{"id":15049,"date":"2019-04-26T10:23:58","date_gmt":"2019-04-26T10:23:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15049"},"modified":"2021-02-19T18:04:44","modified_gmt":"2021-02-19T18:04:44","slug":"hinter-den-uni-kulissen-im-gleichstellungsbuero","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/04\/26\/hinter-den-uni-kulissen-im-gleichstellungsbuero\/","title":{"rendered":"Hinter den Uni-Kulissen: Im Gleichstellungsb\u00fcro"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Vorhang auf f\u00fcr einige der Menschen, die im Hintergrund daf\u00fcr sorgen, dass der Unibetrieb rund l\u00e4uft und Studierende und Dozenten einen m\u00f6glichst angenehmen Unialltag erleben. Kupferblau hat sie getroffen: Bibliothekarinnen und Hausmeister, Cafeteria-Mitarbeiterinnen und Medientechniker. Heute im Interview: <\/strong><\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em><strong>Die Gleichstellungsbeauftragte der Universit\u00e4t, Dr. Ingrid Hotz-Davies, <\/strong><\/em><\/li>\n<li><em><strong>die Ansprechpartnerin zum Thema Vereinbarkeit im Familienb\u00fcro, Gabi Efferenn, <\/strong><\/em><\/li>\n<li><strong><em>die Ansprechpartnerin f\u00fcr die F\u00f6rderprogramme des Landes, Gender-Consulting f\u00fcr Antragstellende sowie Einzelberatung,<\/em> <em>Susanne Weitbrecht und <\/em><\/strong><\/li>\n<li><strong><em>die Ansprechpartnerin f\u00fcr das Controlling der Berufungsverfahren, das Athene-Programm sowie f\u00fcr Einzelberatung, Anke Wenta.<\/em> <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>Was machen Sie im Gleichstellungsb\u00fcro und im Familienb\u00fcro? F\u00fcr was sind Sie zust\u00e4ndig?<\/strong><br \/>\nEfferenn: Das Familienb\u00fcro ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Vereinbarkeit von Familie mit Studium, Wissenschaft oder Beruf. Die Universit\u00e4t T\u00fcbingen hat u.a. seit 2014 das Audit \u201efamiliengerechte Hochschule\u201c. Im Audit geht es darum, Ma\u00dfnahmen zu konzipieren und umzusetzen, die zu einer gr\u00f6\u00dferen Familienfreundlichkeit an der Universit\u00e4t f\u00fchren. Wir haben zum Beispiel inzwischen ein Familienzimmer auf der Morgenstelle eingerichtet. Au\u00dferdem haben wir die Handreichung Studieren mit Familienaufgaben erarbeitet und ver\u00f6ffentlicht, wo es um flexiblere Studienorganisation f\u00fcr Studierende mit Kindern und Familien oder auch pflegende Angeh\u00f6rige geht. Im letzten Jahr wurde ferner viel zum Thema Mutterschutz f\u00fcr Studentinnen hier an der Universit\u00e4t geregelt.<br \/>\nHotz-Davies: Das alles ist Teil des Gleichstellungsauftrags, denn eine der gro\u00dfen Problematiken f\u00fcr Menschen mit Kindern, die eine Karriere anstreben an der Universit\u00e4t, ist genau die erw\u00e4hnte Vereinbarkeit. Und ich habe jetzt gerade vorsichtig gesagt &#8222;Menschen mit Kindern&#8220;, tats\u00e4chlich trifft es aber haupts\u00e4chlich die Frauen [\u2026]. Insofern ist die Familienfreundlichkeit ein wichtiger, aber nicht der einzige Teil des Gleichstellungsauftrags. Die Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten und des B\u00fcros ist, f\u00fcr die tats\u00e4chliche Chancengleichheit von M\u00e4nnern und Frauen zu sorgen. Es muss hei\u00dfen \u201etats\u00e4chlich\u201c, weil die Erkl\u00e4rung einer Intention \u201esie sind chancengleich\u201c, nicht hei\u00dft, dass sie es dann auch wirklich sind. [\u2026] Es ist eine wichtige Aufgabe der Gleichstellungspolitik der Universit\u00e4t daf\u00fcr zu sorgen, dass die Frauen auch tats\u00e4chlich in die hohen Stufen der Karriereleiter vordringen k\u00f6nnen. Dazu gibt es eine Reihe von Ma\u00dfnahmen. Es geht darum, zun\u00e4chst einmal zu verstehen, warum die Situation so ist, wie sie sich darstellt und was da genau passiert und dann Konzepte und Ma\u00dfnahmen zu entwickeln, wie man die Chancengleichheit bef\u00f6rdern kann. Dazu gibt es inzwischen eine Reihe von Programmen.<br \/>\nWeitbrecht: Wir setzen ganz konkrete Ma\u00dfnahmen um, wie z.B. das Athene-Programm. Eine zweite Ma\u00dfnahme ist das Teaching-Equality-Programm. Das Gleichstellungsb\u00fcro ist sowohl f\u00fcr die Konzeption der Ma\u00dfnahmen als auch deren sp\u00e4tere Umsetzung zust\u00e4ndig. Das<a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/einrichtungen\/gleichstellung\/gleichstellungsbeauftragte\/gleichstellungsbuero\/athene-programm\/\"> Athene-Programm<\/a> erm\u00f6glicht Frauen nach der Promotion bessere Chancen, auf dem Weg zur Professur. Denn in der ganz \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4cher steigen Frauen nach der Promotion aus und sagen \u201eNein, die Professur ist nicht das Ziel, das ich anstrebe\u201c. Das ist sehr bedauerlich, f\u00fcr beide Seiten, sowohl f\u00fcr die Frauen als auch f\u00fcr die Wissenschaft.<br \/>\n<figure id=\"attachment_13880\" aria-describedby=\"caption-attachment-13880\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13880\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_3142x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13880\" class=\"wp-caption-text\">Im sogenannten Athene-Programm werden gezielt Nachwuchswissenschaftlerinnen unterst\u00fctzt, erkl\u00e4rt Susanne Weitbrecht.<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<strong>Aber dann f\u00f6rdern sie beim Gleichstellungsb\u00fcro nur haupts\u00e4chlich Frauen oder auch Migranten und Arbeiterkinder etc.?<\/strong><br \/>\nHotz-Davies: Das wird auch eine der zuk\u00fcnftigen Aufgaben des Gleichstellungsb\u00fcros sein, also Diversit\u00e4tsaspekte betreuen zu k\u00f6nnen. Wir haben bzw. die Uni hat bereits das Audit \u201eVielfalt gestalten\u201c zur Entwicklung eines Diversit\u00e4tskonzeptes f\u00fcr die Hochschule durchgef\u00fchrt. Der n\u00e4chste Schritt wird nun sein, das Konzept umzusetzen. Das Thema Diversit\u00e4t wird daher in Zukunft tats\u00e4chlich auch zu unseren Aufgaben geh\u00f6ren.<br \/>\n<figure id=\"attachment_13882\" aria-describedby=\"caption-attachment-13882\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13882\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_3175x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13882\" class=\"wp-caption-text\">Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Ingrid Hotz-Davies hat seinen Fokus auf englischer Literatur und Gender Studies.<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<strong>Sie betreuen auch einzelne Studierende, also wenn sie individuelle Probleme haben: Kommen da dann auch nur Frauen? <\/strong><br \/>\nEfferen: Nein, ins Familienb\u00fcro kommen auch viele M\u00e4nner, die mit Familie studieren oder arbeiten. Ausgleichsma\u00dfnahmen und Beratungsangebote k\u00f6nnen V\u00e4ter und M\u00fctter gleicherma\u00dfen in Anspruch nehmen.<br \/>\nHotz-Davies: Die Verteilung der Geschlechter, die hier bei uns Dinge in Anspruch nehmen k\u00f6nnen, wiederspiegeln eine soziale Realit\u00e4t. In dem Moment, wo die Mehrheit der Familienf\u00fcrsorge in der Hand der M\u00e4nner w\u00e4re, dann w\u00e4re das hier ein M\u00e4nnerb\u00fcro.<br \/>\n<strong>Was w\u00e4ren dann Probleme, mit denen man zu Ihnen kommen kann? <\/strong><br \/>\nEfferenn: Was zum Beispiel sehr h\u00e4ufig der Fall ist, ist, dass Pr\u00fcfungsfristen davongaloppieren, weil z.B. das Kind kurz vor einer Pr\u00fcfung krank geworden ist und man sich nicht ausreichend vorbereiten konnte. Oder wenn eine Schwangerschaft im Studium eintritt und man kl\u00e4ren muss, inwieweit man das Studium flexibilisieren kann oder welche M\u00f6glichkeiten jenseits des \u201eNormstudiums\u201c es gibt. Das gilt im \u00dcbrigen sowohl f\u00fcr Studierende mit Kindern als auch Studierende mit Pflegeaufgaben, die wir ja auch immer wieder hier haben und die dann auch hierher zur Beratung kommen.<br \/>\nHotz-Davies: Wir sind auch eine Anlaufstelle f\u00fcr Formen der sexuellen Bel\u00e4stigung. Das sind dann individuelle Beratungsf\u00e4lle. Zun\u00e4chst wird aufgenommen, was tats\u00e4chlich der Inhalt der Beschwerde ist. Das Gespr\u00e4ch bleibt nat\u00fcrlich streng vertraulich und die Person, die sich an uns gewandt hat, bleibt auch in Kontrolle der Information, das ist uns sehr wichtig. Das hei\u00dft, dass wir nicht die Information an uns rei\u00dfen und damit Politik machen. Vielmehr wird im konkreten Fall \u00fcberlegt, wie man das Problem l\u00f6sen kann.<br \/>\n<strong>Hat sich die Arbeit in den letzten Jahren ge\u00e4ndert? Kommen mehr Leute in einem spezifischen Bereich oder auch allgemein?<\/strong><br \/>\nEfferenn: F\u00fcr das<a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/de\/39962\"> Familienb\u00fcro<\/a>, das es ja erst seit 2014 gibt, kann ich sagen, dass sich die Anzahl der Beratungen insofern gebessert, also sprich verringert hat, je informativer die Internetseite des Familienb\u00fcros wurde. Aber es gibt immer noch einen riesigen Bedarf an Beratung. Oft geht es auch um individuelle Notf\u00e4lle.<br \/>\nHotz-Davies: Also ich denke, was sich insgesamt schon ge\u00e4ndert hat, ist, dass die Wichtigkeit der Gleichstellung f\u00fcr die Universit\u00e4t inzwischen deutlich markierter ist. Das war immer gleich wichtig, nur wurde das nicht erkannt oder anerkannt. Und jetzt ist es so, dass es doch auch einen gro\u00dfen au\u00dferuniversit\u00e4ren Druck gibt, durch Drittmittelgeldgeber oder jetzt zum Beispiel die Exzellenzinitiative.<br \/>\nWeitbrecht: Die erste Gleichstellungsbeauftragte der Universit\u00e4t ist 1989 oder 1990 gew\u00e4hlt worden. Danach wurde das B\u00fcro eingerichtet. Es hat sich in den letzten 30 Jahren insofern ver\u00e4ndert, als dass es damals wirklich Pionierarbeit war. Anfang der 90er, da war Gleichstellung noch ein ganz marginales Thema.<br \/>\nHotz-Davies: Und nicht nur marginal, sondern der Gegenwind ist bis heute gro\u00df, aber damals war er nat\u00fcrlich ungleich gr\u00f6\u00dfer, weil sich die Gesellschaft nicht sagen lassen will, dass sie etwas falsch macht. Die Argumente lauten \u201eDie Frauen wollen das selbst so, die bleiben lieber daheim, ihnen ist das kochen angeboren\u201c usw.<br \/>\n<figure id=\"attachment_13883\" aria-describedby=\"caption-attachment-13883\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13883\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_3194x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13883\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Ein riesen Bedarf&#8220;: Anke Wenta und ihre KollegInnen haben im Gleichstellunsgb\u00fcro alle H\u00e4nde voll zu tun.<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<strong>Viele sind dem Gleichstellungsb\u00fcro gegen\u00fcber eher kritisch eingestellt, weil sie finden, dass dies eine Benachteiligung von M\u00e4nnern darstellt. Sie k\u00f6nnen ja etwaige F\u00f6rderprogramme nicht wahrnehmen usw. Was w\u00fcrden sie diesen Personen sagen?<\/strong><br \/>\nHotz-Davies: Wenn wir die Situation h\u00e4tten, dass 50% unserer Professoren Frauen w\u00e4ren, dann w\u00e4re ich daf\u00fcr, dass wir das B\u00fcro zumachen.<br \/>\n<strong>Wie verl\u00e4uft denn ihr Arbeitsalltag jeweils?<\/strong><br \/>\nWenta: Es l\u00e4sst sich sagen, dass die Arbeit sehr papierlastig ist. Wir m\u00fcssen sehr viele Vor- und Nachbereitungen z.B. von Gremiensitzungen und auch kontrollierende Aufgaben am Schreibtisch durchf\u00fchren. Eine Kollegin ist z.B. sehr viel mit Statistiken besch\u00e4ftigt, um auszuwerten in welchen Bereichen sich Benachteiligung abbildet. Ich selbst bin mit Berufungsverfahren besch\u00e4ftigt und begleite bis zu 50 Gleichstellungsvertreterinnen, die in Kommissionen an den Fakult\u00e4ten auf Chancengleichheit in den Verfahren achten nat\u00fcrlich sind wir auch in allen wichtigen Sitzungen z.B. Strukturkommissionen oder Senat vertreten. Aber der Alltag der Gleichstellungsarbeit spielt sich haupts\u00e4chlich am Schreibtisch ab.<br \/>\nHotz-Davies: Wir entwickeln Gleichstellungsprogramme nicht, um irgendeine Frau zu bevorteilen, sondern wir versuchen die Nachteile, die eine Frau durch die homosoziale Kooptation hat, auszugleichen, z.B. indem wir ihnen helfen eigene Netzwerke zu schaffen. Das ist ein Nachteilsausgleich. Ein mindestens genauso gro\u00dfer Schwerpunkt liegt schlicht und ergreifend im Qualit\u00e4tsmanagement, um sicherzustellen, dass hier gar niemand Nachteile erf\u00e4hrt &#8211; weder Frauen noch M\u00e4nner.<br \/>\n<strong>Was sind denn so Ihre Erfahrungen mit Professoren? <\/strong><br \/>\nWeitbrecht: Also es gibt die Hypothese, dass wenn die alten Patriarchen, die Frauen einfach nur als Ehefrauen und M\u00fctter betrachtet haben, aussterben, dass dann alles gut wird. Das k\u00f6nnen wir jedoch nicht unbedingt so beobachten. Es gibt moderne M\u00e4nner, die auch ins Familienb\u00fcro kommen und sagen: \u201eIch will Verantwortung f\u00fcr meine Kinder \u00fcbernehmen, was kann ich da machen?\u201c. Die gibt es gl\u00fccklicherweise langsam immer mehr. Aber M\u00e4nner stehen zunehmend in direkter Konkurrenz zu Frauen und nutzen ihren Geschlechtervorteil entweder bewusst oder unbewusst aus.<br \/>\nHotz-Davies: Dazu muss man jetzt aber auch sagen, das ist eine Feststellung, die sich bereits aus einer \u201evergeschlechterten\u201c Wahrnehmung ergibt. Tats\u00e4chlich stehen sie ja einfach in Konkurrenz mit Konkurrenten. Aber die Wahrnehmung, dass die Frauen eben als Frauen eine Konkurrenz w\u00e4ren und andere M\u00e4nner sind nicht als M\u00e4nner eine Konkurrenz, sondern einfach Konkurrenten, ist ja bereits eine vorstrukturierte Wahrnehmung. Ich denke, man sollte das vielleicht nicht an Individuen aufh\u00e4ngen, weil es an sich das Problem verharmlost.<br \/>\nWeitbrecht: Man muss leider auch sagen, dass es den Mythos der Quotenfrau in Deutschland gibt. Und ich muss sagen: Es ist ein Mythos. Dieser Mythos f\u00fchrt dazu, dass sich M\u00e4nner benachteiligt f\u00fchlen, obwohl sie es gar nicht sind. Manche stilisieren sich als Opfer. Wenn ein solcher Mann in einer Konkurrenzsituation mit einer Frau eine Stelle nicht bekommt, sagt er: Die Frau hat sie bekommen, weil sie eine Quotenfrau ist. Das ist nat\u00fcrlich geschickt.<br \/>\n<strong>Gibt es an der Uni irgendwelche Quoten?<\/strong><br \/>\nWeitbrecht: Es gibt keine Frauenquoten f\u00fcr Stellenbesetzungsverfahren. Bei den Juristen wird eine Debatte \u00fcber M\u00e4nnerschutzquoten gef\u00fchrt. Weil Frauen das bessere Staatsexamen machen, geht die Angst vor der \u201eVerweiblichung\u201c des Rechtswesens um. Faktisch wirksame Quoten f\u00fcr Frauen bei Stellenbesetzungsverfahren gibt es bislang nicht.<br \/>\n<strong>Wie ist denn die Verteilung bei den Professoren? Vorhin haben sie gesagt, dass es 20-80 ist, aber in den Naturwissenschaften sieht das ja bestimmt schlechter aus?<\/strong><br \/>\nWenta: Wir sind bei (etwa) 21,3% [oder sowas].<br \/>\nHotz-Davies: [Wobei] Bei der Zielsetzung f\u00fcr die fachspezifisch zu erreichenden Frauenanteile arbeiten wir mit der sog. Kaskade, d.h. die wichtigste Bezugsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Zielsetzung ist immer die Qualifikationsstufe davor. Wenn es in der Qualifikationsstufe vorher nur 20% Frauen gibt, dann kann es auf der n\u00e4chsten ja zun\u00e4chst einmal nicht mehr geben. Die Logik der Kaskade ist die der Bestenauswahl, d.h. wenn wir annehmen, dass M\u00e4nner und Frauen gleich begabt sind und gleich brauchbar und 70% Studentinnen anfangen und auf der Stufe Promotion sind davon nur noch 30 % \u00fcbrig, dann habe ich unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele M\u00e4nner in dem Prozess weiterkommen lassen und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Frauen sind rausgefallen. Da muss man sich dann fragen, warum das passiert.<br \/>\nWenta: Dieses Ph\u00e4nomen kann man in \u00fcbergreifend allen Fakult\u00e4ten beobachten.<br \/>\nHotz-Davies: Man kann sagen, dass die F\u00e4cher mit einem niedrigen Frauenanteil im Studium, dann bei sp\u00e4teren Stufen ihre Frauenanteile besser halten. Wenn Sie als Frau an der Uni eine Karriere machen wollen, dann w\u00fcrde ich ihnen wahrscheinlich raten, dass sie in die Naturwissenschaften gehen.<br \/>\nWeitbrecht: Das hei\u00dft auch, wenn ein Mann unbedingt Professor werden will, dann sollte man ihm empfehlen, in die Erziehungswissenschaften zu gehen.<br \/>\n<strong>Was w\u00fcrden Sie denn den Studierenden gerne sagen? Wollen Sie vielleicht auf spezifische Angebote hinweisen?<\/strong><br \/>\nHotz-Davies<strong>: <\/strong>Auf das <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/einrichtungen\/gleichstellung\/gleichstellungsbeauftragte\/gleichstellungsbuero\/tea-programm\/\">TEA (Teaching Equality) Programm<\/a> k\u00f6nnen wir hinweisen. Das Programm ist schlie\u00dflich f\u00fcr Studierende gestrickt. Es erm\u00f6glicht, dass man Gastprofessorinnen an die Universit\u00e4t T\u00fcbingen holt f\u00fcr ein Semester, insbesondere in solchen Bereichen, in denen die Frauen ganz besonders unterrepr\u00e4sentiert sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen daraus Lehrauftr\u00e4ge mit Genderstudies Komponenten finanziert werden. Das TEA-Programm erm\u00f6glicht auch Praxisvortr\u00e4ge von Frauen, damit insbesondere die weiblichen Studierenden in der Praxis vorgelebt bekommen, dass man auch als Frau an der Universit\u00e4t oder au\u00dferhalb Karriere machen kann.<br \/>\nEfferenn: Ich w\u00fcrde den Studierenden empfehlen, dass sie sich f\u00fcr ihre Belange einsetzen. Wir haben ja z.B. das studentische Elternforum, das sich ja mehrmals im Semester trifft. Das wird g\u00e4nzlich von den Studierenden organisiert, aber kann eben auch nur beibehalten werden, wenn hier Engagement kommt. Wir haben auch verschiedene AKs, Studierende mit Familie an der Universit\u00e4t. Auch diese leben nur vom Engagement der Studierenden. Das Familienb\u00fcro arbeitet eng mit diesen AKs zusammen, weil die Studierenden eben in der Praxis stehen und eben genau wissen, wo es hakt.<br \/>\nHotz-Davies: Der Rat, den ich den Leuten geben w\u00fcrde, ist einfach, sich gar nicht so sehr darum zu k\u00fcmmern: Ah ja wird das denn gehen? Wird das denn klappen? Sondern erstmal einfach der eigenen wissenschaftlichen Leidenschaft nachzugehen. [\u2026] Dass man sich das selbst auch zutraut.<br \/>\nWenta: Und Diskriminierung auch nicht pers\u00f6nlich zu nehmen, sondern zu versuchen, sie als durch bestehende Strukturen bedingt zu sehen und sich nicht entmutigen zu lassen, sondern sie entschieden zur\u00fcckzuweisen.<br \/>\n<figure id=\"attachment_13881\" aria-describedby=\"caption-attachment-13881\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13881\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_3164x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13881\" class=\"wp-caption-text\">Mehr Engagement an der Uni, so der Appell von Gabi Efferenn.<\/figcaption><\/figure><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorhang auf f\u00fcr einige der Menschen, die im Hintergrund daf\u00fcr sorgen, dass der Unibetrieb rund l\u00e4uft und Studierende und Dozenten einen m\u00f6glichst angenehmen Unialltag erleben. &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":309,"featured_media":13884,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534,62],"tags":[591,2673,11,3637,3802,1380,4735,4736,73,34,18,19,145,21],"class_list":["post-15049","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","category-kultur","tag-diskriminierung","tag-familie","tag-featured","tag-frauen","tag-gender","tag-gleichberechtigung","tag-gleichstellungsbeauftragte","tag-gleichstellungsbuero","tag-hochschulpolitik","tag-kultur","tag-studierende","tag-tubingen","tag-uni","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/309"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15049"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15049\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23523,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15049\/revisions\/23523"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}