{"id":15671,"date":"2019-07-15T14:31:38","date_gmt":"2019-07-15T12:31:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15671"},"modified":"2019-07-15T14:31:38","modified_gmt":"2019-07-15T12:31:38","slug":"wer-war-eigentlichmaria-von-linden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/07\/15\/wer-war-eigentlichmaria-von-linden\/","title":{"rendered":"Wer war eigentlich\u2026Maria von Linden?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. Doch wer waren diese Menschen und was leisteten sie, dass Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze und Denkm\u00e4ler zu ihren Ehren erbaut wurden? Weiterhin, wie schafft man es eigentlich in T\u00fcbingen unter all den M\u00e4nnern auch eine Stra\u00dfe mit dazugeh\u00f6riger Bushaltestelle zu ergattern? Maria von Lindens Lebensgeschichte gibt Antwort darauf, auch wenn sich ihre Stra\u00dfe momentan noch im Bau befindet.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Keine Zeit f\u00fcr kluge Frauen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den ersten Blick wirkt das Leben der Gr\u00e4fin Maria von Linden-Aspermont zun\u00e4chst alles andere als benachteiligt. Am 18 Juli 1869 <a href=\"https:\/\/www.alleburgen.de\/bd.php?id=11360\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf Schloss Burgberg auf der Ostalb<\/a> geboren genoss sie, f\u00fcr eine Frau ihrer Zeit, eine \u00fcberdurchschnittlich <a href=\"https:\/\/ka.stadtwiki.net\/Victoria-Pensionat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hohe Schulbildung am Victoria-Pensionat <\/a>und entwickelte dort schon fr\u00fch eine Passion f\u00fcr die Naturwissenschaften. Allerdings f\u00fchrte diese private M\u00e4dchenschule nicht zum Abitur, sondern endete nur mit einem gehobenen Bildungsabschluss, welcher die Absolventinnen allerdings nicht zu einem Studium berechtigte. Ende des 19. Jahrhundert war in der akademischen Gesellschaft einfach kein Platz f\u00fcr kluge Frauen vorgesehen, weshalb ihnen sowohl im Gro\u00dfherzogtum Baden, als auch im K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg ein Studium nicht gestattet war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Maria von Linden lie\u00df sich so schnell nicht unterkriegen und bildete sich nach mehreren gescheiterten Versuchen, in einem Realgymnasium aufgenommen zu werden, einfach kontinuierlich selbst weiter. 1890 wurde ihr erster wissenschaftlicher Aufsatz \u201eDie Indusienkalke der H\u00fcrbe\u201c ver\u00f6ffentlicht und 1891 gelang es ihr schlie\u00dflich, mit der Hilfe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_von_Linden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ihres Onkels, dem ehemaligen w\u00fcrttembergischen Au\u00dfenminister<\/a>, die Zulassung zu einer externen Abiturpr\u00fcfung in Stuttgart zu erlangen, welche sie mit Bravour bestand.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15672\" aria-describedby=\"caption-attachment-15672\" style=\"width: 374px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Maria_von_Linden_in_1894.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15672 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Maria_von_Linden_in_1894.png\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"479\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15672\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Stich von 1895 nach einem Foto von Julius Wilhelm Hornung (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Gr\u00e4fin_Maria_von_Linden_nach_einer_Aufnahme_von_Hof-Photograph_Hornung_in_T\u00fcbingen.jpg\">Wikimedia Commons<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Pionierin des Frauenstudiums<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch damit gab sie sich noch lange nicht zufrieden und bekam, erneut mit der Unterst\u00fctzung ihres Onkels, schlie\u00dflich eine Sondergenehmigung des W\u00fcrttembergischen K\u00f6nigs, die es ihr erm\u00f6glichte ihr Studium zum Wintersemester 1892\/1893 aufzunehmen. Als erste Frau in der Geschichte der Eberhard Karls Universit\u00e4t trat Maria von Linden ihr Studium der Zoologie, Mineralogie, Mathematik und Physik an. Mit gerade einmal zehn zu acht Stimmen nahm der Universit\u00e4tssenat ihre Sondergenehmigung als Gasth\u00f6rerin an, verweigerte ihr aber nach wie vor eine Vollimmatrikulation, die ihre m\u00e4nnlichen Kommilitonen genossen. Dies erscheint <a href=\"https:\/\/www.mystipendium.de\/hochschulen\/uni-tuebingen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">heutzutage schier unvorstellbar, angesichts knapp 60 Prozent weiblicher Studierender in T\u00fcbingen<\/a>. Doch trotz ihrer Sonderstellung war ihr wissenschaftliches Talent unbestreitbar, weshalb von Linden auch 1895 als erste Frau Deutschlands durch den <a href=\"https:\/\/rds-tue.ibs-bw.de\/opac\/RDSIndex\/Search?lookfor=Die+Entwicklung+der+Skulptur+und+der+Zeichnung+der+Geh%C3%A4useschnecken+des+Meeres&amp;type=allfields\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abschluss ihrer Dissertation \u201eDie Entwicklung der Skulptur und der Zeichnung der Geh\u00e4useschnecken des Meeres\u201c<\/a> zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch selbst dort sollte ihre Revolution des Frauenstudiums nicht stoppen. Nach einem Wechsel zu Universit\u00e4t Bonn und einigen wissenschaftlichen Preisen wurde ihr 1910 schlie\u00dflich erneut als erste Frau Deutschlands der Titel \u201eProfessor\u201c vom preu\u00dfischen Kultusminister verliehen. Im Gegensatz zu ihren m\u00e4nnlichen Kollegen war mit ihrem Titel aber keine Lehrbefugnis oder gar die \u00dcbertragung eines Lehrstuhls verbunden. Auch ihr Verdienst lag weit unter dem ihrer Kollegen, weshalb es ihr 1920, nach einem erneuten Antrag auf eine Gehaltserh\u00f6hung, erstmals m\u00f6glich war sich finanziell komplett selbst zu versorgen, bevor 1928 ihr Gehalt wieder gek\u00fcrzt wurde. Mit dem Beginn des dritten Reiches verschlechterte sich die Situation der Pionierin erneut, da weibliche Professoren in dieser Welt erneut keinen Platz hatten. 1933 wurde sie schlie\u00dflich zwangspensioniert und wanderte daraufhin nach Lichtenstein aus, wo sie am 26 August 1936 an einer Lungenentz\u00fcndung starb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mvlstrasse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-15674\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mvlstrasse-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wir arbeiten daran<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn Maria von Lindens wissenschaftliche Leistungen in der akademischen Welt durchaus gesch\u00e4tzt wurden, sollte es ihr niemals gelingen eine gleichberechtigte Stellung zu erlangen. Denn im Endeffekt blieb sie zu ihren Lebzeiten stets eine kluge Frau, die ihrer Zeit voraus war. Auch wenn sie selbst nie in der Frauenrechtsbewegung aktiv war und Wissenschaft f\u00fcr sie stets die oberste Priorit\u00e4t darstellte, \u00a0revolutionierte sie die akademische Welt f\u00fcr viele folgende Generationen kluger Frauen und trug so auf mehreren Wegen\u00a0 ihren Teil zur Emanzipation bei. Selbst heute knapp 83 Jahre nach ihrem Tod herrscht immer noch keine vollkommene Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, was wiederum gut zu dem aktuellen Zustand ihrer T\u00fcbinger Stra\u00dfe passt. Wir arbeiten daran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quellen und Weitere Informationen: <\/em><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/www.200jahre.uni-bonn.de\/de\/geschichte\/maria-graefin-von-linden-aspermont-zoologin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t Bonn<\/a><\/em><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.rheinische-geschichte.lvr.de\/Persoenlichkeiten\/maria-von-linden\/DE-2086\/lido\/57c941968584e2.87691865\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Portal Rheinische Geschichte<\/a><\/em><\/li>\n<\/ul>\n<h2>In dieser Reihe bereits erschienen sind:<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/06\/24\/wer-war-eigentlich-ludwig-uhland\/\">Wer war eigentlich \u2026 Ludwig Uhland?<br \/>\n<\/a><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/07\/01\/wer-war-eigentlichgmelin\/\">Wer war eigentlich \u2026 Gmelin?<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/07\/08\/wer-war-eigentlich-niethammer\/\">Wer war eigentlich &#8230; Niethammer?<\/a><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Bilder<\/strong><\/span>: Eve Christ<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Portr\u00e4t<\/strong><\/span>: Wikimedia Commons<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. 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