{"id":15291,"date":"2019-05-16T14:54:15","date_gmt":"2019-05-16T12:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15291"},"modified":"2019-05-16T14:54:15","modified_gmt":"2019-05-16T12:54:15","slug":"brexit-irgendwie-irgendwo-irgendwann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/05\/16\/brexit-irgendwie-irgendwo-irgendwann\/","title":{"rendered":"Brexit \u2013 irgendwie, irgendwo, irgendwann"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die Verhandlungen rund um den Brexit ziehen sich. Man mag gar sagen, dass sie sich sehr ziehen. Doch immerhin bleibt so jedem die Gelegenheit sich ausreichend \u00fcber die Hintergr\u00fcnde zu informieren. Bereits gut informierte Dozenten der T\u00fcbinger Universit\u00e4t nutzten diese lange Zeit w\u00e4hrenddessen zur Organisation einer Podiumsdiskussion, die sich mit dem Fall Nordirland und seiner Bedeutung im Kontext des Brexit befasste, in einer diesmal recht ungew\u00f6hnlichen Atmosph\u00e4re. \u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war Dienstagabend, 18.30 Uhr in der T\u00fcbinger Altstadt, und so mancher Gast wird sich wohl verwundert die Augen gerieben haben, hatte er doch gar nicht geplant einer Veranstaltung zum Nordirlandkonflikt beizuwohnen. Doch wie rutscht man eigentlich unfreiwillig in so einen Vortrag? Der Reihe nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hauptverantwortlich f\u00fcr diese \u00dcberraschung sind wohl in gewisser Form die Gewinner des T\u00fcbinger Lehrpreises 2018: Thomas Nielebock, Alexander Kobusch und Natalie Pawlowski vom Institut f\u00fcr Politikwissenschaft hatten den Preis zuletzt f\u00fcr die Ausrichtung eines standort\u00fcbergreifenden Seminars erhalten, das unter Einsatz von Videokonferenztechnik und digitalen Lernplattformen an acht Universit\u00e4ten gleichzeitig stattfand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in diesem Semester ist das Seminarkonzept wieder am Institut zu finden. Diesmal unter der Leitung von Alexander Kobusch und Gabi Schlag, werden besonders Sezessionskonflikte unter die Lupe genommen. Im Rahmen dieses Seminars wurde so auch die nordirische Journalistin und Buchautorin <a href=\"https:\/\/www.siobhan-fenton.com\/\">Siobh\u00e1n Fenton<\/a> eingeladen. Kurzerhand entstand dabei die Idee neben einem Auftritt im Rahmen des Seminars auch noch eine weitere, offene Veranstaltung zum Thema zu organisieren. Und da man tags\u00fcber bereits ausreichend Zeit in der Uni verbringt, entschied man sich auch hier auf eine kreativere L\u00f6sung zur\u00fcckzugreifen und verlegte die gesamte Veranstaltung ins <em>Schmitz Katze<\/em> in der Ammergasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei gem\u00fctlicher Atmosph\u00e4re und schummrigen Licht trafen sich nun also Studierende, Dozenten, Experten und sonstige Interessierte, zu denen auch einige Leute geh\u00f6rten, die zun\u00e4chst mit verdutztem Blick die Bar betraten und sich zu ganz unterschiedlicher Verweildauer entschieden. W\u00e4hrenddessen lauschten die Anwesenden neben den Ausf\u00fchrungen Fentons auch denen des T\u00fcbinger Professors Martin Seeleib-Kaiser.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Keine L\u00f6sungen sind keine \u00dcberraschung mehr<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diskutiert wurden dabei einige Aspekte der Geschichte Nordirlands und der rechtlichen Situation des Landes im Vereinigten K\u00f6nigreich, aber auch die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung und potenzielle Ans\u00e4tze f\u00fcr eine L\u00f6sung des Brexit-Dilemmas. Die beiden Hauptredner waren dabei meistens einer Meinung, betonten jedoch immer wieder unterschiedliche Aspekte des Konflikts. Einen wirklich positiven Ausblick oder gar eine optimistische L\u00f6sungsidee wollte dennoch niemand formulieren. Stattdessen wurde die Komplexit\u00e4t der Situation deutlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fenton unterstrich zun\u00e4chst die nach wie vor bestehenden Diskrepanzen zwischen Irland und Nordirland. Sie verwies auf die nach wie vor enorme Bedeutung der Religionszugeh\u00f6rigkeit in Nordirland und sprach neben Diskriminierung anhand religi\u00f6ser Trennlinien auch von der deutlichen Trennung innerhalb der Gesellschaft, in der 93% der Kinder auf Schulen gehen, die entweder rein katholisch oder protestantisch sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als w\u00fcrden religi\u00f6se Konflikte und der reine Disput zwischen Irland und Nordirland nicht bereits ausreichen, wurden zunehmend auch Gro\u00dfbritannien und die EU als zus\u00e4tzliche, gewichtige Stimmen diskutiert. Auch die Erinnerungen an <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/das-junge-politik-lexikon\/161456\/nordirlandkonflikt\">die gewaltvollen Auseinandersetzungen vor etwas mehr als 20 Jahren<\/a> klangen immer wieder unheilvoll an. Interessiert folgten die G\u00e4ste dabei den Ausf\u00fchrungen der Redner, einzig vom vereinzelten Zischen der Kaffeemaschine unterbrochen, welches von allen mit viel Humor genommen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-15295\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/IMG_3400a-448x672.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"672\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Der Verzehr von Speisen und Getr\u00e4nken war im H\u00f6rsaal diesmal ausdr\u00fccklich nicht untersagt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gem\u00fctliche Stimmung und N\u00e4he zwischen Publikum und Experten, die auch Mikrofone \u00fcberfl\u00fcssig machte, holte dann auch allm\u00e4hlich die Zuh\u00f6rer mit ins Boot, die zunehmend Fragen zu Zukunftsszenarien, gesellschaftlichen Positionen und der Geschichte stellten. Deutlich wurde dabei vor allem immer wieder, dass eine harte Grenze von keinem der Akteure gew\u00fcnscht wird und dennoch immer n\u00e4her zu r\u00fccken scheint. Hatte die starke Unterst\u00fctzung, welche die EU den Iren in Folge der Brexit-Entscheidung zukommen lie\u00df die Briten wom\u00f6glich noch \u00fcberrascht, st\u00fcnde ein Nachgeben der britischen Regierung zugunsten einer offenen Grenze doch im eklatanten Kontrast zum Hauptziel der Brexit-Kampagne: \u201eTake back control\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz einiger Witze konnten die Experten eine leichte Entt\u00e4uschung nicht verbergen, erscheint eine L\u00f6sung doch kaum m\u00f6glich. Mal betonten sie wie das Thema der nordirischen Grenze in Gro\u00dfbritannien scheinbar unzureichend diskutiert wird, dann wieder warum die Briten im Falle Nordirlands wohl niemals nachgeben k\u00f6nnten. Auch Jahre nach dem Brexit-Votum schienen Fenton, wie auch Seeleib-Kaiser noch von der Abstimmung entt\u00e4uscht und sich doch ein wenig zu w\u00fcnschen, der Brexit w\u00fcrde nie stattfinden. Immerhin war der Vorschlag den Brexit bis in alle Ewigkeit aufzuschieben nicht weniger realistisch als alle anderen, geschieht seit Jahren doch eigentlich genau das. In diesem Sinne scheint nicht nur eine erneute Veranstaltung in einem solchen Rahmen ein erfreulicher Gedanke, k\u00f6nnte man doch auch darauf hoffen in zehn Jahren noch immer das gleiche Thema des \u201ebaldigen\u201c Brexits identischen Rahmen zu diskutieren. Gerade dann d\u00fcrfte eine Bar bei einem solchen Thema erst recht von N\u00f6ten sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Leonie M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verhandlungen rund um den Brexit ziehen sich. Man mag gar sagen, dass sie sich sehr ziehen. 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