{"id":15600,"date":"2019-06-05T10:40:12","date_gmt":"2019-06-05T08:40:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15600"},"modified":"2019-06-05T10:40:12","modified_gmt":"2019-06-05T08:40:12","slug":"im-landestheater-tuebingen-die-ehe-der-maria-braun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/06\/05\/im-landestheater-tuebingen-die-ehe-der-maria-braun\/","title":{"rendered":"Im Landestheater T\u00fcbingen: &quot;Die Ehe der Maria Braun&quot;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Im Landestheater T\u00fcbingen l\u00e4uft seit Februar \u201e<a href=\"https:\/\/www.landestheater-tuebingen.de\/spielplan\/die-ehe-der-maria-braun-5610\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Ehe der Maria Braun<\/a>\u201c, eine Inszenierung nach dem Film von Rainer Fassbinder (1978) unter der Regie von \u00a0Cristoph Roos<\/strong><strong>. Das fesselnde St\u00fcck stellt Liebe, Arbeitswelt und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit sowie die Emanzipation in<\/strong> <\/em><strong><em>den Jahren des Wirtschaftswunders dar. Ein sehenswertes Schauspiel das \u00a0nur noch bis Ende Juni zu sehen ist.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Worum es geht&#8230;<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maria und Hermann Braun heiraten 1943 w\u00e4hrend des Kriegs. Einen halben Tag und eine Nacht verbringt das Ehepaar zusammen, bevor Hermann wieder an die Front gehen muss. Nach dem Krieg ist Hermann verschwunden. Im festen Glauben daran, dass Herrmann wiederkommt, wartet Maria sehns\u00fcchtig auf seine R\u00fcckkehr. Aber eines Tages bringt ein Freund ihr die Nachricht von Herrmanns Tod. Maria f\u00e4ngt an, in einer Bar zu arbeiten und lernt, G\u00fcter auf dem Schwarzmarkt zu handeln. In der Bar findet Maria einen neuen Partner, den amerikanischen Soldaten Bill. Als pl\u00f6tzlich der totgeglaubte Hermann im Marias Wohnung auftaucht, erschreckt sie sich und schie\u00dft auf den geliebten Amerikaner. Vor Gericht nimmt Hermann die Schuld f\u00fcr die Ermordung auf sich und geht anstelle seiner Frau ins Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder wartet Maria auf ihren Mann. Dabei \u00fcbernimmt Maria die Funktion des Ehemanns; sie wird arbeiten, Karriere machen und ein Haus bauen. In einer von M\u00e4nnern dominierten Welt gelingt ihr ein schneller Aufstieg, bei dem sie sich als souver\u00e4ne Herrin ihres Lebens w\u00e4hnt \u2013 nicht wissend, dass\u00a0sie selbst zum Objekt eines Tauschhandels\u00a0wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15602\" aria-describedby=\"caption-attachment-15602\" style=\"width: 870px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15602 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"870\" height=\"470\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15602\" class=\"wp-caption-text\">Maria Braun (Lisan Lantin) und ihre Freundin Betti (Mattea Cavic). Mit einem Schild sucht Maria auf ihre verlorene Ehmann. FOTO: Tobias Metz\/LTT.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wo liegt die Wahrheit&#8230;<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer der ersten Szenen in der Bar redet Maria mit ihrer Freundin und sagt, dass Liebe Wahrheit sei. Ihre Freundin meint dagegen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eLiebe ist nicht Wahrheit, sondern ein Gef\u00fchl. Wahrheit ist, wenn man Hunger im Bauch hat.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Dialog beschreibt das, was das St\u00fcck repr\u00e4sentiert. In einer Gesellschaft, die sich schnell ver\u00e4ndert, ver\u00e4ndern sich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre Bedeutung. Individueller Wohlstand ist Wahrheit. Gef\u00fchle erk\u00e4lten sich. Und das Leben w\u00e4hrend des Wirtschaftswunders erscheint den Menschen als Prozess der Vereinsamung.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine instrumentalisierte Frau<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Verlauf der Inszenierung hat der Zuschauer die graduelle Verwandlung von einer naiven und tr\u00e4umerischen jungen Frau in eine erfolgreiche Gesch\u00e4ftsperson vor sich. Lisan Lantin spielt eine maschinenhaft-kalte, zynische und zweckm\u00e4\u00dfige Maria, die so geschickt, wie sie Gegenst\u00e4nde oder Kleider tauscht, auch in unterschiedliche Rollen schl\u00fcpfen kann. Schon am Anfang der Inszenierung wei\u00df sie, dass ihr verlorener Traum nicht mehr zu retten ist und versucht, Arbeitswelt und Emotionen zu trennen. Aber die Kontrolle dar\u00fcber hat sie verloren. Haupts\u00e4chlich gilt: vern\u00fcnftig bleiben und nach vorne gehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15603\" aria-describedby=\"caption-attachment-15603\" style=\"width: 870px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15603 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/5c5b001975255.jpg\" alt=\"\" width=\"870\" height=\"470\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15603\" class=\"wp-caption-text\">Maria trifft ihren zuk\u00fcnftigen Vorgesetzten und Geliebten Karl Oswald (Rolf Kindermann) im Zug. FOTO: Tobias Metz\/LTT.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachkriegszeit und Unabh\u00e4ngigkeit <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderes Thema des St\u00fccks ist die Eingliederung der Frauen in das \u00f6ffentliche Leben. Durch die Abwesenheit der M\u00e4nner fangen sie an, Berufe auszu\u00fcben und sich in der Gesellschaft zu etablieren. Die echte Emanzipation scheint noch entfernt zu sein, da viele der Frauen ihre Stelle aufgeben mussten, sobald der Ehmann wieder arbeiten konnte, wodurch die Frauen teilweise wieder aus der \u00d6ffentlichkeit verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Sinnbildliches Szenario <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die B\u00fchne selbst war ein Spektakel. Auf einer Leinwand l\u00e4uft\u00a0 ein Brautpaar den Mittelgang der T\u00fcbinger Stiftskirche entlang, tauscht K\u00fcsse und Z\u00e4rtlichkeiten aus. Dann pl\u00f6tzlich brechen die Bilder auf der Leinwand flimmernd ab, wir h\u00f6ren Fliegerl\u00e4rm, Tr\u00fcmmer liegen auf die B\u00fchne. Mit diesen Tr\u00fcmmern wird die ganze Zeit gespielt. Um das Chaos herum bauen, r\u00e4umen und stapeln die Protagonisten auf der Drehb\u00fchne gut choreografiert und mit flottem Tempo sch\u00f6ne Szenen. Die Geschichte wird knapp erz\u00e4hlt, die Szenen sind kurz und dynamisch. Am Ende des Schauspiels verwandeln sich die Tr\u00fcmmer in Hochh\u00e4usern. Deutschland entwickelt sich von einer Tr\u00fcmmerlandschaft zu einer modernen Metropole.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Nicht verpassen!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das LTT Schauspiel \u201eDie Ehe der Maria Braun\u201c ist eine interessante und aufregende Vorstellung, die sowohl zum Lachen als auch zum Reflektieren anregt. Um Marias Welt von Tr\u00fcmmern und zerbrochenen Gef\u00fchlen zu entdecken, gibt es noch zwei Termine: Freitag 07.06.2019 und Samstag 15.06.2019.<\/em><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span><\/strong> LTT Pressefotos.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Landestheater T\u00fcbingen l\u00e4uft seit Februar \u201eDie Ehe der Maria Braun\u201c, eine Inszenierung nach dem Film von Rainer Fassbinder (1978) unter der Regie von \u00a0Cristoph &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":371,"featured_media":15601,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[4935,11,513,34,2987,1927,427,40,18,43,19,145,20,21,22],"class_list":["post-15600","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","tag-die-ehe-der-maria-braun","tag-featured","tag-film","tag-kultur","tag-landestheater","tag-landestheater-tuebingen","tag-ltt","tag-schauspiel","tag-studierende","tag-theater","tag-tubingen","tag-uni","tag-uni-tuebingen","tag-universitaet","tag-universitaet-tuebingen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/371"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15600\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}