{"id":15285,"date":"2019-06-02T09:35:38","date_gmt":"2019-06-02T09:35:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15285"},"modified":"2021-02-19T17:58:42","modified_gmt":"2021-02-19T17:58:42","slug":"wie-antisemitisch-ist-deutschland-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/06\/02\/wie-antisemitisch-ist-deutschland-heute\/","title":{"rendered":"Wie antisemitisch ist Deutschland heute?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden Juden in ganz Deutschland in die Enge getrieben, misshandelt und get\u00f6tet. Synagogen brannten nieder und Gesch\u00e4fte j\u00fcdischer Inhaber wurden gepl\u00fcndert. Mehr als 80 Jahre ist das nun her. Zu diesem Anlass haben wir uns die Frage gestellt: Wie pr\u00e4sent ist Antisemitismus eigentlich heutzutage? Diese und mehr Fragen hat uns der Antisemitismusexperte Dr. Martin Ulmer beantwortet.<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des <a href=\"https:\/\/www.gedenkstaettenverbund-gna.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gedenkst\u00e4ttenverbund G\u00e4u-Neckar-Alb <\/a>und Leiter der <a href=\"http:\/\/www.geschichtswerkstatt-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geschichtswerkstatt T\u00fcbingen<\/a> kennt sich Dr. Martin Ulmer mit verschiedenen Formen von Antisemitismus bestens aus. Er lehrt am <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet\/faecher\/fachbereich-sozialwissenschaften\/empirische-kulturwissenschaft\/institut.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ludwig-Uhland-Institut<\/a> und leitet schon seit Jahren Seminare zum Thema Antisemitismus und Rechtsextremismus, um die Erinnerung an die NS-Zeit aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Sie haben ja in dem Bereich schon einige Publikationen zu dem Thema ver\u00f6ffentlicht. Inwieweit hatten die Novemberpogrome Auswirkungen in T\u00fcbingen, wie hat es T\u00fcbingen und Region betroffen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Martin Ulmer: Es wurden in Deutschland und \u00d6sterreich damals hunderte von Synagogen niedergebrannt und von Nationalsozialisten gesch\u00e4ndet, auch die Synagoge in T\u00fcbingen. Das hat nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe, zerst\u00f6rerische Wirkung gehabt und die Radikalisierung der Politik gegen Juden weiter vorangetrieben. Man kann sagen, das war der gewaltt\u00e4tige \u00dcbergang zum sp\u00e4teren Holocaust. In dieser Nacht wurden in T\u00fcbingen f\u00fcnf j\u00fcdische M\u00e4nner verhaftet. Vier wurden damals ins KZ nach Dachau verschleppt, mehrere Wochen lang. Juden hatten ab November 1938 kein Existenzrecht mehr in Deutschland. Danach sind die Auswanderungszahlen enorm in die H\u00f6he geschnellt. T\u00fcbingen war zum Beispiel eine Hochburg des Nationalsozialismus. 1933 bei den Reichstagswahlen haben 62 Prozent der T\u00fcbinger und T\u00fcbingerinnen die neue Regierung Hitler gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum ist es wichtig auf den Jahrestag der Novemberpogrome aufmerksam zu machen und sich an die Geschehnisse zu erinnern?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland wird immer eine besondere Verantwortung f\u00fcr die nationalsozialistischen Verbrechen haben. Nicht Schuld \u2013 darum geht es nicht. Wir haben auch bei j\u00fcdischen G\u00e4sten bei der Begegnungswoche im November 2018 in T\u00fcbingen erlebt, dass sie sehen: Das Deutschlandbild hat sich ver\u00e4ndert durch die intensive Besch\u00e4ftigung mit der NS-Vergangenheit, die Aufkl\u00e4rung, die Denkm\u00e4ler und vieles mehr. Das sind wichtige Zeichen, dass man sich auch mit der Geschichte differenziert auseinandersetzen kann. Und dass die NS-Zeit auch kein, wie Herr Gauland von der AfD sagt, \u201eVogelschiss der Geschichte\u201c ist. Die Erinnerung wird auch in zuk\u00fcnftigen Generationen eine Aufgabe sein. Nicht nur solange es auch noch Holocaust-\u00dcberlebende gibt, ist das ein wichtiger Gestus. Und der n\u00e4chste Punkt ist die aktuelle Bedrohung der Demokratie durch den Aufstieg des Rechtspopulismus und rechtsextremer Parteien. Bei der AfD ist der \u00dcbergang zum Rechtsextremismus in bestimmten Bereichen und bestimmten Parteikreisen wirklich evident. Die kommen mit den gleichen NS-Parolen: \u201eSystemparteien\u201c. \u201eVolksverr\u00e4ter\u201c, \u201eWir sind das Volk\u201c, und so weiter. Die nutzen die Demokratie, das haben die Nationalsozialisten auch getan, und sie steigen in ihr zum Machtfaktor auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Denken Sie, dass es tats\u00e4chlich eine Bedrohung ist \u2013 dass es wieder passieren k\u00f6nnte in dieser Form?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immer schwierig, Prognosen abzugeben. Wir sind nat\u00fcrlich jetzt in Deutschland nicht so weit wie 1930 in Weimar. Die Demokratie in Deutschland ist zum Gl\u00fcck etwas gefestigter, der Rechtsstaat funktioniert. Aber wir haben auch immer wieder Probleme. In meinen Augen ist die AfD eine verfassungsfeindliche Partei. Vielleicht nicht in der G\u00e4nze, aber viele Funktion\u00e4re \u00e4u\u00dfern sich verfassungsfeindlich und haben entsprechendes Gedankengut. Und deswegen sind sie eine Bedrohung. Die Frage ist: Wie geht man damit um? Wenn sie bei zw\u00f6lf Prozent der Stimmen bleiben, dann kann die Demokratie solche Feinde verkraften. Wenn sie st\u00e4rker und popul\u00e4rer werden, k\u00f6nnten sie auf diese Weise auch an die Macht kommen und dann wird es gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weshalb scheint das aber trotzdem zu funktionieren? Haben wir als Gesellschaft nichts daraus gelernt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben in Deutschland &#8211; da muss man auch in die Nachkriegsgeschichte gehen &#8211; das Problem, dass es immer einen Bodensatz gab nach dem Ende des Nationalsozialismus, der antisemitisch, rassistisch, nationalistisch gedacht und deutsche Gro\u00dfmachtfantasien gehegt hat. Und dieses Potential greift die AfD auf, das sieht man in Ostdeutschland sehr gut, wenn man sich einmal die Wahlergebnisse der NPD anschaut. Diese rechtsextreme Partei flog nun aus den Landtagen raus und die AfD ist aufgestiegen. Die AfD hat das ganze rechtsextreme W\u00e4hlerpotential in ihre Partei aufgenommen. Es gibt jetzt organisierte Rechtspopulisten, die gab es vor 10 Jahren noch nicht. Das ist wohl ein Grund f\u00fcr den Aufstieg der AfD. Es bildet sich real das ab, was vorhanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt die Mobilisierung und Medialisierung: Sie versuchen Mobilisierungsstrategien mit ihrer grenz\u00fcberschreitenden Sprache, wie Alice Weidel mit ihren \u201eMesserm\u00e4nnern\u201c. \u00dcbrigens eine Strategie, die auch die Nationalsozialisten angewendet haben. Heute hat man mit den sozialen Medien eine ganz andere Reichweite. Und deswegen ist das schon ein gef\u00e4hrlicher Punkt. In diesen Resonanzr\u00e4umen, in denen sich Anh\u00e4nger der AfD bewegen, tauschen sie sich ja gar nicht mehr aus. Das ist ein selbstverst\u00e4rkender Raum, wo sich die Anh\u00e4nger immer mehr in ihrer Meinung verst\u00e4rken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nehmen Parteien wie diese das Tabu von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit weg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ganz bewusst. Die rudern ja dann auch wieder zur\u00fcck, weil sie merken, jetzt wird\u2018s kritisch. Das ist die Strategie: Immer am Rande der Legalit\u00e4t zu arbeiten, da wir in Deutschland bei diesem Aspekt\u00a0 aus der Geschichte gelernt haben. Wer schreit \u201eSchlagt die Juden tot\u201c, der wird wegen Volksverhetzung verurteilt. Oder wer mit Hakenkreuzfahnen oder mit dem Hitlergru\u00df in Chemnitz heruml\u00e4uft, der muss verfolgt werden. Das ist ein Straftatbestand. Das war nat\u00fcrlich vor 1933 nicht der Fall. Heute wei\u00df die rechte Szene genau, wie weit sie mit ihren Aktionen gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Da gab es ja in j\u00fcngerer Vergangenheit Vorf\u00e4lle in Deutschland, in denen Juden angefeindet wurden, zum Beispiel der Angriff auf eine israelische Reporterin in Berlin. M\u00fcssen Juden derzeit in Deutschland Angst haben, ihren Glauben auszuleben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Studien der letzten Jahre zeigen deutlich, dass Juden verst\u00e4rkt Angst haben, sich in Deutschland \u00f6ffentlich zu \u00e4u\u00dfern. Das Bedrohungsgef\u00fchl der Juden hat eindeutig zugenommen. Die T\u00e4terschaft ist nat\u00fcrlich differenziert, in Berlin sind es zum Beispiel auch oft muslimische Jugendliche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In Bezug auf die T\u00e4ter: Sind es eher junge Menschen, oder \u00e4ltere, die dieses Gedankengut in der Kindheit noch mitbekommen haben? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anschl\u00e4ge auf Synagogen oder Sch\u00e4ndungen j\u00fcdischer Friedh\u00f6fe werden oft von einem rechtsextremen Milieu ver\u00fcbt. Aber es gibt nat\u00fcrlich auch in Deutschland unter Linken oder Normalb\u00fcrgern einen Antisemitismus. Antisemitismus ist schon ein Thema, das sich milieu\u00fcbergreifend darstellt, es hat verschiedene Ausdrucksformen. Gewaltkriminalit\u00e4t geht verst\u00e4rkt von rechtsextremen Kreisen aus, oder von Muslimen, die sich als Salafisten verstehen. Das ist nicht die Mehrheit. Bei Beschimpfungen und verbalen Angriffen gegen Juden sind es durchaus auch viele Menschen aus der Mitte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss sich auch mit diesen unterschiedlichen Ausdrucksformen auseinandersetzen. Im Bundestag von 2017 gibt es einen Antisemitismusbericht von unabh\u00e4ngigen Experten, diese haben verschiedene Studien ausgewertet und zusammengef\u00fchrt. Da sagen zum Beispiel 20 Prozent \u201eJuden arbeiten mehr als andere mit \u00fcblen Tricks um etwas zu erreichen\u201c. Interessant ist, dass es neben diesem klassischen Antisemitismus, der nicht ganz so stark ist, auch um den einflu\u00dfreicheren sekund\u00e4ren Antisemitismus geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was genau bedeutet sekund\u00e4rer Antisemitismus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein Antisemitismus, der sich versteckt zeigt, bei dem sich eine gewisse Deckerinnerung dar\u00fcberlegt. Er ist verbunden mit der Schuld- und Erinnerungsabwehr. 26 Prozent der Befragten meinen, dass viele Juden angeblich versuchen w\u00fcrden aus der NS-Zeit heute ihre Vorteile zu ziehen. Oder auch \u201eIch \u00e4rgere mich dar\u00fcber, dass den Deutschen die NS-Vergangenheit immer noch vorgehalten wird\u201c, das ist auch Sekund\u00e4rantisemitismus. Heute gibt es wenige bekennende Antisemiten, aber diese k\u00f6nnen ausweichen auf den sekund\u00e4ren und dabei auch ganz spezifisch auf den israelbezogenen Antisemitismus. Dazu geh\u00f6rt auch die\u00a0 Aussage \u201eIsrael f\u00fchrt einen Vernichtungskrieg gegen die Pal\u00e4stinenser\u201c, da sind auch fast 40\u00a0 Prozent dieser\u00a0 Auffassung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum scheint dieser Krieg so ein gro\u00dfes Mitteilungsbed\u00fcrfnis auszul\u00f6sen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, die sich gar nicht als klassische Rechtsextremisten sehen, k\u00f6nnen ihre antisemitischen Ressentiments in Form von israelbezogenem Antisemitismus ausleben. Das ist sozusagen die legitimere Form. Bei der Befragung war auch eine Aussage \u201eWas die Israelis an den Pal\u00e4stinensern heute machen ist das gleiche, was die Deutschen den Juden im Nationalsozialismus angetan haben\u201c. Diese T\u00e4ter-Opfer-Umkehr ist dann antisemitisch, das ist nicht nur Kritik am Staat Israel oder an der Politik Israels, das ist dann eine antisemitische Formel. Die Diskussion geht oft darum: Wie weit kann die Kritik gehen? Und wo rutschen solche Aussagen in den Antisemitismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was kann man tun, wenn man klassischen und sekund\u00e4rem Antisemitismus im Alltag begegnet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig ist immer, die Menschen darauf anzusprechen. In der Schule besteht h\u00e4ufig das Ph\u00e4nomen, dass \u201eJude\u201c ein Schimpfwort ist. Es reicht nicht, denen nur den Mund zu verbieten, man muss mit den Sch\u00fclern auch diskutieren. Das\u00a0 Nicht-Reagieren auf das Thema ist gef\u00e4hrlich. Damit wird Antisemitismus sagbar, wenn man nicht dagegen vorgeht. Man muss es angemessen ansprechen, nicht gleich mit dem Strafrecht drohen. Es hat auch keinen Sinn, jeden gleich als Nazi zu beschimpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie k\u00f6nnen Sie da im Gedenkst\u00e4ttenverbund dazu beitragen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn F\u00fchrungen von Erwachsenen oder Schulklassen sind, geht man von den historischen Orten aus und erz\u00e4hlt, was genau dort passiert ist, also Vermittlung von historischem Wissen. Dabei lassen wir aber durchaus einflie\u00dfen: Wie ist es heute? Oft kommen diese Fragen auch von den Besuchern, die Parallelen herstellen. Und dann diskutiert man \u00fcber das Thema. Man nimmt auch aktuelle Bez\u00fcge zum Rassismus, Rechtspopulismus, AfD, Antisemitismus rein. Die Gedenkst\u00e4tten bieten auch Veranstaltungen an, in T\u00fcbingen zum Beispiel haben wir einen starken Schwerpunkt auf dem Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Die Geschichtswerkstatt hat Veranstaltungen zur AfD und zum Kopp-Verlag in Rottenburg durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15287\" aria-describedby=\"caption-attachment-15287\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15287 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSCN4331-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15287\" class=\"wp-caption-text\">Martin Ulmer (links) mit einem Vertreter der KZ-Gedenkst\u00e4tte Hailfingen-Tailfingen bei einem Workshop zur Menschenrechtsarbeit in Gedenkst\u00e4tten in der Stauffenberg-Gedenkst\u00e4tte Albstadt-Lautlingen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie kann man als junger Mensch respektvoll mit dem negativen Erbe umgehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich arbeite auch viel mit Jugendlichen und J\u00fcngeren zusammen. Da ich Lehrbeauftragter am Ludwig-Uhland-Institut bin, habe ich viel Kontakt mit Studierenden. Ich sehe durchaus, dass es ein wachsendes Interesse gibt, die jungen Menschen suchen sich ihre eigenen Formen. Diese k\u00f6nnen manchmal auch fragw\u00fcrdig sein, wenn man nur Selfies vor KZ-Gedenkst\u00e4tten macht, aber vieles l\u00e4uft heute eben in digitalen Formen der Auseinandersetzung ab. Jede Generation sucht sich eigene Formen des Erinnerns. Ein wachsender Teil der jungen Generation ist bereit, historische Verantwortung f\u00fcr die NS-Verbrechen zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die allgemeine Meinung, oder die der alten Generation, ist ja eher anders herum, dass man sagt: Die Jugend macht nichts mehr, ist nicht politisch.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, aber das war schon immer so: Die \u00e4ltere Generation hat sich schon immer \u00fcber die j\u00fcngere beschwert. Die Generation der 2000er Jahre war der Besch\u00e4ftigung mit der NS-Vergangenheit eher \u00fcberdr\u00fcssig. Und die heutige junge Generation stellt wieder mehr Fragen und will zur NS-Vergangenheit mehr wissen. Vielleicht nicht die Mehrheit, aber ich sehe durchaus, dass junge Menschen sich dem Thema mit Neugier stellen. Eine Minderheit bewegt oft mehr und ist oft pr\u00e4gender als die Mehrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das ist doch ein sch\u00f6ner Schlussgedanke. Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Titelbild<\/strong>:<\/span> Leonie M\u00fcller<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Foto<\/strong>:<\/span> Martin Ulmer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden Juden in ganz Deutschland in die Enge getrieben, misshandelt und get\u00f6tet. 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