{"id":15081,"date":"2019-04-29T02:27:47","date_gmt":"2019-04-29T00:27:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15081"},"modified":"2019-04-29T02:27:47","modified_gmt":"2019-04-29T00:27:47","slug":"der-weg-ist-das-ziel-pilgerreisen-in-der-antike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/04\/29\/der-weg-ist-das-ziel-pilgerreisen-in-der-antike\/","title":{"rendered":"Der Weg ist das Ziel &#8211; Pilgerreisen in der Antike"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Am Sonntag, den 28. April 2019 fand im Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen auf dem Schloss der neunte von 24 Themenvortr\u00e4gen des Jahres statt. Vorgetragen wurde von der Theologin und Religionswissenschaftlerin Sabine Schloz, die eine Bildungsreise nach Santiago de Compostella inspiriert hatte, sich n\u00e4her mit der Thematik der Pilgerreisen zu besch\u00e4ftigen. Trotz der widrigen Umst\u00e4nde der Reise war h\u00e4ufig der Weg vielmehr das Ziel.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ort des Vortrags war ein Seminarraum im F\u00fcnfeckturm. Dieser ist ein ehemaliges Gef\u00e4ngnis, in dem heute die ethnologische Sammlung untergebracht ist. Der Vortrag war eher sp\u00e4rlich besucht: Nur zw\u00f6lf \u00e4ltere Besucher verteilten sich auf siebzehn St\u00fchle. Zuerst definierte Frau Schloz \u201eWanderung\u201c, \u201ePilgerreise\u201c und \u201eWallfahrt\u201c. Dabei bezeichnet \u201eWanderung\u201c die Fortbewegung zu Fu\u00df, mit dem Fahrrad oder zu Pferd, mit der Absicht, sich in der Natur zu erholen oder an einen bestimmten Ort zu gelangen. Eine Pilgerreise muss laut dieser Definition dem lateinischen Wortursprung nach \u201e\u00fcber Land\u201c ins Fremde gehen. Ziel dabei ist es, Bu\u00dfe zu tun, einen Ablass der S\u00fcnden zugestanden zu bekommen, ein Gel\u00fcbde zu erf\u00fcllen, damit f\u00fcr eine Straftat sanktioniert zu werden, die Reise anstatt eines Anderen als Ersatzpilgern zu machen, oder \u2013 vor allem in moderner Zeit \u2013 eine religi\u00f6se Erfahrung zu machen, eine Auszeit zu nehmen oder die Suche nach sich selbst. Eine Wallfahrt unterscheidet sich davon vor allem durch die Hoffnung auf ein Wunder oder eine Wunderheilung am Wallfahrtsort.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15082\" aria-describedby=\"caption-attachment-15082\" style=\"width: 411px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/\u00c4gyptische_Totenstele_im_Museum_der_Uni_T\u00fcbingen_MUT.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15082 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/\u00c4gyptische_Totenstele_im_Museum_der_Uni_T\u00fcbingen_MUT.jpg\" alt=\"\" width=\"411\" height=\"600\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15082\" class=\"wp-caption-text\">In der \u00e4gyptischen Antike waren solche Stelen bei Pilgerreisen \u00fcblich: Sie wurden an heiligen Orten aufgestellt und zeigten oft verschiedene Szenen aus dem Alltag. (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/User:Wuselig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuselig<\/a> via <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:MUT127174.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikimedia Commons<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CC BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Christen kommen f\u00fcr eine Pilgerreise zuallererst Jerusalem, Rom und seit dem Mittelalter auch Santiago de Compostella, wo die Gebeine des Apostels Jakobus ruhen sollen, in Frage. Diese Gebeine sollen nach dessen Enthauptung in einem Boot an der spanischen K\u00fcste angesp\u00fclt worden sein. Die Wiederentdeckung im Mittelalter kam machtpolitisch sehr gelegen, da sich durch die Massen an Pilgern der christliche Einfluss auf das maurische (muslimische) Spanien verst\u00e4rkte.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Eine Reise durch die Epochen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Antike ist die Quellenlage dagegen weitaus schlechter, trotzdem konnte Frau Schloz mit einigen Details aufwarten, n\u00e4mlich mit je zwei Pilgerorten in \u00c4gypten und Griechenland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in der Bronzezeit zwischen 4000 und 1300 v. Ch. pilgerten Menschen nach Abydos zum Sethos- und Ramses-Heiligtum, um den dortigen Mysterienspielen zu Ehren des Osiris beizuwohnen und am Prozessionsweg eine Stele aufzustellen. Ein interessanter Abriss \u00fcber Osiris und seine Stellung im G\u00f6tterhimmel folgte. Doch war das Ziel jener Pilgerreisen oft nicht die Selbstfindung oder religi\u00f6se Erfahrung, sondern sie wurde profanerweise einfach mit Gesch\u00e4fts- oder Dienstreisen verbunden, da Reisen in der Antike meistens gef\u00e4hrlich waren und man so nur einmal fort musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Zeit des \u201eNeuen Reiches\u201c, der eigentlichen \u00e4gyptischen Antike, waren dann Pilgerreisen nach Bulastis im Nildelta angesagt, bei denen auch nicht die Reise im Mittelpunkt stand, sondern der Besuch des Festes der <span style=\"display: inline !important; float: none; background-color: transparent; color: #2b2b2b; font-family: Lato,sans-serif; font-size: 16px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: justify; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;\">Katzeng\u00f6ttin <\/span>Bartet. Sie war zust\u00e4ndig f\u00fcr Rausch, Trunkenheit, Musik und Ausschweifungen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17043\" aria-describedby=\"caption-attachment-17043\" style=\"width: 1012px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dieses.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17043 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dieses-1012x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1012\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17043\" class=\"wp-caption-text\">Heute zeugen nur noch Ruinen in den malerischen Bergen Griechenlands von einstigen Pilgermassen. (Bgabel via wikivoyage shared <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CC BY-SA 3.0)<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Griechenland pilgerten die Menschen zum Heiligtum des Apollon in Delphi, um das gigantische Theater zu besuchen oder das Orakel der Pythia zu befragen, das von einer an D\u00e4mpfen aus dem Erdreich berauschten Priesterin gegeben wurde. In Argolis befand sich dagegen der Abaton, der Schlafsaal f\u00fcr Patienten. Dabei handelte es sich um ein Aeskulab-Heiligtum, in dem Kranke durch den \u201eTempelschlaf\u201c genesen sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in Allem entstand der Eindruck, Pilgerreisen in unserem Sinne w\u00fcrde es erst seit dem Mittelalter geben, da in der Antike oft sehr profane Dinge an ebendiese Reisen gekn\u00fcpft waren, wie Gesch\u00e4fte und Feste, wohingegen Orakelbefragung und der Heilschlaf laut der anfangs gegebenen Definition eher in das Schema \u201eWallfahrt\u201c passen. Mit den Massenveranstaltungen im Mittelalter oder den Pilgerreisen in heutiger Zeit, nach Mekka oder Jerusalem, lassen sich die antiken Wanderungen nicht vergleichen. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass Menschen seit Jahrtausenden, haupts\u00e4chlich getrieben durch ihren Glauben, ihre sieben Sachen packen und die Fremde erkunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Titelbild<\/strong><\/span>: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/josealbafotos-1624766\/\">joesealbafotos<\/a> on <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/m%C3%B6nche-wallfahrt-pilger-pfad-1077839\/\">Pixabay\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den 28. April 2019 fand im Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen auf dem Schloss der neunte von 24 Themenvortr\u00e4gen des Jahres statt. 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