{"id":15273,"date":"2019-05-15T10:54:46","date_gmt":"2019-05-15T08:54:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15273"},"modified":"2019-05-15T10:54:46","modified_gmt":"2019-05-15T08:54:46","slug":"36-thesen-fuer-tuebingen-der-erste-tueb-o-mat-ist-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/05\/15\/36-thesen-fuer-tuebingen-der-erste-tueb-o-mat-ist-da\/","title":{"rendered":"36 Thesen f\u00fcr T\u00fcbingen \u2013 Der erste T\u00fcb-O-Mat ist da!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die Fachschaft Politik hat in Kooperation mit anderen Studierenden einen Wahl-O-Mat f\u00fcr die T\u00fcbinger Kommunalwahlen am 26. Mai erstellt, den sogenannten <\/em><a href=\"https:\/\/tueb-o-mat.de\/\"><em>T\u00fcb-O-Mat<\/em><\/a><em>. Im Interview mit der Kupferblau berichtet Jacob B\u00fchler, Mitglied der Fachschaft Politik und der Initiative \u201eT\u00fcb-O-Mat\u201c, wie man so ein \u201eWahlpositionsvergleichswerkzeug\u201c eigentlich entwickelt. Es geht um den studentischen Blick auf Kommunalwahlen, Kritik am T\u00fcb-O-Mat, und darum, dass der Gemeinderat leider nicht \u00fcber den Bota entscheiden kann.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Kupferblau:<\/em><\/strong><strong> Seit Dienstag letzte Woche ist der T\u00fcb-O-Mat nun online. Wieso habt ihr euch \u00fcberhaupt so viel Arbeit gemacht und extra einen Wahl-O-Mat f\u00fcr T\u00fcbingen entwickelt? Sind doch eh nur Kommunalwahlen, oder?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Jacob (lacht):<\/em> Das denken viele, dass es \u201enur\u201c Kommunalwahlen sind. Aber diese sind ja nichtsdestotrotz wichtig, insbesondere weil die Wahlbeteiligung oft sehr niedrig ist und eher \u00e4ltere Menschen den Gemeinderat w\u00e4hlen. Andersherum werden auch sehr viele \u00e4ltere Menschen in den Gemeinderat gew\u00e4hlt. Daran wollten wir etwas \u00e4ndern, in dem wir einen T\u00fcb-O-Mat f\u00fcr Studierende machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gibt es bei jungen Leuten eine Art Informationsl\u00fccke, die ihr f\u00fcllen wolltet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bestimmt auch eine L\u00fccke, aber vor allem stellt sich vielen die Frage: \u201eWarum soll ich \u00fcberhaupt w\u00e4hlen gehen?\u201c Als Studi bin ich hier vielleicht drei, vier Jahre. Muss ich da \u00fcberhaupt f\u00fcr die Stadt was w\u00e4hlen oder sollte ich nicht den Leuten, die schon l\u00e4nger hier wohnen, die Verantwortung \u00fcberlassen? Aber das w\u00e4re eine falsche Entscheidung, glaube ich, denn nach mir kommen ja auch wieder ganz viele Studis, deren Interessen sich von denen Alteingesessener vielleicht unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aber \u00e4hnliche Interessen haben wie du?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht. Gleichzeitig ist der T\u00fcb-O-Mat nat\u00fcrlich auch f\u00fcr alle Altersgenerationen gedacht! Wenn man ihn durchgeht, merkt man vermutlich schon, dass Fragen wie \u201eDie Stadt sollte mehr mit der Uni zusammenarbeiten\u201c eher junge Leute ansprechen. Das Clubhaus hat es sogar in den T\u00fcb-O-Mat geschafft \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2026 und auch der Bierkeller!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen sprechen Fragen zu Radwegen oder anderem nat\u00fcrlich alle Altersklassen an \u2013 und die Zusammenarbeit von Uni und Stadt ist auch f\u00fcr \u00e4ltere Menschen wichtig, die extrem vom dort angebotenen Kulturangebot profitieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15277\" aria-describedby=\"caption-attachment-15277\" style=\"width: 898px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JacobB\u00fchler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15277 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/JacobB\u00fchler-898x672.jpg\" alt=\"\" width=\"898\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15277\" class=\"wp-caption-text\">Interview-Partner Jacob B\u00fchler vor dem Clubhaus \u2013 auch das hat es in den T\u00fcb-O-Mat geschafft. Vor vier Monaten hatte er gemeinsam mit Kommiliton*innen die Idee, einen Wahl-O-Mat f\u00fcr die Kommunalwahl zu entwickeln.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gab es denn schon einmal einen T\u00fcb-O-Mat in T\u00fcbingen oder seid ihr jetzt die erste Generation?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab unseres Wissens mal Pl\u00e4ne zu einem T\u00fcb-O-Mat, auch vom schw\u00e4bischen Tagblatt, das wurde aber nicht vollendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wann habt ihr mit der Arbeit angefangen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Idee kam vor vier Monaten auf, danach kam eine ganz lange Phase, in der wir erst einmal nur Fragen gesammelt haben, die Leute an die Kommunalpolitik haben. Ein bis zwei Monate lang haben wir Fragen auf unserer Homepage gesammelt, wir haben St\u00e4nde gemacht und waren auf der Stra\u00dfe unterwegs. Dann haben wir uns \u00fcber zwei Wochen lang getroffen und aus den Fragen Thesen erarbeitet, \u00fcberarbeitet, Leuten zugeschickt und um Feedback gebeten. Danach hatten die Parteien drei Wochen Zeit die Thesen zu beantworten, daraufhin mussten wir diese durchgehen, Rechtschreibfehler korrigieren und online stellen. Die aktive Arbeit betrug circa drei Monate.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Insgesamt habt ihr 150 Thesen auf 36 reduziert. Wie setzt man da die Priorit\u00e4ten? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugegeben, manche Thesen waren \u00e4hnlich oder haben sich auch gedoppelt. Zuvor hatten wir uns \u00dcberthemen \u00fcberlegt, die wir auf jeden Fall abdecken wollen. Daraus haben wir uns jeweils zwei bis drei Thesen rausgesucht und diese \u00fcbernommen. Als R\u00fcckmeldung von unseren \u00fcber drei\u00dfig Testpersonen kam zum Beispiel, dass wir am Anfang sehr viele Verneinungen drin hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gab es schon Kritik am T\u00fcb-O-Mat? Wie haben die Parteien reagiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab tats\u00e4chlich viel Kritik. Angefangen beim Pretest \u2013 da haben wir ja aktiv nach Kritik gefragt. Ich selber habe ja darauf gewartet, dass Dozierende auf uns zukommen und sagen \u201eWas macht ihr da? Das ist ja alles Bl\u00f6dsinn\u201c \u2013 aber das war nicht der Fall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Listen haben uns auch, nach und vor der Ver\u00f6ffentlichung, auf den ein oder anderen Kritikpunkt hingewiesen. Die FDP zum Beispiel hat des \u00d6fteren in ihren Begr\u00fcndungen Kritik an den Thesen selbst ge\u00e4u\u00dfert. Dennoch \u00fcberwiegt das Lob aber gr\u00f6\u00dftenteils.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Fehler, der uns unterlaufen ist, war die Frage nach mehr n\u00e4chtlicher Stra\u00dfenbeleuchtung. Wir haben als Beispiel den botanischen Garten genannt, dabei h\u00e4tten wir aus dem hochschulpolitischen Kontext eigentlich wissen sollen, dass f\u00fcr den Bota das Land und nicht die Stadt zust\u00e4ndig ist. Den Gemeinderat dazu zu befragen ist nat\u00fcrlich ein dummer Fehler, aber gleichzeitig kann man bei so einer Frage auch ganz gut Ideologien abfragen. Ein Gemeinderat kann ja auch f\u00fcr mehr Licht im Bota sein, auch wenn er nicht daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was war die kontroverseste Frage?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz oft haben wir Thesen, bei denen wir eine Sache gegen die andere ausspielen, zum Beispiel, dass Radwege den Autoverkehr nicht einschr\u00e4nken d\u00fcrfen. Auf solche Frage kann man sehr breit eingehen. Die Listen haben das am Ende ganz gut gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders sch\u00f6n waren die Antworten zum Bierkeller! Alle Listen au\u00dfer der AfD haben sich f\u00fcr seinen Verbleib ausgesprochen!<\/p>\n<figure id=\"attachment_12634\" aria-describedby=\"caption-attachment-12634\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_5230x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12634\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_5230x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12634\" class=\"wp-caption-text\">Der Bierkeller muss aus den R\u00e4umlichkeiten unter der Mensa ausziehen. Ob er an anderer Stelle vorhanden bleibt ist unklar.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sind denn die Grenzen eines Wahl-O-Mats? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Vereinfachung ist ganz klar, dass man seine Antworten auf \u201eja\u201c und \u201enein\u201c runterbricht, zumindest im ersten Teil. Und es gibt ganz viel im Gemeinderat, oder allgemein in der Politik, was ich als W\u00e4hler*in jetzt noch nicht wissen kann. Vielleicht kommen noch irgendwelche neuen Erkenntnisse dazu. Au\u00dferdem decken 36 Thesen nat\u00fcrlich niemals alle kommunalpolitischen Themen ab. Wir haben Thesen rausgestrichen, die nur \u00c4ltere betreffen, wie zum Beispiel zu Altersheimen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Coole an so einem Wahl-O-Mat ist ja nicht, dass du am Ende wei\u00dft, wen du w\u00e4hlst, sondern du machst es aus Langeweile und Interesse und nachher kriegst du einen ganzen Haufen an Antworten und kannst dir dann selber dazu eine Meinung bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wahlprogramme lesen ist dagegen viel trockener \u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der T\u00fcb-O-Mat hilft dir, deine Meinung zu bestimmten Themen mit den Antworten der Listen zu vergleichen. Er soll auf keinen Fall sagen: \u201eDie Partei, die oben ist, sollte man ausschlie\u00dflich w\u00e4hlen.\u201c Plus: Es ist eine <strong>personalisierte Listenwahl<\/strong>. Das hei\u00dft ich w\u00e4hle nicht einfach nur Parteien, sondern ich w\u00e4hle Personen auf Listen und kann da noch kumulieren und panaschieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und noch eine Sache: Wir haben die einzelnen Listen angeschrieben, aber wir wissen nicht genau, wie diese die Antworten erarbeitet haben \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das k\u00f6nnen also ganz unterschiedliche Prozesse gewesen sein, von Basisdemokratie bis zu einer Person, die alles alleine bearbeitet hat?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richtig.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15280\" aria-describedby=\"caption-attachment-15280\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T\u00fcbomat.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15280 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T\u00fcbomat-1038x546.png\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"546\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15280\" class=\"wp-caption-text\">Auto oder Fahrrad? Viele Frage im T\u00fcb-O-Mat sind verkehrspolitischer Natur. Zu jeder These k\u00f6nnen die User*innen entweder zustimmen, diese ablehnen, neutral stimmen oder die These \u00fcberspringen (dann geht sie nicht in die Wertung mit ein).<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Und jetzt noch eine letzte Bitte. Vervollst\u00e4ndige den Satz: Ich gehe am 26. Mai w\u00e4hlen, weil \u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2026 ich glaube, dass wir ein paar f\u00e4hige junge Leute auf den Listen haben und ich w\u00fcnsche mir, dass sie in den Gemeinderat kommen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der T\u00fcb-O-Mat kann <\/em><a href=\"https:\/\/tueb-o-mat.de\/\"><em>hier<\/em><\/a><em> gespielt, ausgewertet und auch kritisiert werden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Beitragsbild<\/span><\/strong>: FS Politik<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Fotos im Text<\/strong><\/span>: Clara Thier, Marko Knab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fachschaft Politik hat in Kooperation mit anderen Studierenden einen Wahl-O-Mat f\u00fcr die T\u00fcbinger Kommunalwahlen am 26. Mai erstellt, den sogenannten T\u00fcb-O-Mat. 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