{"id":1512,"date":"2013-10-09T11:31:22","date_gmt":"2013-10-09T11:31:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1512"},"modified":"2021-02-21T13:21:42","modified_gmt":"2021-02-21T13:21:42","slug":"auf-eine-tasse-kaffee-mit-professorin-dr-ellen-widder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/10\/09\/auf-eine-tasse-kaffee-mit-professorin-dr-ellen-widder\/","title":{"rendered":"Auf eine Tasse Kaffee mit Professorin Dr. Ellen Widder"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>Professorin Dr. Ellen Widder arbeitet am Mittelalterlichen Seminar der Philosophischen Fakult\u00e4t. Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt die Historikerin von ihrer eigenen Studienzeit und weshalb sie keinen Fernseher besitzt.<\/strong><\/span><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Kupferblau: Guten Tag Professorin Widder, wie trinken Sie Ihren Kaffee am liebsten?<\/strong><\/span><br \/>\nProfessorin Widder: Traditionell trinke ich meinen Kaffee schwarz, aber in gem\u00fctlicher Runde auch gerne einen Milchkaffee.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Sie haben an der Uni M\u00fcnster die F\u00e4cher Geschichte, Geographie, P\u00e4dagogik und Kunstgeschichte auf Lehramt studiert. Hatten Sie vor, Lehrerin zu werden?<\/strong><\/span><br \/>\nIch wollte nicht an die Schule. Tats\u00e4chlich, wenn ich aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudern darf, lag mein Interesse in der klassischen Arch\u00e4ologie. Im f\u00fcnften oder sechsten Semester kam ein Aspekt mit dazu, der etwas mit Vernunft zu tun hatte. So verbesserte das Lehramt meine beruflichen Chancen, da der Abschluss mir erm\u00f6glichte auch sp\u00e4ter im Archiv zu arbeiten.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Welche Dinge haben Ihnen als Studentin gefehlt?<\/strong><\/span><br \/>\nAuf der einen Seite fehlt einem alles, aber auch nichts, weil man es in seiner Studienzeit nicht anders gew\u00f6hnt ist. Ich habe es als Reichtum empfunden, sich eine Flasche Wein unter Freunden zu leisten. Heute w\u00fcrde ich nicht mehr auf den Zugang zu Wissen verzichten k\u00f6nnen.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>An welchem Ort haben Sie in Ihrer eigenen Studienzeit am liebsten gepaukt?<\/strong><\/span><br \/>\nDer eigene Schreibtisch hat etwas Verlockendes \u2014 er steht in einer Umgebung, die die eigene ist. Das ist einerseits ein Gef\u00fchl von Wohlbefinden, man kocht sich Kaffee oder Tee und macht dies und das. Es hat aber auch Nachteile, weil man sich st\u00e4ndig ablenkt.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Schauen Sie in Ihrer Freizeit gerne mal Geschichtsdokumentationen oder bleiben Sie lieber beim Tatort?<\/strong><\/span><br \/>\nIch habe keinen Fernseher. Das liegt nicht nur daran, dass im Fernseher nur Schund l\u00e4uft, sondern weil ich am besten am Nachmittag und am Abend arbeiten kann. Wenn ich also nach Hause komme und mir die Tagesthemen anschaue, ist der Abend gelaufen. Deshalb ist es einfach eine Vernuftsma\u00dfnahme, keinen Fernseher zu besitzen. Trotzdem schauen mein Mann und ich ab und zu DVDs. Im Moment gerade ist es \u201eThe Wire\u201c von David Simon, das finde ich unheimlich spannend.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Ihre Forschung deckt ein breites Spektrum ab: unter anderem auch Stadtgeschichte des Mittelalters. K\u00f6nnen Sie durch Altst\u00e4dte gehen und das noch genie\u00dfen?<\/strong><\/span><br \/>\nHeute war so ein Tag \u2014 es war zehn Uhr morgens, die Sonne schien und ich bin durch T\u00fcbingen spaziert und dachte mir: Ich brauche ein Croissant, einen Kaffee und einen sch\u00f6nen Ort. Also habe ich mir einen Cappuccino im Silberburg Caf\u00e9 bestellt, davor ein Croissant gekauft, mich auf ein B\u00e4nkchen gesetzt und hatte den Gedanken: Es gibt nichts Sch\u00f6neres.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Wie muss der ideale Student sein, der zu Ihnen ins Seminar kommt?<\/strong><\/span><br \/>\nGeschichte ist nicht Jura und Betriebswirtschaft. Wenn man mit Geschichte leben m\u00f6chte, muss man sich darauf einlassen. Die Grundvoraussetzung ist, dass man sich engagiert. Geschichte ist eine Wissenschaft, die mit Texten arbeitet, und das Lesen der Literatur erfordert Zeit. Man hat nat\u00fcrlich die Freiheit, die Texte nachts um zwei Uhr zu lesen, aber man muss es machen. Dann w\u00fcrde ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass man im Studium etwas lernt.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Zum Schluss, Professorin Widder: H\u00e4tten wir heute auch \u00fcber etwas Anderes sprechen k\u00f6nnen? Gab es einen Plan B?<\/strong><\/span><br \/>\nIch wollte Medizin studieren, aber das w\u00e4re vielleicht nicht das Richtige f\u00fcr mich gewesen. Was ich mir dar\u00fcber hinaus \u00fcberlegt hatte, aber das hatte man mir relativ fr\u00fch ausgeredet, war ein Studium der Botanik. Diese Idee h\u00e4tte aber ein Studium der Biologie bedeutet und das ist reine Genetik. Mit dem Bild, das mir von der Botanik vorschwebte, h\u00e4tte ich mein Studium schon dreihundert Jahre fr\u00fcher beginnen m\u00fcssen. Ich kann mir heute noch vorstellen, dass ich einen anderen Weg eingeschlagen h\u00e4tte, aber es ist kein Nachteil, f\u00fcr mehrere Berufe geeignet zu sein. Dass ich ausschlie\u00dflich Historikerin h\u00e4tte werde k\u00f6nnen, w\u00fcrde ich sofort mit \u201cNein\u201d beantworten.<br \/>\n<em>Das Interview f\u00fchrte Ann-Kathrin Knupfer<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professorin Dr. Ellen Widder arbeitet am Mittelalterlichen Seminar der Philosophischen Fakult\u00e4t. 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