{"id":15259,"date":"2019-05-13T14:54:03","date_gmt":"2019-05-13T12:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15259"},"modified":"2019-05-13T14:54:03","modified_gmt":"2019-05-13T12:54:03","slug":"themenvortraege-im-schloss-der-alltag-unserer-ahnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/05\/13\/themenvortraege-im-schloss-der-alltag-unserer-ahnen\/","title":{"rendered":"Themenvortr\u00e4ge im Schloss &#8211; Der Alltag unserer Ahnen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Am Sonntag, den 12. Mai 2019 fand im Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen auf dem Schloss ein Themenvortrag zu &#8222;pr\u00e4historischen Pfahlbauten\u201c statt. Thema war die Neolithische Revolution in Mitteleuropa, zu der es auch eine Ausstellung im Museum gibt. Die \u00c4gyptologin Dr. Ulrike Fritz sprach im F\u00fcnfeckturm \u00fcber den Alltag vor 6000 Jahren.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Anfang k\u00fcndigte sie an, ihren Vortrag auf das<a href=\"http:\/\/www.federseemuseum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Freilichtmuseum am Federsee<\/a> zu konzentrieren, das sie selbst besucht hatte. Ein grober \u00dcberblick \u00fcber Begriffe und Zeitr\u00e4ume folgte. So erfuhr man, dass der Begriff der <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/thema\/neolithische-revolution\/950161\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neolithischen Revolution<\/a> von 1936 stammte und an den Begriff der Industriellen Revolution angelehnt worden war. Mit einer Klimaerw\u00e4rmung setzte am Ende einer Epoche, die als Alt- und Mittelsteinzeit bezeichnet wird, eine Neuentwicklung ein, die durch erzeugende Wirtschaftsweisen wie Ackerbau und Viehzucht, Sesshaftigkeit und Vorratshaltung gekennzeichnet war und als Jungsteinzeit (griechisch: Neolithikum) bezeichnet wird. Diese Klimaerw\u00e4rmung fiel weltweit auf 9500 v. Chr., wobei die Sesshaftwerdung und der Ackerbau in Mesopotamien bereits 10000 v. Chr. einsetzten, in Mittelamerika zwischen 9000 und 8000 v. Chr., in S\u00fcdchina 8000 v. Chr., in Europa aber erst 5500 v. Chr. Dabei verliefen alle diese Entwicklungen unabh\u00e4ngig voneinander.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie wohnten unsere Vorfahren?<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pfahlbausiedlung bei Bad Buchau am Federsee im Speziellen gilt als die erste Siedlung der Gegend \u00fcberhaupt, wobei nicht gekl\u00e4rt ist, ob es nicht noch \u00e4ltere Siedlungen gegeben hat. Grund daf\u00fcr ist, dass nur der Torf im Moor des Federsees bei Bad Buchau die verg\u00e4nglichen Materialien konserviert hat, von Siedlungen an Land aber auf Grund der Verrottung nichts mehr gefunden werden kann. Bemerkenswert war der am Rande erw\u00e4hnte Umstand, dass es sich bei den Gr\u00fcndern der Pfahlbausiedlung um Zuwanderer gehandelt hatte, n\u00e4mlich <a href=\"https:\/\/evolution-mensch.de\/thema\/arten\/sapiens.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Homo Sapiens Sapiens<\/a>. Besiedelt war die Gegend schon l\u00e4nger gewesen, und zwar von umherziehenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neandertaler\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neandertalern<\/a>. Da die Anlage als \u00e4lteste gilt, gilt auch die dort ans\u00e4ssig gewesene <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schussenrieder_Gruppe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schussenrieder Kultur<\/a>, die auf 4300-3900 v. Chr. datiert wird, als erste sesshafte S\u00fcddeutschlands.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15260\" aria-describedby=\"caption-attachment-15260\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_8493.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15260 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_8493-1010x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1010\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15260\" class=\"wp-caption-text\">Eine Ausstellung der jungsteinzeitlichen Funde kann im Museum der Universit\u00e4t besichtigt werden. F\u00fcr Studierende ist der Eintritt frei. (Bild: V. Marquardt \/ MUT)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vortrag folgten Aufnahmen von Grabungen aus den 1920er Jahren und aus moderner Zeit, Funden, Nachbauten und experimenteller Arch\u00e4ologie. Dazu erkl\u00e4rte Frau Fritz, was man bisher rekonstruiert hatte. Beim Hausbau war eine hohe handwerkliche Fertigkeit belegt: Der Holzfu\u00dfboden der Pfahlbauten war mit Lehmestrich bestrichen, die Flechtw\u00e4nde mit Lehmputz beworfen worden. H\u00e4user, die bei Niedrigwasser nicht im Wasser sondern im Moor standen, verf\u00fcgten \u00fcber eigene Toiletten hinter dem Haus, denen man viele informative Funde entnommen hatte und so Aussagen \u00fcber Ern\u00e4hrung, Krankheiten und verwendete Heilmittel treffen kann. Au\u00dferdem waren jene H\u00e4user \u00fcber Bohlenwege miteinander verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An arch\u00e4ologischen Funden mangelte es in Bad Buchau sowieso keinesfalls: Webnadeln, Webgewichte, Ackerwerkzeuge und K\u00fcchenwerkzeuge wurden dort entdeckt. Des Weiteren hatte man herausgefunden, dass im Hinterland am Ufer Ackerfl\u00e4chen durch Brandrodungen geschaffen worden waren, die Menschen aber trotzdem noch gesammelt hatten. Sie hatten bereits Hunde, Ziegen, Rinder, Schweine, Schafe und Pferde domestiziert \u2013 die Domestikation von Rotwild war gescheitert. Einb\u00e4ume, einfache Boote aus Baumst\u00e4mmen von denen auch funktionsf\u00e4hige Nachbauten existieren, waren ausgegraben worden. Man hatte Fischreusen, Angeln, Harpunen und ein Rad, das auf 2700 v. Chr. datiert wird, entdeckt. Kurioserweise kannten die Alten \u00c4gypter dieses zu jener Zeit noch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang darf auch die neolithische \u201eSchleife\u201c nicht unerw\u00e4hnt bleiben, ein Zwischending zwischen Karren und Schlitten mit zwei R\u00e4dern, das von zwei Tieren gezogen wurde. Au\u00dferdem bekam man einen Nachbau eines Feuerzeugs zu sehen, dass allein durch Schlagen auf einen Stein zu brennen beginnen sollte. Die Fotoserie wurde abgerundet mit Bildern von K\u00f6rben, Sieben, H\u00fcten, Schuhen, Rucks\u00e4cken, Birkenpechkaugummis, K\u00e4mmen, Schmuck und Feuersteinklingen sowie Loch\u00e4xten, die als Statussymbole dienten und die allesamt erfolgreich nachgebaut worden waren. Die Bilderschau fand ihren H\u00f6hepunkt in den Aufnahmen von Baumf\u00e4llarbeiten mit einer Steinaxt, die recht m\u00fchelos verlaufen waren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15263\" aria-describedby=\"caption-attachment-15263\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_0371.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15263 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_0371.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15263\" class=\"wp-caption-text\">Rekonstruktion einer steinzeitlichen Steinaxt. Die F\u00e4higkeit komplexere Werkzeuge herzustellen und zu nutzen war ein enormer Vorteil unserer pr\u00e4historischer Vorfahren. (Bild: U. Fritz)<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kulte und Kalender<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als n\u00e4chstes ging es um Religion, so weit man diese fassen konnte. Offenbar verehrten die jungsteinzeitlichen Menschen ihre Ahnen in Ahnenh\u00e4usern, in denen sie Stammb\u00e4ume aufbewahrten. Verschiedene Indizien sprechen auch f\u00fcr einen Fruchtbarkeitskult um eine Muttergottheit, einen Sonnenkult und einen Mondkult, wobei keines das andere ausschlie\u00dft. Die Menschen bestatteten ihre Toten damals ohne sie zu verbrennen in Gr\u00e4bern. Einzelne Tote in Hockstellung, Familien beieinander liegend in einer Gruppe. Die meisten Toten bekamen eine Totenmaske aufgesetzt. Einzelne Menschenopfer, vor allem Kinderopfer sollen belegt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens ab der Bronzezeit, die um das Jahr 2300 v. Chr. beginnt, rechneten die Menschen in einem 19-j\u00e4hrigen Sonnen-Mond-Zyklus mit einem 365-Tage-Jahr, das in 52 Wochen und 30-t\u00e4gige Monate aufgeteilt war. Mit dem Beginn der Bronzezeit f\u00e4llt auch das Ende der Pfahlbauzeit zusammen, alle bisher erw\u00e4hnten Gegenst\u00e4nde wurden in der Umgebung des Federsees auch f\u00fcr diese Epoche geborgen, dazu Schmucknadeln und erste Glaserzeugnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer ausgiebigen Fragerunde und f\u00fcr diesen informativen Vortrag verdienten Applaus verliefen sich die Zuschauer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wer mehr \u00fcber unsere steinzeitlichen Vorfahren und deren Alltag erfahren m\u00f6chte, dem sei ein Besuch im <a href=\"https:\/\/www.unimuseum.uni-tuebingen.de\/de\/museum-im-schloss\/museum-alte-kulturen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Museum der Universit\u00e4<\/a>t oder im <a href=\"http:\/\/www.federseemuseum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Freilichtmuseum Bad Buchau<\/a> empfohlen. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Beitragsbild:<\/strong><\/span> A. Borchert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den 12. Mai 2019 fand im Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen auf dem Schloss ein Themenvortrag zu &#8222;pr\u00e4historischen Pfahlbauten\u201c statt. 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