlich trifft. Anfang des Jahres sammelte er dort Unterschriften f\u00fcr die Europawahlen im Mai. Gegen den Einfluss von Lobbyisten und f\u00fcr die \u201e<a href=\"https:\/\/www.deineuropa.jetzt\/\">Demokratie in Europa<\/a>\u201c.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie ein Informatiker ganz pragmatisch versucht, Europa zu revolutionieren<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir m\u00fcssen aufpassen, dass wir uns nicht komplett von Konzernen bestimmen lassen, weil die Macht hat das Geld, und das Geld haben die Konzerne\u201c, sagt der 52-j\u00e4hrige IT-Berater. Er tr\u00e4gt Karohemd und einen grauen Laptoprucksack. Sein Interesse gilt den gro\u00dfen Themen der Politik. Als Jugendlicher holte er die entsprechenden Informationen bei Marx ein, wie er es formuliert. Er f\u00fcllte auch einen Mitgliedsantrag f\u00fcr die SPD aus und ging zu einem Jusos-Treffen. Den Antrag zerriss er wieder. \u201eAuf der unteren Ebene kann man in den gro\u00dfen Parteien so gut wie nichts gestalten, was Bundes- oder Europapolitik angeht. Wenn man etwas ver\u00e4ndern wollte, musste man sich vom kleinsten Kreisverband aus hoch k\u00e4mpfen\u201c, glaubt er. Er wollte nicht \u201eauf Ochsentour gehen bei den verkrusteten Altparteien\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15044\" aria-describedby=\"caption-attachment-15044\" style=\"width: 449px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15044 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BILD-2-449x672.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15044\" class=\"wp-caption-text\">Guido Drehsen ist neben seiner Arbeit als IT-Berater als Betriebsratsvorsitzender von LGI, als Vorsitzender des europ\u00e4ischen Betriebsrates des Mutterkonzerns von LGI, als Landesvorsitzender von DiB in Baden-W\u00fcrttemberg und als Mitglied von DiEM25 t\u00e4tig.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen engagierte sich der Informatiker in seinem Konzern 15 Jahre lang in einer Mitarbeitervertretung und leitete dann den Wahlvorstand zur Bildung eines Betriebsrats, in dem er bis heute aktiv ist. Mit der Gesamtsituation blieb er unzufrieden: \u201eIch sah es ja an jeder Ecke und Kante durch meinen Job in der Logistikfirma, die gr\u00f6\u00dftenteils im Niedriglohnsektor aktiv ist, dass die Leute teilweise Zweit- und Drittjobs haben, um \u00fcber die Runden zu kommen und auf der anderen Seite die Firmen immer mehr Gewinne gemacht und Rechte bekommen haben\u201c. Er stand auf, ging gegen das Freihandelsabkommen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transatlantisches_Freihandelsabkommen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">TTIP <\/a>auf die Stra\u00dfe, unterschrieb Onlinepetitionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Aufruf der\u201e<a href=\"https:\/\/bewegung.jetzt\/\">Demokratie in Bewegung<\/a>\u201c (<a href=\"https:\/\/bewegung.jetzt\/\">DiB<\/a>)\u00a0 entdeckte er Anfang 2017 eine neue Partei f\u00fcr sich. Die Forderung nach einem Neuanfang f\u00fcr die Demokratie und der Wunsch nach Gerechtigkeit \u00fcberzeugten ihn. Er wurde noch im selben Fr\u00fchjahr Mitglied, eine Woche darauf gr\u00fcndete er den Landesverband in Baden-W\u00fcrttemberg mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit knapp einem Jahr ist dort Guido \u2013 bei <a href=\"https:\/\/bewegung.jetzt\/\">DiB<\/a> duzen sie sich \u2013 einer von zwei Landesvorsitzenden. Auf der parteieigenen Internetplattform kann jeder Initiativen einreichen, ob Mitglied oder nicht. Kann sie die Partei mit ihren Grundwerten vereinbaren, werden sie zur Abstimmung gestellt. Gewinnt eine Forderung eine Mehrheit, kommt sie ins Parteiprogramm. Digitale Technologie f\u00fcr eine basisdemokratische und utopischere Gesellschaft? F\u00fcr Guido ist klar: \u201eDas Wichtige sind immer noch die Menschen. Die technischen Tools bringen dir keine Ideen\u201c.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Teil der paneurop\u00e4ischen Liste von DiEM25<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Mensch mit Ideen ist der Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis. Als Finanzminister Griechenlands rebellierte er w\u00e4hrend der Schuldenkrise gegen die Sparauflagen. Er ist \u00fcberzeugt, dass die Finanzkrise 2008 Europa in einen Abgrund gest\u00fcrzt hat, aus dem wie einst aus der gro\u00dfen Depression 1929 das politische Monster Faschismus aufsteigen k\u00f6nnte. Dagegen k\u00e4mpft er mit seiner europaweiten Bewegung <a href=\"https:\/\/diem25.org\/main-de\/\">DiEM25<\/a> an. Bis 2025 wollen sie eine demokratische Verfassung f\u00fcr Europa aufstellen. F\u00fcr die kommende Europawahl suchte die Bewegung verschiedene Partnerparteien f\u00fcr das europ\u00e4ische B\u00fcndnis \u201eEuropean Spring\u201c, um mit einem gemeinsamen Programm in mehreren L\u00e4ndern zur Wahl anzutreten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15045\" aria-describedby=\"caption-attachment-15045\" style=\"width: 438px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15045 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/BILD-3.jpg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"656\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15045\" class=\"wp-caption-text\">Der ehemalige Finanzminister Griechenlands Yanis Varoufakis ist der Spitzenkandidat von DiEM25. (Quelle: J\u00f6rg R\u00fcger via<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Yanis-Varoufakis-Berlin-2015-02-05.jpg?uselang=de\"> Wikimedia Commons,<\/a> <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\">CC BY-SA 3.0)<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bez\u00fcglich der Europawahlen lie\u00df der Bundesvorstand der <a href=\"https:\/\/bewegung.jetzt\/\">DiB<\/a> abstimmen, ob sie den deutschen Wahlfl\u00fcgel von <a href=\"https:\/\/diem25.org\/main-de\/\">DiEM25<\/a>, \u201eDemokratie in Europa\u201c (<a href=\"https:\/\/www.deineuropa.jetzt\/\">DiE<\/a>), bei den kommenden Europawahlen unterst\u00fctzen sollten. Denn das Programm war sehr \u00e4hnlich: Ein Initiativrecht f\u00fcr das Parlament und die Gr\u00fcndung einer f\u00f6deralen europ\u00e4ischen Republik. 295 Personen von 1128 Abstimmungsberechtigten nahmen an der Umfrage teil, 245 stimmten f\u00fcr die Zusammenarbeit<strong>.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 2018 fuhr Guido nach Berlin, wo sie die Kandidaten f\u00fcr die Europawahl aufstellten. Varoufakis besetzt bei <a href=\"https:\/\/www.deineuropa.jetzt\/\">DiE<\/a> nicht nur Listenplatz 1, er ist auch der Vordenker des stark wirtschaftlich gepr\u00e4gten Wahlprogramms. Der Deutsche kritisiert, dass bei <a href=\"https:\/\/diem25.org\/main-de\/\">DiEM25<\/a> die Entscheidungen vom Coordinating Kollektiv getroffen werden und nicht unbedingt mit dem \u00fcbereinstimmen, was die Basis m\u00f6chte. Aber: \u201eWir wollen beide, dass Europa deutlich gerechter und sozialer wird, und dann sollte man an einem Strang ziehen.\u201c Schon ab morgen, sagt der Grieche, k\u00f6nnten bestehende europ\u00e4ische Institutionen 500 Milliarden Euro j\u00e4hrlich in gr\u00fcne Technologien, Bildung und Gesundheit stecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Guido kandidiert nicht f\u00fcr die Europawahl. Er baut lieber die Strukturen im Hintergrund auf. 40 Stunden in der Woche, laut ihm, neben seinem Vollzeitjob. Definiert Ablaufprozesse, etwa f\u00fcr die Aufnahme von Mitgliedern. Und nat\u00fcrlich ist er f\u00fcr die IT-Infrastruktur zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Fotos<\/u><\/strong>: Johannes Plate<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Partei \u201eDemokratie in Europa\u201c (DiE) tritt zur Europawahl an &#8211; obwohl ihnen das europ\u00e4ische Parlament nicht demokratisch genug ist. 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