{"id":15562,"date":"2019-06-06T09:19:48","date_gmt":"2019-06-06T09:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15562"},"modified":"2021-02-19T17:57:46","modified_gmt":"2021-02-19T17:57:46","slug":"ein-tag-in-der-seifenmanufaktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/06\/06\/ein-tag-in-der-seifenmanufaktur\/","title":{"rendered":"Ein Tag in der Seifenmanufaktur"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Wer das Abitur hat, muss einfach studieren? Handwerksbetriebe finden immer weniger Auszubildende, weil viele so denken. Dass ein Beruf im Handwerk aber ganz sch\u00f6n viele Seiten hat, findet man vielleicht erst heraus, wenn man es einmal ausprobiert. Unsere Redakteurin hat einen Nachmittag im Lagerhaus an der Lauter in Gomadingen verbracht und hinter die Kulissen einer Seifenmanufaktur geschaut.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><!--more--><strong>Ein alter Beruf erf\u00e4hrt neuen Aufschwung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie duftet und sch\u00e4umt, ist mal fl\u00fcssig, mal fest, und entfernt fast jeden Schmutz \u2013 die Rede ist von Seife. \u201eDass Seife seit einigen Jahren nicht nur industriell, sondern zunehmend handwerklich hergestellt wird, hat mit einem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein und der Nachfrage nach Naturprodukten zu tun\u201c, erkl\u00e4rt Chris Koch. Selbstgemachte Seife liege wieder im Trend, den kleinen Seifenmanufakturen gehe es gut, erkl\u00e4rt die Seifenmacherin. Ein Aufschwung f\u00fcr ein Handwerk, dessen Technik in seinen Grundz\u00fcgen bereits vor 4500 Jahren auf einer Tontafel verewigt wurde \u2013 so alt ist das erste Seifenrezept der Sumerer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chris Koch ist Seifensiederin in der Seifenmanufaktur im Lagerhaus an der Lauter. Sie empf\u00e4ngt mich in ihrer holzget\u00e4felten Werkstatt, die Verkaufsraum und offene Produktionsst\u00e4tte in Einem ist. H\u00fcbsch verpackte Seifenst\u00fccke aller Formen und Farben stapeln sich auf kleinen Tischen, es duftet s\u00fc\u00dflich. Eine Besuchergruppe dr\u00e4ngelt sich um die Seifenstrangpresse, in der Mitte steht Chris Koch und erkl\u00e4rt das Kaltsiedeverfahren \u2013 das will ich verstehen, bevor ich meine eigene Seife herstelle.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15567\" aria-describedby=\"caption-attachment-15567\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15567 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/P1011338-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15567\" class=\"wp-caption-text\">Chris Koch stellt seit 25 Jahren leidenschaftlich Seife her. In die Seifenmanufaktur ist sie damals aber durch einen Zufall gekommen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie wird Seife hergestellt?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUm Seife herzustellen, braucht man erstmal Natronlauge und Fett\u201c, erkl\u00e4rt die Fachfrau. Kaltsiedeverfahren nennt sich diese Technik, die im Grunde genommen gar nicht kalt ist. Denn zun\u00e4chst werden Fette und \u00d6le (Kokosfett, Oliven\u00f6l, Kakaobutter) in gro\u00dfen Edelstahlt\u00f6pfen geschmolzen, anschlie\u00dfend wird Natronlauge erhitzt und unterger\u00fchrt. \u201eSobald die Lauge ins Fett kommt, darf ich nicht mehr aufh\u00f6ren zu r\u00fchren. Sonst wird\u2019s grie\u00dfig\u201c, erkl\u00e4rt Koch. Dieser Produktionsschritt findet nicht in der offenen Produktion im Lagerhaus, sondern in einer Seifensiederei in der N\u00e4he statt. Zu aufwendig, zu gesundheitssch\u00e4digend ist die Prozedur. \u201eAuf Mittelalterm\u00e4rkten mache ich das noch selbst, da siede ich den ganzen Tag und trage dabei Kost\u00fcm\u201c, sagt Chris Koch und lacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer halben Stunde des kr\u00e4ftigen R\u00fchrens beginnt die Verseifung, das ist die Veresterung der Fetts\u00e4ureschichten. Zun\u00e4chst wird die Masse breiig, dann sieht sie aus wie glatter Pudding. In Form gegossen ruht sie anschlie\u00dfend 24 Stunden (Restverseifung), bis die Seife zerkleinert und in Pellets-Form wieder ins Lagerhaus geschickt wird. Komplett fertig ist sie dann noch nicht. \u201eJetzt kommt erst die eigentliche Pflege dazu\u201c, erkl\u00e4rt die Seifenmacherin. Sie gibt wohlriechende \u00d6le und D\u00fcfte (zum Beispiel Avocado- und Mandel\u00f6le) hinzu und presst die Zutaten mitsamt den Seifen-Pellets durch die Seifenstrangpresse \u2013 nat\u00fcrlich in sch\u00f6ner Form (Herzchen, Viereck, Frucht, Quadrat). Fertig ist die Naturseife, die anschlie\u00dfend von Besuchern in kleine Seifenst\u00fccke geschnitten werden darf.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15566\" aria-describedby=\"caption-attachment-15566\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15566 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/P1011327-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15566\" class=\"wp-caption-text\">In Pellets-Form kommt die kleingeschnitten Seife wieder ins Lagerhaus. Dort wird sie gemeinsam mit \u00d6len und Naturfarben in die Seifenstrangpresse gegeben.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Glitzer-Seife selbst gemacht<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun darf ich selbst Seife produzieren, allerdings nicht mit Natronlauge und Fett mit Kaltsiedeverfahren, sondern mit Glycerin. Ein einfaches Verfahren zur Seifenherstellung, prima zu Hause nachahmbar, das im Lagerhaus vor allem bei Kindergeburtstagen und Jungesellinnen-Abschieden zum Einsatz kommt. Daf\u00fcr erhitze ich Glycerinplatten (gibt es in Bastell\u00e4den) auf 70 Grad, und bef\u00fclle kleine Eisw\u00fcrfelformen mit Mohn, \u00d6len, Blumenst\u00fcckchen, Glitzer und zerkleinerten Wachsmalstiften. Das fl\u00fcssig gewordene Glycerin gie\u00dfe ich in die Form, warte 45 Minuten und fertig sind die kleinen Seifenst\u00fcckchen. Der Kreativit\u00e4t sind hier nat\u00fcrlich keine Grenzen gesetzt. Chris Koch hat selbst schon Erdbeeren und blaue Sterne hergestellt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15568\" aria-describedby=\"caption-attachment-15568\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15568 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/P1011379-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15568\" class=\"wp-caption-text\">Die Seifenherstellung mit Glycerin l\u00e4sst sich auch einfach zu Hause nachmachen \u2013 der Kreativit\u00e4t sind dabei keine Grenzen gesetzt.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Kein Ausbildungsberuf<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Seifenherstellung mit Glycerin braucht es wahrlich keine Berufsausbildung, aber wie sieht es beim Kaltsiedeverfahren aus? \u201eDer Beruf des Seifensieders ist in Deutschland kein offizieller Ausbildungsberuf\u201c, erkl\u00e4rt Koch, \u201eda rutscht man so rein\u201c. Die Seifensiederin kam \u00fcber Freunde ihrer Tochter in die Seifenmanufaktur, eigentlich ist sie gelernte Industriekauffrau.\u00a0 \u201eAls ich das erste Mal auf dem Mittelaltermarkt Seife gesiedet habe, dachte ich noch ,never ever, das ist nicht meine Welt&#8216;, sp\u00e4ter habe ich dann aber die Liebe dazu entdeckt\u201c. Einen langweiligen Arbeitsalltag gibt es ebenfalls nicht, er liegt irgendwo zwischen Mittelalterm\u00e4rkten, Seifenherstellung und Kindergeburtstagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt nach der Schule steigen wohl die Wenigsten in den Beruf des Seifensieders ein, ein Ausflug in die Manufaktur lohnt sich aber in jedem Fall.\u00a0 So verlasse ich mit zwei T\u00fctchen meiner Glycerin Seife das Lagerhaus an der Lauter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15565\" aria-describedby=\"caption-attachment-15565\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15565 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/P1011387-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15565\" class=\"wp-caption-text\">Naturseifen in allen Farben und Formen, im Lagerhaus zum Verkauf angeboten.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/04\/11\/ein-tag-in-der-baeckerei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Auch in der B\u00e4ckerei W\u00f6rner haben wir schon einen Tag hinter die Kulissen geschaut und miterlebt, wie Brote, Brezeln und S\u00fc\u00dfgeb\u00e4ck eigentlich gebacken werden.\u00a0<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> <\/strong>Friederike Streib<span style=\"text-decoration: underline;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer das Abitur hat, muss einfach studieren? 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