{"id":15735,"date":"2019-07-08T14:30:02","date_gmt":"2019-07-08T12:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15735"},"modified":"2019-07-08T14:30:02","modified_gmt":"2019-07-08T12:30:02","slug":"wer-war-eigentlich-niethammer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/07\/08\/wer-war-eigentlich-niethammer\/","title":{"rendered":"Wer war eigentlich &#8230; Niethammer?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. Doch wer waren diese Menschen und was leisteten sie, dass Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze nach ihnen benannt und Denkm\u00e4ler zu ihren Ehren erbaut wurden? Heute begegnet ihr: Einem Juristen, nach dem eine sehr kurze Stra\u00dfe benannt wurde.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer den Bus Nummer vier Richtung WHO zum Ulmenweg nimmt, der f\u00e4hrt an ihr vorbei: an der Niethammerstra\u00dfe. Dort gibt es eine Bushaltestelle, sie liegt zwischen der Corrensstra\u00dfe und der Winkelwiese. Die Stra\u00dfe selbst ist ziemlich kurz, bietet aber etwas, was in T\u00fcbingen sonst rar ist: kostenlose Parkpl\u00e4tze. Wer dort aussteigt, gelangt zu Fu\u00df \u00fcber einige Treppenstufen nach oben zum Max-Planck-Institut. Die Niethammerstra\u00dfe ist au\u00dferdem eine Querstra\u00dfe zum Sch\u00f6nblick, von dem aus man tats\u00e4chlich einen sch\u00f6nen Ausblick \u00fcber die Stadt hat. Wer sich dort ein Haus leisten kann, hat es wohl \u201egeschafft\u201c, k\u00f6nnte man sagen.<\/p>\n\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Philipp, Julius oder Emil?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer war jetzt aber eigentlich dieser Herr Niethammer, nach dem die Stra\u00dfe und die Bushaltestelle benannt wurden? Es war weder ein gewisser Philosoph und evangelischer Theologe Friedrich Philipp Immanuel Niethammer, sp\u00e4ter Ritter von Niethammer (* 26. M\u00e4rz 1766 in Beilstein; \u2020 1. April 1848 in M\u00fcnchen), noch war es Julius Adolf Niethammer, ab 1876 Freiherr von Niethammer (* 21. August 1798 in Jena; \u2020 23. Juni 1882 in M\u00fcnchen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stra\u00dfe wurde nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emil_Niethammer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Emil Niethammer<\/a> benannt, der am 6. Mai 1869 in Stuttgart geboren wurde. Wem die Ehre zuteil wird, dass eine Stra\u00dfe nach ihm benannt wird, der muss wohl Gro\u00dfes geleistet haben. Meist geschieht diese Ehrung allerdings erst posthum \u2013 sodass man selbst nicht mehr viel davon hat. Nach dem Abitur an einem Stuttgarter Gymnasium studierte Niethammer an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen Jura. Damals noch im K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg trat er 1897 in den Justizdienst ein. Er wurde zuerst Amtsanwalt und Hilfsrichter. So weit, so gut. W\u00fcrde einem das schon eine eigene Stra\u00dfe einbringen, br\u00e4uchten wir deutlich mehr Stra\u00dfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15741\" aria-describedby=\"caption-attachment-15741\" style=\"width: 989px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15741 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF8261-989x672.jpg\" alt=\"\" width=\"989\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15741\" class=\"wp-caption-text\">Von der einen Seite komplett vergilbt, von der anderen br\u00e4uchte die Tafel mal wieder eine Reinigung. Wer sich f\u00fcr die Menschen hinter den Stra\u00dfennamen interessiert, findet Infos zu ihnen auf diesen kleinen Tafeln.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Die juristische Karriere<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im April 1914 wurde Niethammer in Stuttgart Landgerichtsrat. Von 1914 bis 1918 diente er im Ersten Weltkrieg, zuletzt im Range eines Majors. Er war bis 1937 Reichsgerichtsrat, trat aber nicht in die NSDAP ein. Gut f\u00fcr Niethammer, denn <a href=\"https:\/\/blog.adac\/wie-entstehen-strassennamen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wer zu sehr mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet hat, wird eher nicht als Namensgeber f\u00fcr eine Stra\u00dfe ausgew\u00e4hlt<\/a>. 1938 erhielt er von der Kieler \u201eSto\u00dftruppfakult\u00e4t\u201c die Ehrendoktorw\u00fcrde. 1935 bis 1938 war er Mitglied der amtlichen Kommissionen f\u00fcr die Erneuerung des Strafrechts im Sinne des Regimes (also war er wohl doch ein bisschen involviert). 1944 wurde er zum Honorarprofessor an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen ernannt, wo er Strafrecht und Strafverfahrensrecht lehrte. Wer sich das vergilbte Schild an der Bushaltestelle Niethammerstra\u00dfe genauer ansieht, der erkennt, dass die Stelle als Professor f\u00fcr Strafrecht die ausgew\u00e4hlte Qualifikation darstellt, weshalb die Stra\u00dfe nach ihm benannt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niethammer 1946 Alterspr\u00e4sident der Beratenden Landesversammlung des Landes W\u00fcrttemberg-Hohenzollern. In diesem Jahr wurde er au\u00dferdem Mitglied der CDU. Niethammer geh\u00f6rte als Abgeordneter der CDU dem Landtag f\u00fcr W\u00fcrttemberg-Hohenzollern an. Doch 1947 wurde Emil Niethammer zum Pr\u00e4sidenten des Oberlandesgerichts T\u00fcbingen ernannt und legte gem\u00e4\u00df der Verfassung des Landes am 31. Oktober 1947 sein Mandat nieder. Am 1. Juni 1950 ging er in den Ruhestand. Vier Jahre sp\u00e4ter wurde er mit dem Gro\u00dfen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Niethammer starb am 19. Februar 1956 in T\u00fcbingen. Sein Grab ist noch auf dem T\u00fcbinger Stadtfriedhof zu finden.<\/p>\n<figure style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a title=\"Goesseln [CC BY-SA 4.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Emil_Niethammer_Stadtfriedhof_T%C3%BCbingen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/d\/da\/Emil_Niethammer_Stadtfriedhof_T%C3%BCbingen.jpg\/256px-Emil_Niethammer_Stadtfriedhof_T%C3%BCbingen.jpg\" alt=\"Emil Niethammer Stadtfriedhof T\u00fcbingen\" width=\"256\" height=\"341\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Der Grabstein von Emil Niethammer auf dem T\u00fcbinger Stadtfriedhof. Bildquelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/User:Goesseln\">Goesseln<\/a> via <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\">Wikimedia Commons<\/a> [<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\">CC BY-SA 4.0<\/a>]<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Besuch der Niethammerstra\u00dfe lohnt sich vielleicht nicht f\u00fcr Durchreisende \u2013 au\u00dfer kostenlosen Parkpl\u00e4tzen gibt es dort nicht zu viel zu entdecken. Eine Parkbank neben einem kleinen Brunnen und ein Haushalt, der Honig aus eigener Imkerei verkauft, laden noch nicht zum l\u00e4ngeren Verweilen ein. Aber f\u00fcr die Anwohner stellt sie mit ihrer eigenen Bushaltestelle und der Anbindung an das Max-Planck-Institut einen wichtigen Knotenpunkt dar.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">In dieser Reihe bereits erschienen sind:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/06\/24\/wer-war-eigentlich-ludwig-uhland\/\">Wer war eigentlich &#8230; Ludwig Uhland?<br \/>\n<\/a><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/07\/01\/wer-war-eigentlichgmelin\/\">Wer war eigentlich &#8230; Gmelin?<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Fotos:<\/strong><\/span> Lisamarie Haas, Wikimedia Commons<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Karte:<\/strong><\/span> Open Street Map<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. 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