{"id":15617,"date":"2019-06-09T10:15:56","date_gmt":"2019-06-09T08:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15617"},"modified":"2019-06-09T10:15:56","modified_gmt":"2019-06-09T08:15:56","slug":"zwischen-weltall-und-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/06\/09\/zwischen-weltall-und-geschichte\/","title":{"rendered":"Zwischen Weltall und Geschichte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Fr\u00fcher hightech, heute ein Ort des Staunens: Die T\u00fcbinger Sternwarte. Wir haben dem markanten Geb\u00e4ude mit dem Kuppeldach einen Besuch abgestattet. Warum wir nur einen Bruchteil des Naturschauspiels am Sternenhimmel sehen k\u00f6nnen, was es mit einem Feuerball in der Neuen Aula auf sich hat und welcher Ber\u00fchmtheit die Sternwarte ihr Teleskop verdankt, erfahrt Ihr hier.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwochnachmittag, kurz nach halb drei. Mitten\u00a0 im <a href=\"https:\/\/www.ttr-gmbh.de\/ttr\/inhalt\/nav\/startseite.xml?ceid=125542&amp;page=home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Technologiepark T\u00fcbingen-Reutlingen<\/a> f\u00e4llt ein Geb\u00e4ude irgendwie aus der Norm. Keine hohe, mit dunklem Glas verkleidete Fassade, kein Flachdach und auch keine Start-Ups als Mieter. Wo die <a href=\"http:\/\/www.sternwarte-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sternwarte T\u00fcbingen<\/a> einst noch inmitten der Natur stand, ist sie heute umringt von modernen Technikbauten und wirkt mit ihrem historischen Kuppeldach etwas aus der Zeit gefallen. Denn wo heute an der Technologie von morgen gearbeitet wird, hat sich in der Sternwarte seit ihrer Erbauung 1956 nicht viel ge\u00e4ndert. Dennoch oder gerade deswegen ist sie auf jeden Fall einen Besuch wert.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Blick \u00fcber den Tellerrand <\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnser Teleskop hat eine besondere Geschichte\u201c, erkl\u00e4rt Wolfgang Wettlaufer, Diplom-Biologe und Pressereferent der <a href=\"http:\/\/www.sternwarte-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Astronomischen Vereinigung T\u00fcbingen e.V.<\/a> an diesem Nachmittag. \u201eGenau genommen handelt es sich um einen Refraktor von ZEISS JENA mit einem Objektivdurchmesser von 30cm im Hauptrohr und einer Brennweite von 5m, welches 1924 gebaut wurde. Das Interessante ist aber, dass das Teleskop bevor es zu uns nach T\u00fcbingen kam dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Bosch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nobelpreistr\u00e4ger Carl Bosch <\/a>geh\u00f6rte, der es auch 1923 bei ZEISS JENA bestellt hatte&#8220;. Seit seinem Umzug nach T\u00fcbingen erm\u00f6glicht das Teleskop den Besuchern der Sternf\u00fchrungen einen Blick \u00fcber den Tellerrand zu werfen und sich wie die Astronomen vor knapp hundert Jahren zu f\u00fchlen. Seit einiger Zeit besitzt die Sternwarte T\u00fcbingen aber auch ein kleines Sonnenteleskop, mit dessen Hilfe jeden Sonntag um 11 Uhr Sonnenf\u00fchrungen angeboten werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15618\" aria-describedby=\"caption-attachment-15618\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Refraktor-Ostlage.Nacht_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-15618\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Refraktor-Ostlage.Nacht_-1038x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15618\" class=\"wp-caption-text\">Historische Holzkuppel und Zeiss-Refraktor bei Nacht.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eWir haben zurzeit ein Sonnenflecken-Minimum\u201c, erkl\u00e4rt Wettlaufer im Bezug auf die F\u00fchrungen. \u201eMit etwas Gl\u00fcck kann man aber, bei klarem\u00a0 Himmel, trotzdem den einen oder anderen beobachten\u201c. Sonnenflecken k\u00f6nnen durch ein Sonnenteleskop oder mit einem normalen Teleskop durch die Zuhilfenahme einer Projektion des vergr\u00f6\u00dferten Sonnenbilds auf einem Schirm sichtbar gemacht werden. Der Grund: Es handelt sich dabei um dunkle Flecken auf der Sonne, die weniger Licht als der Rest der Sonnenoberfl\u00e4che abstrahlen und h\u00e4ufig die Gr\u00f6\u00dfe unserer Erde \u00fcbertrumpfen. \u201eDabei ist es aber elementar, dass niemand direkt in ein normales Teleskop schaut\u201c, so der Hobby-Astronom. \u201eDas Sonnenlicht wird n\u00e4mlich so stark geb\u00fcndelt, dass es ohne Probleme ein Blatt Papier in Brand setzten oder einen Menschen erblinden lassen k\u00f6nnte\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nNng0KrNUuI\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><span style=\"font-size: 10pt; color: #808080;\"><em>Aufnahmen eines Sonnenflecks im Vergleich zur Gr\u00f6\u00dfe der Erde. (Quelle: NASA, 05-11.06.2017)<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch bei den Sternenf\u00fchrungen gibt es viel zu lernen. So zum Beispiel auch die Tatsache, dass wir bei Weitem nicht alle Sterne am Himmel sehen, sondern haupts\u00e4chlich die blauen und roten Riesensterne mit blo\u00dfem Auge wahrnehmen k\u00f6nnen. Dieses Ph\u00e4nomen verdanken wir der Masse-Leuchtkraft-Beziehung, denn \u201eje mehr Masse ein Stern besitzt, desto gr\u00f6\u00dfer ist seine Leuchtkraft\u201c, erkl\u00e4rt Wettlaufer. Die Riesensterne sind also gro\u00df genug um eine Leuchtkraft zu entwickeln, die wir ohne Hilfsmittel wahrnehmen k\u00f6nnen. Die roten Zwergsterne, welche in der Anzahl am h\u00e4ufigsten vorkommen, sind hingegen zu lichtschwach.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine zweite Kopernikanische Wende<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Studierenden au\u00dferhalb der Astrophysik sollte die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kopernikanische_Wende\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kopernikanische Wende<\/a> ein Begriff sein. Schlie\u00dflich gelang es Nikolaus Kopernikus 1543\u00a0 das Geozentrische Weltbild, in dem die Sonne um die Erde kreist, zu widerlegen und stattdessen das Heliozentrische Weltbild, in dem die Erde um die Sonne kreist, zu etablieren. Allerdings dauerte es noch einige Zeit bevor sich seine Entdeckung durchsetzte, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kopernikanische_Wende#Katholischer_Widerstand,_franz%C3%B6sische_Aufkl%C3%A4rung_und_Absolutismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">was zu einem erheblichen Teil der Kirche geschuldet war<\/a>. Trotz alledem bezeichnet man die Verschiebung der Weltbilder bis heute als die Kopernikanische Wende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/edwin-hubble-und-die-expansion-des-universums\/821083\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ungef\u00e4hr den gleichen revolution\u00e4ren Einfluss hatte Edwin Hubble <\/a>als er feststellte, dass es sich bei einem Nebelfleck im Sternbild Andromeda in Wirklichkeit um eine weit entfernte Galaxie handelte. Er begann die Entfernungen einiger weiterer Galaxien abzuleiten und publizierte schlie\u00dflich 1929 seine Erkenntnisse, nach welchen sich unsere Milchstra\u00dfe nicht etwa in der Mitte des Universums befindet, sondern nur ein kleiner Teil des unendlichen Weltalls darstellt. \u201eIch bezeichne diesen Moment gerne als zweite Kopernikanische Wende\u201c, erl\u00e4utert Wettlaufer, \u201eschlie\u00dflich hatte die Entdeckung des Andromedanebels als eigenst\u00e4ndige <em>Welteninsel <\/em>in etwa den gleichen Effekt\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15620\" aria-describedby=\"caption-attachment-15620\" style=\"width: 1011px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/StwWolkmond-2014b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15620 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/StwWolkmond-2014b-1011x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1011\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15620\" class=\"wp-caption-text\">Die Sternwarte mit ge\u00f6ffneter Kuppel.<\/figcaption><\/figure>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sonne in der Neuen Aula<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.sternwarte-tuebingen.de\/vortrage-1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neben den wissenschaftlichen Vortr\u00e4gen<\/a> sowie den Stern- und Sonnenf\u00fchrungen f\u00fcr Erwachsene bietet die Sternwarte auch F\u00fchrungen f\u00fcr Kinder an, in denen alles etwas anschaulicher und einfacher erkl\u00e4rt wird. Doch auch f\u00fcr Studierende k\u00f6nnen die Vergleiche durchaus interessant werden: \u201eNehmen wir an unsere Erde hat einen Durchmesser von zw\u00f6lf Zentimetern\u201c, sagt Wettlaufer und h\u00e4lt dabei das passende Modell nach oben, \u201edann ist dieser kleine Tischtennisball unser Mond. Wie wir ja vorher bei Kopernikus gelernt haben, dreht sich die Erde um sich selbst und der Mond wiederum um die Erde. Wenn wir also unserem Ma\u00dfstab treu bleiben betr\u00e4gt der Abstand zwischen Mond und Erde vier Meter\u201c. Er deutet an das andere Ende des Raumes. \u201eUnd diese beiden drehen sich dann gemeinsam wiederum um die Sonne, welche wir bei diesem Ma\u00dfstab mit einem Durchmesser von 13 Metern ungef\u00e4hr mitten in der Neuen Aula finden w\u00fcrden\u201c.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommt vorbei!<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer nun Lust auf weitere anschauliche Vergleiche mit brennenden Feuerb\u00e4llen in der Neuen Aula bekommen hat oder einfach mal seine astronomische Seite ausleben m\u00f6chte, <a href=\"http:\/\/www.sternwarte-tuebingen.de\/vortrage-1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kann zu einem der bevorstehenden Wissenschaftsvortr\u00e4ge in die Sternwarte kommen.<\/a>\u00a0 Wem der Sinn eher nach einer F\u00fchrung steht ist im Sommer mit den <a href=\"http:\/\/www.sternwarte-tuebingen.de\/sternfuhrungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sonnenf\u00fchrungen<\/a> (Sonntag, 11 Uhr) bestens bedient. Die <a href=\"http:\/\/www.sternwarte-tuebingen.de\/sternfuhrungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sternf\u00fchrungen<\/a> finden aufgrund der sp\u00e4t einsetzenden Dunkelheit in der Sommerpause nicht statt, ab Mitte September finden sie aber wieder mittwochs und samstags jeweils um 20 Uhr statt. \u00a0Bei Fragen kann die Sternwarte auch jederzeit per E-Mail an <a href=\"mailto:info@sternwarte-tuebingen.de\">info@sternwarte-tuebingen.de<\/a> \u00a0oder Wolfangang Wettlaufer direkt\u00a0 an <a href=\"mailto:wolf.wet@web.de\">wolf.wet@web.de<\/a> kontaktiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Bilder:<\/strong><\/span> Wolfgang Wettlaufer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher hightech, heute ein Ort des Staunens: Die T\u00fcbinger Sternwarte. Wir haben dem markanten Geb\u00e4ude mit dem Kuppeldach einen Besuch abgestattet. Warum wir nur einen &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":359,"featured_media":15619,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,188],"tags":[639,4936,4937,11,440,2364,4938,645,4939,4940,458,18,19,4941,445,4942,4943],"class_list":["post-15617","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-wissenschaft","tag-astronomie","tag-astronomische-vereinigung-tuebingen-e-v","tag-carl-bosch","tag-featured","tag-forschung","tag-sonne","tag-sonnenfleck","tag-sterne","tag-sternenfuehrung","tag-sternwarte","tag-studenten","tag-studierende","tag-tubingen","tag-weltall","tag-wissenschaft","tag-wolfgang-wettlaufer","tag-zeiss-jena"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/359"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15617"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15617\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}